Eine notwendige, äußerst wichtige Botschaft an das Holocaust Forum

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Dutzende Staatsoberhäupter werden nach Jerusalem kommen, um am Fünften Holocaust-Forum teilzunehmen. Diese Veranstaltung wird am 23. Januar in Yad Vashem beginnen und unter der Schirmherrschaft des israelischen Präsidenten Reuven Rivlin stattfinden. Die Zusammenkunft ist eine einzigartige Gelegenheit einem Top-Publikum öffentlich eine entscheidende Botschaft im Kampf gegen Antisemitismus zu vermitteln. Die israelische Regierung und jüdische Institutionen haben es Jahrzehnte lang versäumt die Botschaft öffentlich zu weiterzugeben, dass Antisemitismus mehr als tausend Jahre lang ein integraler Bestandteil westlicher Kultur gewesen ist. Diese Tatsache ist unentbehrlich für das Verständnis und die Bekämpfung von zeitgenössischem Antisemitismus und muss daher kontinuierlich wiederholt werden.

Vor mehr als einem Jahrtausend haben mächtige Organisationen – hauptsächlich, aber nicht ausschließlich im Westen – die Idee propagiert, dass Juden absolut böse sind. Die römisch-katholische Kirche war die Originalquelle dieser hasserfüllten Idee. Ihr folgten später verschiedene andere christliche Denominationen. Juden in allen Generationen wurden beschuldigt den mutmaßlichen Sohn Gottes, Jesus, getötet zu haben; ihnen wurde die Verantwortung für seinen Tod vorgeworfen.

Christliche Theologen stereotypisierten die Juden. Statt den Fehler bei einzelnen Individuen in einer lange zurückliegenden Vergangenheit zu suchen, machten sie alle Juden jeder Generation für ein Verbrechen verantwortlich, das ihre Ahnen nicht begangen hatten. Damit lieferten sie einen riesigen Beitrag zu dem, was heute allgemein Rassismus genannt wird. Menschen zu stereotypisieren ist ein Kernelement dieses Übels. Als Christen Juden brutal behandelten, entwickelten sie die boshafte Behauptung, das daraus resultierende Leiden der Juden sei göttliche Strafe dafür, dass sie Jesus nicht anerkennen.

Unter den protestantischen Reformern sticht Martin Luther in seinen späten Jahren als fanatischer Antisemit heraus. Er schrieb, dass Juden in Ställen gehalten werden sollten, ihre Bücher sollten ihnen weggenommen werden und wenn Rabbiner predigten, dass sollten sie getötet werden. Luther empfahl auch, dass Synagogen zur Ehre Gottes und der Christenheit niedergebrannt werden sollten.[1] Heutzutage gehört der Ökumenische Rat der Kirchen („Weltkirchenrat“) zu den großen christlichen Hass Schürenden gegen Israel.[2]

Auf der Jahrhunderte alten Infrastruktur des christlichen Antisemitismus entwickelte sich ein zweiter Typ des Antisemitismus: der ethnische/nationalistische Antisemitismus. Ohne die christliche Hass-Grundlage hätten viele in den europäischen Gesellschaften vermutlich weniger bereitwillig mit den deutschen Mördern bei der Verfolgung der Juden kooperiert.

Die Anti-Defamation League hat mehrere Studien zu einer Reihe von europäischen Ländern sowie den Vereinigten Staaten und Argentinien veröffentlicht. Die Umfragen stellten fest, dass selbst heute noch 26% der Christen an die Falschmeldung glauben, dass die Juden für den Tod Jesu verantwortlich sind.[3]

Mit der Entwicklung der westlichen Kultur mutierte auch der Antisemitismus. Anti-Israelismus hat dieselben Kernmotive wie die beiden früheren Typen des „klassischen“ Antisemitismus. Im christlichen Antisemitismus waren die Juden aufgrund der falschen Anschuldigung, sie hätten Jesus getötet, das absolut Böse. In der nachfolgenden Nazi-Ideologie waren die Juden das absolut Böse, weil sie fälschlich als untermenschlich, mit Defekten geboren, Insekten, Ungeziefer oder Bakterien angesehen wurden.

In der zeitgenössischen Gesellschaft stellt sich das absolut Böse als sich wie Nazis zu verhalten und Völkermord zu planen dar. Aus verschiedenen Studien wissen wir, dass eine große Minderheit der Bevölkerung Europas fälschlicherweise glaubt, Israel habe vor Völkermord an den Palästinensern zu begehen; alternativ wird geglaubt, es verhalte sich den Palästinensern gegenüber wie die Nazis es den Juden gegenüber machten.[4]

Es gibt viele Belege der fortbestehenden Verflechtung von Antisemitismus und westlicher Kultur. Rothschild, die Juden und Geld sind immer wiederkehrende, von Antisemiten verwendete Verknüpfungen. Lange davor hatte die Kirche bereits Judas Ischariot vorgeworfen Jesus für Geld verkauft zu haben. Shylock taucht immer noch in der westlichen Gesellschaft als der Inbegriff des Wucherers auf. Trotz des extremen Bösen des Nationalsozialismus wurde der Nazi-Denker Martin Heidegger zum führenden Philosophen des Nachkriegs-Europa.[5]

Es gibt viele weitere Belege, dass dieser Antisemitismus mit der westlichen Kultur verflochten ist. In der Postmoderne entwickeln viele wichtige neue intellektuelle oder ideologische Strömungen früher oder später antisemitische Ausdrucksformen. Die Menschenrechtsbewegung ist vollgestopft mit antiisraelischen NGOs. Ihr höchstes Organ, der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen (UNHRC), ist ein moralisch korruptes Gremium, das von antiisraelischen Hass Schürenden durchsetzt ist.

Es gibt eine Vielzahl anderer Beispiele zeitgenössischer ideologischer Bewegungen, in denen Antisemitismus aufgekommen ist. Ein paar Beispiele: Der Feminismus ist eine offensichtliche.[6] Ebenso Teile der LGBT-Bewegung. Einige Leute in dieser Bewegung beschuldigen Israel des „Pinkwashing“. Diese Idee behauptet, dass Israel der Schwulengemeinschaft gleiche Rechte einräumt, sei ein Mittel die Aufmerksamkeit von seiner angeblichen Diskriminierung der Palästinenser abzulenken.[7] Die Intersektionalitätsbewegung zielt oft auf die Solidarität aller Opfer mit Ausnahme der Juden.

In der akademischen Welt bezeichnen Verfechter des Postkolonialismus Israel manchmal als „Kolonialmacht“.[8] Der Begriff ist eine gewaltige Entstellung. Israels Verhalten gegenüber den Palästinensern enthält keine Ähnlichkeit zu den massiven Verbrechen der belgischen, britischen, niederländischen, französischen, deutschen, portugiesischen und spanischen Kolonisatoren an den eroberten Völkern im Verlauf der Jahrhunderte. Diese Länder unterwarfen Völker, um Geld zu machen. Juden machten das Gegenteil. Sie investierten große Mühen und beträchtliche Geldsummen in die Wiederbelebung ihres angestammten Landes, um es aus langjähriger Verwahrlosung zu holen.

Das bevorstehende Holocaust-Forum ist eine einzigartige Gelegenheit für die Organisatoren die obigen Botschaften öffentlich zu präsentieren. Es ist eine Schande, dass so viele jüdische Organisationen es versäumt haben die fortgesetzte Verflechtung von Juden hassendem Antisemitismus mit westlicher Kultur hervorzuheben und was das dafür bedeutet den zeitgenössischen Antisemitismus zu verstehen und zu bekämpfen.

[1] https://jcpa.org/article/historical-roots-anti-israel-positions-liberal-protestant-churches-2/

[2] www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/11053; https://jerusalemjournal.net/news-and-views/fools-on-the-ground-the-world-council-of-churches-in-israel-and-its-eappi-by-dexter-van-zile

[3] www.adl.org/news/press-releases/adl-poll-anti-semitic-attitudes-in-america-decline-3-percent

[4] Zum Beispiel: library.fes.de/pdf-files/do/07908-20110311.pdf

[5] https://www.newyorker.com/culture/richard-brody/why-does-it-matter-if-heidegger-was-anti-semitic

[6] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/18876

[7] http://www.jpost.com/Israel-News/Ilhan-Omar-Rashida-Tlaib-respond-to-Palestinian-LGBTQ-ban-on-Twitter-599139

[8] https://spme.org/spme-research/analysis/philip-carl-salzman-reflections-on-postcolonial-theory-and-the-arab-israel-conflict/4259/

3 Gedanken zu “Eine notwendige, äußerst wichtige Botschaft an das Holocaust Forum

  1. In der Tat ein wichtiges Thema. Ich habe für die deutschen Christen ein Buch darüber geschrieben.
    Als Augustinus irrt – Entstehung der Substitutionstheorie und die Heilsgeschichte Israels. Ich zeige deutlich auf, warum Augustinus 420 n.Chr. die Substitution als Kirchengesetz in die Catholica schrieb. Schuld waren die Philosophen seinerzeit (Mani, Tertullian, Cicero etc.) Die Heilsgeschichte Israels zeigt, dass Israel nach wie vor Gottes auserwähltes Volk ist und bleiben wird.

    https://tredition.de/autoren/rolf-wiesenhuetter-14363/als-augustinus-irrte-paperback-87118/

    Herzliche Grüße und Gottes Segen aus Lübeck, Germany

    Dipl. theol. Rolf Wiesenhütter
    Pastor der Arche Lübeck

  2. Nun ja Herr Gerstenfeld…..

    den einwandernden Islam sollten sie auch noch erwähnen.
    Seis drum…….
    Das Problem müssen wir Schweizer an der Urne regeln, dringendst regeln.

    Aber mir geht es um was anderes….
    Mit der ewigen Hausiererei in Sachen Antisemitismus haben sie sich nicht wirklich einen Gefallen getan.

    Und ja, das Christentum hatte seine langen und Judenfeindlichen Phasen.
    Aber eigentlich haben wir daraus gelernt.
    Zudem bliebe die Frage …… was wäre geschehen ohne das Christentum ?
    Würden wir noch Menschenopfer darbringen, so die Drusen noch unsere Religion bestimmen würden ?
    Wären die Juden diese Opfer ?
    Die Christliche Kirch hat viel durchgemacht, vieles was man nicht rühmen kann, trotzdem ist es besser wir haben sie.

    Den Antisemitismus bezweifle ich gar nicht, ja ich kämpfe dagegen auch oft an, jedoch erzeugen sie damit leider auch Abwehrreflexe und die man heute in Deutschland weitherum findet.
    In der Schweiz weit weniger……
    In Deutschland finden sich viele Menschen einem Generalverdacht unterzogen und die Reaktion ist so ein alltäglicher gehässige Antisemitismus.
    Da wird dann das „Gebet eines Ariers“ als eine Art Witz am Stammtisch aufgesagt.
    Sie kennen das Gebet ja sicher.

    Das mit dem Rothschilds und dem Kapital ist auch wirklich weit verbreitet.
    Und auch die Geschichten von den vielen Juden in der US Regierung…… wobei ich dann meist Frage, was den mit den vielen Christen in unseren Regierungen sei….?

    Weil mein Name Roth ist, Roth kommt bei mir aus dem lateinischen von Rotha ( Rad ).
    Aber in gewissen Blogs wurde ich daraufhin gesperrt, weil man mich als „Rot“ zu einem der „glaube ich 4 Urstämme der Juden“ zählte. Ich kenne die Geschichte nicht wirklich…… sie wohl eher.
    Also wirklich……..

    Natürlich, Deutschland ist weitgehend ein Linksstaat und Sozis sind die Feinde der Christen und der Juden, denn wer Glaubt ist für die Soziideologie nicht empfänglich.
    Für Sozis sind wir quasi verlorene Seelen.

    Trotzdem arbeiten gerade die Jüdischen und Christlichen Organisationen mit dem Linksstaat eng zusammen.
    Namen wie Marx und Bedford Strom kennen sie ja auch.
    Und alle sind sie gegen die AfD, die aber wäre das einzige was da einen Kurswechsel bringen könnte, doch genau sie wird zum Aussätzigen gemacht.

    Stockholmsyndrom….. nun ja so einfach ist das eben nicht.

    Das ewige bearbeiten des Holocaust hat in Deutschland dazu geführt, dass die Bürger zu einer Knetmasse wurden, die dem Staat kaum noch Widerstand leistet.
    Die haben jedes Selbstbewusstsein verloren, ducken sich nur noch, lassen sich alles gefallen.
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    Dieses Land ist für Juden verloren, und dazu haben sie mit dem ewigen Schuldkult viel beigetragen.
    Mit ihrem absolut berechtigten Ansinnen wurde das Gegenteil erreicht…..
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    Nichts soll man vergessen, aber das wird auch nicht geschehen.

    Aber man sollte die Bürger, nach dem nun 99.9 % der Täter verstorben sind, auch mal wieder zu Selbstbewusstsein kommen lassen.
    Nur selbstbewusste Menschen können ihr Verhalten aus Überzeugung ändern.

    Glauben Sie mir, in Deutschland gibt es nirgends jemals wieder einen Antisemiten und doch feiern Organisationen wie der BDS dort fröhliche Urständ….. das haben Sie erreicht ……….aber es ist eben nicht das was sie erreichen wollten. Ehrlichkeit hätte etwas mit Selbstbewusstsein zu tun….

    Und hier in der Schweiz, ja unsere Schweizer jüdischen Glaubens respektiere ich aus Überzeugung.
    Nur leider machen sie es einem nicht immer einfach.
    Zum Beispiel wenn ich von den Orthodoxen Juden Zürichs oft nicht gegrüsst werde. Sie kennen deren Denkweise sicher und deren Diskussion ums Grüssen.
    Auch ihr seid eben nicht frei von gewissen Dingen….Gäll.

    Nun ja, eine verfahrene Situation…… ich würde einfach mal das eine Thema etwas ruhen lassen.

    • 1. ziemlich wirr
      2. das Thema Antisemitismuus ruhen lassen? Glauben Sie etwa, der würde dann abnehmen?
      3. Was haben die Kirchen draus gelernt? Nichts. Sie sind heute wieder auf der Seite der Judenfeinde und -mörder.
      4. Drusen? Menschenopfer? Sie meinten wohl „Druiden“… hoffe ich.
      5. „den einkommenden Islam erwähnen“ – würden Sie die Texte von Herrn Gerstenfeld kennen, dann wüssten Sie, dass er den reichlich erwähnt. Aber um den ging es in diesem Text nicht.
      Letzen Endes machen Sie Herrn Gerstenfeld für den (neuen, antiisraelischen) Antisemitismus (mit) verantwortlich. Ist Ihnen eigentlich nicht klar, dass das ein antisemitisches Motiv ist?
      Ich fürchte, Sie müssen die Gernstefeld-Texte allesamt nochmal sehr gründlich lesen, bevor Sie sich über Antisemitismus äußern!

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