Beschönigung des Holocaust, Antisemitismus und Bernie Sanders

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Da die Gesellschaft zunehmend komplex wird, hilft es, sich mit semantischen Mitteln vertraut zu machen, die uns die aktuellen Ereignisse besser verstehen lassen. Zum Beispiel ist es wichtig die Varianten wiederkehrender Motive zu erkennen. Das wird selten, wenn überhaupt systematisch gelehrt. Ein regelmäßig wiederholtes Motiv, das verwendet wird, um Menschen zu täuschen, ist Reinwaschen. Je dunkler der Sachverhalt, desto mehr Reinwaschen wird betrieben. Um dieses Konzept deutlicher zu verstehen, kann die Vertuschung von mit dem Holocaust verbundenen Dingen als gutes Beispiel verwendet werden. In der Vielzahl der Verfälschungen des Holocaust hat das Reinwaschen einen wichtigen Platz.

Ein paar Veranschaulichungen: 1985 lud Bundeskanzler Helmut Kohl US-Präsident Ronald Reagan zu einem gemeinsamen Besuch des deutschen Soldatenfriedhofs in Bitburg ein. Es sollte ein symbolischer Akt für die starken Bande zwischen den USA und Deutschland 40 Jahre nach der deutschen Kapitulation sein. Es wurde zuerst der Eindruck vermittelt, dass nur Soldaten und Offiziere der Wehrmacht dort beerdigt waren. Die Deutschen wollten einen Unterschied zwischen der Armee, die angeblich nicht an Kriegsverbrechen beteiligt war, und der kriminellen SS, die die meisten der Massenmorde an Juden verübten, schaffen. Diese Täuschung war ein Rohrkrepierer. Kurz nach der Ankündigung des Besuchs sickerte durch, dass Mitglieder der Waffen-SS, des militärischen Zweigs der SS, ebenfalls auf diesem Friedhof beerdigt waren. Das führte zu gewaltigen Protesten gegen den Besuch.

In seinen Memoiren widmet Elie Wiesel der Affäre Bitburg ein komplettes Kapitel. Er fasst zusammen, dass Kohl Reagan wissentlich in den Besuch, wie auch in den Kern des Reinwaschungsversuchs hineintrickste.[1] Im Jahr nach dem Besuch in Bitburg wurde zudem öffentlich bekannt, dass die Wehrmacht regelmäßig an den Massenmorden an Juden beteiligt gewesen war.[2]

Eine weitere Veranschaulichung des Reinwaschens zum Holocaust: Der Vatikan versuchte das Museum Yad Vashem unter Druck zu setzen den Text unter einem Foto von Papst Pius XII. zu ändern. Der Vatikan wollte das Verhalten des Papstes im Krieg reinwaschen. Yad Vashem reagierte damit, dass es sagte, es ein unvorstellbar, dass in einer Frage historischer Forschung diplomatischer Druck eingesetzt würde.[3]

Eine dritte Veranschaulichung betrifft den amerikanischen Kriegszeit-Präsidenten Franklin Delano Roosevelt. Abgesehen vom Reinwaschen involviert dies ein weiteres Motiv, „Ablenkung“. Vertreter des US-Außenministeriums wurden für die Tatsache verantwortlich gemacht, dass die Einwanderung von Juden in die Vereinigten Staaten während des Krieges weit unter den gesetzlichen Grenzen lag, die der Kongress festgelegt hatte. Historiker haben bewiesen, dass diese Politik mit vollem Wissen und Zustimmung Roosevelts erfolgte.[4]

Reinwaschung wird oft auch als wichtiges Motiv beim Leugnen von Antisemitismus verwendet. Das wird regelmäßig zusammen mit seiner „Bagatellisierung“ eingesetzt. Die britische Labour Party ist ein Musterbeispiel. Eine Mehrheit ihrer Mitglieder sind Antisemitismus-Beschöniger und -Bagatellisierer. Eine aktuelle Umfrage von YouGov für die Mail on Sunday zeigte, dass 53% der Labour-Mitglieder glauben, das Problem des Antisemitismus in der Partei werde übertrieben. Weitere 25% glauben, dass es so ein Problem überhaupt nicht gibt.[5] Eine detaillierte Studie des Wissenschaftlers Alan Johnson, selbst Labour-Mitglied, hat jedoch gezeigt, dass die Partei institutionell antisemitisch ist.[6] Das Beschönigen/Bagatellisieren durch die Mehrheit der Labour-Mitglieder kann als Teil dieses institutionellen Antisemitismus angesehen werden.

Sich mit diesen Beispielen für das Reinwaschungsmotiv vertraut zu machen ermöglicht den Vergleich mit anderen zeitgenössischen Themen. Ein fast klassisches Beispiel aus dem US-Kongress war eine Äußerung der jüdischen, progressiven Kongressabgeordneten der Demokraten Jan Schakowsky zu mehreren antisemitischen Bemerkungen ihrer Kollegin Ilhan Omar. Sie sagte: „Als somalischer Flüchtling aus einer anderen Kultur muss Omar einiges lernen.“ Der uninformierte Leser könnte glauben, dass Omar erst vor kurzem in die USA kam. Fakt ist, dass sie seit den 1990-er Jahren in den USA lebte. Während dieser Zeit lernte Omar erfolgreich für den Kongress zu kandidieren – eine Herausforderung, die weit schwieriger ist als die Verwendung antisemitischer Kommentare zu vermeiden.[7]

Im März 2020 siegte Marie Newman über den amtierenden Demokraten in einer heftig umkämpften Vorwahl eines den Demokraten zugeneigten Kongress-Distrikts in Illinois. Ein rascher Blick auf ihre Internetseite zeigt, dass Newman gegen die Gewalt sowohl der Israelis als auch der Palästinenser ist. Daneben gibt es keine weiteren Forderungen an die Palästinenser, aber viele an Israel. Newman ist eine extreme Reinwäscherin der Palästinenser, indem sie von deren antidemokratischen Taten und Verbrechen nichts erwähnt.[8]

US-Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders ist ein Vielzweck-Reinwäscher. Selbst heute ist er immer noch nicht bereit den kubanischen Führer und Massenmörder Fidel Castro öffentlich völlig zu verurteilen.[9] Sanders sprach auch davon, dass die Würde der Palästinenser respektiert werden müsse. Doch die haben bei ihren Parlamentswahlen dafür gestimmt der völkermörderischen Hamas-Bewegung eine Mehrheit zu geben. Die Führung der palästinensischen Autonomiebehörde glorifiziert Mörder und hat eine „Geld für Mord“-Politik, um sie oder ihre Familien für die Ermordung von Israelis zu belohnen. Sanders bezeichnet die israelische Regierung zudem als rassistisch. Er wäscht sich selbst rein, indem er sagt, er sei ein demokratischer Sozialist für „Gerechtigkeit, Anstand und Menschenwürde“.[10] Dennoch sagen andere Demokraten nichts Negatives über andere Demokraten, während sie gleichzeitig Mörder ehren.

Zu lehren, wie das Motiv des Reinwaschens angewendet wird, ist wichtig für diejenigen, die gegen Antisemitismus sind. Es ist aber auch hilfreich für jeden, der sein Verständnis dafür verbessern will, was hinter den Nachrichten steckt. Das und andere Motive zu lehren, indem umfangreiche Beispiele bereitgestellt werden, wird auch für Schüler äußerst hilfreich sein. Es wird ihnen ermöglichen die zunehmend undurchsichtige und verwirrende Gesellschaft zu verstehen, in der sie leben werden.

[1] Elie Wiesel: And the Sea Is Never Full: Memoirs, 1969. New York (Alfred A. Knopf), 1999, S. 224-250

[2] www.goethe.de/wis/fut/ins/en3150943.htm.

[3] www.jpost.com/Israel/Vatican-to-skip-Yad-Vashem-ceremony

[4] Brief des David S. Wyman Institute for Holocaust Studies an Cynthia Koch und Herman Eberhard; Franklin D. Roosevelt Musuem, 6. Juli 2005

[5] https://antisemitism.uk/labour-members-dismiss-antisemitism-in-new-poll-but-it-persists-in-the-party-at-national-and-local-levels-and-on-social-media/

[6] fathomjournal.org/wp-content/uploads/2019/03/Institutionally-Antisemitic-Report-embargoed.pdf

[7] www.algemeiner.com/2019/03/22/the-multiple-faces-of-whitewashing-antisemitism/; www.realclearpolitics.com/video/2019/03/07/dem_rep_jan_schakowsky_ilhan_omar_apologized_to_me_personally_as_a_jew_she_comes_from_a_different_culture.html

[8] http://www.marienewmanforcongress.com/wp-content/uploads/2019/10/Israel_Palestine-1.pdf

[9] www.nationalreview.com/2020/02/bernie-sanders-support-communism-moral-failing/#slide-1

[10] http://www.vox.com/policy-and-politics/2019/6/12/18661708/bernie-sanders-definition-democratic-socialism-explained