Antisemitismus und Antiisraelismus adäquat bekämpfen

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Wenn ein Journalist ein Thema für ein leicht zu schreibendes Buch über Israel sucht, dann gibt es viel verfügbares Material über das Versagen der israelischen Regierung bei der kompetenten Bekämpfung von Antisemitismus und Antiisraelismus. Es ist wahrscheinlich schwierig in der modernen Geschichte ein weiteres Beispiel für ein Land zu finden, das so viel unter diskriminierenden und verbalen Attacken steht wie Israel und so schlecht darauf reagiert hat.

Wenn sie angegriffen werden, suchen Gesellschaften normalerweise nach der bestmöglichen Verteidigung dagegen. Das hat Israel auch in anderen Schlüsselbereichen gemacht. Als das Land im Unabhängigkeitskrieg von Auslands-Armeen angegriffen wurde, begriff es, wie enorm es in den Aufbau und die Verbesserung der IDF investieren musste: Heutzutage wird die israelische Armee als eine der besten der Welt betrachtet.

Es hat auch Angriffe ausländischer Geheimdienste gegeben. Aus diesem und weiteren Gründen wurde die Notwendigkeit von Geheimdiensten erkannt. Im Lauf der Jahre wurde Israels Auslandsgeheimdienst Mossad weltweit gefürchtet. Der Inlandsgeheimdienst Schabak und der Militärgeheimdienst Aman werden ebenfalls als höchst kompetent angesehen.

In den letzten Jahren hat es zunehmend gefährliche Cyberangriffe gegeben. In Reaktion darauf begann Israel stark in Cyber-Verteidigung zu investieren. Experten sagen, dass Israel auf dem Weg ist auf diesem Feld weltführend zu werden.[1]

Der Gegensatz zu diesen Aktionen Israels ist, was seinen weniger als mittelmäßigen Kampf gegen Antisemitismus und Antiisraelismus angeht, niederschmetternd. Den Antisemitismus hat es in der westlichen Welt seit deutlich mehr als einem Jahrtausend gegeben. Juden sind auf viele Arten ermordet, verfolgt, diskriminiert und misshandelt worden. Der Holocaust steht uns immer noch vor Augen. Der Antisemitismus ist aus dem Nachkriegs-Europa nie verschwunden. Er hat im aktuellen Jahrhundert enorm an Stärke gewonnen, auch in den Vereinigten Staaten. Der Holocaust ließ den klassischen Antisemitismus zum Tabu werden. Die Betonung der Hetzer verschob sich deshalb allmählich zum Antiisraelismus.

Die Motive für Antiisraelismus sind identisch mit oder Mutationen des klassischen religiösen und nationalen Typen von Antisemitismus. Heute ist offensichtlich, dass die Resolution „Zionismus ist Rassismus“ der Vereinten Nationen eine Vorwarnung für die Verbreitung des Antiisraelismus war. 1975 beschloss die Vollversammlung, dass „Zionismus eine Form des Rassismus und der Rassendiskriminierung ist“. Yohanan Manor, der ein Buch zu diesem Thema[2] veröffentlichte, schrieb: „Dennoch betrachtete das offizielle Israel die riesigen und zunehmenden Schäden, der von ‚Zionismus ist Rassismus‘ verursacht wurde, nicht als ausreichenden Grund, um die Resolution offen zu bekämpfen und sie zu kippen.“ Die Resolution wurde erst 1991 widerrufen, nachdem die Vereinigten Staaten überzeugt wurden in dieser Sache die Führung zu übernehmen.[3]

Eine erste große Warnung im neuen Jahrhundert kam, nachdem im Jahr 2000 Mohammed al-Durah getötet wurde. Die Bilder dieses zwölfjährigen Jungen aus Gaza neben seinem Vater wurden für die Palästinenser in der muslimischen Welt zu einem machtvollen Propagandabild der Zweiten Intifada. Ein palästinensischer Kameramann, der für den Fernsehsender France2 arbeitete, bereitete das Filmmaterial stark. Das ermöglichte dem Fernsehsender zu behaupten, Israel habe ihn getötet.[4] Eine ballistische Analyse zeigte, dass israelische Soldaten das gar nicht gemacht haben konnten. Doch alle Beweise kamen viel zu spät. Das war der Beginn einer massiven Ausweitung palästinensischen gefälschten Filmmaterials, was manchmal Pallywood genannt wird.

Ein zweites gewaltiges Warnzeichen kam im nächsten Jahr. 2001fand in Durban in Südafrika die erste UNO-Weltkonferenz gegen Rassismus statt. Sie wurde ein antisemitisches Hass-Fest. Israel wurde verhöhnt. Die NGO-Konferenz dort war noch schlimmer. Unter ihren Teilnehmern befanden sich viele falsche Humanisten, humanitäre Rassisten und andere progressive Perverse.[5]

Welche Lektionen zog die israelische Regierung aus dieser katastrophalen Konferenz? Die wichtigste Schlussfolgerung scheint eine einmalige Reaktion zu sein. Mit Hilfe von jüdischen Organisationen bereitete Israel sich auf die Genfer Prüfungskonferenz von 2009 vor. Als ein Ergebnis gab es dort eine massive israelische und jüdische Präsenz. Die Israel-Verleumder der NGOs wurden an den Rand gedrängt. Trotz dieser Bemühungen hatte das keine strukturellen Auswirkungen.

Das neue Jahrhundert führte zu einer Flut antisemitischer und antiisraelischer Hetze. Zu den letzten Erscheinungsformen des Antiisraelismus ist die weitgehend politische Entscheidung der Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) Fatou Bensouda wegen Kriegsverbrechen gegen Israel zu ermitteln.[6] Es ist unwahrscheinlich, dass sie es gewagt hätte mit diesem Fall weiterzumachen, wenn Israel eine Antipropaganda-Agentur hätte. Sowohl sie als auch der IStGH sind anfällig für laufende Enthüllungen. Bensouda war Justizministerin einer diktatorischen Regierung in Gambia. Der IStGH ist ein Störfall, der weit mehr als eine Milliarde Dollar auf fast keine Verurteilungen verschwendet hat.

Vor ein paar Monaten hatte ich ein kurzes Gespräch mit einem ehemaligen israelischen Minister. Dieser Minister glaubte allen Ernstes, einige israelische Ministerien würden sich auf kompetente Weise mit Antisemitismus und Antiisraelismus beschäftigen. Ihnen wurden Gelder gegeben, um das zu tun. Die Vorstellung, dass ministerielle Angestellte und Ministerien mit all ihren Einschränkungen sich möglicherweise mit einem komplexen Problem wie diesem klar kommen, ist jedoch absurd.

Die Grundstrategie lautet: Angriff ist die beste Verteidigung. Palästinensische extreme Hassschürer sind ein leichtes Ziel. Ihre führende Partei, die Hamas, betreibt völkermörderische Propaganda und die zweitgrößte, die Fatah – und die von ihr kontrollierte palästinensische Autonomiebehörde –glorifizieren Mörder. Die Mitarbeiter einer neuen israelischen Gegenpropaganda-Agentur müssten in den ersten Tagen ihrer Anstellung einfach die Internetseite von Palestinian Media Watch durchgehen, um einen schnellen Hinweis darauf zu bekommen, wie die Palästinenser bloßzustellen sind. Hassreden, Dämonisierung, antisemitischen Karikaturen und der Missbrauch der Gelder aus dem Westen sind nur ein paar der vielen Themen.[7]

Es gibt endlich eine neue Regierung. Die Knesset ist komplett im Amt. Vielleicht gibt es einen Abgeordneten der Opposition, der begreift, dass das anhaltende Versagen der israelischen Regierung in diesen Bereichen ein Thema ist, bei dem er oder sie damit punkten kann sie stetig bloßzustellen.

[1] https://itrade.gov.il/belgium-english/20-of-all-israeli-high-tech-companies-are-engaged-in-cybersecurity-making-it-the-countrys-biggest-sector/

[2] Yohanan Manor To Right a Wrong: Revocation of the UN General Assembly Resolution 3379 Defaming Zionism (New York: Schreiber, Sheingold, 1996)

[3] https://jcpa.org/article/the-1975-zionism-is-racism-resolution-the-rise-fall-and-resurgence-of-a-libel/

[4] https://honestreporting.com/tag/mohammed-al-dura/

[5] Manfred Gerstenfeld, The War of A Million Cuts, The Struggle Against the Delegitimization of Israel and the Jews, and the Growth of New Antisemitism, RVP Press NY (p. 2015) pg. 13

[6] https://besacenter.org/perspectives-papers/israel-icc-strategy/

[7] https://palwatch.org/