Ist Jerusalem eine heilige islamische Stadt?

Es gibt einen großen Unterschied zwischen einer Stadt, die in den Augen Gottes heilig ist und einer, die eine heilige islamische Stadt ist.

Mohamad Tawhidi, The Jerusalem Post, 26. Januar 2019

Der Heilige Koran erklärt sehr deutlich, dass das Heilig Land, Jerusalem, der jüdischen Nation des Moses gehört, den Israeliten. (Foto: überlassen)

Jerusalem ist Heimat für rund 400.000 Muslime, aber ist es auch gemäß dem Islam eine heilige Stadt?

Das ist eine Frage, die die Mehrheit der Muslime innerhalb der politischen und akademischen Welt zu meiden versucht, einfach deshalb, weil sie eine ziemlich unbequeme Diskussion eröffnet. Fakt ist, dass ein Muslime, der eine solche Frage stellt, sich ernster Konsequenzen gegenüber sehen könnte; dazu gehört, dass die Gesellschaft seinen/ihren Glauben in Zweifel zieht.

Bis 2014 war ich ein Islamist, der das jüdische Volk verabscheute und offen dafür war Krieg gegen sie zu führen. Heute jedoch bin ich mit vielen Leitern jüdischen Glaubens befreundet. Diese Verwandlung war nicht politisch, sie war eher theologisch. Kurz gesagt: Ich begann gewisse Behauptungen zu hinterfragen, die mir von meinen Lehrern und der muslimischen Gemeinschaft beigebracht worden waren. Ich begann mir Frage zu stellen, ob Jerusalem wirklich dem Islam und den Muslimen gehört.

Um diese wichtige Frage zu beantworten, müssen wir erkunden, wie Städte gemäß dem Islam heilige werden.

Heilige Städte im Islam

Durch die gesamte Geschichte hindurch ist jeder Religion mit einem Gebiet assoziiert worden, das geweiht, respektiert und verkehrt worden ist. Der Islam ist da nicht anders. Es gibt Dutzende heilige Städte im Islam, so z.B. Mekka, Medina, Qom, Kerbela und Nadschaf – aufgrund eindeutiger Verse des Koran, der ihren Ruhm bestätigt oder weil der Prophet Mohammed den Muslimen ihre Erhebung bestätigte.

Es gibt einen großen Unterschied zwischen einer Stadt, die in den Augen Gottes heilig ist und einer heiligen islamischen Stadt. Beispielsweise werden alle Prophetengräber, Geburtsorte und Gegenden, in denen Wunder stattfanden im Islam als heilig angesehen, aber dabei handelt es sich nicht um ausdrücklich islamische Orte. Ein heiliger islamischer Ort ist eine Stelle, an der ein bedeutendes islamisches Ereignis stattgefunden hat, entweder durch Allah oder den Propheten Mohammed.

Jerusalem in islamischen heiligen Schriften

Der Heilige Koran erklärt sehr klar, dass das Heilige Land, Jerusalem, der jüdischen Nation des Mose gehört, den Israeliten:

„Und wie Moses zu seinem Volke sprach: «O mein Volk, besinnt euch auf Allahs Huld gegen euch, als Er aus eurer Mitte Propheten erweckte und euch zu Königen machte und euch gab, was Er keinem anderen (Volke) auf der Welt gegeben.“ (Sure 5,20f)

Der Vers oben macht auch deutlich, dass Gott „(dieses Land) keinem anderen in der Welt gegeben hat“ als der jüdischen Nation.

Aus diesem Vers und anderen mit ähnlichem Kontext erkennen wir, dass Jerusalem für Gott eine heilige Stadt ist, aber es ist keine heilige islamische Stadt; Grund ist die Tatsache, dass ihre Heiligkeit begründet wurde, bevor der Islam existierte.

Nach dem Aufkommen des Islam im Jahr 621 unserer Zeitrechnung wird geglaubt, dass der Prophet Mohammed eine übernatürliche und spirituelle Nachreise zur Al-Aqsa-Mosche (der entfernteste Moschee) unternahm. Dieses Ereignis wird im Koran im folgenden Vers berichtet: „Preis Ihm, Der bei Nacht Seinen Diener hinwegführte von der Heiligen Moschee zu der Fernen Moschee, deren Umgebung Wir gesegnet haben, auf dass Wir ihm einige Unserer Zeichen zeigen. Wahrlich, Er ist der Allhörende, der Allsehende.“ (Sure 17,1)

Zwei grundlegende Dinge müssen bezüglich des Verses oben thematisiert werden:
1. Dass der Prophet Mohammed an einen Ort reiste, macht diesen nicht „islamisch“.
2. Es gibt wenig Beweise, dass die „Al-Aqsa-Moschee“ sich tatsächlich in Jerusalem befindet und es einen große Zahl Muslime gibt, die glaubt, dass „die entfernteste Mosche“ ein Hinweis auf eine Moschee im Himmel ist, nicht auf der Erde; aufgrund der Tatsache, dass die aktuelle Al-Aqsa-Moschee zur Lebenszeit des Propheten Mohammed nicht existierte, macht es unmöglich, dass er sie besucht haben kann.

Botschafter sowohl des Judentums und der Christenheit sind in Jerusalem Jahrhunderte vor dem Propheten Mohammed angekommen, um ihre heiligen Schriften zu predigen. Daher kann es historisch nicht korrekt sein zu sagen, dass Mohammed den Islam vor ihnen nach Jerusalem brachte.

Bis zum Umzug Mohammeds nach Medina im Jahr 622 und der offiziellen Gründung des Islam dort, war der Islam eine Minderheitsreligion im Vergleich der zwei fest etablierten Religionen des Judentums und des Christentums. Außerdem wechselten die Einwohner Jerusalems, die zum Islam konvertierten, schlicht ihren Glauben, nicht die gesamte Geschichte Jerusalems.

Daher behaupten weder die heiligen Schriften des Islam noch die Geschichte, dass Jerusalem eine heilige islamische Stadt ist.

Jerusalem begegnet dem Islam

Im Mai 632 ernannte der Prophet Mohammed Osama ibn Zaid zum Kommandeur seiner Arme, um auf die Römer mit einer vereinbarten Schlacht in Palästina zu reagieren.

Am nächsten Tag begab sich Osama auf seine Expedition, aber er erfuhr dann, dass Mohammed gestorben war und daher kehrte er nach Medina zurück. Kalif Abu Bakr befahl Osama dann seine Arme auf 3.000 Mann zu verstärken und die Einwohner des Königreichs Moab und das von Byzanz gehaltene Darum anzugreifen, so viele zu töten oder gefangen zu nehmen, wie er konnte und Osama machte das.

Dieses Ereignis beweist, dass bis zu seinem Ableben keinen Krieg gegen eine Stadt voller Muslime führte. In Wirklichkeit kam der Islam als Religion offiziell im Jahr 636 nach Palästina, vier Jahre nach Mohammeds Tod und während der Herrschaft des zweiten Kalifen des Islam, Omar.

Das islamische Kalifat führt einen Angriff auf Jerusalem, das von den byzantinischen Römern regiert wurde. Die Stadt wurde ab dem November des Jahres vier Monate lang belagert. Nach vier Monaten der Bedrängnis und des Schlachtens übergab der orthodoxe Patriarch von Jerusalem, Sophronius, Jerusalem 637 an den Kalifen Omar. Als der Kalif Omar erkannte, dass der Islam in der Region immer noch eine Minderheitsreligion war, übernahm der das System der Jizya, mit dem Christen und Juden gezwungen wurden dem islamischen Kalifat Steuern zu zahlen.

Nach einem Massaker an den Einwohnern der Stadt kam unser Kalif Omar nach Jerusalem, um seinen Gouverneur zu ernennen. Er baute dann das, was heute als „die Aqsa-Moschee“ bekannt ist, von der viele Muslime irrtümlich glauben, sie sei vom Propheten Mohammed gebaut worden.

Die Moschee in Jerusalem mit ihrer goldenen Kuppel ist den Muslimenals „Qubbat al-Sakhrah“ (Felsendom) bekannt und wurde im Jahr 691 von der Omajjaden-Dynastie gebaut, die auf das islamische Kalifat folgte. Man kann wohl darüber streiten, dass es Muslimen nicht erlaubt ist in der Al-Aqsa-Moschee und dem Qubbat al-Sakhrah zu beten, weil sie auf besetzten und erobertem Land stehen.

Bis zum 9. Jahrhundert beherrsche die Fatimieden-Dynastie, ein schiitisch-islamisches Kalifat, einen großen Teil Nordafrikas. Sie waren ebenfalls Terroristen, die nach Palästina eindrangen und in Jerusalem Christen massakrierten, weil die sich auf die Seite der Römer aus Byzanz stellten, die versucht hatten das von ihnen eroberte Land zurückzugewinnen. Der berüchtigte Kalif des Fatimiden-Kalifats, Al-Hakim, verursachte viel Schaden in der gesamten Region; er tötete sogar Johannes VII., den Patriarchen von Jerusalem – eine provokante Tat, die den Grund für den ersten Kreuzzug legte. Infolge der Niederlage der Kreuzritter wurden Muslime zur Mehrheit, allerdings durch das Schwer und nicht durch den Stift.

Bis dahin war die gesamte Mittelmeerküste Palästinas erobert worden, gefolgt von einer Reihe von Masskaern an den Christen und einem Völkermord, der sich bis nach Damaskus und Beirut ausweitete. Der Islam wurde bis zum 9. Jahrhundert zur gängigen Religion Palästinas und wurde während der Ära der Mameluken zwischen 1250 und 1516 zur Mehrheitsreligion der Region.

Somit betraten wir Muslime Palästina nicht als Prediger und machten aus seiner Nation Muslime. Wir ermordeten ihre Leiter und führten Serienmassaker durch, angeführt sowohl von sunnitischen wie schiitischen, terroristischen Kalifen des Islam. Die Einwohner Palästinas mögen zum Islam übergetreten sein, aber Palästina kann keinesfalls als muslimisches Land angesehen werden. Natürlich werden viele diese Meinung bestreiten, aber Tatsache ist, dass die Juden lange in diesem Land waren, bevor selbst das Christentum aufkam. Ihre uralten kulturellen Verbindungen bleiben ungebrochen, so in dem Spruch „nächstes Jahr in Jerusalem“, der bei jedem Pessah gesagt wird.

Unsere arabisch-muslimischen Vorfahren kamen als Eroberer aus ihren Wüsten und nicht als Lernende und als Führende, die keine Führung von anderen suchten. Sie glaubten, dass sie ausreichendes Wissen und Weisheit hatten und dass sie von anderen nichts lernen müssten. Dieser Irrglaube meiner Glaubensbrüder besteht bis heute fort, trotz der Tatsache, dass die Welt sich verändert hat.

Beunruhignde Ereignisse in der islamischen Geschichte

Andererseits verstehe ich den muslimischen Kampf um Jerusalem nicht. Das islamische Recht verbietet streng sich zu erleichtern, während man sich nach Mekka wendet; tatsächlich sind alle Toiletten in allen islamischen Ländern und den meisten islamischen Heimen nicht nach Mekka ausgerichtet, aus Respekt für die heilige Stadt. Doch Bukhari berichtet, dass unser Prophet Mohammed sich bewusst und wiederholt Jerusalem zugewandt erleichterte, obwohl er sich stattdessen in eine andere Richtung hätte wenden können.

Macht es Sinn, dass Palästinenser für Jerusalem sterben, wenn ihr eigener geliebter Prophet es vorzog auf die Stadt ausgerichtet seinen Darm zu entleeren?

Ob Palästina jüdisches Land ist oder Israel ein Staat, sind zwei völlig unterschiedliche Debatten. Ein Muslim mag ablehnen, dass Israel ein Staat ist, aber er kann die Tatsache nicht bestreiten, dass die gesamte Region, ein schließlich Palästinas, tatsächlich jüdisches Land ist.

Der Autor, ein im Iran geborener australisch-schiitischer Imam, ist der Präsident der Islamic Association of South Australia.

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