Die ignorierten Lektionen von Evian 1938

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Dieses Jahr jährt sich Konferenz von Evian 1938 zum achtzigsten Mal; ihr Zweck es war die Notlage der steigenden Zahl jüdischer Flüchtlinge, die vor der Verfolgung in Nazi-Deutschland flohen, zu diskutieren. Dort wurden der halben Million Juden aus Deutschland und Österreich kaum Fluchtorte angeboten.[1] Der Jahrestag dieser fehlgeschlagenen Veranstaltung hat kaum Aufmerksamkeit erregt. Doch es gibt wichtige aktuelle – und nicht nur historische – Lektionen, die man aus diesem Fehlschlag ziehen kann.

Die zehntägige Konferenz konnte nicht in der Schweiz stattfinden, da deren Regierung fürchtete Hitler zu verstimmen.[2] Stattdessen wurde sie ein paar Kilometer entfernt von der Schweizer Grenze in dem französischen Ferienort Evian am Genfer See abgehalten. Als ich Evian 2017 besuchte, gab es keinen Hinweis auf die Konferenz in der Vergangenheit. Diesen Sommer wurde Evians Hotel Royal endlich eine Gedenktafel überreicht, die nahe den Konferenzräumen von 1938 angebracht werden soll.[3]

Die Konferenz war die Initiative des amerikanischen Präsidenten Franklin Delano Roosevelt. Zweiundreißig Länder nahmen an den zehn Tage dauernden Diskussionen teil. Es herrschte Gerede vor und von den allerlei Demokratien und Diktaturen, einschließlich des Initiators USA, wurden kaum Lösungen vorgeschlagen. Der australische Delegierte, der am zweiten Tag sprach, sagte, sein Land habe kein Rassenproblem.[4] Die darunter liegende Botschaft war klar: Australien glaubte, dass es ein Rassenproblem schaffen würde, wenn man eine beträchtliche Zahl jüdischer Immigranten ins Land ließe. Nach dem Krieg ließ Australien allerdings viele Holocaust-Überlebende ins Land. Ein Teil davon leistete beträchtliche Beiträge für das Land.

Von allen bei der Konferenz anwesenden Ländern war es nur die kleine, von Diktator Leónidas Trujillos regierte Dominikanische Republik, deren Repräsentant konkret einer Zahl jüdischer Asylsuchender Zuflucht anbot. Trujillos Regierung hatte in einem ethnischen Konflikt zwischen 8.000 und 12.000 Haitianier massakriert. Ein deutscher Jude, der nach Haiti kam, die benachbarte Diktatur auf derselben Insel, wird folgendermaßen zitiert: „Wenn ein Mörder dir das Leben rettet, musst du immer noch dem Mörder dankbar sein.“[5]

Wären die verfolgten Juden anteilig auf die anwesenden Länder verteilt worden, hätten diese höchstens zwei Zehntel eines Prozents (0,2%) der jeweiligen Bevölkerung ausgemacht. Die Finanzierung des Exodus aus Deutschland und Österreich war ebenfalls kein unüberwindliches Problem.

Um dem eine aktuellen Blickwinkel zu geben: Die von Deutschland in den letzten drei Jahren hereingelassenen Flüchtlinge stellen etwa zwei Prozent der Bevölkerung des Landes dar. Es könnte für manchen beleidigend klingen, doch es stimmt, dass jüdische Flüchtlinge mehr für diese Länder geleistet haben, die sie vor dem Holocaust aufnahmen und weniger Probleme verursachten, als die aktuellen Migranten in Deutschland. Ein Teil davon will sich nicht einmal integrieren.

Die Hauptcharakteristik der Konferenz von Evian war durchgängig reines Gerede. Hitlers Name wurde nicht erwähnt. Im aktuellen Jahrhundert hat der Antisemitismus beträchtlich zugenommen und wird weiter zunehmen. Das geschieht nicht nur in Europa, sondern auch in den Vereinigten Staaten und Kanada.[6][7] Die meisten Reaktionen der Führungspolitiker der Demokratien auf dieses Schüren von Hass sind einmal mehr Gerede. Das aktuelle Fehlen praktischer Lösungen auf antisemitische Vorfälle betont die Bedeutung der Existenz Israels. Die zionistische Idee demonstriert heutzutage wieder deren Bedeutung.

So wie Populismus und Nationalismus in Europa zunehmen, wird die Großzügigkeit des israelischen Rückkehrrechts noch deutlicher. Israel heißt weiterhin Juden willkommen zu immigrieren, selbst wenn diese sich öffentlich gegen seine Politik geäußert haben und es nicht wahrscheinlich ist, dass sie in der Zukunft Beiträge zu seiner Gesellschaft leisten werden.

Einige der wenigen Artikel, die dieses Jahr der Konferenz von Evian gewidmet wurden, suggerierten, dass die vielen Asylsuchenden, die in Deutschland und Schweden aufgenommen wurden, beweisen, dass Westeuropa aus dem Fehlschlag der Konferenz von 1938 gelernt hat. Das ist eine falsche Schlussfolgerung. Ein Großteil der jüngeren Migranten kommt aus muslimischen Ländern, in denen Antisemitismus Teil der von politischen und religiösen Führern, den Medien und vielen anderen Teilen der Eliten propagierten Kultur ist. Alle Meinungsumfragen zeigen, dass der Anteil der Antisemiten bei den muslimischen Migranten beträchtlich höher liegt als bei der jeweiligen einheimischen Bevölkerung.

Ist das die verdrehte Lektion der Konferenz von Evian: Lasst mehr Antisemiten ins Land? Die nach dem Holocaust enorm verkleinerte jüdische Bevölkerung Europas ist heute zunehmend Antisemitismus und Gewalt ausgesetzt.

Die aktuell wichtigste Lektion aus Evian liegt eher auf einer Linie mit dem, was Winston Churchill 1947 im Unterhaus sagte. „Niemand tut so, als sei die Demokratie perfekt oder allwissend. Tatsächlich wurde gesagt, dass die Demokratie die schlechteste aller Regierungsformen ist – abgesehen von allen anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert wurden.“[8]

Die feindlichen Abstimmungsmuster der EU-Staaten, einschließlich Deutschlands, zu Israel bei den Vereinten Nationen sind nur ein kleines Abbild davon, wie zeitgenössische Demokratien Israel im Stich lassen und es gelegentlich sogar diskriminieren.

Tatsächlich irren sich die, die glauben, Israel solle sich ausschließlich auf die Unterstützung von Demokratien verlassen, enorm. Wegen dieser Schlussfolgerung und aus den anderen oben erwähnten Gründen sollte der Fehlschlag der Konferenz von Evian eine weit zentralere Rolle im jüdischen und israelischen Diskurs einnehmen.

[1] www.ec4i.org/80th-anniversary-of-evian-conference-asked-why-did-the-nations-fail-the-jewish-refugees-in-1938/

[2] Jochen Thies: Evian 1938 Al die Welt Die Juden Verriet, Klartext, (Essen) p. 2017, S. 9

[3] www.ec4i.org/80th-anniversary-of-evian-conference-asked-why-did-the-nations-fail-the-jewish-refugees-in-1938/

[4] Thies: Evian 1938 Al die Welt Die Juden Verriet, Klartext, (Essen) p. 2017, S. 47

[5] Jochen Thies: Evian 1938 Al die Welt Die Juden Verriet, Klartext, (Essen) p. 2017, S. 85.

[6] http://www.ushmm.org/educators/teaching-materials/national-history-day/research-topics/the-evian-conference

[7] http://www.thecanadianencyclopedia.ca/en/article/holocaust

[8] Winston Churchill, the House of Commons, November 11, 1947.

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2 Gedanken zu “Die ignorierten Lektionen von Evian 1938

  1. Es ist fast offensichtlich, dass man nicht gerne über die Ėvian Konferenz von 1938 spricht. Genau diese Konferenz zeigt deutlich, wie die Politik von damals und heute zusammengesetzt sind. Man sprich – oder lieber plaudert – und komme zu nichts Konkretem. So lief es damals, und so ist es jetzt bei politischen Themen wie: dem Klima. Atomwaffen und so weiter. Niemand wagt es, über die Islamisierung Europas zu sprechen. Angst ist das Schlüsselwort. : Dann war es Adolf Hitler den sie nicht verärgern wollten, und jetzt ISLAM. Zum Beispiel die Tsunami-Wellen aus islamischen Ländern und Afrika die Europa überschwemmen. Die „armen Flüchtlinge“ führen terroristische Aktionen gegen die Bevölkerung durch, ermorden junge Frauen und Mädchen, vergewaltigen Kinder und so weiter. Aber man darf nicht über den Islam sprechen. und schon gar nicht zur Islamisierung Europas. Man darf nicht zu dem Schluss kommen, dass die tierischen Horden von Mördern, Vergewaltigern, Verbrechern, Pädophilien und Terroristen mit einer harten Hand ausgepresst werden müssen und die Grenzen geschlossen. Die europäische Politik entscheidet sich bewusst für die Finanzierung der Invasionskraft des Jihad und nicht für das Wohlergehen und die Sicherheit der eigenen Bevölkerung. Was konnte man nun von den Vorfahren der Feiglinge erwarten? Ihr Verhalten war damals auch identisch mit der jungen Tschechoslowakei. Sie haben die Tschechoslowakei einfach fallen lassen.

    TEIL 2

  2. TEIL 2
    „Das feindliche Versöhnungsmodell von EU-Ländern, einschließlich Deutschlands, über Israel bei den Vereinten Nationen ist nur ein kleines Beispiel dafür, wie moderne Demokratien Israel aufgeben und manchmal sogar diskriminieren.“
    Dieses Verhalten ist typisch für diese Zeit. Es zeigt, wie feige europäische Politik des 21. Jahrhunderts ist. Die Vereinten Nationen ist d zu einer korrupten Bande von Ländern der Dritten Welt geworden, in denen ein anständiges Land sich nicht gut fühlt um Mitglied eines solchen Clubs zu sein. Der Weiße schleicht sich demütig vor dem dunklen und schwarzen Mann; obwohl er über hohe technologische und wissenschaftliche Kenntnisse verfügt. Dieses Verhalten ist ein Alarmsignal für Israel. Das Land kann nur durch die Entwicklung von Spitzentechnologie, Wissenschaft, Besitz der besten Waffen (größtenteils eigene Entwicklung) und Soldaten mit höchstem Niveau. In dieser grausamen Welt gibt es nur Platz für die Stärksten.
    GEFAHRLICH SEIN BEDEUTET EINES: RESPECT VON GEGNERN.

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