Die Kyros-Debatte bestätigt ironischerweise die Wahrheit der jüdischen Geschichte in Jerusalem

Rivkah Fishman-Duker, JCPA, 3. November 2019

Manche sehen im Kyros-Zylinder (oben) im British Museum eine Bestätigung der Bibel und ihrer Historizität von gefangene Völker: „Alle Völker, die ich sammelte und zurück in ihr Häuser brachte“ (Zeile 32), was die Bestätigung der Freilassung gefangener Juden sein könnte, selbst wenn diese im Text nicht genannt sind. Kyros wird zugschrieben den gefangenen Juden geholfen zu haben nach Judäa zurückzukehren, das zweite jüdische Gemeinwesen, und ihren Tempel wieder aufzubauen, der stehen blieb, bis er vom römischen Reich zerstört wurde. (Prioryman/CC BY-SA 3.0)

Ishaan Tharoor von der Washington Post machte sich daran US-Außenminister Mike Pompeo (1. Nov. 2019) – und damit auch Präsident Donald Trump – in seinen Kommentaren zu Pompeos Tweet vom 29. Oktober zu verunglimpfen, mit dem Kyros der Große gelobt wurde, der das Persische Reich im 6. Jahrhundert v.Chr. regierte.[1] Tharoor vermerkt korrekt: „Nach Quellangaben, einschließlich biblischer Schriften, erlaubte Kyros den deportierten Judäern im Exil nach den Verheerungen durch den babylonischen König Nebukadnezar II. in ihr Heimatland zurückzukehren.“[2] Vielleicht unbeabsichtigt bestätigt dies wichtige historische Wahrheiten, wobei nebenher zunichte gemacht wird, was Teil des palästinensischen Standard-Narrativs geworden ist. Trotzdem fordern Tharoors Entstellungen Korrekturen.

Der Erlass des Kyros ist nicht die Balfour-Erklärung

Der Erlass des Kyros erklärt keine „jüdische nationale Heimstadt“, wie es die Balfour-Erklärung machte, der am 2. November gedacht wurde. Damit wurde ein Tempel vereinbart, ein Ort der Verehrung (Opferung). Das ist klar. Es war jedoch Präsident Harry S. Truman, der sich selbst mit Kyros verglich und bei einem Treffen am Jüdischen Theologischen Seminar in New York kurz nach Ende seiner Amtszeit metaphorisch sagte: „Ich bin Kyros!“ In diesem Sinne war Kyros nichts anderes als ein politischer Zionist im modernen herzlschen Sinn, als es die Briten waren, die eine „jüdische nationale Heimstatt“ forderten – keinen Staat. Beide waren imperiale Mächte.

Zum Kontext: Als Kyros im Jahr 539 v.Chr. den Nahen Osten eroberte (mit Ausnahme von Ägypten, das von seinem Nachfolger Cambyses erobert wurde), gestattete er Völkern ihre Tempel wieder aufzubauen und ihre Götter verehren. Diese Politik war das Gegenteil dessen, was die Babylonier machten, deren Eroberungen durch Zerstörung von Tempeln und lokalen Göttern gekennzeichnet waren. Das war eine geschickte Politik seitens der Perser, denn sie tendierte dazu Revolten vorzubeugen.

Die Juden waren ein anderer Fall, denn die Mehrheit von ihnen war aus ihrer Heimat ins Exil nach Babylon gebracht worden. Die Babylonier hatten 586 v.Chr. den (ersten) Tempel und Jerusalem zerstört, die Hauptstadt des Königreichs Juda (auf Hebräisch: Yehuda; Yehud im Persischen). Kyros‘ Edikt erklärte (2. Chronik 36,23 und Esra 1,2-3): „Jeder unter euch, der zu seinem Volk gehört – sein Gott sei mit ihm -, der soll nach Jerusalem in Juda hinaufziehen und das Haus des Herrn, des Gottes Israels, aufbauen; denn er ist der Gott, der in Jerusalem wohnt.“ (Esra 1,3) Mit anderen Worten: Es scheint so, das Kyros den Wiederaufbau des Tempels und der Wiederherstellung Jerusalems als den Bau eines Tempels für einen lokalen Gott in einer Tempelstadt betrachtete, während die Juden Gott immer als den universalen Gott betrachteten, der auch der Gott Israels ist. Davon abgesehen war Kyros kein Theologe, sondern ein König und das war seine politische Entscheidung. Es ist klar, dass die Juden weder unabhängig noch souverän waren und dass sie unter persischer Herrschaft verbleiben würden.[3]

Kyros beging Kriegsverbrechen

Pompeos Tweet richtete sich auch gegen die enorm beliebte Antwort, die der antike König von Persien bei Iranern immer noch hervorruft, die der Ideologie der Islamischen Republik Iran diametral entgegen steht. Der Hinweis auf Exzesse im Kampf ist ein Versuch sein Ansehen als „proto-nationaler Held“ zu diskreditieren. Kyros war ein Eroberer und nicht humanitär, obwohl zu seiner Politik religiöse Toleranz gehörte – wie aus den Quellen ersichtlich ist. Niemand behauptet, dass er keine „Kriegsverbrechen“ beging. Alle antiken Könige waren brutal und es gab immer zivile Opfer und Kollateralschäden. Übrigens bombardierten die Alliierten während des Zweiten Weltkriegs Städte und im Bürgerkrieg brannte die Union Savannah nieder usw. Viele muslimische Kalifen waren notorische Killer. Es gibt keine Notwendigkeit moderne Vergleiche zu ziehen und Kyros wegen dem abzulehnen, was er den Babyloniern antat.

Das Geschichtsverständnis der evangelikalen Christen wird verunglimpft

Evangelikale haben ihre Art die Bibel auszulegen. Sie sind von niemandem „besessen“ außer von Jesus von Nazareth. Alle Führer vergleichen sich gerne mit von ihnen bewunderten früher bedeutenden (oder nicht so bedeutenden) Personen. Es gibt zahllose Beispiele. Erklärte nicht Senator Cory Booker aus New Jersey bei den Anhörungen gegen Brett Kavanaugh letztes Jahr, er sei Spartakus? Wenn Truman und Trump sich entschieden von sich als Kyros zu denken, ist das historisch fehlerhaft, geschieht aber in guter Absicht und ich würde dem nicht allzu viel Aufmerksamkeit schenken. Für diejenigen, die Israel verleumden wollen, ist alles, das gegen Israel ins Feld geführt werden kann, der Sache dienlich. Die Washington Post hat sich darin letzte Woche wirklich selbst übertroffen.

Sonderbarerweise erinnert die Kritik der Washington Post am Vergleich mit Kyros die Welt daran, dass der Tempel in Jerusalem stand, der Hauptstadt von Judah; das erkennt die jüdische Präsenz hier an, lange vor dem Islam und den Palästinensern. Das läuft dem verlogenen palästinensischen Narrativ zuwider, das behauptet die Juden seien kein indigenes Volk, sondern Eindringlinge, denen ein historischer Anspruch auf das Land fehlt.

Fußnoten:

[1] https://twitter.com/SecPompeo/status/1189199170537689088

[2] https://www.washingtonpost.com/world/2019/11/01/trump-administrations-obsession-with-an-ancient-persian-emperor/

[3] Eric Meyers/Sean Burt: Exile and Return: From the Babylonian Destruction to the Beginnings of Hellenism. In: Ancient Irael. 3. Ausgabe, Hg: Herschel Shanks. Washington DC, BAR, 2011, S. 216-235. Cyrus – S. 216-220