Hass-Karikaturen in wichtigen antiisraelischen Medien

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor; auf Englisch veröffentlicht bei BESA, 4. Mai 2019)

Für Auslandsmedien, die regelmäßig gegen Israel aufstacheln, ist es oft wahrscheinlich, dass sie in die Veröffentlichung antisemitischer Karikaturen abgleiten. Eine aktuelle antisemitische Karikatur in der New York Times ist ein solcher Fall. Am 25 April entmenschlichte die internationale Ausgabe der Zeitung den israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu, indem sie ihn in einer Karikatur als Hund zeigte.[1] Juden als Tiere darzustellen ist ein klassisches Motiv des Antisemitismus. Die Leitung der Zeitung machte für die Veröffentlichung einen einzelnen Redakteur verantwortlich. Zusätzlich hätte es jedoch ein Eingeständnis geben müssen, dass das kulturelle und politische Umfeld bei der New York Times das Vergehen dieses Redakteurs möglich machte.

Es gibt verschiedene große Medien in zahlreichen Ländern, die oft gegen Israel gehetzt haben und ebenfalls antisemitische Karikaturen veröffentlichten. 2003 brachte die britische Tageszeitung The Independent eine Karikatur von Dave Brown, die den damaligen israelischen Premierminister Ariel Sharon als Kinderfresser darstellte, eine neue Mutation des mittelalterlichen Ritualmordvorwurfs. Selbst nach zahlreichen Beschwerden entschied die Press Complaints Commission (PCC) in Großbritannien, dass die Karikatur ihren Ethikcode nicht verletzt.[2] Sie gewann danach sogar den Preis für die beste politische Karikatur der Political Cartoon Society für das Jahr 2003. Dieser Preis wurde von der ehemaligen Ministerin der Labour Party Clare Short im Hauptsitz der prestigeträchtigen Wochenzeitung The Economist in London verliehen.

Der damalige israelische Botschafter im Vereinten Königreich Zvi Shtauber fragte den jüdischen Chefredakteur Simon Kelner, ob die Zeitung jemals eine ähnliche Karikatur einer Person des öffentlichen Lebens veröffentlicht hätte. Kelner musste mit seiner Sucher achtzehn Jahre weit in die Vergangenheit gehen um eine zu finden.[3]

Mitte des letzten Jahrzehnts war der jüdische Politiker Michael Howard der Vorsitzende der Konservativen Partei von Großbritannien, die sich damals in der Opposition befand. Im April 2005 veröffentlichte der Guardian eine Karikatur von Steve Bell, die Howard mit Vampirzähnen darstelle, von einem tropfte Blut. Dazu hielt er ein Glas mit Blut. Die Bildbeschreibung lautete: „Trinken Sie, was wir trinken? Stimmen Sie für die Konservativen.“[4] Später zeichnete Bell Howard für den Guardian erneut mit Vampirzähnen.[5] Der weltweit führende Experte für antisemitische Karikaturen, der belgische Forscher Joël Kotek, hat gesagt, dass hauptsächlich Juden in Karikaturen als Vampire dargestellt werden.[6]

Die „progressive“ deutsche Tageszeitung Süddeutsche Zeitung (SZ) ist eine der meistgelesenen „Qualitätszeitungen“ in Deutschland. Am 15. Mai 2018 veröffentlichte die SZ eine Karikatur, die den israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu als die israelische ESC-Gewinnerin Netta Barzilai des Jahres darstellte; er feierte den Sieg mit einer Rakete mit Davidstern in der Hand. Der Karikaturist zeichnete den israelischen Regierungschef mit übergroßer Nase, Ohren und Lippen – klassische antisemitische Stereotype.

Nach vielen negativen Reaktionen entschuldigte sich die SZ ein paar Tage später damit, es sei ein Fehler gewesen die Karikatur zu veröffentlichen.[7][8] Fakt ist, dass die Hetze der Zeitung eine lange Geschichte hat.[9] 2013 veröffentlichte sie die Karikatur eines Monsters mit zwei Hörnern, das essen wollte[10] Der begleitende Text lautete: „Deutschland serviert. Seit Jahrzehnten wird Israel, teils umsonst, mit Waffen versorgt.“

2014 erschien eine weitere antisemitische Karikatur in der SZ.[11] Burkhard Mohr zeichnete den jüdischen Facebook-Unternehmer Mark Zuckerberg als Krake, der seine Tentakel ausstreckt, um die sozialen Medien zu kontrollieren. Der Karikaturist stellte Zuckerberg mit langer Nase und dicken Lippen dar, einmal mehr typische antisemitische Stereotype. Kotek hat herausgestellt, dass Juden als Kraken darzustellen ist ein klassisches Motiv antismitischer Karikaturen.[12]

2008 porträtierte die italienische linke Tageszeitung Il Manifesto die jüdische Journalistin Fiamma Nirenstein mit der Bildbeschreibung „unsere Kandidaten für die Wahl: Fiamma Frankenstein.“ Sie war Kandidatin der Mitte-Rechts-Partei Il Popolo della Liberà (Volksfreiheit) bei den italienischen Parlamentswahlen. Der Karikaturist Vauro zeichnte sie mit einer langen Nase, die den Mund berührte, sie trug einen Wahlkampf-Button, einen Davidstern und die Insignien der Faschisten. Die Anti-Defamation League (ADL) bezeichnete die Karikatur als „unzweifelhaft antisemitisch“. Die Redakteure der Zeitung lehnten es ab sich zu entschuldigen.[13]

Die liberale schwedische Zeitung Dagens Nyheter veröffentlichte 2016 eine Karikatur, die Netanyahu und den gerade zum US-Präsidenten gewählten Donald Trump darstellte. Die beiden wurden von einem orthodoxen Juden, einem Mitglied des Klu-Klux-Klan und einer Person mit Gewehr getragen, die mir einer israelischen Flagge gekennzeichnet war. Die Bildbeschreibung lautete „Endlich“. Anfangs verteidigte die Zeitung die Karikatur. Später twitterte ihr jüdischer Chefredakteur, die Karikatur zu veröffentlichen sei ein Fehler gewesen, bestritt aber gleichzeitig, dass die Karikatur antisemitisch war.[14]

In der linksliberalen niederländischen Tageszeitung Volkskrant hat der Karikaturist Jos Colignon im Lauf des Jahres mehrere antisemitische Karikaturen veröffentlicht. 2018, anlässlich des 70. Geburtstags Israels, zeichnete er eine Karikatur eines großen israelischen Soldaten mit Davidstern auf dem Rücken, der auf einen kleinen Palästinenser vor einer Mauer schoss; die Kugeln schlugen um ihn herum ein und bildeten den Schriftzug „Happy Birthday to me“.[15]

2013 veröffentlichte Volkskrant eine Karikatur Colignons, die zwei Teile hatte. Rechts zeigte sie den nordkoreanischen Diktator mit der Bildunterschrift „Atombombe im Ärmel, Atombombe in den Taschen“. Links war ein schwarz gekleideter, ultraorthodoxer Jude mit schwarzem Hut und einer großen Nase, neben dem „Israel“ geschrieben stand. Er hatte Bomben seinen Taschen; die Bildbeschreibung lautete: „Nichts in den Ärmeln, nichts in den Taschen.“[16]

2012 schuf Colignon für den Volkskrant eine Zeichnung des rechten niederländischen Politikers Geert Wilders, des Chefs der Freiheitspartei. Eine fremde Hand steckt ihm Geld in die Tasche. Wilders sagt auf Hebräisch: „Danke und mach dir keine Sorgen.“ Die Karikatur legt nahe, dass das internationale Judentum diesen Politiker finanziert.[17]

Das Land mit regelmäßigen antisemitischen Karikaturen und einer andauernden Geschichte gegen Israel ist Norwegen. Ein Teil davon ist von Erez Uriely analysiert worden.[18] Die drei führenden landesweiten Zeitungen sind alle antiisraelisch. Hier kann nur eine kleine Auswahl der Hass-Karikaturen erwähnt werden. In der größten Zeitung, Verdens Gang, stellt der Karikaturist Morton M. Kristiansen die Juden Israels als Parasiten dar, die den Arabern Land stahlen und immer noch das letzte Sandkörnchen haben wollen.

2002 veröffentlichte die zweitgrößte landesweite Zeitung, Aftenposten, eine Karikatur von Inge Grodum. Sie zeigt einen Davidstern – statt eines normalen Sterns – über Bethlehem und drei Männer auf Kamelen. Letzteres verweist auf die drei Weisen aus dem Morgenland, die Jesu Geburt vorhersahen. Die Karikatur deutete an, dass Israel aus Bethlehem eine jüdische Stadt gemacht habe. Fakt ist, dass die Mehrheit der Stadt unter der Herrschaft der Palästinensischen Autonomiebehörde muslimisch wurde statt christlich. Es gibt keine Juden, die in Bethlehem leben. In einer weiteren Karikatur in derselben Zeitung von derselben Künstlerin im selben Jahr schießen israelische Panzer auf den Stern von Bethlehem.

Die drittgrößte Tageszeitung, Dagbladet, hat allerlei antisemitische Karikaturen von Finn Graff veröffentlicht. Zwei davon zeigen Sharon und Olmert als Nazis. Der ehemalige Generalsekretär der norwegischen Arbeitspartei, Haakon Lie, schrieb in seiner Autobiografie: „Die Arbeitspartei ritt schwere Angriffe auf Israel. Sie verwendete Karikaturen von Finn Graff, die die antisemitischen Illustrationen von Der Stürmer in den Tagen Hitlers und Das Krokodil in Moskau wachriefen.“[19] Norwegens König Harald V. verlieh diesen Zeichner antisemitischer Karikaturen trotzdem den Orden des Heiligen Olaf, den höchsten Orden des Landes.

(Dieser Artikel ist eine erweiterte Version eines früheren,
der in The Algemeiner veröffentlicht wurde.)

[1] http://www.nytimes.com/2019/04/28/business/ny-times-anti-semitic-cartoon.html

[2] http://www.politicalcartoon.co.uk/html/exhibition.html.

[3] Manfred Gerstenfeld, interview with Zvi Shtauber: British Attitudes toward Israel and the Jews. In: Israel and Europe: An Expanding Abyss? Jerusalem (Jerusalem Center for Public Affairs/Konrad-Adenauer-Stiftung) 2005, S. 188.

[4] Steve Bell: Are you drinking what we’re drinking? Vote conservative. The Guardian, 7. April 2005.

[5] Steve Bell: Michael Howard and the Tory party. The Guardian, 5. Oktober 2005.

[6] http://jcpa.org/article/major-anti-semitic-motifs-in-arab-cartoons/

[7] http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/31630

[8] http://www.haaretz.com/israel-news/german-newspaper-apologizes-for-cartoon-using-anti-semitic-stereotypes-1.6094472

[9] http://www.jpost.com/Diaspora/Antisemitism-czar-slams-German-cartoon-as-Nazi-propaganda-556693

[10] http://www.zeit.de/kultur/2013-07/sueddeutsche-zeitung-israel-karikatur

[11] http://www.jpost.com/printarticle.aspx?id=342412

[12] http://jcpa.org/article/major-anti-semitic-motifs-in-arab-cartoons/

[13] http://www.jta.org/2008/03/20/default/italian-caricature-called-anti-semitic

[14] http://www.thelocal.se/20161121/swedish-newspaper-criticized-for-anti-semitic-trump-cartoon

[15] www.dagelijksestandaard.nl/2018/04/ranzige-volkskrant-publiceert-walgelijke-antisemitische-cartoon-vanwege-70ste-verjaardag-israel/

[16] https://brabosh.com/2013/04/25/pqpct-otr/

[17] https://joop.bnnvara.nl/nieuws/volkskrant-cartoonist-aangeklaagd-wegens-antisemitisme

[18] Manfred Gerstenfeld: Behind the Humanitarian Mask. The Nordic Countries, Israel and the Jews. JCPA, 2008, Israel, S: 142 -158.

[19] Haakon Lie: Slik jeg ser det (As I See It), 2. Teil. Oslo (Tiden Norsk forlag) 1983, S. 132.

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