Wenn palästinensisches Blut nicht gleich ist

Dr. Edy Cohen, BESA Center Perspective Paper Nr. 930, 24. August 2018

Palästinenser in Syrien (Foto via Action Group for the Palestinians of Syria, AGPS)

Zusammenfassung: Vor kurzem veröffentlichte die Menschenrechtsorganisation AGPS einen Bericht, der 3.840 Fälle getöteter Palästinenser seit dem Beginn des syrischen Krieges im Jahr 2011 dokumentiert – fast das Vierfache der Zahl der während den sechs Jahren der ersten Intifada (Dezember 1987 bis September 1993) Getöteten. Die Umstände dieser Tode waren Artilleriebeschuss, Schießereien oder Folter in den Verhörräumen von Gefängnissen in ganz Syrien. Mahmud Abbas schwieg und verurteilte Bashar Assad oder den Iran nicht. Palästinensisches Blut in der Westbank und dem Gazastreifen scheint weit mehr wert zu sein als das Blut von Palästinensern sonstwo in der Welt. Der Grund ist, dass von IDF-Feuer getötete Palästinenser als Bollwerk gegen Israel dienen, ob nun seitens arabischer Staaten oder der westlichen Welt.

Ein gerade veröffentlichter Bericht der Action Group of Palestinians in Syria (AGPS), einer Menschenrechtsgruppe, dokumentierte 3.840 Fälle von Palästinensern, die seit dem Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs 2011 getötet wurden – fast viermal so viele wie während der sechs Jahre der ersten Intifada (Dezember 1987 – September 1993) getötet wurden. Die Ursachen der Tode reicht von Artilleriebeschuss über Schießereien bis zu Folter in den berüchtigten Gefängnissen des Regimes im gesamten Land.

Zusätzlich zu diesem Bericht veröffentlichte das syrische Regime zum ersten Mal eine Liste mit Namen, die 548 getötete Palästinenser beinhaltete. Der Bericht des Regimes vermerkte zwar nicht ihre Todesursache, aber Menschenrechtsgruppen stimmen darin überein, dass diese Palästinenser als Ergebnis von Folter, Verhungern und der Verweigerung geeigneter medizinische Versorgung starben.

Die AGPS sagte zudem dass immer noch vermisst 1.682 Palästinenser werden; ihr Schicksal ist nicht bekannt. Gemäß einiger Einschätzungen wurden diese Palästinenser entwder irgendwann während des blutigen Bürgerkriegs getötet oder befinden sich – „bestenfalls“ – immer noch im Gefängnis. Also sind seit 2011 mindestens 5.522 Palästinenser entweder getötet worden oder werden vermisst.

Zusammen mit diesen Getöteten bzw. Vermissten haben zehntausende Palästinenser in Syrien ihre Häuser und Arbeit verloren. Das Flüchtlingslager Yarmuk, das für Zehntausende Zuhause war, wurde im Verlauf des Krieges vollkommen zerstört. Vor der Zerstörung des Lagers wurde es vom Regime Assad belagert. Während dieser Zeit begannen Bilder ausgemergelter Palästinenser in Medien der syrischen Opposition erscheinen.

Trotz dieser Schrecken verurteilte nicht ein einziger Vertreter der palästinensisch Autonomiebehörde öffentlich das Regime Assad.

Das ist unglaublich. Wo ist der Aufschrei seitens der PA, der arabischen und der weltweiten Nachrichtenmedien, Menschenrechtsgruppen, palästinensischen und arabischen Politiker? Wo ist ihre Verurteilung der Kriegsverbrechen des syrischen Präsidenten Bashar Assad an den Palästinensern? Warum verurteilt nicht jeder einzelne arabische Abgeordnete in Israel den syrischen Diktator?

Wenn ein Hamas-Terrorist oder einer des Islamischen Jihad im Gazastreifen von IDF-Soldaten getötet wird, während er versucht eine Bombe an einer Straße zu legen oder den Grenzzaun zu durchbrechen, tobt die arabische und westliche Welt vor Wut. Die Arabische Liga gibt ihre bekannten Verurteilungen aus: das durchweg feindselige Kuwait verurteilt Israel in der UNO und versucht den Sicherheitsrat einzuberufen; Mahmud Abbas fordert internationalen Schutz für die Palästinenser; und all diese Reaktionen werden rund um die Uhr von der arabischen und westlichen Presse berichtet.

Wenn Palästinenser von Arabern getötet werden, kümmert das offenbar niemanden – nicht in der arabischen Welt und nicht einmal bei den Palästinensern selbst, ob nun PA oder Hamas. Jeder schweigt still. Palästinensisches Blut in der Westbank und dem Gazastreifen ist weit mehr wert als palästinensisches Blut in anderen Teilen des Globus.

Von IDF-Feuer getötete Palästinenser können, ob von arabischen Ländern oder der westlichen Welt, als Mittel genutzt werden, um Israel zu untergraben und zu schwächen. Menschenrechtsgruppen im Westen und in Israel investieren den größten Teil ihrer Energien und Aufmerksamkeit auf die Palästinenserfrage in Israel. Die Gleichung ist deutlich zu sehen: Wenn Israel oder die Juden nicht für das Töten von Arabern verantwortlich gemacht werden können, interessiert es einfach nicht.

Während des gesamten Kriegs in Syrien ist das Schweigen von Abbas zum Leid der dortigen Palästinenser ohrenbetäubend gewesen. Er hat Assad oder dem Iran das Töten von Palästinensern nie vorgeworfen. Er sucht die beste aller möglichen Welten: Unterstützung sowohl durch den Iran als auch durch die Araber. Es scheint so, als sei er erfolgreich gewesen.

Während im Irak vor einigen Jahren Gräueltaten begangen wurden, hielt eine geknechtete Jesidin ein Schild hoch, auf dem stand: „Die Tragödie des jesidischen Volks besteht darin, dass die Juden nicht sein Feind sind.“