Von zwei Fotos

Es war Wahltag in Israel und das bedeutete, wir hatten einen Tag frei. Keine Schule, keine Arbeit, also sammelten mein Mann und dich, nachdem wir gewählt hatten, die Kinder ein, stiegen in einen Zug und fuhren nach Tel Aviv, um das Eretz Israel-Museum zu besuchen.

Gina Jacobson, Lay of the Land, 6 August 2019

Wir gingen umher, betrachteten die verschiedenen Ausstellungen und dann stießen wir auf David Rubinger-Ausstellung „Ich fing die Wahrheit ein; 1947-1997“. Weil er Fotografie-Nerd ist, war mein Mann fasziniert und verbrachte etwas mehr Zeit in der Ausstellung als die Kinder und ich. Also machten wir uns auf nach draußen und setzten uns auf eine Bank, um auf ihn zu warten.

David Rubinger (1924-2017)

Der Fotograf David Rubinger, der 1997 den Israelpreis für „Communication“ erhielt und letztes Jahr verstarb, war einer aus einer kleinen, ausgewählten Gruppe an Fotografen, deren Arbeit in die lokale wie die internationale Erinnerung drängt. Seine Karriere begann am Ende der Periode des  angeworbenen „zionistischen Fotografie“, die die örtliche Fotografen-Szene bis zur Gründung des Staates Israel 1948 beherrschte. Sein Kultbild der drei Soldaten an der Westmauer ist ein ins kollektive Bewusstsein der Juden rund um die Welt eingebranntes Bild. Es ist ein Symbol der Hoffnung und der gemeinsamen Verbindungen. Seine Fotos haben einige der wichtigsten und ergreifendsten Momente in der israelischen Geschichten festgehalten.

Rubinger machte seine Fotos mit analogen Spiegelreflex-Kameras; mit anderen Worten: Er sah das Bild nie in dem Augenblick, als es aufgenommen wurde und seine Ausstellung ist eine Reise in seine Erinnerungen.

Als der Ehemann fertig war, verließ er die Ausstellung; und als er uns zusammensitzen sah, hielt er an um ein Foto von uns zu machen.

David Rubingers Kultfoto der Fallschirmjäger an der Westmauer während der Befreiung Jerusalems im Sechstage-Krieg, Juni 1967.

Als er das Foto machte, kam die Ordnerin der Ausstellung angerannt: „Nein, nein, nein, Sie können dort kein Foto machen!“, rief sie (auf Hebräisch). Mein Mann, der schon Erfahrung damit hatte angeschrien zu werden, weil er fotografierte, wo es nicht erlaubt war, begann nach einem Schild zu suchen, das fotografieren verbietet. „Nein“, saget sie wieder“, Sie können dort kein Foto machen, die Mauer da, diese Mauer ist alt und hässlich!“

Dann deutete sie auf die andere Seite des Vorplatzes. „Da müssen Sie das Foto machen!“ Sie zeigte auf eine schattige Stelle mit einem farbenfrohen Blumenbeet.

„Hier. Hier ist eine schöne Mauer mit Jerusalem-Stein und Sehen Sie dies wunderschönen Blumen. Dort müssen Sie ein Foto machen!“

Und so ließen wir uns leicht amüsiert von ihr dirigieren, setzten uns vor die schöne Mauer und die schönen Blumen.

„Nein“, rief sie wieder. „Abba (Papa) muss auch auf das Foto!“, nahm meinem Mann die Kamera aus der Hand und dirigierte ihn, wie er sich zu uns setzen sollte.

Sie legte sogar ihre Uniformjacke auf die Steine, damit die Kinder sich darauf setzen konnten, während sie uns herumkommandierte, damit die schönen Blumen zu sehen waren.

Nach ein paar Fehlversuchen mit der Kamera und meinem 11-jährigen, der aufstand, um ihr zu zeigen, wo sie drücken musste, schoss sie ein schönes Familienfoto von uns und der schönen Mauer aus Jerusalemstein und den schönen Blumen.

Wir dankten ihr und sie erzählte uns, dass sie dies Blumen selbst gepflanzt hatte worauf sie sehr stolz war. Wir sprachen auch darüber, woher sie kam. „Oh, Sie sind gar keine Touristen, warum haben Sie Aliyah gemacht? Wie lange sind Sie schon hier? Wir kommen Sie klar?“

Sie erzählte uns, das sie ebenfalls immigrierte, aus Usbekistan und dass sie vor vielen Jahren nach Israel kam. Dann nahm sie unsere Karte und zeigte uns die besten Ausstellungen für die Kinder und wünschte uns alles Gute, bevor sie zurück in die Fotografie-Ausstellung ging.

Es mag kein Kultfoto gewesen sein, dass israelische Geschichte einfing, aber es war ein Bild, das Israels Gegenwart aufzeichnete. Dies ist ein Land, dessen vielfältige Bevölkerung diejenigen spiegelt, die seit der Geburt des Staates hier gewesen sind und die sich aus einer Vielzahl von Gründen entschieden haben nach Hause zu kommen. Die einfachen Freuden einer Familie einzufangen, die nach einer demokratischen Wahl einen Ausflug macht, spricht vom Optimismus, der Israel auf den Punkt bringt. Es schafft zudem eine bleibende Erinnerung all dessen, was das Land erduldet hat und seine nicht vorhersagbare, aber hoffentlich großartige Zukunft.

Wir hatten einen wundervollen Tag, gingen wählen, erkundeten die Geschichte unseres Landes und hatten allgemeine Entspannung, aber der beste Teil des Tages war für mich ein Foto mit meiner Familie vor ein paar wunderschönen Blumen!

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