Jerusalem vor 1967: Ein Blick auf Landkarten von beiden Seiten der Grenze

Zu Ehren des Jerusalem-Tags lädt die Eran Laor Cartographic Collection ein einen Blick auf die Landkarten zu werfen, die die Stadt vor ihrer Wiedervereinigung definierten.

David Cohen, the Librarians, 30. Mai 2019
Das alte und das neue Jerusalem. Karte 1955 veröffentlicht von Steinmatzky.

Neunzehn Jahre lang war die Stadt Jerusalem zwischen Israel und Jordanien geteilt. In dieser Periode sahen Karten der Stadt krass anders aus, als wir sie heute kennen. Ein kurzer Blick auf Touristenkarten, kommerzielle Landkarten und sogar Karten in Zeitungen, die auf beiden Seiten der Grenze veröffentlicht wurden, offenbart das Ausmaß dieser Unterschiede.

Touristenkarte des jordanischen Jerusalem von 1961 (zum Vergrößern bitte im Originaltext anklicken).

„Tote Zone“ – was liegt jenseits der Grenze?

Innerhalb jeder Landkarte gibt es immer eine Art Abstraktion oder Filterung bestimmter Einzelheiten entsprechend der Informationen, die der Kartenmacher der Zielgruppe zu vermitteln versuchte (oder die er vermitteln sollte). Das geilt besonders für Touristenkarten, die durch ihre Natur im Inhalt selektiv sind und nicht unbedingt dem genauen Detail oder Maßstab verpflichtet sind.

Auf diese Weise werden die Grenzen eines kartografierten Gebiets festgelegt werden. Jedes Gebiet, das für die Absicht der Karte nicht relevant ist, wird gewöhnlich, wenn überhaupt, ein einfacher und knapper Weise beschrieben. Wir können an den Karten des geteilten Jerusalem sehen, wie sich das auslebt. In den meisten dieser Karten gibt es keinen Hinweis darauf, was jenseits der Grenze liegt. Es gibt nur eine „tote Zone“, die von einer einzigen, gleichbleibenden Farbe gekennzeichnet ist und alle Details zu Straßen oder Gebäuden auslässt. In einige Fällen gibt es spärliche Anmerkungen, die Details wie Waffenstillstandslinien, entmilitarisierte Zonen, Transittore und Niemandsland angeben.

Jordanische Touristenkarte der Altstadt von Jerusalem, 1960 (zum Vergrößern bitte im Originaltext anklicken).

Israelische Karte von 1958, die das Bild der vorigen Karte vervollständigt (zum Vergrößern bitte im Originaltext anklicken).

Es ist interessant zu sehen, wo die israelischen und jordanischen Landkarten einander widersprechen, sowie wo die Karten übereinstimmen. Jede von ihnen präsentiert eine andere Seite der Stadt, wobei die Trennung zwischen ihnen verläuft.

Ein faszinierendes Beispiel dafür ist eine jordanische Touristen-Karte von 1964. In ihr können wir sehen, wie die technischen Elemente der Kartografie wie die Verwendung von Farben, hilft eine geopolitische Realität auszudrücken. Das „besetzte Gebiet Jerusalems“ wird an der Peripherie der Karte rote markiert, Niemandsland grau und die entmilitarisierte Zone auf dem Skopusberg lila.

Jerusalem, Jordanien – das Heilige Land (zum Vergrößern bitte im Originaltext anklicken).

Neuberechnung der Richtung

Blickt man fünfzig Jahre später zurück, kann die Untersuchung dieser Karten ein Gefühl der Illusion und Desorientierung schaffen.

Eine israelische Touristenkarte von Westjerusalem aus den späten 1950-er Jahren orientierte die Landkarte mit dem Osten nach oben, statt der standardmäßigen Nordorientierung.

Andererseits scheint das Heilige Land auf einer jordanischen Touristenkarte der späten 1960-er Jahre Grenzen und Aspekte zu haben, die der israelischen Definition radikal widersprechen.

Jerusalem von Norden nach Süden. Tel Aviv 1957 (zum Vergrößern bitte im Originaltext anklicken).
Jerusalem als Teil von  Jordanien. Jordanische Karte 1964 (zum Vergrößern bitte im Originaltext anklicken).

Auf anderen Karten werden beide Seiten der Stadt detailliert dargestellt, wobei die Grenzlinie in der Mitte hervorgehoben ist. Diese Karten waren gestaltet, um Touristen ein vollständiges Bild der Stadt zu geben, wurden aber den neuen politischen Realitäten entsprechend angepasst, die nach dem Waffenstillstand im  November 1948 geschaffen wurden.

Eine Bildkarte von Jerusalem, ausgegeben 1955 von Steimatzky, war mit der Trennlinie bedruckt, die Jerusalem durchkreuzte. Das war keine neuen Karte von Jerusalem, sondern eine Neuveröffentlichung einer Karte, die erstmals rund ein Jahrzehnt zuvor veröffentlicht wurde.

Das alte und das neue Jerusalem, Steimatzky 1955 (zum Vergrößern bitte im Originaltext anklicken).

Eine jordanische Touristenkarte, die 1952 in Jerusalem veröffentlicht wurde, zeigt ebenfalls die gesamte Stadt Jerusalem mit einer hindurch verlaufenden Grenzlinie. Sie zeigt jeweils entmilitarisierte Zonen als „von der UNO kontrollierte Gebiete“ sowie „jüdisch kontrolliertes Territorium“ und „Niemandsland“.

Jerusalem in deiner Handfläche, 1952 (zum Vergrößern bitte im Originaltext anklicken).

Zu guter Letzt wurde am 14. Mai 1950 eine Sonderkarte für die Jerusalemer Leser von Ma’ariv zu Ehren des zweiten Jahrestages der Kämpfe um die Stadt gedruckt. Die Karte befand sich auf der Rückseite, zeigte die Stadt, ihre heiligen Stätten, die Hauptstraßen und die Grenzlinien.

Die eingelegte Karte in der Jerusalem-Ausgabe von Ma’ariv vom 14. Mai 1950 (zum Vergrößern bitte im Originaltext anklicken).

Weitere faszinierende historische Landkarten finden Sie beim Besuch der Internetseite der Eran Laor Cartographic Collection.