Seltenes Album: Der Maschinengewehr-Schütze, der die Eroberung des Landes Israel dokumentiert

Wir verfügen über eine Originalausgabe des Journals eines Soldaten der 20th Machine Gun Squadron aus dem Ersten Weltkrieg

Chen Malul, the Librarians, 5. November 2017

Als die 20th Machine Gun Squadron am 4. Juli 1917 aufgestellt wurde, sahen sich die Kommandeure einem unerwarteten Hindernis gegenüber: Nur 30 der 121 Soldaten der Einheit waren in der Bedienung der neuesten Waffen ausgebildet. Die anderen Soldaten waren nie in einer solchen Einheit eingesetzt worden.

Die bevorstehende Schlacht zur Eroberung des Landes Israel ließ keine Zeit für unnötige Verzögerungen und ein neuer, mehrere Tage zuvor erhaltener Befehl gab den Soldaten der neuen Squadron einen kleinen Einblick in die enorme Herausforderung, die vor ihnen lag. Am 12. August, einen Monat nach ihrer Gründung, machte die Squadron sich auf an die neue militärische Front: das Land Israel.

Die Geschichte der Squadron wurde in dem Buch „Through Palestine with the 20th Machine Gun Squadron“ dokumentiert, das den Mitgliedern der Einheit nach dem Krieg ausgehändigt wurde. Einer der Soldaten beschloss Fotos einzukleben, die er während des Trecks der Squadron durch das Land Israel aufnahm.

Höchstwahrscheinlich der Fotograf und ursprüngliche Besitzer des Buchs. Seine Identität ist nicht bekannt.

Die faszinierende Geschichte der Squadron, dokumentiert durch die Augen eines ihrer Soldaten, ist in der Nationalbibliothek erhalten. (Das ganze Buch können Sie sich hier ansehen.)

Der Original-Einband von „Through Palestine with the 20th Machine Gun Squadron“

Unter der brennenden Sonne, mit schmerzenden Schultern und ständiger Angst vor dem Schwund der täglichen Wasser-Ration verbrachten die Kämpfer der Squadron 18 Tage mit der Durchquerung der Wüste Sinai. Sie nutzten ihren Aufenthalt im britischen Lager zur Fortsetzung der Ausbildung – sie verbrachten einen halben Tag mit Übungen zur Bedienung der Waffen, die für die meisten neu waren und die zweite Hälfte des Tages mit Reiten.

Mitglieder der Squadron. Neben den Zeichnungen im Buch enthielt die Ausgabe der Bibliothek in den ersten Seiten Fotos.
Die Frauen Jerusalems an der Westmauer.
Damaskus
Einige der Zeichungen des Buchs.

Die Soldaten gerieten sieben Meilen südlich der Stadt Be‘er Sheba in ihre erste Schlacht als Squadron. Mit Verstärkungen zu ihrer Linken und den australischen Einheiten zu ihrer Rechten griffen die Soldaten der Maschinengewehr-Einheit die furchteinflößenden Gräben an, die die Osmanen in die zur Stadt führenden Straße gegraben hatten: Angreifer und Verteidiger kämpften den gesamten Vor- und Nachmittag gegeneinander.

Der in alle Richtungen fliegende Staub hinderte beide Seiten daran mehr als ein paar Meter weit sehen zu können. Nach mehreren Stunden Kampf entdeckten die Soldaten zu ihrer Bestürzung, dass die Osmanen sich in die Stadt zurückgezogen hatten. Der Befehl kam um vier Uhr nachmittags: Greift Be‘er Sheba an, das sich ebenfalls als von feindlichen Truppen verlassen erwies.

Die Straße nach Jericho
Die Zeichnung eines der Mitglieder der Squadron.
Ein Soldat fotografiert „einheimische Frauen“.

Be‘er Sheba“, schrieben die Soldaten in das Buch der Squadron, „war extrem enttäuschend. Es ist kaum ein Dorf in der Art, wie Europäer sie verstehen – ein Ort um Zigaretten und etwas zu essen zu kaufen; es war nichts zu finden und die einzigen Gebäude dort, die keine Holzhütten waren, waren verlassen.“ Als die Soldaten sich die Gegend ansahen, waren sie von der sie umgebenden trockenen Wüste und den passierbaren Straßen unbeeindruckt.

Die Soldaten erreichten auch Gaza, nachdem die Osmanen sich aus der Stadt zurückzogen. Das wird in dem Buch nirgendwo erwähnt, aber es ist wahrscheinlich, dass die Soldaten an den schweren Schlachten zur Eroberung von Gaza nicht teilnahmen. Trotz der kurzen Strecke von Be‘er Sheba trafen sie auf eine andere Art Siedlung – Dörfer am Wegesrand, bevölkert von Bauern, die ihr Land bearbeiteten. Als sie näher kamen, entdeckten sie etwas schlimm Anzusehendes: Schmutz und Abfall, sich ausruhende Männer, während die Frauen die schwere Arbeit erledigten. Auch zu dieser Stadt fanden die Männer nichts Positives, das sie sagen konnten.

Eine Landkarte der Route, die die Squadron ins Land Israel nahm.

Die Soldaten zogen von Gaza weiter nach Ramallah, von Ramallah zum arabischen Dorf Qezaze, von wo sie den Eisenbahnschienen nach Jerusalem folgten. Die Feindsoldaten sahen voraus, dass sie auf diesem Weg vorrücken würden und hoben entlang des Weges Gräben aus. Die erbitterten Kämpfe führen zu einer Reihe von Verlusten. Der Kommandeur der Squadron beschloss sich nach Jaffa zurückzuziehen und dort neu zu organisieren. Auf ihrem Weg nach Jaffa trafen die Soldaten zum ersten Mal auf Rehovot.

Rehovot erinnerte die Soldaten an das Leben, das sie in Britannien zurückgelassen hatten. Die Soldaten trafen die zionistischen Siedler und kauften ihnen Säcke voller saftiger Jaffa-Orangen ab. Jeder, der nicht genug Geld dabei hatte, tauschte gegen die Fleischkonserven, die sie von der Squadron erhielten. Das Treffen mit den jüdischen Siedlern stimulierte die Soldaten, die sie als den Beginn des Wiederaufbaus der jüdischen Nation betrachteten.

Höhlen nahe des Toten Meeres

Nach einer kurzen Rast rückten die Soldaten wieder auf Jerusalem vor. Die osmanischen Verteidiger waren sich der Bedeutung der heiligen Stadt bewusst: Sie schickten die meisten im Land Israel stationierten Kräfte zur Verteidigung der Straße nach Jerusalem. Mit jedem weiteren Meter, den die Soldaten der Machine Gun Squad vom Feind erobern konnten, konzentrierten sich die Krieger darauf die Furcht einflößenden Artillerie-Maschinen an der höchsten Stelle der Kampfzone zu stationieren. Sie nutzten den Vorteil jedes Geländegewinns, den sie erzielten, um andere Einheiten zu decken, Scharfschützen einzusetzen, in der Nacht leise vorzurücken oder – wenn es keine andere Möglichkeit gab – brennendes Feuer auf die Feinde zu schießen, um sie zu zwingen aus den Stellungen zu fliehen, in die sie eingerückt waren.

So schafften es die Soldaten der Machine Gun Squadron zusammen mit Allenbys übrigen Streitkräften am 8. Dezember 1917 trotz der kaputten Straßen, dem ständigen Wassermangel und osmanischem und deutschem Widerstand die Straße nach Jerusalem zu öffnen.

Jaffa-Tor
Damaskus-Tor
Beduinische Reiter

Mehr als vierhundert Jahre osmanischer Herrschaft im Heiligen Land gingen einen Tag später mit der Kapitulation der Stadt Jerusalem zu Ende. Das Datum war nur symbolisch, da der größte Teil des Nordens Israels immer noch unter osmanischer Herrschaft stand, die in den folgenden Monaten auseinanderbrach.

Wie erstaunlich“, erklärten die gerührten Soldaten, die endlich die Stadt Jerusalem erblickten. Die heilige Stadt wurde am Vorabend des Hanukkah-Festes befreit und während die Osmanen aus Jerusalem flohen, feierten die Juden den historischen Sieg der Makkabäer über die antiken griechischen Eroberer.“

Die Squadron verlor während der Eroberung des Landes Israel 3 Kommandeure und 67 Soldaten.