Türkei: Wiederaufleben der glorreichen/blutrünsigen Tage des Jihad

Raymond Ibrahim, 29. November 2019 (FrontPage Magazine)

Die wenig kommentierten, aber andauernden Misshandlungen historischer Kirchen durch die Türkei spiegelt vermehrt das zunehmende Gefühl des islamischen Überlegenheitsanspruchs dieser Nation.

Bevor die Türken dort einmarschierten, war Anatolien (die heutige Türkei) eine uralt-christliche Region; ein großer Teil der Paulusbriefe wurde an ihre Kirchen geschickt oder handelten von ihnen, darunter die sieben Gemeinden der Apokalypse. Mit der Eroberung, Kolonisierung und folgenden Türkifizierung Anatoliens durch die Türken – der Grund, dass es heute einfach „Türkei“ heißt – wurden zehntausende Kirchen systematisch geschändet und in Sieges-Moscheen umgewidmet.

Unter Mustafa Kemal Atatürks (gest. 1938) Säkularisierungsprogramm wurden aus einigen dieser historischen und bedeutenden, in Moscheen verwandelten Kirchen neutrale Museen gemacht. Heute werden sie allerdings wieder angegriffen, wieder in islamische Sieges-Moscheen umgewandelt.

Erst vor kurzem, am 5. November, kündigte die Regierung an, dass eine 1500 Jahre alte Kirche, gewidmet dem Heiligen Retter, wieder in eine Moschee umgewidmet werden soll, obwohl sie seit 1945 ein Museum gewesen ist. Das bedeutet: Obwohl sie „eines der großartigsten Beispiele byzantinischer Kunst ist und immer noch Mosaike und Fresken erhalten sind“, werden diese alle im Säuberungsprozess zerstört werden, der sie zu einer Moschee macht.

Die Heilige Retter ist kaum die erste Kirche/Museum, die in den letzten Jahren in eine Moschee umgewandelt wurde. Das andauernde Phänomen ist keine sonderlich verschleierte Drohung für die ultimative und stark erwartete Umwidmung – die der Hagia Sophia, der größten Basilika des östlichen Christentums; sie steht in Konstantinopel (dem modernen Istanbul). Obwohl auch sie seit Mitte der 1930-er Jahre ein Museum gewesen ist, obwohl sie für die östlich-orthodoxen Christen einen besonderen Ort darstellt und obwohl es allein in Istanbul mehr als 3.000 aktive Moscheen gibt,  sagten mehr als 97 Prozent der 2013 befragten Türken, sie wollten, dass die Hagia Sophia in eine Moschee verwandelt wird.

Warum so viele Türken nach dieser Umwandlung schreien – sie wollen ihr islamisches Überlegenheitsgefühl gegenüber dem Christentum (und demzufolge über den Westen, so läuft ihr Denken) zu beweisen – ist in allen Bereichen der Gesellschaft offenkundig, von ganz oben bis ganz unten. Betrachten Sie Präsident Recep Tayyip Erdoğan, der früher dieses Jahr deutlich machte, dass auch er sehen will, dass aus der Hagia Sophia eine Moschee gemacht wird. Nach dem Bericht, dass „der Präsident der Türkei in der Hagia Sophia ein islamisches Gebet rezitierte, ein historisches Istanbuler Wahrzeichen, das zum Symbol von Interreligiosität und diplomatischer Spannungen geworden ist“, fügte AP hinzu, dass Erdoğan sein Gebet den „Seelen all derer widmete, die uns diese Arbeit als Erbe hinterließen, besonders Istanbuls Eroberer [Sultan Mehmet II.].“

Salih Turhan, Leiter der Anatolischen Jugendvereinigung, die jedes Jahr rund um die Hagia Sophia demonstriert, erklärte zudem: „Als die Enkel von Mehmet dem Eroberer ist es unser legitimes Recht, dass wir die Wiedereröffnung der Hagia Sophia anstreben.“

Mit anderen Worten: Der Wunsch aus der Hagia Sophia in eine aktive Moschee zu machen, ergibt sich nicht aus Frömmigkeit oder einem Mangel an Moscheen, sondern im Ruhm – heißt die Blutrünstigkeit – der Tage des Jihad und Ehre derer, die ihn ausüben, zu schwelgen.

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Im Folgenden besuchen wir exakt das, was Mehmet II., der Eroberer, in der Hagia Sophia machte und ihr antat, dass so viele modernen Türken ihn ehren, einschließlich ihres Präsidenten, wozu auch gehört, dass sie die Umwandlung des Gebäudes in eine Moschee fordern. (Alle Zitate des folgenden Berichts stammen aus Primärquellen, zumeist von Augenzeugen und sind in Sword and Scimitar: Fourteen Centuries of War between Islam and the West dokumentiert.)

Nachdem Konstantinopel Jahrhunderte lange Jihad-Vorstöße abgewehrt hatte, brandschatzte Mehmet – d.h. Mohammed (Mehmet ist die türkische Aussprache des arabischen Namens des Propheten) – Konstantinopel am 29. Mai 1453. Einmal in die Stadt eingedrungen „gaben die türkischen Soldaten kein Pardon“, schrieb ein Augenzeuge:

Als sie ihr Massaker veranstaltet hatten und es keinen Widerstand mehr gab, wollten sie plündern und durchstreiften die Stadt, stahlen, entkleideten, brandschatzten, töteten, vergewaltigten, nahmen Männer, Frauen, Kinder, alte Männer, junge Männer, Mönche, Priester, Menschen aller Art und in jeglichem Zustand… Es gab Jungfrauen, die wachten aus unruhigem Schlaf auf, um diese Banditen mit blutigen Händen und Gesichter voller erbärmlicher Raserei über sich zu sehen … [Die Türken] zogen sie weg, rissen sie fort, zwangen sie, entehrten sie, vergewaltigten sie auf den Kreuzungen und unterzogen sie den furchtbarsten Gewalttaten… Zarte Kinder wurden brutal von den Brüsten ihrer Mütter gerissen und Mädchen wurden gnadenlos fremden und schrecklichen Vereinigungen übergeben und tausend andere Dinge geschahen…

Weil tausende Bürger geflohen waren und sich in die Hagia Sophia geflüchtet hatten, bot sich hier eine ausgezeichnete Ernte an Sklaven – sobald ihre Türen aufgebrochen waren. „Ein Türke sah nach der scheinbar reichsten Gefangenen, ein anderer zog ein hübsches Gesicht bei den Nonnen vor… Jeder räuberische Türke war gierig darauf seine Gefangene zu einem sicheren Ort zu bringen und kehrte dann für einen zweiten oder dritten Preis zurück… Dann konnte man lange Schlangen sehen, die die Kirche und ihre Heiligtümer verließen, getrieben wie Vieh oder Schafherden.“

Manchmal bekämpften die Sklavenhalter sich wegen „irgendeines gut gebauten Mädchens“ gegenseitig bis zum Tod, obwohl diese es „vorzogen sich in Brunnen zu werfen und zu ertrinken statt in die Hände der Türken zu fallen“.

Nachdem sie Besitz von einer der größten und ältesten Basiliken – zur Zeit ihrer Eroberung fast tausend Jahre als – ergriffen hatten, betrieben die Invasoren „alle möglichen Widerwärtigkeiten darin, machten aus ihr ein öffentliches Bordell“. Auf „ihren heiligen Altären“ inszenierten sie „Perversionen mit unseren Frauen, Jungfrauen und Kindern“, darunter „die Tochter des Großfürsten, die sehr schön war“. Sie wurde gezwungen „sich auf den großen Altar der Hagia Sophia zu legen, mit einem Kreuz unter ihrem Kopf, dann wurde sie vergewaltigt“.

Dann „paradierten sie das Hauptkreuz [der Hagia Sophia] in einer höhnischen Prozession durch ihr Lager, schlugen Trommeln dazu, kreuzigten Christus erneut mit Bespucken und Gotteslästerungen und Flüchen. Sie setzten ihm einen türkischen Hut auf … seinen Kopf und brüllten höhnisch: „Seht, der Gott der Christen!“

Viele andere Kirchen in der alten Stadt erlitten dasselbe Schicksal. „Die Kreuze, die auf den Dächern oder Wänden von Kirchen angebracht waren, wurden heruntergerissen und darauf herumgetrampelt.“ Die Eucharistie wurde auf den Boden geworfen; heilige Ikonen wurden ihres Goldes beraubt, „auf den Boden geworfen und getreten“. Bibeln wurden ihre Gold- und Silberbilder genommen, bevor sie verbrannt wurden. „Ikonen wurden ohne Ausnahme den Flammen übergeben.“ Patriarchengewänder wurden auf die Lenden von Hunden platziert; Priestergewänder wurden auf Pferde gelegt.“

„Überall gab es Unglück, jeder wurde von Schmerz berührt“, als Sultan Mehmet schließlich seinen Einzug in der Stadt hielt. „Es gab Klagen und Weinen in jedem  Haus, Schreie auf den Straßen und Leid in allen Kirchen; das Stöhnen der erwachsenen Männer und die Schreie von Frauen, begleiteten Plünderung, Versklavung, Trennung und Vergewaltigung.“

Der Sultan ritt zur Hagia Sophia, stieg ab und ging hinein, „bewunderte den Anblick“ der Großkirche. Nachdem sie sie von ihren Kreuzen, Statuen und Ikonen gesäubert hatten – der Sultan selbst stieß ihren Altar um und trampelte darauf herum – befahl Mehmet einem Muezzin auf die Kanzel zu steigen und „ihre widerwärtigen Gebete ertönen zu lassen. Dann stieg dieser Sohn des Frevels, der Vorläufer des Antichristen, auf den Heiligen Tisch, um seine eigenen Gebete zu sprechen“, womit er „aus der Großkirche in einen Heidenschrein für seinen Gott und seinen Mahomet machte“.

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Das ist also das, worauf die Muslime der Türkei und ihr Präsident stolz sind: die gewalttätige Eroberung uralten christlichen Territoriums und die von Gräueln beladene Umwandlung ihrer größten Kathedrale in eine Moschee; das ist das, was sie begierig ehren, indem sie aus der Hagia Sophia wieder eine Moschee machen. Täuschen Sie sich nicht: Auch wenn der Durchschnittswestler bezüglich der erwähnten Geschichte keine Ahnung hat, wird sie doch jedem Türken wird sie in seiner Jugend gelehrt.

Mehmet offen zu vergöttern und zu versuchen zu tun, was er tat – aus der Hagia Sophia eine Moschee zu machen, um die „Seelen all derer zu ehren, die uns dieses Werk als Erbe hinterließen, besonders Istanbuls Eroberer“, wie Erdoğan proklamierte – ist gleichbedeutend damit, dass Türken sagen: „Wir sind stolz auf unsere Vorfahren [und versuchen es ihnen gleichzutun], die Menschen abschlachteten, versklavten und vergewaltigten und ihnen ihr Land stahlen, nur weil sie christliche Ungläubige waren.“

Nachbemerkung: Einen umfassenden Bericht von der Belagerung und folgenden Plünderung von Konstantinopel finden Sie in Kapitel 7 des Buchs Sword and Scimitar dieses Autors.