Die wunderschönen Postkarten, die Theodor Herzl an seine Tochter schickte

Über die berührenden Postkarten, die er seiner jungen Tochter von unterwegs schrieb, lässt sich Herzls Reise ins Land Israel nachverfolgen.

Nati Gabbay, the Librarians, 3. April 2019

Herzl und seine Kinder

Am 12. Oktober 1898 machte sich der Visionär des Staates, Binjamin Ze’ev (Theodor) Herzl, zu einer Reise ins Land Israel auf, um seinen großen Traum voranzubringen – einen jüdischen Staat für das jüdische Volk.

Seine gesamte Reise hindurch schickte Herzl einfache Postkarten und Briefe an seine Familie. Die einzigartige Sammlung der Korrespondenz ist in der Nationalbibliothek Israels untergebracht. Sie zeigt kurze, auf Postkarten geschriebene Grüße, die er während der Reise seiner achtjährigen Tochter Pauline von verschiedenen Aufenthaltsorten schrieb.

Die Beschriftung jeder der Postkarten war kurz, einen oder zwei Sätze in Herzls Handschrift. Aber die rührenden Worte werfen ein Licht auf Herzls große Liebe zu seiner Tochter und sein Verlangen sie über die Fortschritte seiner Reise auf dem Laufenden zu halten und ihr zu versichern, dass alles in Ordnung war.

Die erste Postkarte der Serie wurde aus Konstantinopel geschickt, das bald zu Istanbul werden sollte. Sie trägt das Datum 15. Oktober 1898:[1]

Zärtliche Küsse meiner feinen Tochter Pauline von ihrem treuen Papa.

Herzl hatte seine Reise ins Heilige Land so gelegt, dass sie zeitlich mit einem Besuch des deutschen Kaisers Wilhelm II. zusammenfiel. Der zionistische Visionär hoffte, die Einzelheiten eines zukünftigen jüdischen Heimatlandes mit dem Kaiser diskutieren zu können. Am selben Tag, an dem er die obige Postkarte schickte, schrieb Herzl Folgendes in sein persönliches Tagebuch:

„Ich habe mit Bodenheimer [einem Mitglied der Delegation, die Herzl begleitete] die Bedingungen besprochen. Die Grenze der Region: vom Fluss Ägyptens bis zum Euphrat. Mit unabhängigen Institutionen eine Übergansperiode festlegen. Ein jüdischer Gouverneur für die Übergangszeit. Wenn die (jüdische) Bevölkerung in einem bestimmten Gebiet zwei Drittel der Gesamtbevölkerung erreicht, wird die Verwaltung von einem politischen Standpunkt aus zu einer jüdischen werden.“[2]

Fünf Tage später, am 20. Oktober, schrieb Herzl seiner Tochter aus Smyrna, der türkischen Hafenstadt Izmir:

Viele zärtliche Küsse aus Kleinasien meiner lieben feinen Tochter Pauline von ihrem treuen Papa

Bereits am nächsten Tag, in Athen, schrieb er:

Zärtliche Küsse aus Griechenland meiner fernen Tochter Pauline von ihrem treuen Papa.

Die Reise ging weiter und am 29. Oktober erreichte sie ihren Höhepunkt – das Treffen mit Kaiser Wilhelm II. in Mikveh Yisrael in Jerusalem. Herzl hoffte mit seiner Hilfe eine Sondererlaubnis des Sultans zur Gründung eines jüdischen Staates erhalten zu können. Ein Kamermann aus Herzls Delegation sollte den historischen Augenblick einfangen, aber der Amateurfotograf verpasste die Gelegenheit, worüber Herzl sehr enttäuscht war…

Am nächsten Tag schrieb Herzl wieder an Pauline, diesmal auf einer Postkarte, die sein Treffen mit dem Kaiser feierte:

Meine gute Pauline, dich umarmt zärtlich dein treuer Papa in Jerusalem.

Am nächsten Tag schickte Herzl eine weitere Postkarte, diesmal mit einem Bild von Hebron; auf ihr schrieb er:

Küsse von deinem treuen Papa.

„Wenn ich mich zukünftig an dich erinnere, Jerusalem, dann werde ich das nicht mit Vergnügen tun“, schrieb Herzl am 31. Oktober in sein Tagebuch. „Die schimmeligen Rückstände von zweitausend Jahren Grausamkeit, Intoleranz und Schmutz liegen in den stinkenden Straßen. Wenn wir Jerusalem jemals erhalten und es in meinen Möglichkeiten liegt, werde ich es erst einmal säubern. Ich werde alles entfernen, was nicht heilig ist, ich werde außerhalb der Stadt Wohnhäuser für Arbeiter bauen, ich werde die Drecknester leeren, sie zerstören, diese Ruinen verbrennen, die nicht heilig sind und die Bazare werde ich an einen anderen Ort verlegen. Den alten Baustil so weit als möglich bewahrend werde ich um die heiligen Stätten eine moderne, bequeme, saubere und funktionierende Stadt bauen.“

(Dank an Dr. Gil Weissblei von der Archivabteilung für seine Hilfe bei der Recherche und Vorbereitung dieses Artikels.)

[1] Herzl schreibt immer „Pauleline“, offenbar seine zärtliche Namensgebung für seine Tochter oder wie sie sich als kleines Kind ausdrückte, wenn sie nach ihrem Namen gefragt wurde.

[2] aus dem Englischen zurück übersetzt.