Die vielen Gesichter des Jihad

Raymond Ibrahim, 26 August 2019 (FrontPage Magazine)

Eine der langjährigsten Rechtfertigungen für den Islam lautet, dass das arabische Wort Jihad nicht „heiliger Krieg“ bedeutet, wie frühe Forscher (zumeist Orientalisten) es oft übersetzten. Stattdessen, werden wir wiederholt erinnert – besonders von den notorischen Weißwäschern des Islam – dass Jihad einfach „sich bemühen“ für etwas bedeutet, ohne notwendige Konnotation zu Gewalt.

Das stimmt zwar absolut, doch ironischerweise unterstreicht es auch nur, wie gefährlich, vielgesichtig und zersetzend der Jihad in Wahrheit ist.

Lassen Sie uns mit der Ethymologie beginnen. So übersetzt das maßgebliche Dictionary of Modern Written Arabic von Hans Wehr die Drei-Konsonanten-Wurzel j-h-d (von der das Wort Jihad sich ableitet): „streben, sich bemühen, hart arbeiten, bestrebt sein, und sich wegen oder für etwas [nämlich dem Islam] erschöpfen“.

1961 veröffentlicht – das heißt vor dem Zeitalter der politischen Korrektheit – legt das akademisch rigorose Wörterbuch auch Wert darauf, unter j-h-d und das passende Wort jihad zu schreiben und dieses als „Kampf, Schlacht“ zu übersetzen; „Jihad, heiliger Krieg gegen die Ungläubigen als eine religiöse Pflicht“.

Es gibt einen sehr guten Grund für diese eingetragene Unterkategorie. Historisch offenbarte sich der Jihad natürlich als ein „heiliger Krieg gegen Ungläubige“; er kreiste um die Ausweitung (gelegentlich, wie während der Kreuzzüge, Verteidigung) der Grenzen des Islam.

Jahrhundert um Jahrhundert bestand die einzige Art, wie muslimische Imperien auf nichtmuslimisches Territorium ausgedehnt werden konnten, in offensiver Kriegsführung. Nichtmuslime, pflichteifrig ihrem Glaubens und Erbe gegenüber, wollten sich dem Islam nicht ohne Kampf unterwerfen; Militär – islamische Invasion und Eroberung – war die einzige Möglichkeit.

Die Zeiten haben sich geändert. Mit dem modernen, meteorhaften Aufstieg des Westens – wirtschaftlich, militärisch und wissenschaftlich – hat eine laxe, wenn nicht gar leichtgläubige Einstellung obsiegt, die es einigen Muslime erlaubt mit der Wurzel der Bedeutung des Jihad zu spielen. Wenn sie den Ungläubigen nicht länger mit Hilfe von konventionellem Krieg unterwerfen können, dann können sie zumindest aus der erwähnten Definition zitieren: „sich bemühen, hart arbeiten, bestrebt sein, und sich wegen oder wegen etwas erschöpfen“ – und zwar den Islam stärker als den Westen zu machen. xxx

Eine der offensichtlichsten Möglichkeiten, die sowohl im Koran als den Hadithen empfohlen wird, kennt man als jihad al-mal – der „Geld-Jihad“. Statt physisch am Jihad teilzunehmen, unterstützt ein Muslim ihn finanziell oder materiell. Das war früher die Verantwortung des Kalifats; heutzutage und ohne Kalifat finanzieren Alltagsmuslime – einschließlich der im Westen lebenden – den Jihad mit ihren zakat oder „Almosen“. Zum Beispiel wies die US-Regierung die Holy Land Foundation – einst die größte islamische Wohlfahrtsorganisation in den USA – als Terrororganisation aus, die sich der Finanzierung des Jihad/Terrorismus gegen Israel widmete.

Zwei andere „Unternehmungen“ sind subtiler. Früher nutzlos gegen Europäer der Vormoderne, sind sie heute beide höchst effektiv gegen deren westliche Nachkommen – und werden von diesen weithin ignoriert.

Die erste ist der demografische Jihad – auch als „Baby-Jihad“ bekannt (jihad al-wilada). Muslimische Männer „streben“ danach sich mit so vielen Frauen wie möglich zu vermehren – muslimisch oder nichtmuslimisch – um die Reihen der Muslime gegenüber zunehmend  unreproduktiven Ungläubigen zu ehren. Das ist nicht nur eine wollüstige Rationalisierung für rechtswidrigen Sex; islamische Geistliche loben dieses „Bemühen“ als legitimen Jihad. Sein Erfolg ist in Westeuropa sichtbar, wo einige Regionen heute mehr neugeborene Babys namens Mohammed haben als traditionelle, lokale Namen. Das ist der wahre Impuls hinter dem Mantra „der Islam ist die am schnellsten wachsende Religion der Welt“.

Die andere besonders effektive Form des „Strebens“ hat viele arabische Namen, jihad al-kalam, jihad al-lissan, jihad al-galan –der Jihad der Worte, der Zungen, der Stifte – und kann mit Hilfe eines einzelnen Wortes verstanden werden: Propaganda. Ob schriftlich oder mündlich, hier besteht der Hauptzweck der Muslime darin den Islam mächtig zu machen und/oder den Westen zu demoralisieren. Dieser Jihad taucht in der Regel als Verteidigung des Islam und Polemik gegen den Westen auf – und vieles davon ist durch und durch gelogen ist; er kommt von muslimischen Akademikern, Aktivisten,  Journalisten, Politikern und anderen.

Zum Beispiel als der Schriftsteller Qasim Raschid seinen „Stift“ verwendete, um die ungläubige Leserschaft der Washington Post zum Wort Jihad zu täuschen – mit der Aussage, das gelte nur für defensiven, niemals für offensiven Krieg – betrieb er selbst Jihad. Ein weiteres aktuelles Beispiel betrifft das Council of American-Islamic Relations (CAIR), einen „Mitverschwörer“ der erwähnten Holy Land Foundation, das sich als „Bürgerrechtsgruppe“ ausgibt. Um das Wissen des US Army War College dazu lahmzulegen, wie man islamischen Terrorismus erfolgreich bekämpft, schrie CAIR „Rassismus“, was das College prompt zu Appeasement veranlasste.

Kurz gesagt: Ja, das Wort „Jihad“ meint nicht einfach „heiliger Krieg“ um den Islam stärker als die Ungläubigen zu machen; er bedeutet alle „Bestrebungen“, jede Art von „Streben“ oder „Mühe“, die den Islam gegenüber den Ungläubigen stärkt. Diese Tatsache anzuführen, wie die Apologeten es oft tun, sollte nicht weniger, sondern mehr Besorgnis bezüglich des Jihad schaffen.

Über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart nachzudenken bietet eine abschließende Lektion: Historisch hat keine Menge an Worten – Lügen, Propaganda, sogar Schmeicheleien – jemals ausgereicht den Islam stärker als den Westen zu machen. Die Europäer vor dem 20. Jahrhundert zu beschuldigen „islamophob“, „rassistisch“ zu sein oder „Multikulturalismus“ dringend zu benötigen, war, wie man sich vorstellen kann, nutzlos. Dazu brauchte es – Invasionen und Eroberungen (wie ich es in Sword and Scimitar umfassend dokumentiert habe) – altmodische Kriegsführung.

Heute bleiben viele Muslime auf den Jihad gegen den Westen und seiner Unterwerfung eingeschworen. Aber auch wenn sie nicht auf konventionellen Krieg zurückgreifen können – sie müssen das auch nicht. Worte, Worte und mehr Worte – verdreht und falsch und doch immer noch den Westen manipulierend – reichen völlig aus.