Wie Englands königliche „Siedler“ Jerusalem verstehen

Stephen M. Flatow, JNS.org, 21. Juni 2018

Die Bediensteten des britischen Prinzen William haben eine Kontroverse ausgelöst, indem sie Jerusalem auf seinem Reiseplan beim anstehenden Besuch in der Region unter „Besetzte Palästinensische Gebiete“ einordneten. Die Ironie besteht darin, dass zwei der Verwandten des Prinzen beschlossen in genau diesem Gebiet beerdigt zu werden – und mit Sicherheit die Idee verspotten würden, dass „Palästinenser“ die rechtmäßigen Eigentümer des Territoriums seien.

Williams Urgroßmutter, Prinzessin Alice von Battenberg und ihre Tante, Großherzogin Elisabeth, sind beide auf einem kleinen christlichen Friedhof auf dem Ölberg, nahe des größten jüdischen Friedhofs der Welt beerdigt. Der Ölberg ist ein Teil der Stadt, den die palästinensische Autonomie „arabisches Ostjerusalem“ nennt.

Die PA sagt, der Bereich sollte die „Hauptstadt Palästinas“ sein. Als solche haben, nach Angaben der PA, Zionisten – ob nun Juden oder Christen – kein Recht dort zu sein. Sie sind „illegale Siedler“.

Hier sind ein paar Fakten. Der Friedhof, auf dem die beiden Royals beerdigt sind, gehört zur Kirche Maria Magdalena, einem russischen Konvent, der 1886 von Zar Alexander II. am Fuß des Ölbergs gebaut wurde. Er befindet sich auf der dem Tempelberg, der heiligsten Stätte des Judentums, gegenüber liegenden Seite des Kidron-Tals.


Prinz William und Kate Middleton 2011. William soll im Juni Israel besuchen.
(Foto: Tsaiproject via Flickr)

Prinzessin Alice, die während des Zweiten Weltkriegs in Griechenland lebte, versteckte eine jüdische Familie vor den Nazis und wurde posthum von Yad Vaschem als eine der Gerechten unter den Völkern geehrt. Alice starb 1969 und hinterließ Anweisung auf dem Friedhof an der Maria Magdalena beerdigt zu werden. Ihre Gebeine wurden 1988 dorthin überführt.

Prinz Charles, ihr Enkel (und Thronerbe Englands) besuchte die Gräber seiner Großmutter und ihrer Tante, als er 2016 zur Beerdigung von Shimon Peres kam. Aber sein Besuch am Ölberg fand heimlich statt, ohne das Wissen der Öffentlichkeit oder der Nachrichtenmedien, offenbar aus Angst die PA vor den Kopf zu stoßen.

Man kann leicht sehen, warum die PA von Prince Charles‘ Besuch an den Gräbern seiner Verwandten vor den Kopf gestoßen gewesen wäre – und warum sie nicht glücklich sein wird, wenn Prinz William das ebenso macht.

Jeder Fokus auf den Ölberg ist für die Palästinenser ein PR-Desaster. Er erinnert die Welt ldaran, dass eine der weltweit wichtigsten heiligen Stätten der jüdischen Religion im „östlichlen Jerusalem“ liegt – was den Mythos zerschlägt, dass diese ein komplett arabisches Gebiet ist, das den Palästinensern gehört. Die PA und ihre Verbündeten in den Medien bezeichnen es gewohnheitsmäßig als „arabisches Ostjerusalem“, doch das ist eine Lüge. Die Wurzeln des jüdischen Volks im östlichen Jerusalem gehen tausende Jahre zurück, lange vor jegliche arabische Ansprüche.

Vom Ölberg zu reden ist auch aus einem anderen Grund für arabische Propagandisten ein PR-Problem, das Kopfschmerzen bereitet. Jeder, der auch nur den kürzesten Blick auf die jüngste Geschichte des Berges wirft, entdeckt, dass die „moderaten“ Jordanier, als sie ihn von 1949 bis 1967 besetzten, tausende jüdischer Grabsteine zerstörten, die sie dann zum Pflastern von Straßen und zum Bau von Latrinen für ihre Kasernen benutzten.

Diese Erfahrung erinnert jeden daran, dass arabische Regime jüdische heilige Stätten durch die Jahrhunderte hindurch misshandelt haben – ein Vermächtnis, das die PA selbst bis heute fortsetzt, wie die wiederholten Schändungen des Josefgrabs in Nablus (dem biblischen Schechem) zeigen. Angriffe auf das Rahelgrab in Bethlehem zwangen Israel es vom Rest der Stadt mit dem Bau einer Sicherheitsmauer abzutrennen. Wann werden die Jordanier und die PA für all den von ihnen jüdischen religiösen Stätten zugefügten Schaden Entschädigungen zahlen?

Die Existenz der Kirche Maria Magdalena ist für die Palästinenser ein weiteres Kopfschmerzen bereitendes PR-Problem. Sie wurde 1886 gebaut – zu einer Zeit, als kein Araber die Gegend „Palästina“ oder sich selbst „Palästinenser“ nannte. Das ist eine weitere Erinnerung, dass palästinensische nationale Identität eine sehr junge und oberflächliche Erfindung ist, nicht geschaffen, weil Palästinenser sich irgendwie von Jordaniern oder Syrern unterscheiden, sondern einfach nur, um sie als Waffe gegen die Juden zu verwenden.

Die Gründer der Kirche Maria Magdalena wären bei dem Gedanken in Lachen ausgebrochen, dass das Land, auf dem ihre Kirche bebaut wurde – und wo die Gebeine von Alice und Elisabeth „siedeln“ – „besetztes Palästinensergebiet“ ist. Sie wissen, dass die Bibel wiederholt auf Jerusalem als der Hauptstadt der Juden verweist und dass Jerusalem im Koran nicht ein einziges Mal erwähnt wird.

Die Tatsache, dass Prinz Williams Stab Jerusalem als „besetztes Palästinensergebiet“ bezeichnet, ist nicht nur eine traurige Kapitulation vor arabischen Propagandaforderungen, sondern auch eine Demonstration ihrer Ignoranz der Geschichte der Stadt, in der zwei der englischen Royals begraben sind.