Seltene Bilder: Als die Haganah an den Stränden von Tel Aviv trainierte

Amit Naor, the Librarians (Land of Israel), 15. Juni 2020

Das Haganah-Camp Yona befand sich im Norden von Tel Aviv, an einer Stelle, an der heute ein Luxus-Hotel steht; das war der Ort einer Reihe historischer Ereignisse, vom Mord an Arlosoroff bis den Schüssen auf die Altalena.

Foto: Beno Rothenberg, the Meitar Collection, zur Verfügung gestellt vom Israelischen Staatsarchiv.

Im Archiv von Beno Rothenberg, einem der bekanntesten in den frühen Jahren des Staats Israel aktiven Fotografen, befindet sich eine Bilderserie, die Mitglieder der Militärorganisation Haganah bei der Ausbildung im Camp Yona zeigen. Das Fotoarchiv wurde vor kurzem gescannt und wird heute dank der Meitar Collection in der Nationalbibliothek von Israel aufbewahrt. Diese Fotos der Männer und Frauen der Haganah, wie sie rennen, springen, kriechen, Einweisungen erhalten oder– zusammen und einzeln – einfach posieren, kann man sich heute auf der Internetseite der Nationalbibliothek ansehen. Die Trainingsübungen fanden im „Alten Norden“ von Tel Aviv statt, nahe der Stelle, an der sich heute das Hilton Hotel und der Unabhängigkeitspark (Gan Ha’atzmaut) befinden. Ich wurde neugierig auf die Geschichte dieses Lagers, in dem nicht nur die Trainingseinheiten der Haganah stattfanden, sondern auch mehrere denkwürdige Ereignisse der zionistischen Geschichte.

Foto: Beno Rothenberg, the Meitar Collection, zur Verfügung gestellt vom israelischen Staatsarchiv

Es war nicht immer die Haganah, die in Camp Yona trainierte. Die Organisation kontrollierte das Lager ab Ende 1947, als die britische Armee sich im Dezember des Jahres aus der Gegend zurückzog. Die Haganah übernahm schnell die ehemalige britische Basis in Tel Aviv, was natürlich das Sarona-Gelände (heute das zentrale Hauptquartier der IDF – die Basis „Kirya“), sowie Camp Yona einschloss. Drei Tage nach dem Abzug wurde Yona Rasin, ein Haganah-Kommandeur, auf seinem Weg nach Jerusalem getötet. Seine Kameraden benannten die verlassene Militärbasis prompt nach ihm.

Foto: Beno Rothenberg, the Meitar Collection, zur Verfügung gestellt vom israelischen Staatsarchiv
Foto: Beno Rothenberg, the Meitar Collection, zur Verfügung gestellt vom israelischen Staatsarchiv

Was geschah vor all dem? Im frühen 20. Jahrhundert diente die Gegend als muslimischer Friedhof. Die Leute von Jaffa, weiter südlich an der Küste, litten unter einer Cholera-Epidemie und mussten ihre Toten in großer Entfernung von der Stadt begraben (aus demselben Grund, weshalb damals der jüdische Friedhof an der Trumpeldor-Straße eingerichtet wurde). 1942, während des Zweiten Weltkriegs, errichteten die Briten auf dem Kliff einen Erholungsort für Piloten der Royal Air Force. Warum ausgerechnet hier? Aus denselben Gründen, aus dem Menschen heute Tel Aviv besuchen wollen: Das Lager lag am Strand, in einer Stadt voller Cafés, Kulturveranstaltungen, Festen und natürlich – Alkohol. Britische Soldaten aus dem gesamten Nahen Osten kamen dorthin, um Urlaub und Erholung zu finden.

Foto: Beno Rothenberg, the Meitar Collection, zur Verfügung gestellt vom israelischen Staatsarchiv

Am Fuß des Lagers auf einem Kurkar-Kliff gelegen lag der Sandstreifen, der heute als Hilton Beach bekannt ist, benannt nach dem Hotel, das sich über ihm erhebt. Hier unternahmen Sima und Haim Arlosoroff am Freitagabend, 16. Juni 1933, einen Spaziergang, nachdem sie ein Café direkt südlich verlassen hatten, wo heute das Dan-Hotel zu sehen ist. Dort sahen sie zwei Fremde, die ihnen einige Zeit gefolgt waren; dann zog einer von ihnen eine Schusswaffe und erschoss Arlosoroff, damals der Leiter der politischen Abteilung der Jewish Agency, so etwas wie der Außenminister der zionistischen Bewegung. Der Mord erschütterte die jüdische Gemeinschaft des Mandats Palästina und es wurde mit Fingern auf die revisionistische Bewegung gezeigt.

Foto: Beno Rothenberg, the Meitar Collection, zur Verfügung gestellt vom israelischen Staatsarchiv

Lassen Sie uns ein paar – genauer gesagt 15 – Jahre vorspulen, in den Juni 1948. Vor der Küste von Tel Aviv lief ein als Altalena bekanntes Schiff auf Grund, nachdem es vom Kfar Vitkin-Stand, wo die Konfrontation mit Kräften der IDF begonnen hatte, weiter nach Norden floh. Im Rumpf des Schiffes befand sich eine Ladung Waffen, die die Irgun für ihre Soldaten geordert hatte. Die IDF hatte den Befehl das Schiff unter Einsatz von Artillerie zu stoppen. Wo waren die Kanonen stationiert, die das Schiff beschossen? Richtig, im Camp Yona auf der Kurkar-Höhe. Eine weitere Anekdote lautet, dass Abraham Stavsky, ein Mitglied der Jugendbewegung Betar, der der Ermordung Arlosoroffs beschuldigt wurde, während des Konflikts auf der Altalena getötet wurde.

Foto: Beno Rothenberg, the Meitar Collection, zur Verfügung gestellt vom israelischen Staatsarchiv
Foto: Beno Rothenberg, the Meitar Collection, zur Verfügung gestellt vom israelischen Staatsarchiv

Durch puren Zufall spielten sich zwei Schlüsselereignisse in dem bitteren Kampf zwischen dem linken und dem rechten Lager der  jüdischen Gemeinschaft in der Nähe der Haganah-Basis ab, die es nicht mehr gibt. Was ist sonst noch an dem historischen Ort passiert? Neue Haganah-Bataillone wurden in Camp Yona aufgestellt und es war hier, wo zahlreiche neue Rekruten in die Haganah eingewiesen wurden, als der Unabhängigkeitskrieg ausbrach. Camp Yona wurde auch genutzt, um in ihrer Frühzeit das medizinische Korps der IDF auszubilden. Zusätzlich befanden sich die Einrichtungen für das körperliche Training und die Kampfeignung der israelischen Armee sowie die Sportschule im Lager, bis sie in den 1950-er Jahren ins Wingate Institute verlegt wurden.

Foto: Beno Rothenberg, the Meitar Collection, zur Verfügung gestellt vom israelischen Staatsarchiv

Während dieses Jahrzehnts und des nächsten ergab sich ein bitterer Streit zwischen der israelischen Regierung und der Stadt Tel Aviv, die das Camp räumen und an seiner Stelle einen großen öffentlichen Park bauen wollte. Vor Israels erstem Unabhängigkeitstag wurde das halbe Camp Yona beseitigt und im April 1949 begann der Bau des Unabhängigkeitsparks. Erst in den frühen 1960-er Jahren räumte die IDF den gesamten Bereich und der Park wurde endgültig fertiggestellt. Das Hotel Hilton wurde auf einem Teil des Landes gebaut; dort steht es bis heute.

Die Fotos in diesem Artikel und andere Fotos der Männer und Frauen der Haganah im Camp Yona finden sie hier. Sollten Sie sich selbst oder Verwandte auf diesen Fotos erkennen, lassen Sie uns das bitte in den Kommentaren oder auf Facebook oder Twitter wissen.

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