Mark Twains unfreiwillige prophetische Vision für den Staat Israel

Als geborener Skeptiker war Twain nicht begeistert von der Herrlichkeit des Heiligen Landes. Er schrieb respektlos über die legendären Orte des Landes.

Tuly Weisz, Jerusalem Post, 23. September 2017

Der See Genezareth soll seinen niedrigsten Stand aller Zeiten erreichen. (Foto: Ronn Zvulun/Reuters)

Auf dem Höhepunkt seiner Zeit war Mark Twain vermutlich der beliebteste Promi seiner Zeit. Was wenige erkennen: Es war seine merkwürdige Reise ins Heilige Land, die seinen Rum als Autor begründete.

Vor eineinhalb Jahrhunderten reiste Twain auf einer Exkursion mit seiner amerikanischen Kirchengruppe nach Europa und in den Nahen Osten. Das von ihm gesammelte Material, zuerst in einer Zeitung in San Francisco veröffentlicht, bildete die Grundlage für das humorvolle Buch, das ihn außerordentlich populär machte: The Innocents Abroad (Die Arglosen im Ausland).

Doch während er im Nahen Osten war, konzentrierte sich Twain, dessen richtiger Name Samuel Clemens lautete, nicht auf das Buch, das er schließlich schreiben sollte, sondern auf eine andere, heiligere Arbeit: die Bibel.

Während seiner Zeit in Palästina nahm Twain einen Blatt Schreibpapier mit dem Aufdruck „Mediterranean Hotel“ direkt über dem Datum 24. September 1867 und schrieb an einen Herrn Elias, einen lokalen Buchbinder in der Altstadt, die folgenden Anweisungen:  „Elias, richten Sie die Bibel her, die ich ausgesucht habe (ich will keine andere) – die, die einen Rücken aus Balsaholz vom Jordan, Eiche von Abrahams Baum in Hebron, Olivenholz vom Ölberg und was immer das übrige Material war – Ebenholz, glaube ich. Es soll folgende Inschrift tragen: ‚Mrs. Jane Clemens – von ihrem Sohn – Kalvarienberg, 24. September 1867.‘ Schreiben Sie locker irgendwo darum herum ‚Jerusalem‘ in Hebräisch, nur für ein Flugblatt. Schicken Sie es in unser Lager bei der Quelle des Hinnom – die dritten Zelte, die Sie erreichen, wenn Sie die Stadt durch das Jaffator verlassen – die ersten, wenn Sie aus dem Damaskustor gehen. Ihr Sam L. Clemens“

Die von der British and Foreign Bible Society herausgegebene King James-Bibel war eine ironische Wahl für ein Geschenk von einem Mann, der bekanntlich witzelte: „Glaube heißt das für wahr zu halten, von dem du weißt, dass es nicht so ist.“

Als geborener Skeptiker war Twain nicht begeistert vom Glanz der Herrlichkeit Landes. Er schrieb respektlos über die legendären Stätten des Landes. Der See Genezareth war „ein pathetischer, segelfreier, farbloser See, so unpoetisch wie irgendeine beliebige Badewanne irgendwo in der Welt.“ Die Geburtskirche wurde „auf die übliche, geschmacklose Art aufgemotzt, die in allen heiligen Stätten Palästinas zu beobachten ist.“

Das ganze Buch „Die Arglosen im Ausland“ hindurch erklärt Twain ausdrücklich, dass die Gegend trostlos und ohne Einwohner war. Seine Gruppe reiste aus Norden kommend nach Palästina ein, passierte Stätten wie den See Genezareth, Banias, Nazareth, Jenin und Nablus.

Beim Ritt auf dem Pferd durch das Jesreel-Tal hielt Twain fest: „Es gibt in dem gesamten Bereich nicht ein einziges abgelegenes Dorf – 30 Meilen in jede Richtung. Es gibt zwei oder drei kleine Ansammlungen von Beduinenzelten, aber keine einzige dauerhafte Behausung. Man könnte in dieser Gegend 10 Meilen weit reiten und keine 10 menschliche Wesen sehen.“

Er fährt fort: „Von allen Ländern, die eine trostlose Szenerie haben, muss meiner Meinung nach Palästina der Prinz sein… Kann der Fluch der Gottheit ein Land verschönern? Palästina sitzt in Sack und Asche. Darüber brütet der Bann eines Fluchs, der seine Felder verkümmern ließ und seine Energien in Fesseln legte.“

Twain war nicht allein in seinem schlimmen Eindruck des Landes aus Milch und Honig. Historiker wie Reisende machten im Verlauf der Jahrhunderte ähnlich düstere Beobachtungen.

Sechshundert Jahre vor Twains Besuch war ein weiterer berühmter Besucher mit Künstlernamen von Jerusalems Verödung betroffen. Rabbi Moses ben Nachman, als Nachmanides (1194 – 1270) bekannt, floh aus dem christlichen Spanien in das Land Israel. Nach einer langen und gefahrvollen Reise kam Nachmanides 1267 im Hafen von Akko an, bevor er nach Jerusalem reiste, wo er nicht einmal neun Juden für das Gebet finden konnte. Er schrieb an seinen Sohn: „Zahlreich sind Israels verlassene Orte und groß ist die Entweihung. Je heiliger der Ort, desto größer ist die Verwüstung, die er erlitt. Jerusalem ist der desolateste Ort von allen.“

Trotzdem hat der Weise, dessen Thora-Kommentar immer noch studiert wird, eine insgesamt überraschende Deutung für die Verwüstung, die er antraf. Er betrachtete sie als Glück im Unglück.

In einem Kommentar zu einem Vers aus Leviticus (3. Buch Mose) beschreibt er die Flüche, die das Land Israel befallen werden; Nachmanides schrieb, dass die Verwüstung „eine gute Überbrückung darstellt; sie proklamiert, dass unser Land während unseres gesamten Exils unsere Feinde nicht hinnehmen wird… Seit der Zeit, in der wir es verließen, hat das Land keine andere Nation oder Volk akzeptiert und sie versuchen alle es zu besiedeln… Das ist ein großer Beweis und Zusage für uns.“

Der Gelehrte des 13. Jahrhunderts schrieb, dass Israel wüst bleiben wird, bis das jüdische Volk die Kontrolle wieder übernimmt. Aber wenn das Volk Israels endlich in das Land Israel zurückkehrt, wird die Region dank der göttlichen Vorsehung einmal mehr aufblühen.

Als berühmtester Augenzeuge der Verödung Palästinas des 19. Jahrhunderts war Twain ein unfreiwilliger Mitarbeiter des Nachmanides. „Die Arglosen im Ausland“ brachte dem traurigen Zustand Palästinas Aufmerksamkeit und bewies, dass Palästina ein Land ohne ein Volk für ein Volk ohne ein Land war, nur 15 Jahre vor der Ersten Aliyah und den folgenden Wellen jüdischer Zuwanderung.

Ein halbes Jahrhundert nach Twains Besuch wurde 1917 die Balfour-Erklärung ausgegeben. Fünfzig Jahre später wurde der Sechstage-Krieg gewonnen. Und heute, 2017 – 50 Jahre danach – blüht Israel weiter auf, entfernt sich rasant von Twains „Sack und Asche“.

Zu verschiedenen Zeitpunkten während seiner Reise kritisierte Twain seine „amerikanischen Mit-Vandalen im Ausland“ wegen des belanglosen Kaufs und Verkaufs von Heiligland-Zeugs und religiösen Artefakten. Was überzeugte also diesen skeptischen Vater der amerikanischen Literatur eine mit Olivenholz überzogene Bibel für seine Mutter zu kaufen? Twain mag es zu der Zeit nicht gewusst haben, aber mit Berichten über die „Verfluchungen“ Palästinas während seines Besuchs verlieh er Bibelstellen Glaubwürdigkeit, über die er in seinem Buch bekanntlich spottete, Prophezeiungen, die weniger als zwei Jahrzehnte später erfüllt wurden. Gleiches ist Twains Entscheidung den Kauf einer Bibel jedem anderen Schmuck vorzuziehen Beweis dafür, dass er von der religiösen Heiligkeit und dem Geist des Landes bewegt war.