Das [zum damaligen Zeitpunkt] „gigantischste Verbrechen aller Zeiten“

Raymond Ibrahim, 31. Oktober 2019 (FrontPage Magazine)

Eine üble Wahrheit der Geschichte ist gerade bestätigt worden. Am 29. Oktober stimmte das US-Repräsentantenhaus mit überwältigender Mehrheit (405 zu 11) zugunsten von Resolution 296, die offiziell anerkennt, dass osmanische Türken im Ersten Weltkrieg an den Armeniern Völkermord verübten. (Nicht überraschend gehörte Ilhan Omar zu den sehr wenigen, die sich enthielten; ihre unaufrichtige Logik wird später angesprochen.)

Um offizielle Politik zu werden, muss die Resolution allerdings von beiden Häusern des Kongresses genehmigt und dann vom Präsidenten unterschrieben werden. Der Senat hat derzeit keinen Termin, um über die Maßnahme abzustimmen.

Es ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Nach Angaben des Buches Remembrance and Denial: The Case of the Armenian Genocide

gab es zu Beginn des Jahres 1915 rund zwei Millionen Armenier in der Türkei; heute sind es weniger als 60.000 … Trotz der gewaltigen Menge an Beweisen, die die historische Realität des Völkermords an den Armeniern aufzeigen – Augenzeugenberichte, offizielle Archive, fotografische Belege, die Berichte von Diplomaten und die Zeugenaussagen von Überlebenden – wird die Leugnung des Völkermords an den Armeniern von aufeinander folgenden Regimen der Türkei von 1915 bis heute betrieben.

Tatsächlich empört sich die Türkei derzeit wegen dieser Resolution; ihr Präsident Recep Tayyip Erdoğan bezeichnete sie als „wertlos“ und die „größte Beleidigung“ für das türkische Volk.

Derartige sture Leugnung grenzt ans Surreale, bedenkt man, wie gut dokumentiert der Völkermord an den Armeniern ist. So sagt die International Association of Genocide Scholars (Internationale Vereinigung der Völkermordforscher): „Der Völkermord an den Armeniern ist nicht umstritten, sondern wird einzig von der türkischen Regierung und ihren Apologeten bestritten“.

Das ist auch nichts Neues. Der ehrenwerte Henry Morgenthau, von 1913 bis 1916 US-Botschafter in der Türkei, schrieb in seinen Memoiren Folgendes:

Als die türkische Obrigkeit den Befehl für diese Deportationen gab, wurde lediglich das Todesurteil für eine gesamte Rasse ausgegeben; sie verstanden das durchaus und in ihren Gesprächen mit mir machten sie keinen sonderlichen Versuch diese Tatsache zu verbergen… Ich bin überzeugt, dass die gesamte Geschichte der menschlichen Rasse keinen so furchtbaren Abschnitt wie diesen gab. Die großen Massaker und Verfolgungen der Vergangenheit scheinen fast unbedeutend, vergleicht man das mit dem Leiden der armenischen Rasse 1915.

1920 hörte der US-Senat für Resolution 359 Zeugenaussagen zu „Verstümmelung, Verletzung, Folter und Tod“ zahlloser Armenier; der amerikanische Oberstleutnant James Harbord bezeichnete den Völkermord als „das gigantischste Verbrechen aller Zeiten“.

In ihren Memoiren, Ravished Armenia, beschrieb Aurora Mardiganian, wie sie vergewaltigt und in einen Harem geworfen wurde (was mit den Kriegsregeln des Islam überein stimmt). Anders als tausende anderer armenischer Mädchen, die nach ihrer Schändung entsorgt wurden, schaffte sie es zu entkommen. In der Stadt Malatia sah sie 16 junge christliche Frauen, die gekreuzigt worden waren: „Jedes der Mädchen war lebend an ihr Kreuz genagelt worden“, schrieb sie, „Nägel durch ihre Füße und Hände, nur ihr Haar wehte im Wind, bedeckte ihre Körper.“ Solche Szenen wurden 1919 im Dokumentarfilm Auction of Souls dargestellt, einschließlich des oben gezeigten Bildes gekreuzigter junger Frauen.

Während der Völkermord im Westen weithin anerkannt ist – lange vor dieser neuen Resolution hatten mehr als 40 amerikanische Bundesstaaten ihn formell anerkannt – wird eine seiner Haupt- wenn nicht die Grundursache ständig übersehen: die Religion (muslimische Türken gegen christliche Armenier).

Der Völkermord wird leider über ein einzigartig säkulares Paradigma zum Ausdruck gebracht, das sich fast ausschließlich auf Nationalismus, Identität, territoriale Auseinandersetzungen usw. konzentriert – womit moderne, säkulare Sensibilitäten des Westens auf enorm unterschiedliche Charaktere und Zeiten projiziert werden.

Krieg ist natürlich ein weiterer Faktor, der den wahren Kern des Völkermords verschleiert. Weil diese Gräueltaten zumeist während des Ersten Weltkriegs geschahen, so wird argumentiert, waren sie letztlich ein Spiegel genau von diesem – Krieg, in all seinem Chaos und Zerstörung und nichts sonst. Aber wie Winston Churchill, der die Massaker als einen „administrativen Holocaust“ beschrieb, richtigerweise feststellte: „Die Gelegenheit [Erster Weltkrieg] bot sich für die Räumung einer christlichen Rasse von türkischem Bodens an.“ Selbst Adolf Hitler hatte darauf hingewiesen: „Die Türkei nutzt den Vorteil des Krieges, um seine internen Feinde gründlich zu liquidieren, d.h. die indigenen Christen, ohne dabei durch Intervention aus dem Ausland gestört zu werden.“

Selbst der am häufigsten angeführte Faktor für den Völkermord an den Armeniern, „ethnischer Identitäts-Konflikt“, ist zwar legitim, muss aber im Licht der Tatsache betrachtet werden, dass Religion historisch oft mehr für die Identität einer Person entscheidend ist als Sprache oder Erbe. Das wird heute in der muslimischen Welt tagtäglich demonstriert, in der muslimische Regierungen und muslimische Mobs christliche Minderheiten verfolgen, die dieselbe Rasse, Sprache und Kultur haben; Minderheiten, die von der Mehrheit nicht zu unterschieden sind – außer natürlich dadurch, dass sie nicht muslimische, also „Ungläubige“ sind.

So fragt ein Professor für Armenien-Studien: „Wenn er [der Völkermord an den Armeniern] eine Fehde zwischen Türken und Armeniern war, was erklärt dann den von der Türkei an christlichen Assyrern zur gleichen Zeit verübte Völkermord?“ Dasselbe kann über die Griechen gesagt werden (von denen während des Ersten Weltkriegs rund 750.000 liquidiert wurden). Aus türkischer Sicht war das, was die Armenier, Assyrer und Griechen gemein hatten, dass sie alle Christen waren – „Ungläubige“.

Und dasselbe kann von all den Christen und anderen nichtmuslimischen Minderheiten gesagt werden, gegen die sich richtete, was die USA als von ISIS begangenem Völkermord anerkennen – ein weiterer Völkermord, der ebenfalls während des Chaos eines Krieges verübt wurde und zwar gegen diejenigen, deren einziges Verbrechen darin bestand „Ungläubige“ zu sein.

Anmerkung: Kapitel 4 des aktuellen Buches des Autors, Sword and Scimitar: Fourteen Centuries of War between Islam and the West, dokumentiert, dass der erste „Völkermord“ an den Armeniern durch die Türken schon genau vor einem Jahrtausend begann, im Jahr 1019.

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