Der negative Einfluss des Islam auf das vormorderne Verhalten Europas

Uns wird nur die halbe Geschichte erzählt.

Raymond Ibrahim, 26. September 2019

Geschichte anzuführen – oder, wie wir sehen werden: Pseudogeschichte – ist eine der Hauptarten, wie Islam-Apologeten versuchen das Bekenntnis von Mohammed und seinen Anhängern zu adeln. Als eine Art Gegengewicht für angeblich noble Muslime werden vormoderne Christen diesbezüglich als Inbegriff der Scheinheiligkeit, Intoleranz und Habgier dargestellt. Üblicherweise führen Vlad, der Pfähler, Iwan der Schreckliche und Tomas Torquemada die Meute an (alle in dem Buch The Most Evil Men and Women in History von 2002 vorgestellt).

In Wirklichkeit wurden diese drei Männer – und die Kultur, in der sie lebten – jedoch erheblich vom Islam beeinflusst; alle drei waren ihr gesamtes Leben lang von Muslimen umringt und kämpften gegen sie. Diese unangenehme Tatsache wird selten angeführt.

Die historische Gestalt von Vlad II. (1430 – 1476) – auf dem die fiktive, blutsaugende Figur des Dracula aufgebaut ist – wird im Westen als sadistisches Monster dargestellt, das nichts mehr liebte als seine eignen Leute zu pfählen und ihr Blut zu trinken – auch noch oft während er Mönchen zuhörte, wie sie Kirchenlieder sangen. CNN behauptet sogar, dass der Islamische Staat seine sadistischen Foltermethoden und Hinrichtungen von Vlad gelernt habe.

Die Wirklichkeit erzählt eine andere Geschichte: Die „hässliche, kleine Angewohnheit“ des rumänischen Prinzen seine Feinde zu pfählen, wie ein Historiker es beschrieb, wurde von den Türken und ihren Agenten übernommen und ausschließlich gegen sie eingesetzt. Während seiner Jugend war Vlad Geisel eines der historisch verkommensten Sultane der Geschichte – Mohammed (oder „Mehmet“) II. der zudem Valds jüngeren Bruder als Lustknaben hielt. Vlad wurde durch diesen osmanischen Sultan erstmals in die „Kunst“ des Pfählens eingeführt, der sie regelmäßig einsetzte.

Schließlich und als Teil seiner Strategie sich von der muslimischen Herrschaft zu lösen, griff Vlad auf Pfählen als Art Gleiches mit Gleichem zu vergelten zurück – um den Osmanen zu zeigen, dass der und sein Volk Paroli bieten konnten. Daher die Ironie: Wenn Vlad im Westen als Blut trinkendes Monster gesehen wird, ist er in Rumänien ein Nationalheld, weil der den Islam so lang bekämpfte und ihm Widerstand leistete, wie er es tat.

Dann ist das Tomas Torquemada (1420 – 1498), der Großinquisitor des katholischen Spanien und das Gesicht der offenbar sehr missverstandenen spanischen Inquisition. Der Historiker Madden erklärt: „Die Inquisition wurde nicht aus dem Wunsch geboren Diversität zu zerschlagen oder Menschen zu unterdrücken; es war vielmehr ein Versuch ungerechte Hinrichtungen zu stoppen. Ja, das haben Sie richtig gelesen.“ Die beliebte Ansicht, dass Torquemada ein übler Fanatiker war, entschlossen Gewalt gegen Nichtchristen zu verüben, damit sie konvertieren, sonst…, wird fast immer in einem Vakuum unterbreitet.

Erst einmal wird der Hauptgrund, der die spanische Krone veranlasste die Inquisition einzurichten und Torquemada zu ernennen in erster Linie selten eingeräumt: Die letzte Bastion des Islam in Granada war unter christliche Herrschaft gebracht, als die Reconquista zu Ende ging; der halben Million muslimischer Bürger wurden milde Bedingungen gegeben, einschließlich des Rechts ins Ausland zu reisen und den Islam frei auszuüben. Aber sie missbrauchten das, „einschließlich des Beginns vieler schwer zu unterdrückender Aufstände – mehrere involvierten Steinigung, Zerstückelung, Enthauptung, Pfählung und Verbrennung von Christen bei lebendigem Leibe“ – und konspirierten regelmäßig mit fremden, zumeist muslimischen Mächten.

Wenn es hart auf hart kommt und um sich gegen Verdacht zu wehren täuschte eine halbe Million Muslime den Übertritt zum Christentum zu, gingen regelmäßig zur Kirche, tauften ihre Kinder und erlernten alle Einzelheiten der christlichen Kultur, während sie heimlich daran arbeiteten Spanien oder zumindest Granada zu unterwandern, um es zurück unter muslimische Herrschaft zu bringen. „Mit Erlaubnis und Lizenz, die ihre verfluchte Sekte erteilt“, merkte ein frustrierter Spanier mit Bezug auf die islamische Doktrin der taqiyya an, „konnten sie äußerlich jede Religion ohne zu sündigen vortäuschen, solange sie ihre Herzen trotzdem ihrem falschen Blender und Propheten zuwandten. Wir sahen so viele von ihnen, die starben, während sie das Kreuz anbeteten und gut über unsere katholische Religion sprachen, die aber im Inneren ausgezeichnete Muslime waren.“ (Sword and Scimitar, S. 201-202)

Die von Torqemada geführt Inquisition wurde zum einzigen Weg festzustellen – nicht so sehr, ob sie „gute“ Katholiken waren, sondern ob sie heimliche und subversive Muslime waren (entgegen gängiger Ansicht wurden weit mehr Muslime als Juden vor Gericht gestellt). Außerdem beeinflussten, genauso wie benachbarte Muslime Vlads Hang für Pfählungen beeinflussten, benachbarte Muslime Spaniens Hang zur Inquisition und Deportationen. In den vorhergehenden Jahrhunderte versuchten Muslime – insbesondere die Almorawiden- und die Almohaden-Dynastien – zahllose Spanier mit Folter, Deportation in die afrikanische Sklaverei oder sie glattweg zu töten zum Islam zu konvertien, in dem Glauben, dass sie keine wahren Muslime waren, sondern die Fünfte Kolonne, die ihren Mitchristen im nördlichen Spanien halfen.

Schließlich ist Iwan IV. („der Schreckliche“, 1530 – 1584) ein weiteres oft angeführtes Beispiel eines mittelalterlichen Christen – ein fromm praktizierender Orthodoxer seiner Zeit – der ein blutrünstiges Monster war, ein exemplarischer Tyrann. Ungesagt bleibt, dass etwa zwei Jahrhunderte zuvor, beginnend um 1300, Russland unter – und stark beeinflusst vom – Joch islamischer Tataren war, die die Russen im Namen des Jihad brutal behandelten und versklavten.

Noch nach 1480, als die Russen formell das Joch der Tataren abwarfen, und während der gesamten Herrschaft Iwans führten das Krim-Khanat zahlreiche verheerenden Sklavenraubzüge nach Russland; allein während Iwans Herrschaft wurden hunderttausende Slawen entführt und in islamische Sklaverei verkauft. „Jahrhunderte Tyrannei und Brutalität durch die Hände der islamisierten Mongolen und ihr türkischen Agenten machten aus Russland ein Land, in dem Despotismus als normal betrachtet wurde und in dem menschliches Leben billig war“, stellte ein Historiker fest. „Es ist vielleicht kein Zufall, dass diese Dinge sich in den russischen Charakter einschlichen“ – auch in den von Iwan.

Daher wird der Hintergrund von Ivan dem Schrecklichen, diesem „Monster“, selten eingeräumt, dessen Verhalten – wie das von Vlad III., Torquemada und vielen anderen – oft in einem Vakuum unterbreitet wird und ein Kommentar zur Scheinheiligkeit und Intoleranz, die den vormodernen Christen angeblich angeboren sein soll. (Nebenbei bemerkt und wegen ihre langen und innigen Geschichte mit dem Islam bleiben Osteuropäer – Russen, Rumänen, Polen, Ungarn usw. – argwöhnisch gegenüber dem Islam und leisten muslimischer Zuwanderung Widerstand.)

Der Islam beeinflusste nicht nur das persönliche Verhalten einzelner Europäer; er hatte einen formenden Einfluss auf komplette Kulturen (einschließlich der Mafia-Kultur). Während der Kreuzzüge z.B. war es nicht unüblich, dass Franken Muslime köpften (und ihre Köpfe per Katapult in muslimische Festungen schossen). Der zeitgenössische Historiker Guibert von Nogent (starb 1124) schrieb, dass sie diese untypische Taktik von ihren Feinden „lernten“ – dass es eine Art Retourkusche war, um muslimischen Kämpfern zu zeigen, dass die Kreuzritter so gut austeilen konnten, wie sie einstecken mussten. Gleichermaßen ist es unmöglich die Brutalität und den Fanatismus der spanischen Conquistatoren gegenüber den Einwohnern der Amerikas zu verstehen, ohne das zu Spaniens Überlebenskampf gegen den Islam zurückzuverfolgen, der die Schaffung einer fromm-militanten Kultur erforderte, um dem Jihad Widerstand zu leisten und schließlich den Spieß umzudrehen. Sobald der Islam weg war, konnte Spaniens Heilige-Krieger-Mentalität – wie sie über fast acht Jahrhunderte geschmiedet worden war – nicht einfach über Nacht verschwinden und fand neuen Auslass unter dem alten Kontext der Christen gegen die Ungläubigen.

Nichts von dem Angeführten soll mittelalterliche Christen  von ihrem eigenen Tun „freisprechen“ – am Ende ist jeder Einzelne für sein Verhalten verantwortlich – sondern es in Kontext stellen. Immerhin ist es ein Grundbestandteil der Nahost-Studien und damit auch der Medien und aller möglichen „Experten“, um westlichen Einfluss – von den Kreuzrittern bis zum Kolonialismus – als fundamental verantwortlich für die heutigen Probleme der islamischen Welt zu präsentieren. Von daher ist die Erkundung der Frage von einem umgekehrten Standpunkt aus berechtigt.

Das Mindeste, was aus all dem zu ziehen ist: Die Pseudogeschichte barbarischer Christen und nobler Muslime muss einer ernsten Nachprüfung unterzogen werden.