Franklin Roosevelt und die Juden

Michael Curtis, The American Thinker, 9. Mai 2018

Von Zeit zu Zeit treten Retter des jüdischen Volks auf. Purim ist ein Feiertag, der die Rettung der Juden vor der Auslöschung im Perserreich feiert. Der Schurke Haman, königlicher Wesir, wollte alle Juden im Reich vernichten, was aber Königin Esther mit Hilfe ihres Cousins Mordechai verhinderte, der sich weigerte wich Hamas Verehrung zu zeigen. Die beiden überzeugten König Ahasveros ihr jüdisches Volk vor Völkermord zu retten. Der König war ein Retter: Er gewährte Esther ihre Bitte, die Juden wurden gerettet und der boshafte Haman wurde gehenkt.

Rund 2.500 Jahre später war ein weiterer mächtiger Führer einer großen Nation unwillig demselben Volk hu hlfen, obwohl der von seiner Frau Eleanor dazu gedrängt wurde. In Jerusalem ehrt die Gedenkstätte Yad Vaschem Einzelpersonen, die Gerechten unter den Völkern. Bisher gehören dazu mehr als 26.000 Menschen die ihr Leben riskierten um Juden vor dem Holocaust zu retten und als Retter betrachtet werden können. Bedauerlicherweise gehört US-Präsident F. D. Roosevelt, trotz seiner bemerkenswerten Beiträge zum amerikanischen Leben und öffentlichen Angelegenheiten, nicht dazu.

Seit dem Erscheinen von David Wymans Buch The Abandonment oft the Jews: Americans and the Holocaust, 1941-4[1] im Jahr 1984 mit seinem Argument, das US-Außenministerium und das britische Foreign Office hätten keinerlei Absichten gehabt eine große Zahl an Juden zu retten, gibt es eine tobende Kontroverse über das alles andere als schmeichelhafte Porträt Roosevelts als jemand, der vierzehn Monate lang, nachdem er von der Ermordung der europäischen Juden erfuhr, wenig bis nichts getan hat, um Juden zu retten.

Der Freigabe weiterer Dokumente zum Schicksal der Juden während des Zweiten Weltkriegs und die Ausstellung zum Thema im US-Holocaustmuseum in Washington wirft mehr Licht auf die Ansichten und Taten Roosevelts. Am meisten überrascht, dass er weniger mit direktem Handeln zum Erhalt des Lebens von Juden beschäftigt war als mit der Zukunft. Er beschäftigte sich mit der Frage, wo Heimatlose, einschließlich Juden, nach dem Krieg angesiedelt werden sollten. 1943 schrieb er an Winston Churchill, dass der beste Weg die Judenfrage zu lösen, der sei die Juden überall in die Welt zu verstreuen, statt sie alle an einem Ort zu halten.

Mit dieser Zielrichtung setzte Roosevelt am 30. Juli 1942 ein Geheimprojekt in Gang, das Projekt M (Migration), das seine Optionen für die Nachkriegsmigration heimatloser Europäer umriss. Sein Partner dabei war Henry Field, ein Anthropologe.

Das Projekt sollte die zu erwartenden ethnologischen Probleme wegen Rassenmischung im Nachkriegseuropa studieren. FDRs Personalwahl hierzu war fragwürdig. Seine erste Wahl für die Leitung des Projekts war Ales Hrdlicka, ein Anthropologe am Smithsonian Museum of Natual History, der an die Überlegenheit der weißen Rasse und Verfechte der Ansicht war, dass Japaner weniger entwickelte Schädel hatten und von Natur aus kriegerisch waren. Hrdlicka lehnte den Posten ab, weil ihm nicht die volle Kontrolle über das Projekt gegeben wurde.

Roosevelt ernannte dann Isaiah Bowman, 1935 bis 1948 den Präsidenten der Johns Hopkins University, von Beruf Geograf, der half die American Geographical Society zu gründen und als Berater sowohl für Woodrow Wilson als auch FDR fungierte. Allerdings war Bowman auch ein offenkundiger Antisemit, der erklärte, es gäbe zu viele Juden an der Hopkins; er schränkte die Zahl der jüdischen Studenten an der Universität ein und verhängte eine Quote für sie; und er feuerte den jungen Juden Eric Goldman aus dem Lehrkörper, der später in Princeton Professor wurde und Rendezvous with Destiny schrieb. Goldman schrieb von FDR als „rastlos und launenhaft in seinem Denken … er vertraute keinem System außer dem System der endlosen Experimentierei“.

Wie befinden uns in einer Zeit, in der die Ehrung von Personen aus der Vergangenheit neu bewertet wird. Heute sind Robert E. Lee, John Calhoun, Woodrow Wilson, Roger B. Taney, Cecil Rhodes und andere vom Thron gestoßen worden, physisch und buchstäblich; wird FDR dasselbe Schicksal erleiden? Natürlich wird sein Ruf durch die neuen Dokumente nicht verbessert. Über dieses Handeln und Nichthandeln tobt seit einiger Zeit ein Streit. Wann wusste FDR erstmals vom Holocaust? Warum befahl er kein konkretes Handeln um Juden zu retten?

Die neu aufgedeckten Dokumente zeigen, dass FDR mehr als zwei Jahre vor dem gewöhnlich angenommenen Datum von den Nazi-Gräueln wusste. Verschiedene Hinweise liegen vor. Der CBS-Journalist Edwad R. Murrow sendete am 13. Dezember 1942, dass man nicht länger einfach von Konzentrationslagern reden könne; man kann nur von Vernichtungslagern reden. Zeugenaussagen von Lagerhäftlingen zu den Schecken wurden an die Kriegsalliierten geschmuggelt. Der britische Außenminister Anthony Eden sagte am 17. Dezember 1942 dem Unterhaus, dass polnischen Behörden die Massenhinrichtungen an Juden bekannt waren und dass diese in der Presse weithin berichtet worden war. Eden merkte an, dass die deutsche Obrigkeit Hitlers oft wiederholte Absicht verwirklichten das jüdische Volk auszulöschen.

FDR selbst sagte in einer Äußerung vom 7. Oktober 1942, die Regierung erhalte Informationen zu den barbarischen Verbrechen an Zivilbevölkerungen in den besetzten Ländern, besonders auf dem europäischen Kontinent. FDRs Haupttenor war „den Krieg zu gewinnen“. Das, meinte er, war die beste Möglichkeit das Töten zu beenden. Die Täter dieser Verbrechen sollten nach dem Krieg vor Gerichten Rede und Antwort stehen. Was fehlt ist jegliche Erwähnung oder besondere Hinweis au Juden oder an bestimmtes Handeln um das Morden zu stoppen.

Verständlicherweise hatte FDR andere Prioritäten und wurde von verschiedenen Faktoren geplagt und behindert – zum Beispiel ressortübergreifenden Kämpfen innerhalb der Administration und dem feindseligen Sumpf des Außenministeriums, in dem Breckinridge Long, ehemaliger Botschafter und stellvertretender Außenminister, eine wichtige Rolle beim Abblocken von Visa für deutsche jüdische Flüchtlinge spielte und gezielt verhinderte, dass Informationen zum Massenmord an Juden im Kongress und den Medien bekannt wurden.

FDR handelte in einer Atmosphäre erheblichen Isolationismus, veranschaulicht durch mächtige Gestalten wie Charles Lindbergh, Henry Ford, Charles Coughlin und dem America First Committee. Meinungsumfragen des American Institute of Public  Opinion im November 1938 hielt fest, dass 71% zustimmten, dass die USA nicht erlauben sollten, dass eine große Zahl jüdischer Exilanten aus Deutschland in die USA kommen und dort leben. Im Nachhinein betrachtet ist offenkundig, dass die US-Medien und Hollywood, wenn sie das Verhalten der Nazis erwähnten, das nicht Juden als Hauptopfer der Verfolgung beinhaltete.

Umfragen zeigten ebenfalls, dass rund 90% der USA im Mai 1940 gegen ein US-Eingreifen in den Zweiten Weltkrieg waren.

Einige Einzelpersonen waren sich des fehlenden Handelns seitens FDR bewusst. Im Licht der Politik von heute gehörte Thomas D’Alesandro dazu, katholischer Sohn italienischer Einwanderer, Bürgermeister von Baltimore und Mitglied des Kongresses vom Januar 1939 bis Mai 1947 – und Vater von Nancy Pelosi. Er stimmte zwar in dem meisten Themen mit FDR überein, aber er war gegen dessen Beschränkung jüdischer Flüchtlinge und unterstützte die von Hillel Kook (alias Peter Bergson) geführten Bergson Group, die FDR in der Flüchtlingsfrage in Frage stellte und Lobbyarbeit für Handeln betrieb. Durch seine Aktivitäten und das Drängen Henry Morgenthaus, Finanzminister und der einzige Jude im Kabinett, gab FDR am 22. Januar 1944 eine Präsidentenanweisung zur Gründung des War Refugee Board aus, um diejenigen zu retten, die gerettet werden konnten – vielleicht 200.000.

Eine verbleibende Kontroverse dreht sich darum, weshalb FDR, als er vom laufenden Holocaust wusste, nicht die Bombardierung von Auschwitz befahl. Es wird offengelegt, dass US-Flugzeuge den nahe gelegenen Komplex der IG Farben in Monowitz bombardierte und dass von Juli bis November 1944 2.800 Flugzeuge Öl-Fabrikanlagen bombardierten, wobei sie manchmal Birkenau überflogen. Zweimal warfen Bomber weniger als 8km von den Gaskammern ihre Last ab. George McGovern, ein junger Bomberpilot bei einigen der Angriffe, sagte, das FDR, sein politischer Held, zwei große Fehler gemacht habe: die japanischen Amerikaner zu internieren und Auschwitz nicht zu bombardieren. Die Bombardierung hätte Juden gerettet und das Vorgehen wäre symbolisch wichtig gewesen.

Das Urteil zu FDR ist noch offen. Heute, wo der Öffentlichkeit alle Belege vorliegen, können wir vielleicht eine leidenschaftliche Debatte darüber erwarten, ob der FDR Drive in New York City umbenannt werden sollte.

[1] Die Preisgabe der Juden: Amerikaner und der Holocaust 1941-1944

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