Nennt es Evanglikalenphobie

Jonathan S. Tobin, Israel HaYom, 13. Juli 2019

Linke Juden beschweren sich weiter über die CUFI, aber in einer Zeit zunehmenden Antisemitismus verdienen diese Freunde Dank, nicht in Vorurteil wurzelnde Verachtung.

Es spielt nicht wirklich eine Rolle, wie sehr eine Gruppe wie die Christians United for Israel versucht mit Juden und der organisierten jüdischen Welt in Kontakt zu treten. Trotz ihrer stärksten Bemühungen zu zeigen, dass ihre Unterstützung für den jüdischen Staat echt ist und obwohl ihre Opposition gegen Antisemitismus echt ist, werden sie amerikanische Juden niemals in Massen davon überzeugen, dass sie wirklich nicht der Feind sind.

Warum? Die Antwort gründet weniger in Skepsis oder durch Fakten begründete Angst sondern in Vorurteilen.

Das ist ein trauriger Zustand, es hat aber die CUFI, die diese Woche ihre Jahreskonferenz in Washington abhielt, nicht abgeschreckt weiter für sie einzutreten. Der allerwichtigste Punkt, der hierzu angeführt werden muss, sind nicht so sehr die veralteten und diskreditierten Argumente, mit denen manche Linke evangelikale Unterstützung für Israel zu etwas herunterspielen oder verdrehen wollen, das Juden fürchten müssen. Er lautet, dass in einer Zeit von zunehmendem Antisemitismus, zunehmender Unterstützung für die BDS-Bewegung und zunehmender jüdischer Entfremdung von Israel Gruppen wie CUFI nicht nur gute Verbündete sind, sie sind absolut notwendig geworden.

Jahrzehnte lang haben viele Linke argumentiert, dass Unterstützung Israels durch konservative Christen im Wesentlichen wertlos oder eine Kehrseite, kontraproduktiv und sogar gefährlich ist.

Dieses Argument behauptet, dass Evangelikale, die Israel lieben, sich gar nicht um den Staat oder sein Volk sorgen, sondern nur den guten Kampf führen, weil sie glauben, dass ihre Bemühungen zu einem Endzeit-Szenario führen, das in einem vernichtenden Krieg endet, dem die Rückkehr Jesu und die Massenbekehrung der Juden folgen.

Dass wenige Christen und fast niemand, der tatsächlich aktiv für Israel ist, für diese Art von eschatologischem Narrativ eintritt, bedeutet Juden nichts, die es einfach ablehnen zu glauben, dass konservative Christen aufrichtige Freunde sind. Es ist auch wert zu wiederholen, dass nicht klar ist, warum Juden aller Denominationen und poltischen Meinungen, die nicht glauben, dass Jesus wiederkommt, sich Sorgen über das machen sollten, was geschieht, sollte er zurückkehren.

Man sollte meinen, dass nach so vielen Jahren, in denen christliche Gruppen wie CUFI ihre treue Unterstützung für den jüdischen Staat und Opposition zu Antisemitismus demonstriert haben, diese falschen Behauptungen verscheucht sein würden. Aber obwohl jüdische Mainstream-Gruppen, einschließlich vieler, die in ihrer Politik liberal sind, begriffen haben, dass Evangelikale unser Vertrauen sowie unsere Dankbarkeit verdienen, wird diese Art von Ansichten in der jüdischen Gemeinschaft und in linken Journalen weiter geäußert, sowohl hier in den USA als auch in Israel.

Im Kern dieses Misstrauens befindet sich  etwas, das wenige Juden gerne eingestehen: religiöses Vorurteil.

Tatsache ist, dass die meisten in der weitgehend urbanen und liberalen [= linken -heplev] jüdischen Gemeinschaft eigentlich keinerlei Evangelikale kennen. Aber sie haben auf Grundlage der Zustände des Europas des 19. Jahrhunderts an der Vorstellung festgehalten, dass, je religiöser ein Christ ist, es desto wahrscheinlicher ist, dass er die Juden hassen wird. Wenn das in den USA jemals so war, dann ist es eindeutig nicht länger der Fall. In der Tat sind es die weniger leidenschaftlich religiösen, liberalen, großen protestantischen Kirchen, die heutzutage eher antisemitische Ideen speien oder offen gegen die Existenz eines jüdischen Staates opponieren. Trotzdem tendieren an der Ost- und Westküste aufeinander kauernde Juden dazu, von konservativen Christen im Überflug-Land [zwischen den Küsten – hepev] als ignorante Heumäher zu denken, die alle nicht sonderlich geheimlich gehaltene Wünsche nach Judenmord hegen, obwohl es für diese Überzeugung keine Faktenbasis gibt.

Es stimmt ebenfalls, dass das anti-evangelikale Argument sich in den letzten Jahren etwas verändert hat. Es basiert inzwischen nicht mehr ausschließlich auf dem, was ich Evangelikalenphobie nenne, da es dieses in der Politik des 21. Jahrhunderts sowohl in der amerikanischen als auch der israelischen Variante gibt.

Jüdisches Misstrauen gegenüber Evangelikalen im Jahr 2019 hat viel mehr mit Unterschieden zwischen den beiden Gemeinschaften bei Themen zu tun, die nichts mit Israel zu tun haben – Abtreibung, Schwulenehe oder die persönliche Meinung zu Donald Trump. In einer Zeit verstärkter Parteinahme verachten viele Juden einfach konservative Christen, weil sie Pro-Trump-Republikaner sind, so wie sie es mit jedem anderen tun, der in Amerika in Republikaner-Land wohnt.

So, wie die meisten anderen Amerikaner unfähig zu sein scheinen sich über ihre parteiischen Instinkte zu erheben, so betrachten auch liberale Juden Konservative aller Couleur als Mitglieder eines feindlichen fremden Stammes, statt als potenzielle Verbündete oder gar Freunde und Nachbarn. Die Vorstellung, dass man sich bei einigen Themen einigen kann uneins zu sein, während man bei denen zusammenkommt, wo es Gemeinsamkeiten gibt, ist der Kern aller jüdischen gemeinschaftlichen Beziehungen. Aber das geht inmitten der politischen Kriege verloren, die jede andere Anstrengung übertönt die Parteienkluft zu überbrücken.

Was die beiden Gemeinschaften ebenfalls auseinander treibt, sind Meinungen zu Israel. Die CUFI und andere Evangelikale unterstützen Israel, egal, wer die Regierung stellt. Sie haben eine besondere Affinität zum nationalen Lager im jüdischen Staat. Aber ihre Bereitschaft Premierminister Benjamin Netanyahu und seine Regierung zu unterstützen, zusammen mit Verständnis der Tatsache, dass das wahre Hindernis für Frieden im Nahen Osten die palästinensische Unnachgiebigkeit ist, geht liberalen Juden gegen den Strich. Diejenigen in der jüdischen Linken, die wollen, dass die amerikanische Regierung „Israel vor sich selbst rettet“ und es unter Druck setzt Zugeständnisse zu machen, die von der Mehrheit der Israelis nicht gewollt werden, mögen die christliche Rechte nicht, weil die als Hindernis für diese Hoffnungen angesehen wird.

Das ist der Grund, warum es kaum überrascht, dass zu den lautesten Gegnern der CUFI antizionistische Gruppen wie die Jüdische Stimme für Frieden und IfNotNow gehören, die beide anstreben alle pro-israelische Interessenvertretung, jüdische wie christliche, zu torpedieren. Die von ihnen vorgebrachte Vorstellung, dass Israel „bessere Verbündete“ verdient als Evangelikale, ist arglistig, denn was sie wirklich wollen, ist, dass Israel überhaupt keine Verbündeten hat – oder Rechte und Sicherheit.

Aber in einer Zeit zunehmenden Antisemitismus und antisemitischer BDS-Aktivitäten – und in der viele linke Juden gemeinsame Sache mit Israels Feinden machen, sowie anstreben pro-israelische Verteidigung zu sabotieren – ist die CUFI wichtiger als je zuvor.

Es spielt keine Rolle, was Sie von evangelikalen religiösen Überzeugungen oder ihrer Politik halten. Wenn Ihnen Israel wichtig ist, dann verdienen sie unsere Dankbarkeit. Punkt.

2 Gedanken zu “Nennt es Evanglikalenphobie

  1. In Deutschland ist das, was im Beitrag beschrieben wurde, auf eine gewisse Art vorhanden, eine jüdische Website unterstellt Christen, sie würden nur nett tun.
    Dagegen wird gegen den Islam nichts gesagt. Noch so viel Pallywood, noch so viele Alcuds Märsche, können nichts ändern.
    Solche, wie der Zentralrat der Juden, lassen sich von genau den Medien, die gegen Israel hetzen und den Politikern, die Israel als Unrechtsstaat anprangern, erklären, wer der Feind ist. Klar, eine Partei, die niemals NSDAP Mitglieder in ihren Reihen hatte, eine Partei die einer Religion, die bis auf die paar Quadratkilometer Israel, den Nahen Osten dominiert, Grenzen setzen und die deutsche Botschaft in Jerusalem sehen will, kann ja nur böse sein.
    Es ist ja sowas von rassistisch, diejenigen nicht aufnehmen zu wollen, die betrügen. Und dass Juden in Kreuzberg ihre Kippa verstecken, liegt an den vielen Rechtsextremisten dort, oder?
    Klar, eine Regierung, deren Vertreter die „Palästinenser“ unterstützen, die weghören, wenn Muslime „Juden ins Gas“ brüllen („nie wieder“ meint ja nur Deutsche, die nicht explizit links sind), sind die wahren Freunde – da könnte man auch gleich Schweinebraten mit Sahnesauce als doppelt koscher ausgeben.
    Ich bin froh, dass der Schuster nicht mein Schuster ist, denn dann müsste ich so tun, als wenn die Kinderschuhe mir passen würden.

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