Das Goldene Tor – Sha’ar Harachamim auf dem Tempelberg

Israel Daily Picture, 20. Februar 2019

Das Goldene Tor (Sha’ar Harahamim, Gnadentor) in der Altstadtmauer von Jerusalem hat am Yom Kippur, dem jüdischen Versöhnungstag, besondere Bedeutung. Wäre das Tor offen, würde es direkt auf den Tempel-Platz führen. Das Äußere des Tores würde sich zum Kidrontal und den dahinter liegenden Ölbergs öffnen. In talmudischer Literatur war das Tor auch als Schuschan-Tor bekannte, weil es in östlicher Richtung (zur persischen Stadt Schuschan) liegt und vielleicht auch wegen der Rolle, die vom persischen König Kyros bei der Rückkehr der Juden nach Jerusalem nach dem babylonischen Exil spielte.

Das Goldene Tor, betrachtet vom Tempelplatz aus (1860)

Gemäß jüdischer Tradition nahm ein Botschafter (in der Regel ein Priester) am Yom Kippur ein Opferlamm vom Tempel mit durch das Tor in die Wüste. Die Reinigungszeremonie Rotes Kalb involvierte ebenfalls ein Opfer durch das Tor im Osten hin zum Ölberg zu bringen.

Das Innere des Goldenen Tores. Stammen die Säulen vom Tempelgebäude? (1900)

Anders als die meisten anderen Tore Jerusalems war das Goldene Tor ursprünglich mindestens ein Jahrtausend zuvor gebaut, als Süleiman der Prächtige die Mauern Jerusalems 1540 wieder aufbaute. In der Tat glauben einige Archäologen, dass das ursprüngliche Tor, das auf den Bau des Herodes oder sogar die Zeit Nehemias (440 v.Chr.) zurückgeht, heute noch unter dem aktuellen Tor besteht. Vielleicht wegen der großen religiösen Bedeutung des Tores für Juden und Christen als der Route des Messias nach Jerusalem hinein wird angenommen, dass Suleiman das Tor versiegelte und den Bau eines muslimischen Friedhofs vor dem Tor erlaubte.

Von hebräischer Schrift auf den inneren Wänden der Torkammer wird angenommen, dass sie von jüdischen Pilgern vor mindestens 1.000 Jahren hinterlassen wurden. (s. Studie von Shulanit Gera, Catedra, auf Hebräisch.)

Die von „Abraham“ in die Mauer geritzten Schriftzeichen.
Diagramm der beiden Ebenen des Goldenen Tores (mit Erlaubnis der Biblical Archeological Review)
Der antike unterirdische Bogen und die Knochengrube. (James Fleming)

Die Theorie eines antiken Tores erhielt 1969 Unterstützung, als ein Archäologie-Student namens James Fleming das heutige Tor untersuchte. Plötzlich gab der vom Regen vollgesogene Boden unter ihm nach und er fand sich in einer Knochengrube wieder, die sich auf einem anderen Tor 8 Fuß unter der Oberfläche befand. Fleming fotografierte diese Entdeckung. Als er am nächsten Tag zurückkam, war das Grab von den islamischen Aufsehern des Friedhofs mit einer Zementplatte versiegelt worden.

Vielleicht stammen die Knochen sogar aus dem Jahr 625 n.Chr., als eine jüdische Revolte die Perser gegen die Byzantiner unterstützte. Angeführt von Benjamin von Tiberias und seiner Arm kontrollierten die Juden die Stadt mehrere Jahre lang, möglicherweise stellten sie sogar die religiösen Bräuche auf den Ruinen des Tempels wieder her. Die Zeit war gekennzeichnet von Abschlachten, das von allen Seiten begangen wurde.

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