Eine Interessante und fehlleitende Studie zu deutschem Antisemitismus

Jede realistische Studie zu Antisemitismus in Deutschland sollte zu dem Schluss kommen, dass Migranten aus muslimischen Ländern mehr antisemitische Einstellungen haben und im Verhältnis zu ihrem Anteil an der Bevölkerung unverhältnismäßig mehr extrem antisemitische Taten als einheimische Deutsche begehen. Das entspricht der Situation in der Welt, wo die bei weitem extremste antisemitische Hetze – einiges davon völkermörderisch – aus Teilen der muslimischen Welt stammt.[1]

Das angesehene Allensbach-Institut hat eine Studie veröffentlicht, deren Ergebnisse nur hinter der Paywall der wichtigen Tageszeitung Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) zu lesen sind. Sie beinhaltet interessante Daten, spricht aber nicht das erwähnte Schlüsselthema an und führt daher in die Irre.

Eine der Grafiken der Studie zeigt, dass unter den Anhängern der rechtsextremen Partei AfD 55% der Meinung sind, dass Juden „zu viel Einfluss in der Welt haben“. Bei den anderen fünf im Bundestag vertretenen Parteien variiert diese Zahl zwischen 16% und 20%.[2]

Rechtsgerichtete antisemitische Vorurteile erklären jedoch nicht die Tatsache, dass einige jüdische Schulkinder von muslimischen Kindern stark schikaniert werden. Die Drohungen eines muslimischen Klassenkameraden gegen ein jüdisches Mädchen in der zweiten Klasse einer Berliner Grundschule ist ein typisches Beispiel. Er sagte, er sollte sie töten, weil sie nicht an Allah glaubt.[3] [4]

Der Brandanschlag auf eine Synagoge in Wuppertal im Jahr 2014 wurde von drei Palästinensern verübt. Das Gericht sagte, es handele sich dabei nicht um Antisemitismus, sondern um Protest gegen Israel. Es verurteilte die Brandstifter zu einer Geldstrafe und Bewährungsstrafen.[5]

Es gibt unter einheimischen Deutschen weit verbreitete Stereotype sowohl zu Muslimen als auch zu Juden. Juden werden von 66% der Befragten als „erfolgreich“ gesehen, von 22% als „scharf auf Geld“, von 20% als „politisch radikal“ und von 14% „als machthungrig“. Für Muslime lauten die Zahlen 18% für „erfolgreich in Geschäften“, 12% für „scharf auf Geld“, 46% für „politisch radikal“ und 25% für „machthungrig“. Wichtiger als Stereotype sind kriminelle Äußerungen und Gewalttaten. Wenn alle jüdischen Institutionen bewaffnete Wachen benötigen, ist das hauptsächlich die Folge von Drohungen, die aus Teilen der muslimischen Immigrantengemeinschaft kommen.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, rät Juden in großen Städten in der Öffentlichkeit keine Kippot mehr zu tragen. Der Hauptgrund für diesen Rat besteht darin, dass Hass von Muslimen manchmal in Gewalt umschlägt. Ein aktueller Fall ist der des israelischen Arabers Adam Armusch, der das nicht glaubte und absichtlich im Berliner Viertel Prenzlauer Berg eine Kippa trug. Er und sein Begleiter wurden von drei Jugendlichen angegriffen, von denen mindestens einer Arabisch sprach. Armusch filmte den Angriff für die Polizei und die Deutschen und sogar die Welt, „um zu sehen, wie furchtbar es heutzutage ist als Juden durch die Straßen Berlins zu gehen“.[6]

Der Anteil der Deutschen, die einen Schlussstrich unter die wichtige Rolle der Nazizeit im öffentlichen Diskurs ziehen wollen, ist von 66% im Jahr 1986 auf 45% 2018 zurückgegangen. Der Anteil derer, die glauben, dies solle nicht der Fall sein, nahm in diesem Zeitraum von 24% auf 32% zu.

Die FAZ schrieb, dass der Antisemitismus in Deutschland zurückgegangen sei. Das mag der Fall sein, soweit es die Einstellungen und Stereotype betrifft. Weit wichtiger ist die Zahl der antisemitischen Taten, von denen es letztes Jahr im Schnitt vier Stück am Tag gab.[7] Die Regierung ernannte ihren Antisemitismus-Beauftragten nicht wegen der Einstellungen der deutschen Bevölkerung, sondern wegen der großen Zahl antisemitischer Taten.

Die Studie fragte auch: „Sind Antisemitismus und Judenfeindlichkeit heute in großes Problem? Oder haben wir es Ihrer Ansicht nach mit Einzelfällen zu tun?“ Der Fokus dieser Frage ist radikal falsch. Diese Frage sollte sich an die jüdische Bevölkerung richten, nicht deutschen Nichtjuden gestellt werden, die ihre Informationen aus den Medien erhalten. 23 Prozent der Befragten antworteten, dass Antisemitismus ein großes Problem ist. 58 Prozent dachten, dass Antisemitismus eine Sache von Einzelfällen ist. Wenn dieselbe Frage zu dem Angriff auf Armusch und seinen Begleiter gestellt wurde, änderten sich die Zahlen stark. Nur 27% der Befragten sagten, dass es ein Einzelfall war und 44% sagten, der Angriff sei ein Zeichen des weit verbreiteten Antisemitismus bei Arabern in Deutschland.

Was die Einstellung gegenüber den im Holocaust ermordeten Juden angeht: 54 Prozent der Befragten betrachteten die sogenannten „Stolpersteine“ als angemessene Art der jüdischen Opfer der Nazi-Ära zu gedenken, während 15% dagegen waren.

Eine weitere Frage lautete, ob Deutschland eine besondere Verantwortung gegenüber Israel habe. 31 Prozent stimmten zu, während 41% das bestritten. Je jünger die Befragten, desto weniger Unterstützung gab es für Verantwortung gegenüber Israel. In der Altersgruppe von 16 bis 29 Jahren betrug sie nur 22%.

Bei der Betrachtung des Ganzen könnte man erwähnen, dass die Dämonisierung von Juden in Deutschland unter dem Nazi-Regime heutzutage zum Teil durch die Dämonisierung Israels ersetzt worden ist. Eine Studie der Universität Bielefeld aus dem Jahr 2014 stellte fest, dass 40% der Deutschen glauben Israel führe einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser.[8] Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2015 stellte fest, dass 41% glauben „Israel handelt gegenüber den Palästinensern so wie die Nazis mit den Juden umgingen“.[9]

Der teilweise falsche Fokus der Allensbach-Umfrage hilft denen, die behaupten in Deutschland sei Islamophobie ein größeres Problem als der Antisemitismus. Die Art, wie die Studie strukturiert ist, verschleiert ein grundlegendes Thema: Die Deutschen der Generation unserer Großväter ermordeten 6 Millionen Juden. Es gibt viele Reste der Vorurteile dieser Zeit, die weitgehend in dämonischen Antiisraelismus mutiert sind. Deutschland ist das letzte Land, das massive Zahlen an Immigranten ins Land lassen sollte, ohne diejenigen auszuschließen, die antisemitisch sind.

 

(Lesetipp zur Studie: https://philosophia-perennis.com/2018/06/26/juden-in-deutschland-geht-es-immer-besser-sie-wissen-es-bloss-nicht/)

[1] http://www.jpost.com/Opinion/The-worlds-mega-antisemites-560591; https://heplev.wordpress.com/2018/06/25/die-mega-antisemiten-der-welt/

[2] http://www.faz.net/social-media/instagram/exklusive-allensbach-umfrage-antisemitismus-in-deutschland-15648477.html?premium

[3] http://www.dw.com/en/anti-semitic-bullying-of-jewish-schoolgirl-causes-outrage-in-germany/a-43171701

[4] http://www.thelocal.de/20180327/berlin-elementary-student-receive-threats-for-being-jewish

[5] www.tagesspiegel.de/politik/antisemitismus-in-deutschland-wie-kann-ein-anschlag-auf-eine-synagoge-nicht-judenfeindlich-sein/19572812.html; http://www.jpost.com/Diaspora/German-court-calls-synagogue-torching-an-act-to-criticize-Israel-478330

[6] http://www.timesofisrael.com/man-attacked-in-berlin-for-wearing-kippa-is-israeli-arab/

[7] http://www.dw.com/en/germany-averaged-four-anti-semitic-crimes-per-day-in-2017-report-says/a-42538545

[8] https://ekvv.uni-bielefeld.de/blog/pressemitteilungen/entry/antisemitismus_bedroht_j%C3%BCdisches_leben_und

[9] http://www.bertelsmann-stiftung.de/en/topics/aktuelle-meldungen/2015/januar/germans-take-skeptical-view-of-israel/