Gaza und die zionistische Linke

Meir Inor, Israel HaYom, 9. Juli 2018

In den Tagen der Fahndung nach Terroristen – nach dem Mord an den Kindern der Familie Arroya 1971 in Gaza – sagte mir mein kommandierender Offizier in der Sayeret Rimon, Meir Dagan: „Heute wirst du zwei Jeeps nehmen, ein paar ranghohe Regierungsbeamte einladen und mit ihnen eine Tour durch die Dünen machen.“

Am Morgen trafen wir Vertreter der Siedlerbewegung , die mit Ingenieuren und Stadtplanern kamen, allesamt von der Mapai (dem Vorgänger der Arbeitspartei). Unter ihnen befand sich kein einziger Rechter. Die meisten ranghohen Vertreter erklärten: „Golda [Meir] und [Mosche] Dayan haben beschlossen, dass wir den Streifen nicht mehr verlassen“, was ich auf den Abzug aus dem Gazastreifen 1957 nach dem Sinai-Krieg und den Rückzug aus Kfar Darom während des Unabhängigkeitskriegs 1948 bezog.

„Der Weg den Streifen diesmal zu behalten ist die Erneuerung der Siedlung, einschließlich Kfar Daroms; das glauben sie in der Regierung“, sagte der offizielle Vertreter.

Dann kamen die Siedler und dann die Häuser mit den roten Dächern und die grünen, ansprechenden Gemeinden; und die Kinder; die winzigen Mühlen und die Gewächshäuser sprenkelten die Landschaft; und das große Kontingent der Bauern, die mit lokalen Arbeitern arbeiteten, um ihren Lebensunterhalt damit zu verdienen aus diesen Sanddünen fruchtbare Felder zu machen. Die Beziehungen waren nachbarschaftlich. Frauen bekamen in Khan Junis Führerscheine und brachten ihre Autos zur Reparatur dorthin.

Es gab wirtschaftlichen Wohlstand mit geteilten Dienstleistungen. Das Geld blieb in den Händen der Leute vor Ort; bei den Israelis, den Arbeitern und den Händlern im Gazastreifen. Die Staatskassen profitierten ebenfalls, anders als in der aktuellen Situation, in der an Gastarbeiter gezahltes Geld aus dem Land geht. Die Stadtverwaltungen wurden von israelischen Gouverneuren betreut, aber von Einwohnern des Gazastreifens gemanagt. Die Straßen wurden sauberer und die örtliche Polizei war der israelischen Polizei unterstellt. Statt des brutalen Geheimdienstapparats der Hamas nutzte der israelische Shin Bet Kollaborateure. Terroristen machten die Erfahrung, dass Terror einen Preis hatte und sie wurden ins Gefängnis geschickt.

Die Regierungspolitik damals war nicht von historischen Stimmungen geleitet – insbesondere der, dass Juden fast immer im Gazastreifen gelebt hatten – sondern von Sicherheitserwägungen. Die Doktrin der Sicherheit durch Siedlung kam von der zionistischen Linken. Die Mapainiks erklärten uns das so: Nicht alle Araber hassen uns, aber die meisten schon. Daher können wir uns den Luxus nicht leisten die Sicherheitskontrolle über den Gazastreifen zu preiszugeben. Jedes Machtvakuum wird von terroristischen Elementen gefüllt werden.

Die Terroranschläge begannen nicht mit der „Besatzung“ nach dem Sechstagekrieg 1967. Sie begannen 1948, nach dem Unabhängigkeitskrieg.

Die Kampfdoktrin der IDF damals wurde nicht von Brigadegeneral Ofer Winter entworfen, dem umstrittenen früheren Kommandeur der Infanteriebrigade Givati, sondern von Offizieren der zionistischen Linken, die Gaza als „lebendes Organ“ bezeichneten, „das dem Körper Israels entrissen wurde … eine Faust, die gegen das Land ausgefahren wurde, eine Basis für mörderische Terroristen, eine ständige Bedrohung der Kette prosperierender Gemeinden, durch ständige Bedrohung und Störmanöver, Beschuss mit Granaten und Opfern; unsere südliche Grenze.“

Letztlich zog die IDF unter Druck der internationalen Mächte und der Vereinten Nationen aus dem Sinai und dem Gazastreifen ab. IN den Tagen vor dem Sechstagekrieg warf der damalige ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser die UNO-Friedensschützer hinaus. Israel eroberte den Streifen zweimal. Jedes Mal wurde der dem Feind zurückgegeben, er wurde als Basis von Terroraktivitäten und zur Gefährdung unserer Gemeinden genutzt. Je mehr sich die Dinge ändern, desto mehr bleiben sie dieselben.

Um die Bedeutung der Sicherheitskontrolle über den Gazastreifen zu verstehen, sehen Sie sich die Landkarte an. Eine Enklave von 40 Kilometern Länge und 10 Kilometern Breite, die in israelische Bevölkerungszentren hineinragt – Aschkelon, Sderot und die umgebenden landwirtschaftlichen Gemeinden – wird derzeit von der Hamas und dem Islamischen Jihad beherrscht.

Der verstorbenen General und Chef der Arbeitspartei Yigal Allon erklärte das so: „Diese Gemeineden sind von höchster Bedeutung für die diplomatische Zukunft des Gazastreifens, denn sie teilen den Streifen in nördlich und südlich von Gaza Stadt. Außerdem hat eine jüdischen Präsenz im Herzen des Gazastreifens beträchtliche Sicherheitsbedeutung.“ Was damals stimmte, ist auch heute noch wahr.

Oberstleutnan (a.D.) Meir Indor ist der Leiter der Terroropfer-Vereinigung Almagor.

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