Huri oder Hure? Die „72 Jungfrauen“ des Islam sehnen sich nach „Märtyrer“-Muslimen

Raymond Ibrahim, 13. August 2020

In einem PMW-Artikel vom 22. Juli 2020 heißt es:

Seit die palästinensische Autonomiebehörde im Jahr 2000 ihre Terrorkampagne – die zweite Intifada – begann, hat sie den terroristischen Märtyrern versprochen, dass sie als Muslime im Paradies mit 72 dunkeläugigen Jungfrauen belohnt werden. Die Versprechen werden in Religionslektionen, Äußerungen politischer Persönlichkeiten sowie Gedichten und Musikvideos geäußert, während Beerdigungsanzeigen als „Hochzeits-Anzeigen“ formuliert werden.

Als aktuelles Beispiel führt der Artikel ein palästinensisches Musikvideo an, das „die Zuschauer daran erinnert, dass der Tod als ‚Märtyrer‘ in Wirklichkeit eine ‚Hochzeit‘ mit den 72 Jungfrauen im Paradies ist“. Ein weiteres Video zeigt einen palästinensischen Kleriker, der jungen Kindern eine Gehirnwäsche mit Träumen von „Märtyrertum“ und der folgenden „Ehe mit den dunkeläugigen Jungfrauen im Paradies“ verpasst – während, die seine Worte nicht zu bemerken scheinen, „Allahu Akbar!“ schreien.

Wer sind diese „dunkeläugigen Jungfrauen im Paradies“, die sich – wie eine andere palästinensische Persönlichkeit es formulierte – nach diesen Muslimen „sehnen“, die nach den Worten des Koran „töten und getötet werden“ (Sure 9,111)?

Der korrekt arabische Begriff für diese Gebilde ist hur al-‘ayn, allgemein bekannt als die deutsche Transkription Huri. Es handelt sich um übernatürliche, himmlische Frauen – „mit großen Augen“ und „großen Brüsten“, sagt der Koran (Suer 56,22; 78,33) – geschaffen von Allah für den ausdrücklichen Zweck seine Lieblinge auf ewig sexuell zu befriedigen. (Ob das Wort „Hure“ etymologisch mit dem arabischen huri verbunden ist oder nicht, ist letztlich irrelevant, da sie beide derselben Funktion zu dienen scheinen.)

Einer dieser kanonischen Hadithe – eine Mohammed zugeschriebene Äußerung, die der Mainstream-Islam als wahr anerkennt – den alle jihadistischen Organisationen regelmäßig anführen, lässt Mohammed sagen:

Der Märtyrer [schahid, einer, der für den Islam kämpfend stirbt] ist für Allah besonders. Ihm wird vom ersten Tropfen Blut an [das er vergießt] vergeben. Er sieht seinen Thron im Paradies … Und er wird mit zweiundsiebzig huris kopulieren. [s. Sure 44,54; 52,20; 55,72 und 56,22].

Während die Huris im westlichen Hirn Bilder von spärlich bekleideten Geistern und/oder anderen wilden Erzählungen aus den Arabischen Nächten wachrufen – und damit als „Märchen“ ohne Funktion jemanden anzuspornen abgetan werden – lautet die Tatsache, dass der Wunsch nach diesen unsterblichen Konkubinen muslimische Männer in Gegenwart und Vergangenheit zu Taten selbstmörderischen Terrors getrieben haben, wie sowohl in muslimischen wie auch westlichen geschichtlichen Quellen aufgezeichnet wurde.

Was religiöse Begeisterung und Leidenschaft für den heiligen Krieg angeht“, schreibt der Historiker Marius Canard, „so ist gewiss, dass zahlreiche Muslime von diesem Gefühl bewegt wurden … Es gibt zahlreiche Berichte, die Kombattanten beschreiben, die mit freudigem Herzen in den Tod gehen, wobei sie Visionen der himmlischen Huris sehen, die ihnen zurufen und Zeichen geben.“

Tatsächlich werden die Huris als ständig auf den Schlachtfeldern des Jihad präsent dargestellt, die ihre Möchtegern-Liebhaber locken; sie sollen in ihre Arme stürmen, indem sie in wilde Akte des „Märtyrertums“ betreiben. Das erweist sich aus der ersten militärischen Begegnung des Westens mit dem Islam, der schicksalhaften Schlacht von Yarmuk (636). Dort stieß ein Muslim auf einen gefallenen Kameraden „der zu Boden geschlagen worden war und ich sah, wie er seine Finger in den Himmel erhob. Ich verstand, dass er frohlockte, denn er sah die Huris“. Ein arabischer Stammesführer sagte seinen Männern, dass ein Frontalangriff auf die „christlichen Hunde“ synonym mit einem „Sturm in die Umarmung der Huris“ ist!

Die muslimischen Prediger hörten nicht auf die Kämpfer [in Yarmuk] anzuspornen: Bereitet euch auf die Begegnung mit den Huris mit den großen schwarzen Augen vor“, erklärte ein persischer Historiker im Mittelalter. „Und natürlich hat es nie einen Tag gegeben, an dem mehr Köpfe fielen, als am Tag von Yarmuk.“

Fast ein Jahrtausend später, am Abend vor der Plünderung von Konstantinopel im Jahr 1453, führten die osmanischen Türken ebenfalls die Huris ins Feld, um den Kampfgeist der Männer zu entfachen. Wanderderwische „besuchten die Zelte, um das Verlangen nach Märtyrertum und die Versicherung eine unsterbliche Jugend inmitten der Flüsse und Gärten des Paradieses und in den Armen der schwarzäugigen Jungfrauen [Huris] zu verbringen einzuflößen“. In der entscheidenden Schlacht von Mohacs 1526 besiegten siebzigtausend muslimische Invasoren – beschrieben als Anhänger des „Jihad und Märtyrertums“, erpicht auf „ein immerwährendes glückliches Leben“ mit „den Huris“ – das bis dahin mächtige Königreich Ungarn, bauten eine massive Pyramide aus Schädeln und kehrten mit hunderttausend Sklaven nach Konstantinopel zurück.

Von Anbeginn an haben westliche Beobachter die faszinierenden Auswirkungen auf den Sirenenruf der Huris bestätigt. Marco Polo (gest. 1324) erklärte, warum die Haschaschin (daher kommt das englische Wort „assassin“ – Attentäter/Mörder) oder Nizari-Ismailis, eine schiitische Sekte, nach der Ermordung ihres Zieles nicht flohen, sondern darauf warteten von den Garden oder Begleitern ihrer Opfer zergehackt zu werden: Sie waren erpicht darauf ins „Paradies einzutreten, wo jede Art sinnlicher Befriedigung zu finden sei, in der Gesellschaft schöner Nymphen [Huris]“.

In einem „interreligiösen Dialog“ zwischen Kalif Omar II. und Kaiser Leo III. schrieb letzterer: „Wir [die Christen] erwarten nicht dort [im Himmel] keinen Umgang mit Frauen zu haben, die für immer Jungfrauen bleiben“, denn „wir setzten keinen Glauben in solche dumme Erzählungen, die von extremer Ignoranz und Heidentum erzeugt sind.“ Aber „für euch, denen körperliche Laster gegeben sind und die ihr nie gewusst habt diese zu zügeln, ihr, die euer Vergnügen allem Guten vorzieht, ist das genau der Grund, dass ihr den Bereich des Himmels als wertlos betrachtet, ist er nicht mit Frauen bevölkert“, mit denen ihr Sex habt – ein Verweis auf die Huris.

Wenn Muslime, insbesondere mit salafistischer Überzeugung – praktisch alle Jihadisten sind Salafisten – die Welt des frühen Islam bewundern und ihr nacheifern, dann sollte es nicht überraschen, dass die Huris über die Eröffnungsanekdoten zu palästinensischer Indoktrination hinaus immer noch ihren Zauber wirken.

Zum Beispiel wurde Naa’imur Rahman, ein Muslim aus Nordlondon, „für schuldig befunden zu planen die Tore der Downing Street zu sprengen und Theresa May zu ermorden… motiviert war er davon nach dem Anschlag im Paradies Jungfrauen zu treffen, hörte das Gericht.“ Während der Diskussion mit einem Undercover-Polizisten sagte Rahman, er sei begierig „ihr [May] den Kopf abzunehmen, yeah“.

Ich will in den jannah [Himmel] gehen, wenn ich das mache. Ich will nicht zurückkommen. Ich will, dass sie mich töten, aber ich will einfach mein Ding tun, bevor ich getötet werde… Ich habe viel an die hur al-ayn [Huris] gedacht … Inschallah [so Gott will] werde ich sie bald treffen.

Vor der Schlacht um Mossul Ende 2016 sagte der „Kalif“ des Islamischen Staats Abu Bakr al-Baghdadi:

Alle [die im Kampf sterben] ohne Ausnahme werden als Märtyrer ins Paradies gehen. Darüber hinaus werdet ihr mit viermal so vielen Huris als andere Märtyrer ins Paradies eingehen. Denn genauso, wie ihr jetzt zu mir steht, so werden sie zu euch stehen – oder unter euch oder über euch – so dass ihr vergessen könnt, was euch an Gewalt, Tod und Erniedrigung in diesem Krieg zustoßen wird.

All das ist eine Erinnerung, dass die muslimische Denkweise und die Motivation hinter dem Jihad vielfältig und facettenreich sind – und sogar diejenigen einschließt, die gar nicht an Allah und das Leben im Jenseits glauben. Bedauerlicherweise scheinen das im Westen nur wenige zu begreifen. So sagte ein französischer Reporter, der den Islamischen Staat infiltrierte und einige Zeit dort verbrachte: „Ich habe nie irgendwas vom Islam gesehen. Keinen Willen die Welt zu verbessern“, nur „selbstmörderische“ Männer, die sich darauf freuen als „Märtyrer“ zu sterben, wie sie im erklärten, ihr „Weg ins Paradies“, wo „Frauen [Huris] auf uns warten“.

Bis westlich-säkulare Köpfe aufhören die eigenen ausschließlich materialistischen Weltanschauungssyteme auf die Jihadisten zu projizieren und anfangen die Anschauungen und Motivationen des Islam zu dessen eigenen Bedingungen zu begreifen, wird der Westen weiter den ältesten und einfachsten Ratschlag zur Kriegsführung ignorieren: „Kenne deinen Feind.“