Die Opposition gegen den ersten Tag der Wiedervereinigung Jerusalems

Die Einwände um die Schaffung des „Jerusalem-Tags“ als nationalem israelischem Feiertag

Dr. Hezi Amiur, the Librarians, 2. Juni 2019

Auf dem Weg zur Westmauer, 1967; Bitmuna-Sammlung

Der „Jerusalem-Tag“ oder „Tag der Wiedervereinigung Jerusalems“ ist in Israel ein offiziell anerkannter nationaler Feiertag, der im Land heute breite Akzeptanz findet. Aber das war nicht immer so. Im Jahr nach der Wiedervereinigung Jerusalems im Sechstage-Krieg widersprachen der Premierminister Israels und der Bürgermeister Jerusalems offen der Schaffung des Feiertags. Erst nachdem die Öffentlichkeit ihre Meinung zugunsten des neuen nationalen Feiertags deutlich gemacht hatte, zogen die städtischen und Regierungsinstitutionen nach.

Nach Israels Unabhängigkeitskrieg 1948 war Jerusalem eine geteilte Stadt. 19 Jahre lang gehörte  Westjerusalem zu Israel, während Ostjerusalem von Jordanien gehalten wurde. Erst 1967, genauer gesagt am dritten Tag des Sechstage-Kriegs, durchbrachen die Soldaten der IDF-Fallschirmjägerbrigade unter dem Kommando von Oberst Motta Gur (ein zukünftiger Generalstabschef) die jordanische Verteidigung und eroberten die Altstadt und Ostjerusalem. Die Wiedervereinigung Jerusalems war mit Motta Gurs heute berühmten Erklärung „Der Tempelberg in unserer Hand!“ abgeschlossen.

Mordechai „Motta“ Gur war der IDF-Offizier, der erklärte „Der Tempelberg ist in unserer Hand!“ Abgebildet ist hier ein Brigadegeneral während der Feiern zum Jerusalem-Tag 1969. (Foto: Jacob Elbaz, Dan Hadani-Sammlung in der Nationalbibliothek.)

Nach dem Krieg entstand der Wunsch einen besonderen Tag einzurichten, der der wiedervereinigten Stadt Jerusalem, der Hauptstadt Israels gewidmet war. Die erste Initiative kam am ersten Jahrestag der Wiedervereinigung vom Oberrabbinat. Die Leiter des Rabbinats wollten den 28. Tag des hebräischen Monats Iyar als Danksage-Tag für die Wunder, die in der Wiedervereinigung der Stadt unter israelischer Kontrolle einrichten.

Die Stadtverwaltung Jerusalems folgte der rabbinischen Initiative und kündigte ihre Feierlichkeiten zum Begehen des neuen Jerusalem-Tag-Feiertags an, aber die israelische Regierung versuchte die Entscheidung zurücknehmen zu lassen; sie lehnte es ab Gelder für die geplanten Feiern zur Verfügung zu stellen.

Sogar der Bürgermeister Jerusalems, Teddy Kollek, beantragte, dass seine Kommunalbehörden ihre Pläne streichen, weil er fürchtete, dass die Festlichkeiten die arabische Bevölkerung Ostjerusalems vor den Kopf stoßen könnten. Premierminister Levi Eschkol zögerte ebenfalls die Feiern in ihrem vorgesehenen Format abzuhalten. Das Büro des Premierministers veröffentlichte eine Erklärung, dass Eschkol die „Ehrenbürgerwürde der Stadt“ ablehnen würde, die die Stadt Jerusalem ihm bei der Feier verleihen wollte.

Der Bürgermeister von Jerusalem Teddy Kollek war ursprünglich gegen den neuen Feiertag, gab aber später nach. Hier ist er (rechts) während der Feierlichkeiten von 1980 zu sehen. (Foto: Paula Rubin, Dan Hadani-Sammlung in der Nationalbibliothek)

Trotz der von Levi Eschkol und Teddy Kollek gezeigten Abneigung beschloss die städtische Obrigkeit die Zeremonie weiter zu planen.

Ein starkes Gefühl nationaler Freude diente als Triebfeder hinter den Festlichkeiten, die am Ende stattfanden wie geplant, einschließlich der Verleihung der Ehrenbürgerschaft an den Premierminister. Jerusalem war illuminiert und üppig dekoriert, die der berühmt ungehemmten Feiern zum Unabhängigkeitstag Konkurrenz machte.

Der israelische Premierminister Levi Eschkol mit seiner Frau Miriam, 1968 (Foto: Dan Hadani, Dan Hadahin-Sammlung in der Nationalbibliothek)

Aber anders als der Unabhängigkeitstag hatten die ersten Feiern zum Jerusalemtag einen spontaneren Charakter. Abgesehen von der Stadtverwaltung war nur eines der offiziellen Gremien an den Vorbereitungen das Oberrabbinat, das Massengebete an der Westmauer organisierte.

Tausende versammeln sich 1969 während der Feiern zum Jerusalemmtag an der Westmauer. (Foto: Jacob Elbaz, Dan Hadam-Sammlung in der Nationalbibliothek)

Verschiedene Delegationen kamen in der Hauptstadt zusammen, darunter Studentengruppen von der Bar-Ilan-Universität und dem Technion-Institut aus Haifa, die vergeblich versuchten mit ihrer Begeisterung die örtlichen Studenten der Hebräischen Universität mitzuziehen. In der ganzen Stadt fand eine Vielzahl von der Basis organisierten Veranstaltungen statt: Paraden, öffentliche Versammlungen, Schulaktivitäten sowie „gewöhnliche“ aufgeregte Menschenmengen, die auf die Straßen der Hauptstadt strömten. Es gab auch eine Reihe Gedenkveranstaltungen für gefallene Soldaten.

Die Schlagzeile lautet: „Hunderttausend strömten zur Westmauer“

Erst volle vier Monate später stimmte die israelische Regierung endlich zu den 28. Iyar zum „Jerusalem-Tag“ zu erklären; das israelische Parlament, die Knesset, gab ihre Genehmigung noch später.

Heute ist der Jerusalem-Tag ein nationaler Feiertag. Er wird mit Feiern in Städten in ganz Israel begangen, in Schulen, in den Medien und in Jerusalem selbst. Wenige sind sich des Widerstands bewusst, der den ersten Feiern des Tages vorausging und dass ihn zu haben nicht für selbstverständlich genommen werden sollte.