„Palästinensische“ Autonomie im 19. Jahrhundert

Elder of Ziyon, 17. Dezember 2018

Nach Angaben des Buchs „Egypt, Palestine, and Phoenicia: A Visit zu Sacred Lands“ von Félix Bouvet aus dem Jahr 1883 war Palästina das 19. Jahrhundert hindurch nicht wirklich unter der Kontrolle des Osmanischen Reichs, sondern die Städte agierten mit einigen Ausnahmen unabhängig.

Wie handelten dann die palästinensischen Araber, als sie ein ordentliches Maß an Autonomie hatten?

Überhaupt nicht wie ein Volk. Fakt ist, dass sie genau das Gegenteil dessen taten, wie ein Volk handeln würde – sie bekämpften nur einander und identifizierten sich mit ihren Stämmen und Städten, ganz und gar nicht als Palästinenser.

Die türkische Regierung ist in Palästina nicht völlig machtlos, aber sie hat keine Autorität. Ihre Macht erstreckt sich auf die Reichweite eines Pistolenschusses oder die eines Bajonetts. Sie hat nicht die Überlegenheit, die überall sonst und selbst in anderen osmanischen Provinzen zur wirklichen Macht einer Regierung beiträgt und sie sogar in Abwesenheit ihrer Vertreter respektiert oder gefürchtet sein lässt. Dem Pascha wird gehorcht, wenn er präsent ist; um während der Osterfeierlichkeiten anwesend zu sein, schicken sie eine Verstärkung von 800 Soldaten, damit er die Pilger schützen kann und um ihn vor den Anschuldigungen der Konsuln aus Frankreich und Russland zu retten. Während er seine Truppen hält, herrscht in Jerusalem Ordnung und sogar zu einem gewissen Grad in der unmittelbaren Nachbarschaft der Stadt; aber wenn die 800 Soldaten nach Damaskus zurückgekehrt sind, kann der Pascha nicht länger für irgendetwas verantwortlich sein.

Mit einem Wort: Obwohl die Türken, das stimmt, eine der Mächte sind, die in Palästina herrschen, gibt es daneben viele andere. Jeder Stamm behält eine Art Unabhängigkeit und betreibt seine eigenen Angelegenheiten auf eigene Rechnung; es gibt ganze Dörfer, die Steuern zahlen – nicht an den Pascha, sondern an einen Beduinen-Emir; und es gibt viele Bezirke in Palästina, in denen der Repräsentant der Pforte sich selbst hinbegeben könnte, ohne ausgeraubt zu werden wie jeder zufällig Vorbeikommende. Während meines Aufenthalts in Palästina, bekämpften ungeachtet der Anwesenheit türkischer Soldaten arabische Stämme einander in Hebron und so manche nach Jaffa zurückkehrende Pilger-Karawane wurde ein paar Stunden vor Jerusalem ausgeraubt…

Wir mit unseren Bräuchen können uns einen solchen Zustand der Dinge kaum vorstellen. Es scheint uns, als ob eine Gesellschaft in einem Zustand völliger Anarchie nicht existieren könnte und dass die Einwohner Palästinas in kurzer Zeit entweder einander vernichtet hätten oder sich auf andere Weise einem Tyrannen unterworfen hätten, der mächtiger als der Rest ist. Dieser Schluss wäre logisch, wenn wir von einem Land redeten, das so dicht bewohnt ist wie die europäischen Staaten und in dem die Notwendigkeiten der Existenz von weniger einfacherer Natur wären, als sie es im Osten sind. Aber dieser Zustand der Dinge, der sich übrigens leicht von dem unterscheidet, der in fast ganz Europa in Teilen des Mittelalters vorherrschte, ist in Palästina nicht neu. Dieses Land findet sich selbst einmal mehr in so ziemlich dem gleichen Zustand wieder wie in der Zeit Abrahams. Wir sehen dort, in dieser frühen Zeit, keinen sonderlichen Staat, sondern nur Städte, die von einander absolut unabhängig sind, jede mit ihrem König oder Scheik, die Allianzen eingehen oder gegen einander Krieg führen, wie immer die Umstände es im Moment ergeben. Damals wie heute schlugen zwischen den den verschiedenen Stämmen gehörenden Städten andere Nomadenstämme ihre Zelte auf den Ebenen oder den Hängen der Hügel auf, von Nord nach Süd wandernd, mit ihren riesigen Herden und keinem anderen Besitz unter der Sonne als ein paar Brunnen, die von ihren Vätern gegraben wurden und ein paar Höhlen, in denen sie Häuptlinge beerdigen – oft angegriffenen Besitztümern, gelegentlichen Auseinandersetzungen, gegenseitigen Gefälligkeiten und Kriegen … Der Osten wird nie alt; Institutionen und Imperien kommen und fallen auseinander, aber die Verhaltensweisen und Sitten sind unveränderbar. Die Rasse Abrahams besteht aus einer kraftvollen Faser: Israel, das ist bekannt, beugte seinen steifen Nacken nie; das eiserne Zepter Roms brach, ohne es zu bezwingen; zerstreut unter die Nationen, wie ein Ball, in die Ferne getrieben vom Wind, mischte es sich unter sie ohne je seine Unterschiedlichkeit zu verlieren. Was Ismael angeht, so bezweifle ich, dass diejenigne, die sein Rasse beobachtet haben, sie besser definieren könnten, als es bereits im Buch Genesis getan wurde: der ungelehrige und trotzige Charakter, den er selbst bis in unsere Tage beibehalten hat und dem er in der Tat die Beharrlichkeit seiner Nationalität verdankt. „Ismael wird ein wilder Mann sein; seine Hand wider jedermann und jedermanns Hand wider ihn.“ (1. Mose 16,12)

Zumindest 1883 gab es eindeutig kein „palästinensisches Volk“. Es handelte sich nur um einen Haufen Städte und Dörfer, die einander bekämpften oder miteinander Bündnisse eingingen, wie es gerade passte, ohne jeglichen Sinn für nationale Einheit oder nationalen Stolz. Und natürlich identifizierte sich niemand von diesen Leuten als „Palästinenser“.