Acht Dinge, die Sie über die Kotel und den Tempelberg wissen müssen

Inspiration from Ziyon, 31. Mai 2019

Es gibt viele Fehlvorstellungen zum Tempelberg, der Kotel und der Al-Aqsa-Mosche. Verwirrung und noch mehr Konflikt können ausgeräumt werden, wenn man die Fakten deutlich macht!

Hier sind 8 Dinge, die Sie über den für das jüdische Volk heiligsten Ort der Erde wissen müssen:

1. Was ist für Juden der heiligste Ort der Welt?

Lautet Ihre Antwort „die Klagemauer“ (Westmauer, Kotel)? Wenn ja, dann ist das ein Fehler, den leider viele Leute machen!

Kotel bedeutet auf Hebräisch wörtlich „Mauer“. Diese Mauer ist so wichtig, dass es unnötig wurde zu benennen, welche Mauer das ist, es ist DIE Mauer. Gleichzeitig ist sie nicht an sich wichtig, sondern durch die Nähe zu dem, was wirklich wichtig ist – der Tempelberg.

Der heiligste Ort der Erde ist für Juden der Tempelberg im Herzen Jerusalems.

2. Warum ist der Tempelberg dem jüdischen Volk heilig?

Es steht geschrieben:
Wie der Nabel im Zentrum des menschlichen Körpers sitzt
so ist das Land Israel der Nabel der Welt…
gelegen im Zentrum der Welt
und Jerusalem im Zentrum des Landes Israel
und das Heiligtum im Zentrum Jerusalems
und der heilige Ort im Zentrum des Heiligtums
und di Lade im Zentrum des heiligen Orts
und der Grundstein vor dem heiligen Ort
weil die Welt dort gegründet wurde.
(Midrasch Tanchuma aus der Römerzeit)

Es wird geglaubt, dass der Grundstein die Grundlage ist, die Gott nutzte um die Welt zu schaffen. Um diesen Stein herum wurde der Tempel gebaut und innerhalb des Tempels, auf dem Grundstein, wurde die Bundeslade platziert. Das ist die Quelle der Heiligkeit des Tempels und seiner Bedeutung für das Judentum.

Jüdische Quellen identifizieren diesen Felsen auch als den in der Bibel erwähnten Ort, wo Isaak gebunden wurde, wo Abraham Gottes Test absolvierte, um zu sehen, ob er bereit war seinen Sohn zu opfern. An diesem Ort hörten Menschenopfer für Gott als legitimer Brauch auf zu existieren und schon vor den Zehn Geboten übernahm das Judentum die moralische Führung der Welt.

3. Sagt man Kotel, Klagemauer oder Westmauer?

„Klagemauer“ ist ein allgemein verwendeter, höchst beleidigender Begriff, eine uralte Form der Delegitimierung der jüdischen Geschichte durch Herabsetzung jüdischen Leides angesichts des Verlustes des antiken jüdischen Tempels, den die Römer im Jahr 70 zerstörten. Es ist der Begriff von Nichtjuden, die Israel besetzten, über den Schmerz der Juden spotteten, die weinend an der Kotel, der Westmauer standen, die die einzige Mauer ist, die vom antiken Tempel in Jerusalem stehen gelassen wurde. (Sie ist noch nicht einmal einen Mauer der eigentlichen Tempelbauwerks, sondern eine Stützmauer des Geländes.)

Während der Zeit der christlichen Römerherrschaft über Jerusalem (ca. 324-638) war Juden der Zutritt zu Jerusalem komplett verboten, außer um Tischa B’Av zu feiern, den nationalen Trauertag für den ersten und den zweiten Tempel; an diesem Tag weinten die Juden an dem heiligen Ort. Der Begriff „Klagemauer“ wurde daher fast ausschließlich von Christen verwendet und in der Zeit der nichtjüdischen Kontrolle zwischen der Einrichtung der britischen Herrschaft 1920 und dem Sechstagekrieg 1967 wiederbelebt. Dieser abwertende Begriff verhöhnt den Schmerz des jüdischen Volks im Sinne von: „Jetzt legen diese Juden wieder los, sie weinen wieder.“

Kotel ist das auf Hebräisch verwendete Wort und bedeutet schlicht „Mauer“. Die Wahl dieses Begriffs deutet die Bedeutung des Bauwerks in der jüdischen Seele an – diese eine übriggebliebene Mauer ist so bedeutend, dass es nicht notwendig ist im Einzelnen anzuführen, von welcher Mauer da gesprochen wird. DIE Mauer. Es ist zwar nicht die Mauer selbst, die heilig ist, es war der Tempel und was auf dem Berg stand, das heilig war. 2000 Jahre, Exil und viele furchtbare Erfahrungen in dieser Zeit haben nicht ausgereicht um das jüdische Volk die Bedeutung des Tempels vergessen zu lassen.

Die Mauer hat an Bedeutung zugenommen, weil sie alles ist, was vom Tempel übrig ist und weil den Juden das Recht auf dem Tempelberg zu beten verweigert wurde (und weiterhin verweigert wird). Die Kotel wurde kostbar, weil sie der Ort war, wo Juden dem für das jüdische Volk Allerheiligsten auf Erden am nächsten kommen konnten.

„Westmauer“ ist eine faktische Beschreibung der Mauer. Die Kotel ist die westliche Stützmauer des Tempels und es absolut vernünftig sie als solche zu beschreiben.

4. Wussten Sie, dass es einen egalitären Gebetsbereich an der Kotel gibt (Ezrat Yisrael)?

Ezrat Yisrael wurde eröffnet, um die Bedürfnisse verschiedener Juden abzugleichen, die unterschiedlich beten wollten, um allen Freiheiten nach eigenem Dafürhalten für Gebet zu ermöglichen, ohne diejenigen zu beunruhigen, die von unterschiedlichen Arten zu beten vor den Kopf gestoßen sind.

Der egalitäre Abschnitt ist zu allen Tages- und Nachtzeiten geöffnet, genauso wie der bekanntere traditionelle Bereich. Männer und Frauen können gemeinsam frei beten. Frauen haben die Freiheit nach Wunsch laut zu singen und aus der Thora zu lesen, wenn sie das möchten. Anders als im traditionellen Bereich der Kotel gibt es in Ezrat Yisrael Tische mit Sonnensegeln, damit Menschen in der Thora lesen können ohne in der glühenden Sonne stehen zu müssen.

Ein zusätzlicher Bonus ist, dass Ezrat Yisrael sich inmitten einer archäologischen Stätte befindet, wo man Überreste aus der Zeit des Tempels sehen kann, was es einfacher macht sich vorzustellen in der Zeit von damals zu sein, als der Tempel noch stand!

5. Wussten Sie, dass der größte Teil der Kotel unter der Erde und nur durch die Kotel-Tunnel zugängig ist?

Im Verlauf der Jahrhunderte begrub ein natürlicher Aufbau archäologischer Schichten einen Großteil der Kotel. Ausgrabungen haben Einsicht in die Pracht des Bauprojekts der antiken jüdischen Tempel gegeben. Innerhalb der Tunnel kann man die Kotel entlang gehen, die Größe der Steine bewundern, aus denen die Mauer gebaut ist und sogar in das eintreten, was einst ein Freiluft-Straßenmarkt war, der sich heute komplett unter der Erde befindet.

An einem Punkt in den Tunneln werden sie vermutlich Frauen an dem Ort beten sehen, der sich direkt gegenüber des Grundsteins befindet – man müsste durch die Mauer gehen, um dorthin zu kommen.

Die Ausgrabungen werden fortgesetzt und je mehr Arbeit erledigt wird, desto mehr von unserer Vergangenheit in der Antike wird aufgedeckt. Wenn Sie in Jerusalem sind, dann verpassen Sie die Tunnel-Tour nicht!

6. Wann wurde der Tempelberg dem Islam heilig?

Interessanterweise wird Jerusalem im Koran überhaupt nicht erwähnt! Jerusalem wurde im Islam nicht aus religiösen Gründen wichtig, sondern es diente als politische Notwendigkeit. Lesen Sie hier mehr von der Geschichte des Islam und des Tempelbergs.

7. Was ist die Al-Aqsa-Moschee?

Die meisten Leute halten die Moschee mit der goldenen Kuppel für die Al-Aqsa, die Moschee, über die Muslime diskutieren, wenn es um die Wichtigkeit des Tempelbergs geht. Das stimmt aber nicht. Die Moschee mit der goldenen Kuppel heißt Felsendom, weil sie über dem Grundstein gebaut wurde, der gemäß der jüdischen Tradition der heiligste Ort der Welt ist. Die Al-Aqsa-Moschee ist ein niedriges Gebäude mit grauem Dach, das südlich des Felsendoms ebenfalls auf dem Tempelberg steht.

Während Juden, wo immer sie sich auf der Welt befinden, sich dem Grundstein zuwenden, beten Muslime mit Blickrichtung Mekka. Das bedeutet, dass Muslime, die auf dem Tempelberg beten, dem Grundstein dabei ihre Kehrseite zuwenden.

8. „Apartheid“ auf dem Tempelberg

Obwohl der Staat Israel 1948 gegründet wurde und Juden Jerusalem 1967 wiedervereinten, ist es Juden (und Christen) bis heute nicht erlaubt auf dem Tempelberg zu beten. Die Besuchszeiten für Juden sind äußerst eingeschränkt.

Sonntag bis Donnerstag (beachten Sie, dass Juden der Besuch am Sabbat nicht gestattet ist!):
Sommer: April bis September von 8.30 bis 10.30 und von 13.30 bis 14.30 Uhr
Winter: Oktober bis März von 7.30 bis 10.30 und 12.30 bis 13.30 Uhr

Nichtmuslime betreten den Tempelberg nur durch das Mughrabi-Tor (über dem traditionellen Frauenbereich der Kotel). Beim Betreten werden Nichtmuslime von israelischen Polizisten durchsucht und gewarnt keinerlei religiöse Gegenstände zu benutzen oder irgendetwas zu tun, das als Gebet betrachtet werden könnte: Man darf keine Bibel herausholen, seine Augen schließen oder still im Herzen beten, sich vor dem Felsendom verbeugen oder irgendwelche rituellen Zeichen der Trauer zeigen.

Im Gegensatz dazu ist der Tempelberg für Muslime zu allen Tages- und Nachtzeiten über Tore zugänglich, die nur Muslime benutzen dürfen. Beim Betreten werden sie nicht durchsucht.

Die Definition von Apartheid lautet: zwei getrennte gesetzliche Regelungen für dieselben Leute. Der Tempelberg ist der einzige Ort in Israel, an dem Israelis anderen Gesetzen unterworfen werden, die auf der Grundlage gelten, ob jemand Muslim oder Jude ist.

(Der Originalartikel wurde ursprünglich hier veröffentlicht.)