Die Reaktion auf die Brandstiftungen ist ein moralischer Fehlschlag

Uri Heitner, Israel HaYom, 3. Juli 2018

Unsere Ernten und Felder brennen jetzt seit drei Monaten. Der westliche Negev steht in Brand. Seit langen Wochen sind die dort lebenden Menschen von Rauch eingedeckt, atmen ihn ein. Und die israelische Regierung findet sich mit der Situation ab, schluckt die abscheuliche Terrorkampagne.

Die Regierung hat die neue Gleichung an der Grenze zum Gazastreifen akzeptiert. Es ist in Ordnung unsere Felder abzubrennen und wenn die IDF mit Warnschüssen in die Nähe der Terroristen „antwortet“ – Gott bewahre, nicht auf die Terroristen selbst – dann schießen sie nachts Raketen auf unsere Gemeinden.

Um das ganze Ausmaß des Versagens zu begreifen, müssen wir zur letzten „Runde“ der Kämpfe an der Grenze zum Gazastreifen zurückgehen, dem 29. Mai. Dutzende Raketen und Mörser wurden auf unsere Gemeinden geschossen und die IDF konterte mit Luftangriffe und Artilleriebeschuss. Die „Runde“ endete mit einer beschämenden israelischen Niederlage.

Ich bin keiner dieser übereifrigen Typen, die dazu aufrufen „die Hamas zu stürzen“, „den Gazastreifen zu erobern“ und „den Terror ein für allemal zu beseitigen“. Das sind populistische Sprüche. Ich glaube nicht an einen „K.O.-Schlag“, sondern an langfristige Abschreckung. Ein Krieg niedriger Intensität bietet keinen klares, unzweideutiges „Siegerbild“. Sie wird im Verlauf der Zeit gemessen. In diesem Fall war das Ergebnis sofort offensichtlich – und fatal.

Die Runde endete mit einem Waffenstillstand. Im Prinzip ist ein Waffenstillstand ein positives Ergebnis, weil er bedeutet, dass Menschen aufhören aufeinander zu schießen. Ein Waffenstillstand ist aber vorgetäuscht, wenn Dutzende Felder und Wäldchen tagtäglich entlang der Gaza-Grenze niedergebrannt werden.

Die Runde endete mit einem Waffenstillstand, der nur das Raketenfeuer thematisiert, nicht die Branddrachen. Das bedeutet, dass Israel diese terroristische Brandstiftungskampagne legitimiert, so dass, wenn Israel auf diese Angriffe reagiert, es angeblich den Waffenstillstand verletzt! Das ist eine unerträgliche Gleichung. Ein souveränes Land kann nicht das Niederbrennen seiner Felder und das Abbrennen einer gesamten Region hinnehmen und es kann das nicht „schlucken“. Diejenigen, die die Branddrachen starten verdienen dasselbe Schicksal wie die, die Raketen starten.

Und genau so, wie wir nicht „in die Nähe“ der Raketen schießenden Terroristen feuern, dürfen wir nicht nur in die Nähe der Terrorzellen schießen, die Branddrachen nach Israel starten. Das unschuldige Wort „Drachen“ ist irrelevant, wenn es um massive Zerstörungswut geht. Der Unterschied zwischen Drachen und „Branddrachen“ ist analog dem einer Wasserpistole und einer echten. Ein Branddrachen ist kein Spielzeug, er ist eine Waffe, die von Terroristen geführt wird. Eine Drachenzelle ist nichts andres als eine Raketenzelle. Sie muss zerstört werden, idealerweise bevor sie die Drachen startet.

Die Reaktion auf einen Brandanschlag muss identisch zu der auf eine Raketensalve sein. Kein Land kann sich mit einer solch krassen Verletzung seiner Souveränität und derartiger landwirtschaftlicher Verheerung arrangieren.

Dies ist keine Sache eines operationellen Fehlschlags. Sie ist ein moralisches, ethisches Versagen. Es handelt sich darum, dass eine Regierung ihren grundlegenden Pakt mit ihren Bürgern verrät – um ihre Sicherheit sicherzustellen. Würde die Regierung die IDF anweisen der Brandstiftungskampagne ein Ende zu setzen und würde die fehlschlagen – das wäre ein operationeller Fehlschlag. Ein operationeller Fehlschlag ist legitim, weil Lehren aus den Fehlern gezogen werden können; man bringt das in Ordnung. Das moralische Versagen ist unentschuldbar.

Advertisements

3 Gedanken zu “Die Reaktion auf die Brandstiftungen ist ein moralischer Fehlschlag

  1. Es erstaunt mich sehr, daß die israelisches Regierung derart zurückhaltend – besser: gar nicht – handelt. Dadurch werden die Gaza-Terroristen natürlich noch mehr angestachelt, und wahrscheinlich habe sie in ihrer verqueren „Logik“ noch ganz andere Dinge auf Lager.

    Daß eine israelische Regierung die eigenen Leute so im Regen stehen läßt…!? Das war für mich bislang unvorstellbar!

  2. Es schickt sich angeblich nicht, wenn sich ein Mensch, eine Gruppe, eine Nation, gegen Gewalt zu wehren wagt. Weil man uns gelehrt hat, dass man sich alles gefallen lassen muss, lassen wir uns auch das gefallen was uns nicht gefällt. Das macht uns zu einem liebenswerten Opfer. Wer aber hat das Recht, von Israel zu verlangen, dass es ein liebenswertes Opfer sein muss? Ist diese sanfte Gewalt nicht die brutalste Gewalt? Wenn so ein Siedler, dann sein Schicksal in die eigene Hand nimmt, wird er bestraft und wird kriminalisiert. Was tut er denn Böses, als nur sein Eigentum zu schützen? Oder soll er sich selbst aufgeben. Die ihm gepredigte Gewaltlosigkeit ist höchst kriminell. Die Regierung Israels sollte sich von ihren „Freunden“ nicht vorschreiben lassen wo Selbstverteidigung aufzuhören hat. Israel braucht Schutz vor den Weichspülern die in Wahrheit den Zusammenbruch Israels anstreben. Ein guter Freund stellt sich zu dem Erpressten und sagt ihm, „ich steh zu dir“.
    Israel, Ich stelle mich zu dir. Du sollst nicht wieder alleine sein. Gott ist im Schwachen mächtig. Wenn das Böse für gut erklärt wird ist es Zeit, dem Freund ein Freund zu sein.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.