Wir sind immer schon hier gewesen: Das historische Recht des jüdischen Volks am Land Israel

Victor Rosenthal, Abu Yehuda, 4. August 2019

Ich rede oft vom historischen Recht des jüdischen Volks an Eretz Yisrael, dem Land Israel, zusätzlich zu unsren juristischen und moralischen Rechten. Was meine ich damit? Zuerst müssen wir das Konzept eines eigenen „Volks“ verstehen.

Mahmud Abbas hat bei vielen Gelegenheiten gesagt, dass die Juden kein Volk seien; jüdisch zu sein sei nur eine Religion. Er könnte nicht falscher liegen: Das jüdische Volk ist das Musterbeispiel eines Volkes. Mit anderen Worten: Wenn du wissen willst, was ein „Volk“ ist, wirf einen Blick auf die Juden.

Analytischer: Ein „Volk“ ist eine Sammlung von Einzelpersonen, die bestimmte Merkmale gemeinsam haben. Nicht jeder Einzelne in der Gruppe wird alle davon haben, aber je mehr von ihnen sie haben, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie als Mitglieder dieses Volkes betrachtet werden. Das sind:

  1. eine gemeinsame geografische Herkunft und eine Verbindung zu ihrer ursprünglichen Heimat
  2. ein gemeinsames genetisches Erbe
  3. eine einzigartige ererbte Sprache
  4. eine einzigartige Religion
  5. eine gemeinsame Kultur
  6. eine gemeinsame historische Erfahrung
  7. eine Selbstidentifikation als Mitglieder eines Volkes

Das jüdische Volk stammte aus Eretz Yisrael. Seine Angehörigen heirateten innerhalb der Gruppe, so dass DNA-Tests heute einen hohen Grad an genetischer Ähnlichkeit aufweisen. Sie behielten eine Vertrautheit mit ihrer uralten hebräischen Sprache, auch wenn sie aufgrund ihrer Zerstreuung andere Sprachen sprachen. Ihre Religion, das Judentum, hat sich über die Jahrhunderte in einem gewissen Maß verändert, aber ihr heiliges Buch, die Thora, ist mehrere tausend Jahre lang praktisch dieselbe geblieben. Ihre Zerstreuung schuf jüdische Subkulturen, aber alle behielten Verbindungen zu ihrer Originalkultur, selbst als sie getrennt wurden. Die historischen Erfahrungen von Juden in der Diaspora waren bemerkenswert gleich, ob sie nun in Europa, Afrika oder dem Nahen Osten waren – sie waren Außenseiter, manchmal verfolgt oder vertrieben, manchmal lebten sie friedlich, aber immer als anders gekennzeichnet und fast immer Bürger zweiter Klasse. Schließlich hatten alle von ihnen überall das starke Gefühl, dass sie Mitglieder des jüdischen Volkes sind, mit Verbindung zu Eretz Yisrael, zu dem zurückzukehren sie beteten.

Einzelpersonen können einem Volk beitreten oder es verlassen, in der Regel durch Einheirat bzw. „Ausheirat“ und indem man die Religion, die Sprache oder die Kultur des Partners annimmt. Manchmal ist ein Volk so „verdünnt“, dass es ausgelöscht, von den Völkern um es herum absorbiert wurde. Das ist der Fall mit vielen Kulturen der Antike. Wo sind unsre einst tödlichen Feinde, die Philister, heute? (Nein, die palästinensischen Araber stammen nicht von ihnen ab.) Aber das jüdische Volk behielt über Jahrtausende in der Diaspora seine genetische Eigenständigkeit, seine Religion, seine Sprache und einen Großteil seiner Kultur.

Mit der Gründung des Staates Israel in Eretz Yisrael, war das jüdische Volk in der Lage sein uralte Sprache für den Alltagsgebrauch wiederherzustellen, die verschiedenen jüdischen Subkulturen zu vereinen, die sich der langen Zeit der Diaspora entwickelten und eine Nicht-Diaspora-Kultur zu entwickeln: die Kultur eines Volkes, das in seinem eigenen Land lebt.

Eine Bevölkerung wird indigen für einen Ort genannt, von dem sie herstammt. Mitglieder der ältesten erhaltenen Gruppe, die für einen bestimmten Ort indigen ist, heißt die Ureinwohner des Ortes. Das jüdische Volk ist das älteste erhalten gebliebene Volk, das in Eretz Yisrael indigen ist und tatsächlich war das letzte indigen unabhängige politische Gebilde in Judäa die jüdisch-hasmonäische Dynastie von ca. 110 v.Chr. Von da an wurde Eretz Yisrael von einer Reihe nicht einheimischer Eroberer regiert, angefangen mit den Römern. Im siebten Jahrhundert wurde das Land von arabischen Muslimen aus Arabien erobert; später fiel es an die Kreuzfahrer, die Mongolen und verschiedene andere. 1517 wurde es von den osmanischen Türken erobert, die es 400 Jahre lang hielten. Schließlich ging es nach dem Ersten Weltkrieg in die Hände der Briten über. Die einheimische jüdische Bevölkerung nahm zu und wieder ab, war aber immer präsent, während andere kamen und gingen. Es gab nie ein „palästinensisches“ Regime. 1948 wurde der letzte Kolonisator – das britische Empire – vertrieben und ein jüdischer Staat wiederhergestellt.

Das ist bemerkenswert, sogar kaum zu glauben. In fast jedem anderen Fall sind Eingeborenen-Völker nicht in der Lage gewesen die Souveränität über ihr ursprüngliches Land wiederherzustellen – gewiss nicht in den Amerikas, Australien oder Neuseeland. Als die Briten abzogen, gab es einen Kampf um die Souveränität zwischen den Juden, die in der Zeit des Mandats das Gerüst für einen Staat entwickelt hatten, und den Arabern innerhalb und außerhalb des Landes. Die umgebenden arabischen Staaten wollten die Gegend untereinander aufteilen und die Mehrheit der palästinensischen Araber unterstützte sie dabei. Trotz dem, was manche glauben, war palästinensischer Nationalismus – anders als der breitere arabische Nationalismus – zu diesem Zeitpunkt keine nennenswerte Kraft.

Die Juden schlugen die Araber zurück und gründeten einen souveränen Staat. Es war nicht so, dass sie „den palästinensischen Araber das Land wegnahmen“, denn die hatten es nie. Sie wurden schlicht an Stelle der souveränen Mächte souverän, die das Land seit 110 v.Chr. kontrolliert hatten.

Die palästinensischen Araber, die zumeist die arabischen Staaten in deren Versuch unterstützt hatten das Land zu erobern (und nebenher seine jüdischen Einwohner zu massakrieren), zahlten den Preis dafür auf der Verliererseite eines Krieges zu stehen. Einige gingen noch vor dem Krieg weg und planten zurückzukommen; einige flogen aus Angst, dass die Juden ihnen antun würden, was sie den Juden angetan hätten und einige wurden von jüdischen Kämpfern vertrieben. Die Zahlen sind umstritten, aber rund 500.000 bis 700.000 Araber verließen ihre Heime in dem Land, das zum Staat Israel wurde und ihnen wurde nicht erlaubt zurückzukehren. Eine Tragödie für sie, aber hundertfach verstärkt von den arabischen Staaten, die es ablehnten die Flüchtlinge zu absorbieren. In etwa zur selben Zeit wurden rund 800.000 Juden aus arabischen oder anderen muslimischen Ländern vertrieben oder flohen. Die meisten von ihnen gingen nach Israel, dessen jüdische Bevölkerung heute etwa zur Hälfte aus der europäischen Diaspora kam und zur anderen Hälfte aus der afrikanischen und nahöstlichen.

Die palästinensischen Araber behaupten, sie seien die eingeborenen Bewohner des Landes und dass die Juden Europäer sind, die in „palästinensisches Land“ eindrangen und es kolonisierten. Es gab aber nie ein palästinensisches politisches Gebilde und die palästinensischen Araber selbst sind relativ junger Provenienz im Land. Sehr wenige von ihnen haben Vorfahren, die vor 1830 kamen und die meisten können die ihren hier nur bis ins frühe 20. Jahrhundert zurückverfolgen. Tatsächlich forderte die von der UNO übernommene Definition palästinensischer Flüchtlinge nur, dass eine Person vom Juni 1946 bis Mai 1948 im Mandat Palästina lebte und sein Heim und ihre Arbeit durch den Krieg verlor.

Palästinensische Araber haben keine einzigartige palästinensische Sprache oder Religion. Obwohl es erste Anzeichen palästinensisch-arabischen Nationalismus schon ab 1920 gab (zumeist bei christlichen Arabern), identifizierten sich die meisten palästinensischen Araber stark mit ihren Clans und etwas weniger als „Südsyrien“ zugehörig. Erst Mitte der 1960-er Jahre fingen sie an sich als „Palästinenser“ zu identifizieren. Insoweit, wie sie ein Volk genannt werden können, handelt es sich um eines, das auf die 1960-er Jahre zurückgeht und dessen einzigartige „palästinensische“ Kultur sich einzig und allein aus seiner Gegnerschaft zu jüdischer Souveränität und dem Staat Israel besteht.

Die palästinensische Behauptung, dass sie ein uraltes Volk seien, das in diesem Land verwurzelt ist, stimmt einfach nicht. Nimmt man ihr die erzählten Schnörkel, geht das in nichts anderes über als die Tatsache, dass es zwischen Jordan und Mittelmeer unmittelbar vor 1948 mehr Araber als Juden gab.

Juden sind seit biblischen Zeiten in einiger Stärke vertreten gewesen. Der jüdische Anspruch die ursprünglichen Bewohner von Eretz Yisrael zu sein wird von einer enormen Menge an historischen Beweisen unterstützt – was nicht überrascht, bedenkt man die Bedeutung und den Beitrag des jüdischen Volks zu westlicher Zivilisation über die Jahrtausende – sowie durch archäologische Beweise, die fast täglich durch neue Entdeckungen gestärkt werden.

Das ist die Grundlage des historischen Anspruchs des jüdischen Volks an Eretz Yisrael. Sie ist zudem Teil des Arguments für die juristischen Reche des jüdischen Volks, sowohl als Nutznießer des Mandats als auch als natürliche Erben des Entkolonisierungsprozesses. Aber das ist eine andere lange Geschichte.

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