Worum es in dem Konflikt geht

Sar Shalom, Israel Thrives, 17. August 2018

Eine Basisfrage in der Debatte um den israelisch-palästinensischen Konflikt lautet, was fundamental auf dem Spiel steht. Es handelt sich um ein grundlegendes Thema, weil die westliche Intelligenzija von der Annahme ausgeht, dass es um ein Stück Land geht, das beide Seiten haben wollen und dass der Konflikt sich darum dreht, wie es aufzuteilen ist. Dieser Logik folgend behält Israel zu einem gewissen Grad die Kontrolle über das gesamte Land, mit minimalem Zugang hinein und heraus, während die Palästinenser diese nicht haben. Daher ist es – dieser Logik folgend  – Israels Handeln zur Aufgabe der Kontrolle oder nicht, die Israels Bereitschaft zu Kompromiss zeigen, während die Palästinenser, die keine solche Kontrolle abzugeben haben, nicht in der Lage sind Handlungen durchzuführen, nach denen man sie beurteilen kann. Und daher können sie nur entsprechend ihren Worten beurteilt werden.

Ein regelmäßiges Thema israelischer Hasbara ist die Betonung der Einhaltung der Standards des Kriegsrechts durch Israel. Wenn aber der palästinensische Groll sich nur um ihren fehlenden Staat dreht und Israel die Gewaltanwendung unnötig machen könnte, ob es nun das Kriegsrecht dabei einhält oder nicht, indem es diesem vernünftigen Groll nachgibt, werden wir international niemals Verständnis erhalten. Um Israels Ansehen in der Welt zu verbessern, müssen wir das Narrativ des „nur einen Staat haben wollen“ angreifen. Wir müssen die Menschen überzeugen, dass das wahre Problem, das dem Konflikt zugrunde liegt, darin besteht, dass die Zionisten den Pakt des Omar aufkündigten und dass die palästinensische Nationalbewegung (PNB) nichts weniger als die Beseitigung all der Juden akzeptieren werden, die es ablehnen diesen Pakt einzuhalten. Beachten Sie: Ich sage nicht, dass wir nur sagen müssen, es gehe um palästinensische Verweigerung, wir müssen andere überzeugen, dass dem so ist – eine größere Aufgabe.

Ein Anfang dazu wäre, die Frage zu stellen, was die PNB tun würde, wenn sie wirklich nur einen eigenen Staat haben wollten und was sie tun würde, wenn sie der jüdischen Selbstbestimmung ein Ende setzen will? Verfechter des „nur einen Staat haben wollen“ würden sagen, dass die Erklärungen der PNB in westlichen Sprachen, sie würden Israel anerkennen, alles ist, was man braucht, um zu zeigen, dass sie keine Ende der jüdischen Selbstbestimmung wollen. Aber alles, was benötigt wird, um diese Erklärungen zu veranlassen, ist eine strategische Entscheidung um die Unterstützung derer zu werben, für die die Beendigung der jüdischen Selbstbestimmung inakzeptabel ist. In sich sind Erklärungen in westlichen Sprachen mit beiden Hypothesen kompatibel und für keine von ihnen ein Beweis.

Andererseits werden, wie Einat Wilf oft sagt, Völker, die einfach nur einen Staat haben wollen, „ja“ sagen, wenn ihnen eine Gelegenheit geboten wird ihn zu bekommen. Sie werden das tun, egal, welche Mängel gegenüber dem bestehen, was sie eigentlich wollen; ein Beispiel dafür war die Akzeptanz des Angebots der Empfehlung der Peel-Kommission durch den Jischuw. Von daher widerspricht die Ablehnung der bisher gemachten Angebote durch die PNB der Vorstellung, dass sie „nur einen Staat haben wollen“. Wenn das Ziel aber darin besteht der jüdischen Selbstbestimmung ein Ende zu machen, dann werden sie nichts tun, das die Unterstützung durch den Westen  zur Auslöschung selbstbestimmter Juden untergraben könnte, ohne sie in die Fähigkeit zu versetzen, das ohne westliche Unterstützung zu tun. Die Anwesenheit irgendeines von Israel anerkannten Palästinenserstaats, außer er wird um ein Rückkehrrecht erweitert, würde genau diese Situation schaffen. Siehe da, genau dem entsprechen sie.

Auf einer separaten Beweisführungslinie habe ich bereits geschrieben, dass unsere Bedingung ein Abkommen zu treffen eine beständig bekräftigte Erklärung sein sollte, dass

  • die Juden ein Volk sind
  • das jüdische Volk dem Land Israel im Allgemeinen und Jerusalem im Besonderen tief verbunden ist
  • es in der heutigen Welt keinen Platz für den Pakt des Omar gibt

Die Frage lautet: Wie würden sich die Hypothesen des „nur einen Staat haben wollen“ und „die jüdische Selbstbestimmung auslöschen“ die Bereitschaft der PNB auswirken? Wenn die PNB nur einen Staat haben will, dann wäre alles, was davon nicht ablenkt kein Problem. Ein hypothetischer Staat Palästina, der anerkennt, dass die Juden ein Volk sind, das tief mit Israel und Jerusalem verbunden ist, wäre also nicht weniger ein Staat Palästina als ein Staat, der dies nicht tut. Dasselbe gilt für den Verzicht auf den Pakt des Omar. Wenn andererseits das Ziel die Beseitigung der jüdischen Selbstbestimmung ist, dann bestünde ein Anliegen darin, dieses Ziel mit „Gerechtigkeit“ auf eine Linie zu bringen. In diesem Sinne ist es eine Ungerechtigkeit einem Volk die Selbstbestimmung zu verweigern, ebenso wie einem Volk seine Heimat zu verweigern. Wie Einat Wilf festgestellt hat, ist dies kein Problem, wenn die Juden nur eine Religion sind und kein Volk, denn dann würde der jüdischen Selbstbestimmung ein Ende zu setzen jedem Volk Selbstbestimmung verweigern. Gleichermaßen ist es eine Lüge, darauf zu bestehen, dass die jüdische Verbundenheit zu Jerusalem eine Erfindung ist, um den Palästinensern Jerusalem zu stehlen, mit der die Ungerechtigkeit gerechtfertigt wird, den Juden ihre Heimat zu verweigern, damit die „Rückgabe“ Jerusalems an seine „rechtmäßigen“ palästinensischen Besitzer gerechtfertigt werden kann. In diesem Licht würde „nur einen Staat haben wollen“ nicht die Weigerung der PNB erklären die dreifache Erklärung abzugeben, „die jüdische Selbstbestimmung auszulöschen“ aber sehr wohl.

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