Wer hat Angst vor israelischem Essen?

Von Heimat, Hebräisch und Hummus

Gilead Ini, Commentary Magazine, Juli/August 2020

Im Februar veröffentlichte die Washington Post eine Breitseite der palästinensischen Ernährungsautorin Reem Kassis gegen israelisches Essen. Kassis nahm keinen Anstoß am Geschmack, Texturen oder den Aromen israelischen Essens, sondern an der Vorstellung, dass es das überhaupt gibt. Ihr Artikel dürfte das sichtbarste Beispiel dieses bizarren Essenskampfs gegen Israel sein. Aber er ist bei weitem nicht das erste.

Vor ein paar Jahren antwortete zum Beispiel, nachdem Fernseh-Kochmoderatorin Rachel Ray über ihr „israelischer Abend“-Dinner mit Hummus, Auberginen und andere nahöstliche Dips schrieb, James Zogby auf Twitter mit wütenden Hashtags: „Verdammich @rachelray. Das ist kultureller #Völkermord. Das ist kein #israelisches Essen.“

Ähnlich 2017, als Conan O’Brien den Fehler machte Schakschuka als „israelisch“ zu beschreiben; er wurde vor der Kamera von antiisraelischen Aktivisten belästigt, die darauf bestanden, dass das Gericht aus Eiern und Tomaten in  Wirklichkeit palästinensisch sei. (Ist es nicht. Die libysche Lebensmittelautorin Sara Elmusrati hat erklärt, sephardische Juden brachten das Gericht aus seiner ursprünglichen heimat in Nordafrika nach Israel, wo es „auf eine Weise zur Schau gestellt wird, wie es in den Maghreb-Staaten nie gewesen ist“.)

Kassis‘ Artikel in der Washington Post nutzt gemäßigtere Töne in einem Versuch die wütenden Reaktionen auf eine einfache Weise zu erklären. „Wie bei vielen Palästinenser ist der Begriff ‚israelische Küche‘ kaum zu schlucken“, schreibt sie.

Nachdem sie ein israelisches Restaurant in Philadelphia kennengelernt hatte, das levantinisches Essen serviert, erklärt sie, wurden ihr die Augen über den Ernst des Problems geöffnet:

Es ist nicht so, dass ich gegen die Vorstellung bin oder kulturelle Diversität und  Verschmelzung nicht tolerieren kann. Im Gegenteil, ich weiß sehr gut, dass unsere palästinensische Küche, wie jede andere, ein Nebenprodukt der Evolution und Verbreitung ist. Vielmehr ist das Konzept einer nationalen Küche ein relativ junges Konstrukt, das Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts nach dem Aufkommen der Nationalstaaten auftauchte.

Aber kulturelle Verbreitung ist etwas anderes als kulturelle Aneignung. Verbreitung ist das Ergebnis davon, dass Menschen unterschiedlicher Kulturen eng zusammenleben und miteinander interagieren oder davon, dass man voneinander lernt. Kulturelle Aneignung andererseits baut auf Ausbeutung und folgender Auslöschung, gefolgt von der vorsätzlichen Leugnung dieses Handelns. Immerhin ist Essen ein Ausdruck von Geschichte, Kultur und Tradition. Entsprechend bestreitet die Präsentation von Gerichten palästinensischer Herkunft als „israelisch“ nicht nur den palästinensischen Beitrag zu israelischer Küche, sondern damit wird auch unsere Geschichte und Existenz ausgelöscht.

Mit anderen Worten: Israelisches Essen ist schlecht, weil Israelis schlecht sind. Diejenigen, die über die Küche reden, sie feiern und servieren, wollen die Palästinenser ausbeuten und auslöschen. Und etwas anderes zu unterstellen ist nicht einfach eine andere Meinung, es ist „vorsätzliches Leugnen“. Die Beweise für all dieses Misstrauen? Nun, Kassis weiß das einfach.

An ihren Kommentaren gibt es etwas Ironisches. Man trifft nicht oft auf israelische Lebensmittel-Autoren, die die Existenz von palästinensischem Essen bestreiten oder sich Hinweisen darauf entgegenstellen. Im Gegenteil, Kassis selbst zitiert „führende israelische Lebensmittel-Forscher“ und „viele israelische Akademiker und Lebensmittel-Autoren“, die den Palästinensern ihren Anteil geben. Israelis allgemein bezeichnen ihren geschnittenen Salat  als „Arabischen Salat“, räumt sie ein, wobei sie etwas Bestimmtes hervorhebt, egal, dass das ihr Hauptargument über die ruchlosen israelischen Aneignungen untergräbt.

Selbst die Anekdote über das Restaurant in Philadelphia wirft Fragen auf. Das bekannteste israelische Restaurant in Philadelphia, Michael Solomonovs Zahav, entspricht Kassis‘ Beschreibung als „neu eröffnet“, kurz nachdem sie in die Stadt zog. Und Solomonov, ein israelischer Koch, der den James Beard Award erhielt, zögerte nicht die palästinensische Verbindung zum von ihm angebotenen Essen herauszuheben. In der Dokumentation In Search of Israeli Cuisine z.B. gab er offen zu, dass viele israelische Gerichte palästinensisch-arabische Wurzeln haben. (Kassis sollte das wissen; sie ist mit Solomonv befreundet.)

Die Leugnung und Auslöschung dürfte eher in umgekehrter Richtung stattzufinden. Die Delegitimierung israelischen Essens ist ein vorhersagbarer Auswuchs einer breiter angelegten Kampagne zur Verunglimpfung von Israel selbst und um die Kultur und Menschlichkeit seiner Bürger abzustreiten. Wir können an Universitäten einige Beispiele finden: „Das einzige israelische Essen, das sie zu sich nehmen, ist das Blut des palästinensischen Volkes“, schrieb ein Student der Kent State, der später die Ortsgruppe von Students for Justice in Palestine leitete. (Das ist natürlich eine Wiederholung des Ritualmordvorwurfs, der so vielen Juden in Europa das Leben kostete.)

Ähnliche Verleumdungen kommen von höhreren Stellen im Elfenbeinturm. „Israelisches Essen, ihr zionistischen Besatzer und Diebe? Das ist so israelisch wie Apfelkuchen arabisch ist“, sinnierte Asad Abukhalil, Professor an der California State University.

Obwohl diese Ausdrucksweise extremer als alles klingt, was Kassis schrieb, suggeriert sie in ihrem Artikel inder Post, dass dasselbe Gefühl – die  Sichtweise, dass Juden in Israel Diebe sind – ihr Aufstoßen antreibt, wenn sie den Begriff israelisches Essen hört: „Erst das Land, jetzt das Essen und die Kultur?“ Dem Satz fehlen Verb und Aktuer, aber es wird verstanden. Es sind die Juden, die in ihre angestammte Heimat  zurückkehrten und die palästinensisches Land und Essen stahlen.

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Was ist, abgesehen von der ungesunden Wut, die diese Streitigkeiten oft begleiten, falsch an der Behauptung, dass es so etwas wie israelisches Essen nicht gibt?

Am klarsten ist die Frage grundlegender Geografie. Nimmt man eine Landkarte und hebt die Örtlichkeiten hervor, in denen Hummus schon lange Grundnahrungsmittel ist, dann würde man bei Neongelb auf dem Libanon, Syrien, Ägypten und die Palästinensergebiete in der Westbank und dem Gazastreifen landen; und ebenso auf Jaffa, Tiberias, Abu Gosch, Akko und Daliyat al-Karmel – Städten und Orten in Israel. So sehr auch versucht wird es wegzuschrubben, Israel bleibt auf der Landkarte des Nahen Ostens.

Die Essens-Kämpfer dürften aber damit Einspruch erheben, dass diese Städte erst nach 1948 israelisch wurden, als der moderne Staat Israel gegründet wurde. Zuvor waren sie Teil Palästinas. Tatsächlich wurde, was man als Kanaan, die Königreiche Israel und Judäa, Syria Palaestina, Südsyrien, das Königkreich Jerusalem und das Vilayet Beirut kannte, erst offiziell Palästina genannt, als die Briten im Ersten Weltkrieg die Kontrolle über das Land übernahmen.

Die ganze Zeit über war das Land jedoch seinen jüdischen Einwohnern als Eretz Yisrael bekannt, das Land Israel. Weil ihm das bewusst war, fügte der britische Hochkommissar für Palästina die hebräischen Buchstaben Aleph und Yud  – „eine anerkannte Abkürzung des hebräischen Namens ‚Eretz Yisrael‘“, erklärte er – auf palästinensischen Münzen  und Briefmarken als Teil der hebräischen Bezeichnung des Territoriums hinzu. Selbst arabische Geografen aus alten Zeiten bezeichneten das Umland von Israels südlicher Wüste als „Tih Bani Isra’il“ oder Land der Wanderung der Kinder Israels.

Auf jeden Fall spielen frühere territoriale Namen wie Palästina nicht dazu am Dinner-Tisch keine große Rolle. Man kann von bolivianischem Essen sprechen, ohne Angst haben zu müssen, dass man von Leuten attackiert wird, die darauf bestehen, wir sollten statt Bolivien (ein Name, der, anders als Israel, europäische Wurzeln hat) Südperu sagen (der frühere Spitzname des Landes). Es ist in Ordnung thailändisch zu bestellen statt siamesisch, äthiopisch statt abessinisch und koreanisch statt Samhan. Auf dieselbe Weise ist nichts falsch daran regionales Essen innerhalb der Grenzen des Staates Israel als israelisches Essen zu bezeichnen.

Das sollte das Ende der Geschichte sein. Aber die Essens-Kämpfer haben einen weiteren Einwand: Israel ist der jüdische Staat; Juden keine legitimen Söhne und Töchter des Landes; und Araber, die wahren Hüter des Hummus, betrachten ihre Identität nicht als an den Begriff Israel gebunden.

Das läuft nur auf weitere Löschung hinaus. Erstens nutzt ein Großteil der nichtjüdischen, Arabisch sprechenden Bevölkerung „Israel“ oder „israelisch“, wenn sie sich selbst beschreibt. Nach Angaben einer Umfrage 2019 des Soziologen Sammi Smooha im Jahr z.B. bzeeichnen 27 Prozent dieser Bevölkerung oder fast 500.000 arabische Bürger Israels sich selbst als isrelische Araber, israelische Palästinenser oder einfach als Israelis. Weitere 46 Prozent schließen „in Israel“ als Teil ihrer arabischen oder palästinensischen Identität ein.

Darüber hinaus ignorieren Kassis und andere, wenn sie darauf bestehen nahöstliches Essen als „arabisch“ zu bezeichnen, die vielen nicht arabische Minderheiten in der Region, die zu den Hütern des Hummus gezählt werden, ob es sich um Samaritaner, Kopten, Assyrer, Armenier oder andere handelt.

Und es ist ein bestimmtes „anderes“, das den Kritikern so richtig gegen den Strich geht. Der überragende Akt der Löschung durch die, die gegen israelisches Essen sind – und der gesamte Punkt ihres Protestes – ist das Argument, dass Juden in der Region Fremde sind, usurpierende Kolonialisten von weit weg, die kein Recht haben Hummus als Teil ihrer Kultur zu betrachten. Das ist das Narrativ der „zionistischen Diebe“ des Professors von der Cal State.

Die Geschichte des jüdischen Volks erzählt etwas anderes. Im gesamten multiethnischen Nahen Osten aßen und bereiteten Juden Hummus so lange wie jeder andere auch. Wenn Sie z.B. nach dem frühesten veröffentlichten Hummus-Rezept suchen, finden Sie es im Ägypten des 13. Jahrhunderts. Dort würden Sie auch eine auffällige demografische Minderheit an Juden finden – die  Vorfahren so vieler ägyptischer Juden, die die kurze Reise nach Israel unternahmen.

In ihrem Artikel wich Kassis dieser Realität geschickt aus, indem sie argumentierte, Juden aus der arabischen Welt – Mizrahi-Juden – würden nicht mit nahöstlichem Essen in Verbindung gebracht:

Manche könnten entgegnen, dass Mizrahi-Juden diese Gerichte nach Israel brachten. Aber Hummus und Falaffel waren bei den meisten Mizrahi-Juden vor ihrer Immigration in den 1950-er Jahren kein Teil des kulinarischen Repertoires, da sie allgemein im Libanon, Jordanien, Syrien und Palästina gegessen wurden, nicht in Nordafrika, dem Jemen und dem Irak, von wo die meisten Mizrahi-Immigranten stammten.

Einfach so schnippt sie die Wurzeln von hunderttausenden ägyptischen, syrischen und libanesischen Juden weg. Und wozu? Um ihre Verbindung zu verarbeitetem Gemüse zu bestreiten. Jüdische Wurzeln in der Levante, so scheint es, sind eine unbequeme Erinnerung daran, dass Juden noch länger Teil der „arabischen Welt“ gewesen sind als die arabische Welt arabisch war.

Doch das Hauptziel der Essens-Kämpfer sind nicht diese Wurzeln im Libanon, Ägypten oder dem Irak. Es ist die Pfahlwurzeln – der Ort, der Juden im gesamten Nahen Osten mit einander und mit Juden in aller Welt verbindet. Es ist nämlich die jüdische Beziehung zum Heiligen Land, von der sie beleidigt sind.

Und so könnte es James Zogby und Asad Abukhalil schmerzen zu hören, dass Hummus nicht nur ein Essen so vieler Juden aus arabischen Ländern war, die im letzten Jahrhundert nach Israel flohen, sondern auch ein wahrscheinliches Lieblingsessen von Generationen an Juden, die Zion nie verließen – die es schafften tausende Jahre lang zu bleiben, trotz eines Massakers nach dem anderen und einer Vertreibung nach der anderen.

In der Kurzfassung der jüdischen Geschichte erfahren wir, dass Juden seit tausenden von Jahren in Israel lebten, vertrieben wurden, weitere 2.000 Jahre im Exil verbrachten, dann zurückkehrten. Auch wenn das den Verlauf für viele beschreibt, ist es nur die halbe Wahrheit. So weit sie konnten, hingen Juden so an ihrer Heimat, wie es jedes andere Volk im Bereich ihrer Vorfahen und heiligen Stätten tun würde.

Vor etwa 2.600 Jahren, als die Babylonier das antike Israel eroberten und die Juden ins Exil trieben, blieb ein Großteil der jüdischen Gemeinschaft zurück. Erst 50 Jahre später besiegte ein neuer fremder Eroberer, Kyros von Persien, die Babylonier und ermöglichte die Rückkehr vieler der Exilanten.

Die Juden waren ein paar hundert Jahre später immer noch da, als Alexander der Große kam und sie waren immer noch da, als sein Reich auseinanderfiel. Sie blieben in Israel, um die Hanukka-Geschichte zu leben, die Revolte eines indigenen Volkes gegen Fremdherrscher. Und sie bleiben beim Revoltieren, zweimal noch, gegen die folgenden römischen Invasoren. Die erste jüdische Niederlage wurde mit einem Bogen in Rom gekennzeichnet, auf dem die Menorah und andere jüdische Beutegegenstände aus dem Tempel in Jerusalem dargestellt waren; zur zweiten gehörte das Massaker an den Rebelln, das berüchtigte Exil und die Umbenennung von Judäa in Syria Palaestina.

Obwohl die Vertreibung der Juden das Buch des jüdischen Lebens in Eruopa öffnete, schloss sie nicht das Buch jüdischen Lebens in Israel. Wir wissen z.B., dass Jahrhunderte nach dem römischen Sieg jüdische Gemeinden in und um Nordisrael aufblühten. Heute können wir immer noch die Überreste ihrer Städte und Synagogen finden. Arabische Dorfbewohner, die in der Folge einen dieser jüdischen Orte besiedelten, nannten ihr neues Dorf Yehudiya, ein Hinweis auf die Juden, die, wie ihnen vollkommen bewusst war, vor ihnen dort waren.

Aus diesen Heimen im Norden heraus revoltierten die Juden im Jahr 351 erneut. 572 schlossen sie sich einer samaritanischen Revolte an. 613 kämpften sie gegen die Byzantiner.

Nachdem Mohammeds Armeen aus Arabien nach Israel kamen, lebten dort immer noch tausende Juiden. Im 10. Jahrhundert schrieb z.B. ein arabischer Geograf über ihre Blüte in Jerusalem – „überall wo die Christen und die Juden die Oberhand haben – wo sie als Gerber und Färber und Geldwechsler arbeiteten. Es ist leicht sich vorzustellen, dass nach einem langen Arbeitstag eine Kichererbse zerstoßen wurde.

Um das Jahr 1000 wiesen von ägyptischen Juden geschriebene Briefe auf jüdische Städte hin, die das Land Israel sprenkelten. Die Einwohner dieser Städte schlossen sich mit Muslimen zusammen, um eine weitere Runde europäischer Invasoren zu bekämpfen – die Kreuzritter.

Jeder dieser Revolten folgten Massaker an Juden in ihrer Heimat, die die Gemeinschaft verheerten. Aber die Überlebenden schafften es weiter einen Halt im Land zu behalten – manchmal einen kleineren und manchmal einen größeren, je nachdem, wie das Schicksal es diktierte.

Derweil kehrten im Exil lebende Juden zurück. Zu den bemerkenswerten Beispielen gehört der berühmte Dichter Yehuda Halev, der 1141 von Spanien aus im Land ankam. Viele derer, die die Kabbalah, den Zweig der jüdischen Mysthik entwickelten, waren Juden, die im 16. Jahrhundert aus Spanien kommend in die Stadt Tzfat zogen. Mitte des 18. Jahrhunderts hieß der arabische Führer Zahir al-Omar Juden in Tiberias willkommen, einer weiteren ihrer heiligen Städte. Rund 100 Jahre später wurden Juden die größte Religionsgruppe in Jerusalem, einer Stadt, die ihnen Jahrhunderte versperrt war.

Nichts davon soll suggerieren, dass das mittelalterliche Palästina das demografische Zentrum des Judentums war. Zum Beispiel lebten riesige Zahlen an Juden im Exil in Spanien, Polen und dem Irak, wohingegen die Bevölkerung des Heiligen Landes während des Großteils des zweiten Jahrtausends schrumpfte. Dennoch können wir denjenigen, die über israelisches Hummus klagen, zuversichtlich aufzeigen, dass Juden und Hummus sich die Heimat teilen.

Wir könnten sie zudem daran erinnern, dass es kein Zufall ist, dass Israel heute wieder Heimat der größten Konzentration an Juden in der Welt ist – Juden sind nicht als „Kolonisten“ dort, wie antiisraelische Aktivisten gerne behaupten, sondern als indigenes Volk, das ständig seine ethnischen, kulturellen und religiösen Verbindungen zum Land behielt, sogar aus großer Entfernung.

Belege für diese Verbindungen sind in jüdischen Ritualen in Hülle und Fülle vorhanden. Wenn Juden beten, richten sie sich nach Jerusalem aus, einer Stadt, die in der hebräischen Bibel und den Gebetsbüchern wiederholt angeführt wird. Sie begehen Tischa B’Av, einen Feiertag für den Tempel in Jerusalem. Sie feiern Sukkoth [das Laubhüttenfest], eines von drei uralten Festen, bei denen Juden zum Tempel pilgern. Und jedes Jahr feiern sie Hanukka, bei dem sie einen Leuchter anzünden, der wie die Menorah des Tempels konzipiert ist. Im Verlauf der letzten 2.000 Jahre hat dasselbe Jerusalem-Design Synagogen in Jericho, jüdische Gräber in Rom und hebräische Bibeln in Frankreich geziert.

Der Zeitpunkt dieser Feiertage gründet auf einem uralten nahöstlichen Kalender, keinem westlichen. Die Lieder zu ihrem Gedenken werden auf Hebräisch gesunden, einer Sprache die die Juden nie verworfen haben, egal, wo sie waren oder wo sie sich niederlassen mussten.

Im mittelalterlichen Spanien z.B. schrieb Yehuda Halevi nicht auf Spanisch, sondern auf Hebräisch. In einem seiner Gedichte beschrieb er seine Sehnsuch nach der Heimat, die er nie gesehen hatte: „Mein Herz ist im Osten und ich bin am Rand des Westens. Wie kann ich überhaupt schmecken, was ich esse? Wie kann es mir Freude machen?“ Vielleicht hatte er seinen Appetit wiedergewonnen, als er sich auf dem Weg nach Jerusalem bei der jüdischen Gemeinschaft in Ägypten aufhielt. Es war genau um diese Zeit und an diesem Ort, Sie erinnern sich, dass das früheste bekannte Hummus-Rezept veröffentlicht wurde.

Die Überzeugung, dass das Land Israel die jüdische Heimat ist, blieb die dunkelste Zeit ihrer Geschichte hindurch den Juden erhalten. 1945 schickte Präsident Harry Truman einen Gesandten in die Vertriebenen-Lager für Holocaust-Überlebende. Der Gesandte berichtete, dass die Juden „jetzt nach Palästina evakuiert werden wollen, genauso wie andere nationale Gruppen in ihre Heimaten zurückgebracht werden.“

Und heute noch zeigen Umfragen, dass die meisten Juden ihr Jüdischsein als Sache der Abstammung und Kultur betrachten, sogar mehr als die der Religion. Eine gewaltige Mehrheit der amerikanischen Juden hat das Gefühl, ein blühender Staat Israel ist für die Zukunft des jüdischen Volks unverzichtbar. Eine überwätligende Mehrheit der britischen Juden – 93 Prozent – sagt, dass Israel in ihrer jüdischen Identität eine Rolle spielt.

Die Verbindung zwischen Juden und ihrer Heimat spiegelt sich daher in den Genen der Juden überall, in den Fußstapfen der jüdischen Gemeinschaft, die blieb und zurückkehrte und in den Herzen jüdischer Poeten, die, wie Yehuda Halevi, von Zion träumen.

Es ist höchste Zeit, dass die Kritiker Israels anerkennen, dass die Beziehung auch in jüdischen Mägen zu finden ist. Oder sie können weiter auf den Tisch prügeln. Aber Israel wird weiter auf der Landkarte bleiben; israelische Städte werden, wie palästinensische, für levantinische Küche gefeiert; israelische Bürger, arabische wie jüdische, von diesem Essen entwöhnt sind; und Juden, ob Aschkenazim oder Mizrahim, sind keine Fremden im Land ihrer Vorväter.

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