Die Ursprünge der heutigen antisemitischen Terminologie im Kalten Krieg

Joel S. Fishman, Jerusalem Center for Public Affairs, Jerusalem Viewpoints Nr. 517, 2.-16. Mai 2004

  • Mehrere wichtige Erscheinungsformen des Antisemitismus entstammen der Ideologie und politischen Kultur der ehemaligen Sowjetunion, deren Erbe ihren Untergang überlebt hat. Ein besonderer Typ des von ihr entwickelten politischen Sprachgebrauchs hat als Brücke gedient, die den Antisemitismus der Art des von der Sowjetunion gestalteten Antisemitismus mit dem der Gegenwart verbindet.
  • Durch die Definierung der Terminologie des politischen Diskurses über Israel und das jüdische Volk im Allgemeinen installierten die Sowjets die kulturellen Grundlagen für eine neue Art des politischen Antisemitismus, der in die Mainstream-Kultur eingedrungen ist
  • 1907 erklärte Lenin seinen Sprachgebrauch zu einer Waffe: „Die Ausdrucksweise ist dazu kalkuliert beim Leser Hass, Ekel, Verachtung zu provozieren. Die Ausdrucksweise muss nicht so kalkuliert werden, dass sie überzeugt, sondern dass sie vernichtet, nicht um den Fehler des Gegners zu korrigieren, sondern seine Organisation zu vernichten und sie vom Angesicht der Erde zu wischen.
  • Bestimmte Grundbegriffe sind in die gängige Ausdrucksweise des Mainstreams eingedrungen und haben einen tiefgehenden Eindruck bei weitgehend unkritischem Massenpublikum hinterlassen. Dazu gehören Rassismus, Faschismus, Völkermord, Besatzung, Friedenslager und ihre Permutationen.
  • Politischer Antisemitismus bietet Gemeinsamkeiten für verschiedene Gruppen wie militante Islamisten, Linke, Mitglieder der europäischen Rechten mit einer kompromittierten Vergangenheit, ganz zu schweigen von einigen, die niemals einen Juden getroffen haben.
  • In diesem Umfeld muss Israel einen Verteidigungskrieg führen. Es muss auf die Herausforderung der sprachlichen Konditionierung reagieren und andere daran hindern ihre Realität über die Verwendung von ideologisch eingebetteter Sprache zu definieren.

 

Definition des Problems und seines historischen Kontextes

Antisemitismus ist im Gedächtnis der jüngeren Geschichte im Allgemeinen mit den ultranationalistischen Bewegungen Europas verbunden, die Juden nicht als gleichberechtigte Bürger akzeptierten oder sie als zu ihren jeweiligen Nationen gehörend anerkannten. Insbesondere Nazideutschland kombinierte Antisemitismus mit einer rassistisch-totalitären Ideologie und führte einen Plan aus, der die Vernichtung des europäischen Judentums zur Folge hatte. Heute kommt der starke gegenwärtige Anstieg des Antisemitismus vom anderen Ende des politischen Spektrums. Seinen zeitgenössischen Erscheinungsformen wurzeln in der Ideologie und politischen Kultur der ehemaligen Sowjetunion, deren Vermächtnis ihren Untergang überlebt hat. Eine besondere Art politischen Sprachgebrauchs, der von ihr entwickelt wurde, hat als Brücke gedient, die den früheren Antisemitismus sowjetischer Art mit dem der Gegenwart verbindet. Durch die Definierung der Terminologie des politischen Diskurses über Israel und das jüdische Volk im Allgemeinen installierten die Sowjets die kulturellen Grundlagen für eine neue Art des politischen Antisemitismus, der in die Mainstream-Kultur, insbesondere in Europa, eingedrungen ist, und die Tätigkeit internationaler Institutionen wie den Vereinten Nationen schädigt.

Am 12. Dezember 1968 richtete Bertrand Russell einen offenen Brief an den polnischen Premierminister Wladyslaw Gomulka, in dem er schrieb: „Gemäß einer verdrehten Logik sind heute alle Juden Zionisten, Zionisten sind Faschisten, Faschisten sind Nazis und Juden sind daher mit genau den Verbrechern zu identifizieren, die erst vor kurzem versuchten das polnische Judentum zu vernichten.“[1] Russel protestierte gegen die Welle antisemitischer Agitation und Propaganda in Polen, die Teil einer größeren Kampagne waren, die die Sowjetunion gestartet hatte, nachdem Israel ihre Stellvertreter Ägypten und Syrien im Sechstagekrieg (Juni 1967) besiegt hatte. Eine solche Anschuldigung zusammenzustellen ist ein Beispiel üfr „Amalgamation“ (Verschmelzung), einer Propagandatechnik, die genutzt wird, um „von jüdischer Selbstverteidigung auf Aggression, vom Wunsch auf Selbstbestimmung zu Rassismus und von einem Wunsch nach Unabhängigkeit auf Imperialismus“ zu schließen.[2] Nach Angaben des verstorbenen Stefan T. Possony, eines versierter amerikanischer Stratege und Experte für Osteuropa-Angelegenheiten, veröffentlichte Komsomolskaja Prawda am 4. Oktober 1967 die wahre Botschaft dieser Propaganda: „Der Zionismus ist ‚Völkermord, Rassismus, Verrat, Aggression und Annexion gewidmet … alles Charakteristika, die dem Faschismus zugeordnet sind.“[3] Bernard Lewis berichtete von der Verwendung fast identischen Sprachgebrauchs bei der Weltkonferenz zum Internationalen Jahr der Frau in Mexiko-Stadt Ende Juni/Anfang Juli 1975. Er beobachtete: „Die bei dieser Gelegenheit ausgegebene ‚Erklärung der Gleichberechtigung der Frau‘ betont wiederholt den Anteil der Frauen am Kampf gegen Neokolonialismus, Fremdbesatzung, Zionismus, Rassismus, Rassendiskriminierung und Apartheid.“[4]

Die angesehenen Historiker der Sowjetunion Michael Heller und Alexander M. Nekrich berichteten, dass der Sechstagekrieg einen Wendepunkt in der Entwicklung des Antisemitismus in der UdSSR darstellte:

Der Sechstagekrieg von 1967 eröffnete ein neues Kapitel in der Geschichte des sowjetischen Antisemitismus. Danach hörten die Machthaber auf sich des Antisemitismus zu schämen und er erlangte volle Rechte. Der Zionismus wurde zum neuesten genehmigten und autorisierten Hassobjekt, genauso wie es einst Geschäftsleute, Umstürzler und Kulaken gewesen waren. In Büchern und Zeitschriften, veröffentlicht in Millionenauflage, sowie in Filmen und Fernsehsendungen wurde der Zionismus als größte Bedrohung des sowjetischen Staates dargestellt. Eine Permanente Kommission wurde im Bereich der Sozialwissenschaftlichen Abteilung der Akademie der Wissenschaften der UdSSR eingerichtet, „um die der Enthüllung und Kritik der Geschichte, Ideologie und praktischen Aktivität des Zionismus zukoordinieren.“[5]

„Zionismus ist Rassismus“

Am 10. November 1975 hatten die Sowjetunion und ihre arabischen Anhänger den Erfolg, dass die UNO-Vollversammlung die Resolution Nr. 3379 „Zionismus ist Rassismus“ verabschiedete, womit eine antisemitische Parole in eine international akzeptierte „Wahrheit“ verwandelt wurde.[6] Heller und Nekrich analysierten die textliche Bedeutung der UNO-Resolution innerhalb des Zusammenhangs der sowjetkommunistischen Tradition:

Innerhalb der UdSSR wird der Zionismus genutzt, um die Menschen des Landes gegen einen gemeinsamen Feind zu mobilisieren: die Juden. Einer der größten Siege der Sowjetideologie während der 1970-er Jahre war die UNO-Resolution, die den Zionismus als eine Form des Rassismus verkündete. Im Repertoire der Sowjetpropaganda war „Rassismus“ einer der seltenen Bergriffe, die nur eine einzige Bedeutung hatten. In der Folge der Resolution wurde seine Bedeutung vielfältig, wie bei den Begriffen „formelle Demokratie“, „wahre Freiheit“, „bourgeoise Demokratie“, „Sozialdemokratie“, „Pseudo-Humanismus“ und „proletarischer Humanismus“. Sowjetische Ideologen schaffen es Hitlers Werk zu vollenden: Antizionismus (gleichgesetzt mit Antisemitismus) hörte auf den Reaktionären und Faschisten zu gehören. Er wurde marxistisch, d.h. eine wissenschaftlich gerechtfertigte Form des nationalen Befreiungskampfes. „Antizionismus“ ist der proletarische Internationalismus der Epoche des „real existierenden Sozialismus“ geworden.[7]

Obwohl die UNO-Resolution, die Zionismus mit Rassismus gleichsetzte, am 16. Dezember 1991 schließlich aufgehoben wurde[8] und die Sowjetunion kurz darauf aufhörte zuexistieren (26. Dezember 1991), war der Schaden für Israels Sache erheblich. Diese Resolution hab die historischen Fakten hinter dem Thema verdeckt und einen Zustand geschaffen hat, der rationale Diskussion der wahren Probleme des Nahen Ostens verhindert hat. In einem Zeitalter der Massenmedien, in dem das Studium der Vergangenheit außer Mode gekommen ist, sind Parolen wie „Zionismus ist Rassismus“ die Ausdrucksweise des populären Mainstream und das Bewusstsein weithin unkritischer Publikumsmassen eingedrungen.

Die Nutzung der Sprache als Mittel der Aufstachelung und politischen Kontrolle: Hintergrund

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts legte Ardaky Kremer, ein Mitglied des Jüdischen Bundes im Exil in Wilna, eine neue Herangehensweise vor, um Arbeiter zu politisieren. Das geschah mit einer Broschüre mit dem Titel „Über Agitation“. Seine Idee bestand darin Propaganda der Agitation unterzuordnen, indem politische Propaganda verwendet wird die Massen zu politisieren, die nicht fähig waren ideologische Argumente zu verstehen und sie mit Hilfe der Verwendung von Parolen zu manipulieren. Lenin entwickelte später Kremers Doktrin der Parolenbildung in seinem berühmten Aufsatz Was tun? (März 1902).[9] Die neuen Parolen der frühen Revolutionsära (Juli 1917) hatte einen einfachen Aufruf:

„Land für die Bauern!“
„Fabriken für die Arbeiter!“
„Brot für die Hungrigen!“
„Frieden mit Deutschland!“
„Alle Macht den Räten!“[10]

Ein Zweck von Parolen als Mittel der politischen Agitation bestand darin „sichtbare und erreichbare Hass-Ziele innerhalb der Gemeinschaft“, nämlich die Feinde des Klassenkampfes.[11] In einer Äußerung von 1907 erklärte Lenin seinen Sprachgebrauch als Waffe mit schauriger Offenheit:

Die Wortwahl [unserer Pressekampagne gegen unsere Feinde] ist so kalkuliert, dass sei beim Leser Hass, Ekel, Verachtung provoziert. Die Formulierung muss so kalkuliert werden, dass sie nicht überzeugt, sondern vernichtet, nicht um den Fehler des Gegners zu korrigiren, sondern seine Organisation zu vernichten und vom Angesicht der Erde zu wischen. [Hervorhebung durch den Autor[12]

Wenn man am Anfang entschlossen ist die Organisation des Gegners verbal zu vernichten, könnte man weniger Hemmungen haben den nächsten Schritt zu gehen: seine Feine buchstäblich physisch zu vernichten und das in massivem Ausmaß.[13]

Sowjetischer Sprachgebrauch sollte als Mittel der totalitären Kontrolle verstanden werden. Während der späten 1940-er und frühen 1950-er Jahre begann die die Bevölkerung der Sowjetunion klare Zeichen passiven Widerstands zu zeigen. Statt ihre Lebensumstände zu verbessern, initiierte Stalin das Revival von Pawlow, das neue Möglichkeiten entwickelte das menschliche Verhalten zu kontrollieren.[14] „Die Grundannahme des neuen pawlowschen Modells der Persönlichkeit lautet, dass es im Menschen nichts gibt, das prinzipiell die Konditionierung der Speichelfluss-Reaktionen von Pawlows Hund übersteigt.“[15] Auf Stalins Anweisung hin widmete die sowjetische Wissenschaft der sprachlichen Konditionierung große Aufmerksamkeit, wobei Sprache als Instrument sozialer Kontrolle genutzt wurde. „Zu diesem Zweck war es unerlässlich, dass Worte immer Signale sein mussten, die Reaktionen auslösen, die für ihre jeweilige Bedeutung angemessen waren. Hier war es die notwendige Verbindung zwischen Semantik und Politik … Um ein bekanntes Beispiel aus dem sowjetischen Kontext zu nehmen: Hört er das Signal „Kriegshetzer“, würde ein richtig pawlowisierter Russe mit einem Wutschauder reagieren… Von all den Monopolen, die der sowjetische Staat genoss, sollte keines so entscheidend sein wie sein Monopol auf die Definition von Worten. Die ultimative Waffe der politischen Kontrolle sollte das Wörterbuch sein.“[16] Genau in diesem Zusammenhang muss der Zweck und die Funktion der sowjetischen antizionistischen Terminologie verstanden werden, ebenso die Gefahr, die sie für die zivilisierte Gesellschaft darstellt.

Untersuchung einiger der Basisbegriffe

Dieser Aufsatz wird mehrere wiederkehrende besondere Begriffe untersuchen und ihren Gebrauch dokumentieren. Nach der Ermittlung der ursprünglichen Definitionen mehrerer Grundbegriffe wie „Faschismus“, „Völkermord“ und „Besatzung“ und dem „Friedenslager“ könnte man Beispiele ihrer aktuellen Verwendung hinzufügen. (Da der Begriff „Rassismus“ in den 1970-er Jahren aktuell wurde, müssen wir jüngere Literatur konsultieren.) Im Allgemeinen enthält dieser Sprachgebrauch Beschuldigungen und verkörpert eine Propagandatechnik, die als „Schuldumkehr“ bekannt ist; diese bürdet der Gegenwart eine falsche historische Analogie auf. Damit wird Goliath zu David und David wird zu Goliath. Die am weitesten verbreitete Verwendung dieser Technik gilt für die Anschuldigung des „Völkermords“, der die verlogene Behauptung mit sich bringt, dass „Israel den Palästinensern antut, was die Nazis den Juden antaten“. Über die Tatsache hinaus, dass diese Verleumdung unwahr ist, handelt es sich um eine Form der Holocaustleugnung, die die Ungeheuerlichkeit des Holocaust, die Erinnerung daran und seine Einzigartigkeit bagatellisiert. Im Verlauf der Zeit haben mehrere der Originalbegriffe Familien an Synonymen entwickelt. Im nächsten Teil werden wir etwas historischen Hintergrund für jeden Begriff und die Bedeutung breitstellen, die jeder im Lauf der Zeit erlangt hat.

Rassimus (Variationen: Apartheid, Diskriminierung, Bantustanisierung)

Der Begriff „Rassismus“ wurde allgemein im Kontext der Beziehungen zwischen Schwarzen und Weißen in den Vereinigten Staaten verwendet, aber während der 1960-er Jahre erhielt er eine neue Wendung. Bernard Lewis erklärte, wie diese in der arabischen Welt einen frischen Impuls erhielt:

In Artikel 19 der palästinensischen Nationalcharta von 1964 wird rassistisch einer Liste der abwertenden Adjektive für den Zionismus hinzugefügt, während 1965 eine Publikation der PLO, signifikanterweise auf Englisch, Zionismus als ein Form der Rassismus klassifiziert. Binnen Kurzem wurde jüdischer Rassismus bis in die Antike zurückverfolgt und seine Quellen wurden in Bibel und Talmud gefunden. Die Gründe für diese Veränderung waren ausreichend offensichtlich. Zum einen kann Rassismus mit Imperialismus identifiziert werden, mit Fremdherrschaft. Zum anderen ist der moderne Feind im Westen heutzutage der Rassist; nur ein paar Jahre früher war es der Kommunist.[17]

Aktuelle Beispiele: 1) Der folgende Absatz findet sich in Yassir Arafats Ansprache in Durban (2001): „Die Verurteilung der israelischen Besatzung und seiner rassistischen Methoden und Gesetze, die auf Rassismus und Überlegenheitsgefühl basieren, wird heute als dringende Forderung unseres Volkes betrachtet.“ [Dritte Weltkonferenz gegen Rassismus und Rassendiskriminierung, Durban, Südafrika, 31. August – 7. Septmber 2001].[18]

2) Ein weiteres Produkt von Durban war die Erklärung der NGOs: „Wir erklären Israel zum rassistischen Apartheidstaat, in dem Israels Art der Apartheid als Verbrechen gegen die Menschheit von Teilung und Rassentrennung, Enteignung, eingeschränktem Zugang zu Land, Entstaatlichung, ‚Bantustanisierung‘, und unmenschlichen Taten charakterisiert worden ist.“ [Artikel 162, WCAR NGO-Erklärung, 3. September 2001].[19]

3) Bei einem Text im Guardian vom 15. September 2003 verwendete der ehemalige Knesset-Präsident Avraham Burg ähnlichen Sprachgebrauch: „Der Premierminister sollte die Möglichkeiten offen vorstellen: jüdischer Rassismus oder Demokratie. Siedlungen oder Hoffnung für beide Völker.“[20]

Faschismus (Variation: Nazismus)

Während der 1920-er und 1930-er Jahre verwendeten die Bolschewisten den Begriff „Faschisten“ für die deutschen Sozialdemokraten. Eine der Entscheidungen des sechsten Kongresses der Komintern, der im Sommer 1928 stattfand, bestand darin, dass der Hauptfeind „die sozialen Faschisten“ waren. Dieser Ausdruck, erstmals 1922 von Zinoview in Umlauf gebracht, bezog sich auf die [deutschen] Sozialdemokraten und implizierte nicht nur, dass sie der Hauptfend der Arbeiterklasse seien, sondern auch, dass die wahren Faschisten [die Nazis] keine große Gefahr waren.“[21] Tatsächlich befahl Stalin 1931 der Kommunistischen Partei Deutschlands die Sozialdemokraten zu untergraben und mit den Nazis zu kollaborieren, um die demokratische Weimarer Republik zu zerstören.[22]

Aktuelle Beispiele: 1) „Die 1980-er Jahre hindurch, lange bevor es gegen die Rechte als Schmähwort eingesetzt wurde, wurde das Wort „Nazi“ oft von den Linksextremen verwendet, um die Siedler und die sie stützende Likud-Regierung zu beschreiben. Der vielleicht unerhörteste Fall war der des verstorbenen Professors Yeshayahu Leibowitz, eines bekannten Theologen und politischen Polemikers, der den Begriff „Judeo-Nazis“ erfand.“[23]

2) „Mosche Zimmermann, Professor für deutsche Geschichte an der Hebräischen Universität in Jerusalem, urteilte über die junge Generation der Siedler: ‚[Sie sind] wie die Hitlerjugend.‘“[24] (November 1995)

3) Am 28. Januar 2001 erklärte Yassir Arafat in Davos: „Vier Monate lang hat die aktuelle israelische Regirung einen brutalen, barbarischen Krieg und faschistisch militärische Aggression gegen unser palästinensisches Volk geführt.“[25]

4) Nach einem Besuch bei Arafat im Januar 2003 bezeichnete Gretta Duisenberg (Ehefrau des Leiters der Europäischen Zentralbank) öffentlich Israels Handeln als „schlimmer als die Nazi“.[26]

Völkermord (und Variationen: Ethnische Säuberung, Holocaust)

1948 beschloss die UNO die Konvention zur Verhinderung und Bestrafung des Verbrechens des Völkermords. Dieses Recht stellte einen Fortschritt dar, denn es macht Völkermord zum Verbrechen, auch wenn er innerhalb der Grenzen eines souveränen Staates stattfindet. Samantha Power, der die Geschichte dieses Rechts dokumentierte, hielt fest, dass es „damals (wie heute) unter mehreren angeborenen Definitionsproblemen litt“.[27] Artikel II der UNO-Konvention zur Verhinderung und Bestrafung des Verbrechens des Völkermords am 9. Dezember 1948 definierte den Begriff wie folgt:

Völkermord bedeutet jede der folgenden Taten, die mit der Absicht eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als Ganze oder in Teilen zu zerstören, so:
(a) das töten der Mitglieder einer Gruppe;
(b) Mitgliedern der Gruppe ernsten körperlichen oder mentalen Schaden zuzufügen;
(c) vorsätzlich der Gruppe Lebensumstände aufzuerlegen, die so geplant sind, ihre physische Vernichtung im Ganzen oder in Teilen herbeizuführen;
(d) Maßnahmen aufzuerlegen, die intendieren Geburten innerhalb der Gruppe zu verhindern;
(e) Zwangstransfer von Kindern der Gruppe in eine andere Gruppe.[28]

Der unpräzise Sprachgebrauch dieser Konvention machte es William L. Patterson, einem (neben Paul Robertson) prominenten amerikanischen Kommunisten, möglich bei den Vereinten Nationen 1951 eine Petition einzureichen, die der US-Regierung das Verbrechen des Völkermords an Schwarzen vorzuwerfen.[29]

Um der Fairness und Genauigkeit willen ist es notwendig die Bilanz der Sowjetunion festzuhalten, die so unverblümt darin war Israel der Verbrechen des Völkermords und Massenmordes zu beschuldigen. R.J. Rummel setzte in seiner Auflistung der „Megamörder“ der Welt Stalin mit 42.672.000 Toten an die erste Stelle, gefolgt von Mao Tse Tun mit 37.828.000 und Adolf Hitler mit 20.946.000.[30] Rummel prägte einen neuen Begriff, „Demozid“, der die Verbrechen des Massenmords mit dem des Völkermords kombinierte. Er schätzte die Gesamtzahl für den sowjetischen Demozid von 1917 bis in die Nach-Stalin-Ära auf rund 61.911.000 und legte statistische Informationen bezüglich der sowjetischen Erfahrung vor.[31]

Aktuelle Beispiele: 1) Joel Kotek schrieb: „Es lohnt sich die Worte von Simon-Pierre Nothomb in der Brüsseler Tageszeitung Le Soir [18. Dezember 2001] zu beachten: ‚Wie kann ein so talentiertes und einfühlsames Volk wie die Juden, die so viele Gräueltaten und Schmerz an Fleisch, Blut und Geist erfuhren, heute akzeptieren, dass seine Regierung und Armee anderen, die sich nichts haben zuschulden kommen lassen, genau das antun, was sie selbst erlitten? … Die Landschaft der Westbank ist wie eine Halluzination. Wie Polen während seiner dunklen Jahre; sie ist übersät mit Konzentrationslagern … Der Gazastreifen ist ein überbevölkertes Gefängnis. Sie sollten ihn besuchen, Sie werden die Geschichte des Warschauer Ghettos revidieren… Wie im Warschau von 1941 wird den örtlichen Behörden befohlen ihre Untertanen umgehend gemäß den von den Besatzungsbehörden zusammengestellten Listen zu übergeben.‘“[32]

2) Eine perverse Mutation dieser Verleumdung involviert die Annahme der gegenwärtigen und zukünftigen Schuld Israels. Selbst wenn Israel nie ein solches Verbrechen gegen die Menschheit wie Völkermord verübte, wird es als eine solche zu tun fähig angesehen, das angenommen wird, dass es kriminelle Absichten hegt. Alan Dershowitz schrieb: „Von einem Nobelpreisträger wie Jose Saramago, der erst vor kurzem [im März 2002] israelische Bemühungen zur Verteidigung ihrer Bürger gegen den Terrorismus als ‚ein Verbrechen vergleichbar mit Auschwitz‘ bezeichnete, kann man gewiss mehr erwarten. Als Saramago gedrängt wurde zu sagen‚ wo … die Gaskammern sind‘, antwortete er: ‚Noch nicht her.‘“[33]

3) Anat Peri warnte in der Ha’aretz vom 30. Mai 2003 vor den gefährlichen Auswirkungen der Anschuldigungen im Ausland: Der Journalist „Gideon Levy hat sich entschlossen sich mit Sebastian Haffners Buch auseinanderzusetzen und das mit Hilfe des gebräuchlichsten aktuellen antisemitischen Clichés: Alles, was die Nazi den Juden antaten, tun die Juden heute den Palästinensern an und wenn sie es noch nicht tun, dann werden sie das in der Zukunft tun. [Hervorhebung durch den Autor] Die Deutschen und andere Antisemiten lieben dieses Cliché nicht nur, weil es – ihrer Meinung nach – die Schuld für den Holocaust streicht, sondern auch, weil es den einzigartigen Charakter des Abschlachtens der Juden auslöscht: Mord um des Mordens willen, für den es als einzigen Grund eine geistesgestörte Ideologie gibt.“[34]

4) Professor Lev Grinberg von der Ben-Gurion-Universität veröffentlichte in der belgischen Tageszeitung La Libre Belgique vom 29. März 2004einen Artikel mit dem Titel „Symbolischer Völkermord“, in dem er Israel beschuldigte „symbolischen Völkermord“ am palästinensischen Volk zu begehen. Er schrieb: „Der Mord an Scheik Ahmed Yassin ist Teil einer allgemeinen Politik, die von der Regierung des Staates Israel ausgeübt wird, die als symbolischer Völkermord beschrieben werden kann. Unfähig über das Trauma der Schoah und die von ihr verursachte Unsicherheit hinauszukommen, fügt das jüdische Volk, größtes Opfer von Völkermord, derzeit einen symbolischen Völkermord am palästinensischen Volk.“[35]

Besatzung

Yehoshafat Harkabi schrieb: „Die Mehrdeutigkeit der ersten Forderung [Israels Rückzug aus allen besetzten Gebieten] entstammt der Möglichkeit des Verständnisses, es habe eine breitere Bedeutung als Rückzug aus den 1967 besetzten Gebieten, das „die besetzten Gebiete“ im arabischen politischen Sprachgebrauch der konventionelle Name für Israel in seinen Grenzen von vor 1967 gewesen ist. Damit kann die Bandbreite der Bedeutung vom alten politischen Ziel, eingekleidet in einer eleganten Formulierung bis zur restriktiveren Bedeutung des Rückzugs aus dem 1967 eroberten Gebiet sein. Für diejenigen, die den Untergang Israels ausrufen, wird eine solche Formulierung als nützlicher Kniff aufgegriffen, der seine politische Bedeutung kaschiert, während für Moderatere die breitere Bedeutung etwas Unbehagen in den Public Relations schaffen kann.“[36] In seiner weitesten Bedeutung könnte dieser Begriff effektiv das gesamte Land in der Region bedeuten – ungefähr das ursprüngliche britische Mandat – die nicht unter der Herrschaft der PA stehen.

Aktuelles Beispiel: Das Eindringen solcher Terminologie in die lokale politische Ausdrucksweise könnte in der Erklärung von Premierminister Ariel Sharon vom 26. Mai 2003 zu finden sein: „Du kannst die Welt nicht mögen, aber was stattfindet, ist eine Besatzung – 3,5 Millionen Palästinenser unter Besatzung zu halten. Ich glaube, das ist etwas Furchtbares für Israel und für die Palästinenser.“[47]

Die Theorie der zwei Lager (Friedenslager, Friednspartei)

Obwohl Lenin die „Zweilager-Theorie“ erstmals in seinem späteren Werk entwickelte,[38] wurde Stalin ihr größter Fürsprecher.[39] Nach Angaben des Sowjet-Experten Robert C. Tucker „teilte dieses Bild den Globus in zwei ‚Welten‘; diese hießen das ‚sowjetische Friedenslager, Sozialismus und Demokratie‘ und das ‚amerikanische Lager des Kapitalismus, Sozialismus und des Krieges‘.“[40] Am 30. September 1947 erklärte Andrej A. Zhdanow, der Chefideologe der Sowjetunion in einem der definierenden Momente des Kalten Krieges, die sowjetisch-kommunistische Haltung, „dass das ‚Friedenslager‘, repräsentiert durch die Gemeinschaft der sozialistischen Staaten, durch den ‚aggressiven amerikanischen Kapitalismus‘ bedroht wird“.[41]

Tucker erklärte die operative Bedeutung der stalinistischen Zweilager-Theorie, wenn diese auf die Gebiete angewendet wird, die nicht unter direkter sowjetischer Herrschaft standen: „‚In einem kapitalistischen Land gibt es zwei Kräfte, zwei Lager.‘ Das zweite Lager in der schwarzen Welt besteht aus all denjenigen, die – in Einstellung, im Denken und im Tun – in die weiße Welt gehörten, die sich als ihre in einem fremden Land lebenden Bürger betrachteten und die sich daher freiwillig sowjetischer Kontrolle unterwarfen.“[42]

Aktuelle Beispiele: 1) In einer Ansprache am 30. Januar 1996 vor arabischen Diplomaten in Stockholm, teilte Arafat seinen Plan für die palästinensische Übernahme Israels mit: „Wir von der PLO werden jetzt all unsere Bemühungen darauf konzentrieren Israel psychologisch in zwei Lager zu spalten… Sie verstehen“, fügte er hinzu, „dass wir planen den Staat Israel zu eliminieren und einen rein palästinensischen Staat zu gründen. Wir werden den Juden das Leben durch psychologische Kriegsführung und Bevölkerungsexplosion unerträglich machen; Judenwerden nicht unter uns Arabern leben wollen.“[43]

2) Die obige Beschreibung von in der schwarzen Welt lebenden Mitgliedern des Friedenslagers „die sich als in einem fremden Land lebenden Bürger betrachten“, können in den Schriften des Baruch Kimmerling, Soziologieprofessor an der Hebräischen Universität, identifiziert werden: „Der harte Kern des Friedenslagers setzte sich aus Einzelnen und kleinen Gruppen zusammen, die glaubten, dass die Besetzung und Unterdrückung eines anderen Volkes und der Diebstahl ihres Landes in universal humanistischen Begriffen böse seien, während andere im Friedenslager glaubten, dass die Besatzung das Land in eine Herrenvolk- [Nazi-Begriff] Demokratie verwandelte, die die israelische Gesellschaft selbst korrumpierte.“[44]

Das historisch-deterministische Argument: Die Idee hinter dem Schimpfwort

Die sowjetische Herkunft dieser Terminologie und ihre antisemitischer Zweck steht außer Frage. Obwohl die UdSSR Geschichte ist, legt ihr Erbe der Sprachkonditionierung und des Hasses weiter. Die palästinensische Autonomiebehörde und ihre Sympathisanten in der arabischen Welt wie auch im Ausland haben die Terminologie des politischen Antisemitismus und in ihren unermüdlichen Anstrengungen zur Delegitimierung des Staates Israel methodisch angewendet. Viele hatten gehofft, in der Nach-Oslo-Ära würde es eine Lockerung dieser Propaganda und Agitation geben. Stattdessen sieht sich die jüdische Welt heute einem sich rapide verschlechternden Zustand gegenüber, in dem solche Themen mit gefährlicher Wildheit wieder auftauchten, insbesondere bei der UNO-Weltkonferenz gegen Rassismus, die im September 2001 in Durban stattfand.

Hier „riefen die NGOs ‚nach der Wiedereinführung der UNO-Resolution, die den Zionismus mit Rassismus gleichsetzte‘ und ‚die vollständige und totale Isolierung Israels als Apartheidstaat‘; sie verurteilten zudem israelische Verbrechen gegen die Menschheit, ethnische Säuberung und Völkermord.“[45] Ein solcher Angriff kann nicht auf der Ebene der Public Relations angegangen oder durch nicht erwiderte Zugeständnisse verbessert werden. Diese Schmähung gründet auf der Vorstellung, dass das Verhalten des jüdischen Volks dadurch vorherbestimmt ist, wer sie sind und der jüdische Staat durch das, was er ist. Daher könnte keine Modifizierung des menschlichen Verhaltens jemals einen angeblichen Missstand beheben, der weniger wäre als dass Israel und die Juden verschwinden, was das wahre Ziel des Hasses ist.[46] Die Anwendung dieser Terminologie demonstriert die inhärent rassistischen und genozidalen Absichten desjenigen, der sie verwendet.

Das Problem kam klar in einer Diskussion vor der Durban-Konferenz 2001 zum Ausdruck, als der Kongressabgeordnete Tom Lantos versucht mit der UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte Mary Robinson vernünftig zu reden. Lantos warnte vor der Gefahr, der Debatte zu erlauben von ideologischen (und historisch deterministischen) Begriffen bestimmt zu werden:

Ich drängte Robinson die Folgen des Appeasements der radikalen und fundamentalistischen Kräfte zu bedenken, die das komplette Ziel der Konferenz auf den Kopf stellen wollten Fakt ist, dass der Sprachgebrauch der OIC [Organisation der Islamischen Konferenz] zur israelischen Siedlungspolitik und andere Formulierungen, die die Bedeutung des Antisemitismus verdrehten, weit über das Konzept hinausgingen, dass Zionismus Rassismus gleicht – sie strebten an Israel selbst zu Fokus des Hasses zu machen. Die Kräfte, die die Aufnahme dieses Sprachgebrauchs propagierten, begriffen, dass die Gleichsetzung der Siedlungspolitik mit ethnischer Säuberung den Nahost-Konflikt aus einem regionalen territorialen Disput (der mit Hilfe von Kompromissen gelöst werden könnte) in einen ideologischen und existenziellen verwandeln könnte, der nur dadurch zu lösen ist, dass Israel ins Meer getrieben wird. Ich argumentierte auch, dass denselben Kräften zu erlauben sich Begriffe wie „ethnische Säuberung“, „Völkermord“ und „Verbrechen gegen die Menschheit“ zueigen zu machen, um Israels Verhalten zu beschreiben, deren Bedeutung für immer entwerten würde und damit den Fortschritt im globalen Kampf für Menschenrechte untergraben würde, den wir beide zu unserer Lebensaufgabe gemacht hatten.[47]

In dieser Situation ging Robinson zu weit. Sie verließ universale Prinzipien und erzwang eine Diskussion des Einzelfalls des „palästinensischen Leidens“, womit sie die Durban-Konferenz zum Scheitern verurteilte.

Liest man zwei prominente Historiker des 19. Jahrhunderts, kann man eine solide Widerlegung des historischen Determinismus und Rassismus finden, die in der oben beschriebenen Terminologie verkörpert sind. Als in der Moderne lebender Christ lehnte Alexis de Tocqueville solche Interpretationen der Geschichte ab. (Seine Feindschaft gegenüber rassistischer Theorie beinhaltete eine starke Abscheu gegenüber der Sklaverei.) Bei Korrespondenz mit Joseph Arthur Graf Gobineau im November 1853, einem der frühesten Vertreter der Rassentheorie, schrieb Tocqueville mit einer Logik, die zeitlos und aktuell bleibt:

Ihre Doktrin ist faktisch eher eine Art Fatalismus oder Vorherbestimmung, wenn Sie so wollen … insofern Sie eine enge Verbindung zwischen Vorherbestimmung und Sache … Diese Art von Vorherbestimmung scheint mir dem Materialismus sehr ähnlich zu sein. Ob Vorherbestimmung direkt mit gewissen biologischen Mustern verbunden sind oder der Wille Gottes, der wünschte verschiedene Arten innerhalb der menschlichen Gattung zu schaffen und bestimmten Männern durch Vernunft der Rasse, der sie angehören , die Unfähigkeit gewisse Gefühle aufzuerlegen, sich auf bestimmte Arten zu verhalten oder gewisse Qualitäten zu besitzen, die sie erkennen können, ohne in der Lage zu sein sie zu erwerben – von dem nichts Einfluss auf mein eigenes Anliegen zu den praktischen Konsequenzen dieser verschiedenen philosophischen Doktrinen hat. Beide Theorien haben als Ergebnis eine große Einschränkung, wenn nicht die komplette Abschaffung der menschlichen Freiheit [Hervorhebung durch den Autor] … ich halte sie für falsch und für überaus schädlich… Sehen Sie nicht, dass aus Ihrer Doktrin unvermeidbar all die Übel der permanent angeborenen Ungleichheit, Stolz, Gewalt, Verachtung der Mitmenschen, Tyrannei und Widerwärtigkeit in all ihren Formen fließen?[48]

Gleichermaßen lehnte Lord Acton[49] heidnischen Rassismus als fundamental exklusiv und erklärte, dass das Christentum und die Innovationen, die in Europa eingeführt wurden, die wahren Grundlagen für die Toleranz gegenüber Minderheiten bereitstellen:

Die Christenheit jubelt über die Mischung der Rassen [Nationalitäten], da das Heidentum sich mit ihren Unterschieden identifiziert, denn die Wahrheit ist universal und Fehler vielfältig und speziell… Im Heidentum und zu unkultivierten Zeiten unterschieden  sich Nationen von einander durch die größte Vielfalt, nicht nur in der Religion, sondern in den Bräuchen, der Sprache und dem Charakter. Unter dem neuen Recht hatten sie vieles gemeinsam; die alten Barrieren, die sie trennten, wurden beseitigt und das neue Prinzip der Selbstverwaltung, das die Christenheit anordnete, ermöglichte ihnen unter derselben Obrigkeit zusammenzuleben, ohne notwendigerweise ihre geschätzten Gewohnheiten, ihre Bräuche oder ihr Recht zu verlieren. Die neue Vorstellung von Freiheit machte Raum für unterschiedliche Rassen innerhalb eines Staates. Eine Nation war nicht länger das, was sie in der alten Welt gewesen ist.[50]

Es ist erwähnenswert, dass sowohl Tocqueville als auch Ashton als Christen Freiheit und Gleichheit als das wahre Problem betrachteten und effektiven Gebrauch von religiösen Argumenten machten, um die heidnischen Grundlagen des Rassismus zu entkräften, sowohl des modernen wie des klassischen. Nach derselben Logik haben die im ersten Teil dieser Abhandlung untersuchten Parolen gemäß des Theologen Reinhold Niebuhr „Ungerechtigkeit und Grausamkeit aus seiner ursprünglichen Zusage einer höheren Gerechtigkeit abgeleitet“.

Zwei miteinander in Konflikt stehende Wertesysteme: Freiheit und Gleichheit gegen Rassismus und historischen Determinismus

Obwohl die oben beschriebene Terminologie den Giftmüll eines gescheiterten totalitären Regimes repräsentiert, bleibt sie aktuell. Politischer Antisemitismus bietet Gemeinsamkeiten für so ungleiche Gruppen wie militante Islamisten, Linke, Mitglieder der europäischen Rechten mit einer kompromittierten Vergangenheit, ganz zu schweigen von denen an weit entfernten Orten, die noch einen Juden getroffen haben könnten. Man könnte fragen, wie die politische Zugehörigkeit derer aussieht, die solche Sprache verwenden. Der Soziologe William Patterson von Berkeley schlug vor, dass Identifikation funktionell von Verhalten definiert wird. Bei der Beschreibung der amerikanischen Radikalen der 1960-er Jahre stellte er fest: „Sie definieren sich nicht darüber, ob sie Beiträge an eine Partei zahlen, sondern über ihr Tun, ihr Vokabular, ihre Denkweise.[51]

Entsprechend definiert diese Sprache diejenigen, die sie verwenden, als Personen, die Faktenwahrheit nicht sonderlich schätzen. Darüber hinaus braucht man keine verbale Waffe unbegrenzter Gewalt einzusetzen, die auf pawlowscher Sprachkonditionierung basiert, deren Absicht antisemitisch ist und das Produkt eines totalitären Regimes, das seine Gegner tatsächlich in massivem Ausmaß ausgelöscht hat, ohne gefährdet zu werden. In diesem Kontext hat Deborah Lipstadt wertvolle Einsicht geliefert:

Wenn man von israelischen Soldaten als Nazis spricht, dann ist das ein Leugnung dessen, was israelische Soldaten sind und was die Nazis waren. Man muss Israel nicht mögen, aber das ist etwas anders als über Geschichte zu lügen… Vieles der aktuellen Kritik an Israel gründet auf Antisemitismus und Leugnung. Einiges des übertriebenen Geredes über israelische Macht, israelische Stärke und israelische Fähigkeiten ist dem sehr ähnlich, was man Jahrzehnte lang in den Schriften von Holocaustleugnern gesehen hat und davor in denen der Nazis und anderer Antisemiten.[52]

Die ultimative Gefahr dieser systematischen verbalen Aggression mit ihren antisemitischen Intentionen liegt in der Verschleierung der Unterscheidung zwischen richtig und falsch und der Zerlegung der Grundalgen jüdisch-christlicher Moral. Nach fast drei Jahrzehnten haben die angehäuften Auswirkungen der sowjetischen Kampagne den Zionismus zu diffamieren und die jüngeren Versuche in Durban die Uhr zurückzudrehen ein Umfeld der moralischen Verwirrung geschaffen, das Terror und Gewalt akzeptabel und rechtfertigbar machte. Der daraus resultierende Zustand, als Anomie (Griechisch für Gesetzlosigkeit) bekannt, bezeichnet „einen sozialen Zustand, in dem die Hierarchie der Werte zusammenbricht und ‚alle Regeln fehlen‘“. In diesem Umfeld muss Israel, eine Demokratie, seinen Verteidigungskrieg mit fairen Mitteln gegen diese Verleumdungskampagne führen, die vor fast einem halben Jahrhundert begonnen wurde.[53] Israel muss auf die Herausforderungen sprachlicher Konditionierung reagieren und andere davon abhalten seine Realität durch die Verwendung ideologisch eingebetteten Sprachgebrauchs zu definieren. Dabei handelt es sich um eine Konfrontation zwischen Rückschritt bis Heidentum oder dem Voranschreiten mit den Grundideen von Gleichheit, Freiheit und dem Rechtsstaatsprinzip, die als erstes das Judentum der Welt gab, und durch Innovationen im christlich-politischem Denken der Moderne haben die Grundlagen der Demokratie unserer Zeit gelegt.

[1] Bertrand Russell: Open Letter to Wladyslaw Gomulka. World Jewry (London) Vol. XI, No. 6 (Nov/Dec 1968), S. 8, zitiert von Stefan T. Possony in: Waking up the Giant. New Rochelle (Arlington House) 1974, S. 473.

[2] Waking up the Giant, S. 473.

[3] ebenda, zitiert von Possony.

[4] Bernard Lewis: The Anti-Zionist Resolution. Foreign Affairs, Oktober 1976, 54.

[5] Michael Heller/Aleksandr M. Nekrich: Utopia in Power; The History of the Soviet Union from 1917 to the Present. Übers. V. Phyllis B. Carlos. New York (Summit Books) 1986, S. 670.

[6] Zur diplomatischen Geschichte dieser Affäre s. insbesondere Yohanan Manor: To Right a Wrong; The Revocation of the UN General Assembly Resolution 3379 Defaming Zionism. New York (Shengold) 1996.

[7] Utopia in Power, S. 670-671.

[8] ebenda, S. xii.

[9] Eugene H. Methvin: The Riot Makers; The Technology of Social Demolition. New Rochelle, N.Y. (Arlington House) 1970, S. 279-281.

[10] ebenda, S. 293.

[11] ebenda, S. 283-284.

[12] ebenda, S. 130.

[13] Bertrand Russell interviewte Lenin, vermutlich 1920, für sein Buch über den Bolschewismus [Bolshvism: Practice and Theroy. New York (Harcourt Brace) 1920] und nutzte die Gelegenheit nach dem Schicksal der Kulaken zu fragen, der reicheren Bauern. Jahre später gab er seinen Eindruck dieser Begegnung wieder: „Ich glaube, er [Lenin] war der böseste Mann, den ich jemals traf. Er hatte ruhige, schwarze Augen, die niemals zuckten. Ich hoffte sie an einem Punkt zum Zucken zu bringen, indem ich ihn fragte, warum er glaubte, es sei notwendig hunderttausende Kulaken zu ermorden. Er ignorierte das Wort „Ermordung“ ruhig. Er lächelt und sagte, sie seien eine Störung, die seinen landwirtschaftlichen Plänen im Weg standen.“ Alistair Cooke: Six Men. New York (Knopf) 1977, S. 166. Der Autor möchte David Aikman für diesen Hinweis zu danken.

[14] Robert C. Tucker: The Soviet Political Mind; Stalinism and Post-Stalin Change. London (Allen & Unwin), überarb. Fassung, 1972, S. 153.

[15] ebenda, S. 160.

[16] ebenda, S. 165.

[17] Lewis, S. 59.

[18] http://www.un.org/WCAR/statements/palestineE.htm.

[19] http://www.racism.org.za/index.html, zitiert von Anne Bayefsky: The UN World Conference against Racism: A Racist anti-Racism Conference. Proceedings of the American Society of International Law. 2002, S. 67.

[20] Avraham Burg: The end of Zionism; Israel must shed its illusions and choose between racist oppression and democracy. The Guardian, 15. September 2003.

[21] Utopia in Power, S. 252-253.

[22] Jan Valtin [Pseud. R.J.H. Krebs]; Out of the Night. London (Fortress) 1988, Neudruck der Ausgabe von 1941, S. 179, 301-302.

[23] Hillel Halkin: The Rabin Assassination: A Reckoning. In: Neal Kozodoy (Hg.): The Mideast Peace Process; An Autopsy. San Francisco (Encounter Books) 2002, S. 53.

[24] Ein Treibhaus fuer Moerder. Der Spiegel Nr. 46/1995, 13 November 1995. http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,druck-110699,00.html.

[25] Charles Enderlin: Shattered Dreams; The Failure of the Peace Process in the Middle East, 1995-2002. Übersetzt von Susan Fairfield, New York (Other Press) 2002, S. 358.

[26] http://www.telegraph.co.uk/news/ main.jhtml?xml=/news/2003/01/14/wduis 14.xml, zitiert von Gerald M. Steinberg: Learning the Lessons of the European Union’s Failed Middle East Policies. Jerusalem Viewpoints no. 510, 1 January 2004.

[27] Samantha Power: A Problem from Hell. America and the Age of Genocide. New York (Basic Books) 2002, S. 65. S. insbesondere die Kapitel 4 und 5 zur Geschichte dieses Gesetzes.

[28] Artikel II der Konvention zur Verhinderung und Bestrafung der Verbrechen Völkermord, genehmigt von der Vollversammlung der Vereinten Nationen in Resolution 260A (III) vom 9. Dezember 1948; trat in Kraft am 12. Januar 1951 in Übereinstimmung mit Artikel XII.

[29] Es hatte den Titel: We Charge Genocide. 1951, 1970. Encyclopedia of Black America.

[30] R.J. Rummel: Death by Government. New Brunswick, N.J. (Transaction Books) 1994, Tabelle 1.4, S. 8. Statistiken zu diesem Thema gründen von Natur aus auf Informationen, die nicht vollständig oder nicht verfiziert sein könnten. Trotzdem wird Rummels Forschung in diesem Feld höchst respektiert.

[31] Im Zusammenhang mit kaltblütigem Massenmord und Völkermord, muss man sich an die sowjetischen Massaker zu Beginn des Zweiten Weltkrigs an mehr als zwanzigtausend polnischen Kriegsgefangenen, die sie 1939 gefangen nahmen und dann 1940 exekutiert wurden. Die Nazis entdeckten das bekannteste ihrer Massengräber im Wald von Katyn bei Smolensk. „Sie waren das Rückgrat der polnischen Zivilgesellschaft – Geschäftsleute, Regierungsbeamte auf mittlerer Ebene, Rechtsanwälte, Ingenieure, Ärzte, Lehrer und alle möglichen Fachleute.“ Zu einer Untersuchung des Zustands dieser historischen _Frage und jüngster archivarischer Entdeckungen zum Thema s. insbesondere John Earl Haynes/Harvey Klehr: In Denial; Historians, Communism & Espionage. San Francisco (Encounter Books) 2003, S. 19-22.

[32] L’ordre va-t-il regner a Gaza? Le Soir, 18. Dezember 2001, zitiert ovn Joel Kotek: Anti-Semitic Motifs in Belgian Anti-Israel Propaganda. In: Antisemitism Worldwide 2001/2, http://www.tau.ac.il/Anti-Semitism/asw2001-2/kotek.htm.

[33] Alan Dershowitz: The Case for Israel. Hoboken, N.J. (Wiley) 2003, S. 153.

[34] Anat Peri: Motivated by Venom. Leserbrief, Ha’aretz, 30. Mai 2003.

[35] S. Joel Fishman: Lev Grinberg and the Accusation of Symbolic Genocide. http://www.makorrishon.co.il/article.php?id=1911.

[36] Yehoshafat Harkabi: Arab Strategies and Israel’s Response. New York (Free Press) 1977, S. 27-28.

[37] Kelly Wallace: Sharon: ‚Occupation‘ Terrible for Israel, Palestinians“. 27. Mai 2003, CNN.com/world. S. auch: Dore Gold: From ‚Occupied Territories‘ to ‚Disputed Territories‘. http://www.jcpa.org/jl/vp470.htm.

[38] Tucker, S. 267.

[39] Stalin brachte die Theorie erstmals in der Istwestja vom 22. Februar 1919 zum Ausdruck. James D. Atkinson: The Edge of War. Chicago (Regnery) 1960, S. 58.

[40] Tucker, S. 229.

[41] http://www.dhm.de/magazine/heft7/chronicle1.htm; und Tucker, S. 228. Anlass war die Gründung der COMINFORM, des Informationsbüro der kommunistischen Arbeiterparteien.

[42] ebenda, S. 232.

[43] http://israel-arab_conflict.tripod.com/Articles/arafatstockholm.htm.

[44] Baruch Kimmerling: Politizid; Ariel Sharons Krig gegen die Palästinenser. Diderichs 2003, S. 168 der engl. Ausgabe. Es dürfte näher an der Wahrheit sein, dass Oslo Israel mehr korrumpierte, als die sogenannte „Besatzung“. Aktuelle Enthüllungen israelischer Korruption sind mit Gschäftsbeziehungen zwischen ehemalign Sicherheitsoffiziellen in Israel und Mitglieder der Entourage Arafats in Verbindung gebracht worden. Der dramatischste Fall sind die Enthüllungen, die in der israelischen Presse über den verstorbenen Yossi Ginnosar und seine Geschäfte mit der palästinensischen Autonomiebehörde berichtet wurden, was nur ein Fall von vielen war. S. MEMRI: The Ginnosar File – Investigative Report in Israeli Media on Corruption Affair Involving High Ranking Israeli (and Palestinian) Officials. 27. Dezember 2002, http://www.memri.org/bin/opener.cgi?Page=archives&ID=SP45302.

[45] http://www.racism.org.za/index.html, zitiert von Anne Bayefsky in: The UN World Conference against Racism: A Racist anti-Racism Conference. S. 67.

[46] Zum Beispiel merkte Norman Podhoretz an, als er über die falschen Annahmen schrieb, auf denen der Friedensprozess beruhte: „In diesem Fall bestand die unerträgliche Realität, die [von Israels Führungspolitikern] auswichen, dass Israels Sehnsucht nach Frieden weder von der arabischen Welt im Allgemeinen, noch von den Palästinensern im Besonderen geteilt – dass ihre Einwände nichts mit irgendetwas zu tun haben, das Israel getan oder nicht gtan hatt, sondern mit der Tatsache, dass es überhaupt existiert.“ In: Intifada II: Tod einer Illusion? The Mideast Peace Process, S. 87-88.

[47] Tom Lantos: The Durban Debacle: An Insider’s View of the UN World Conference Against Racism. Jerusalem (Institute of the World Jewish Congress) 2002, S. 15.

[48] John Stone/Stephen Mennell: Alexis de Tocqueville on Democracy, Revolution, and Society. Chicago (University of Chicago Press) 1980, S. 320-322.

[49] John Emerich Edward Dalberg Acton. Baron Acton (1834-1902) war Professor für moderne Geschichte in Cambridge, 1895-1902.

[50] John Neville Figgis/Reginald Vere Laurence (Hg.): The History of Freedom. London (Macmillan) 1919, S. 291.

[51] Riot Makers, S. 223. Methvin zitierte Berkeley-Professor für Soziologie William Paterson. Vielleicht könnte auch der Begriff „postkommunistische Revolutionäre“, entliehen vom amerikanischen Kontext der 1960-er Jahre, ebenfalls hilfreich sein.

[52] Deborah Lipstadt: Denial of the Holocaust and Immoral Equivalence. In: Manfred Gerstenfeld, (Hg.): Europe’s Crumbling Myths; The Post-Holocaust Origins of Today’s Anti-Semitism. Jerusalem (Jerusalem Center for Public Affairs) 2003, S. 121.

[53] Das ist eine Umformulierung des Ziels der Koalition im Golfkrieg. Philip M. Taylor: War and the Media; Propaganda and Persuasion in the Gulf War. Manchester (Manchester University Press) 1992, S. 29.