Der Mythos Antizionismus

@americanzionism, Elder of Ziyon, 29. Juni 2020

Lasst mich ausreden. Ich weiß, dass einige der Dinge, die Sie hier lesen, für Sie schwer glaubhaft sein werden, denn Sie sind schon lange vorprogrammiert worden das Gegenteil zu glauben. Aber haben Sie etwas Geduld mit mir.

So etwas wie Antizionismus gibt es nicht, jedenfalls nicht so, wie Sie es kennen. Es gab einmal eine Intellektuellen-Bewegung namens Antizionismus, aber die gibt es nicht mehr. In den Tagen lange vor der Gründung des Staates Israel, als Juden unter furchtbarer Verfolgung litten, kam eine moderne Denkschule auf, die glaubte, der Weg zur Lösung des Antisemitismus-Problems sei, dass Juden ihr eigenes Land haben, wo sie als Juden leben können ohne den antisemitischen Launen ihrer Gastgeber ausgesetzt zu sein, die uns verfolgen; und der einzige gerechte und akzeptable Ort dafür ist die jüdische Heimat, die ihnen vor Langem genommen, die aber nie vergessen wurde. Diese Bewegung wurde als das bekannt, was wir politischen Zionismus (heute einfach Zionismus) kennen.

Fast so schnell, wie der Zionismus als eindrucksvolle politische Bewegung aufkam, stieg der Antizionismus auf. Es gab zwei Schulen des intellektuellen Antizionismus[1]. Die erste war der antizionistische Jüdische Arbeiterbund, eine jüdisch-sozialistische Bewegung, die glaubte, das Klassensystem habe den Antisemitismus geschaffen und wenn man sich mit den nichtjüdischen sozialistischen Bewegungen verbündet, dann könne man das Klassensystem eliminieren und dem Antisemitismus ein Ende setzen. Die andere waren die Assimilationisten. Sie glaubten, der Antisemitismus sei aufgekommen, weil die Juden sich von ihren Gastgebern abgesondert hätten. Wenn Juden z.B. wie Deutsche sprechen würden (statt des bäurischen Jiddisch) und wie Deutsche kleideten (statt wie Chassidim), dann würden sie von den Deutschen akzeptiert.

Die zwei Schulen des Zionismus versus Antizionismus existierten damals auf einer intellektuellen Ebene. Niemand wusste, wer richtig oder falsch lag und deshalb konnten beide Seiten ihren Standpunkt als den wahren propagieren. Aber sobald der Staat Israel gegründet und ein lebensfähiges jüdisches Heimatland verwirklicht war, erlosch der Antizionismus. Es ist ein himmelweiter Unterschied zwischen „es sollte kein Heimatland für die Juden geben, weil das den Antisemitismus nicht lösen wird“ und „Ich will die Vernichtung des Heimatlandes der Juden sehen“. Die erste Äußerung ist Antizionismus, aber man kann das Argument nicht mehr anführen. Es gibt ein neues Heimatland für die Juden. Israel existiert, ob man es mag oder nicht. Die zweite Äußerung ist kein Antizionismus. Während also der Zionismus weiterging und immer noch weitergeht, von einer theoretischen, intellektuellen zu einer praktischen Bewegung, hörte der Antizionismus auf zu existieren.

Werfen Sie einen anderen Blick darauf. Während der Renaissance gab es zwei Denkschulen, die über unser Sonnensystem nachdachten, die Geozentristen, die glaubten, die Sonne und die Planeten umkreisen die Erde; und die Heliozentristen, die glaubten, die Erde und die anderen Planeten kreisen um die Sonne. Bis das bewiesen werden konnte, waren es einfach zwei konkurrierende intellektuelle Theorien. Die vorherrschende Theorie war der Geozentrismus. Aber sobald Kopernikus den Heliozentrismus bewiesen hatte, war es kein intellektueller Kampf mehr. Sicher, einige Leute waren weiter dagegen, lehnten naturwissenschaftliche Vernunft ab (mancher tut das heute noch), aber es stand nicht mehr wirklich zur Debatte. Dass die Erde um die Sonne kreist, war erfolgreich bewiesen. Der Heliozentrismus siegte.

Genauso wurde bewiesen, dass der Zionismus korrekt ist. Der Zionismus siegte. Er löste den Antisemitismus rund um die Welt nicht, aber er löste ihn für die Juden, die nach Israel zogen. Sicher, sie haben Völker um sich herum, die sie hassen, weil sie Juden sind und sie tot haben wollen, aber innerhalb Israels leben sie zumeist in seliger Ignoranz des Antisemitismus, den Juden in der Diaspora immer noch erleben. Es ist nicht unüblich für mich einem jungen Israeli zu begegnen, der zum ersten Mal außerhalb von Israel auf Reisen ist, der das Konzept des Antisemitismus befremdlich finden wird, weil er ihn nie selbst erfahren hat. Das ist der Triumph des Zionismus. Als freies Volk im eigenen Land zu leben, nicht abhängig von der Gnade der antisemitischen Launen anderer. Juden sind nie sicherer gewesen, selbst mit den ständigen Bedrohungen von Angriffen und den Raketen und den Terroristen, als sie es heute im Staat Israel sind. Der Zionismus geht nach der Gründung der jüdischen Heimat weiter, nicht als intellektuelles Konzept, sondern als praktische Bewegung. Wie bauen wir ein Land auf, wie verteidigen wir das Land, wie ernähren wir das Land? Die Lebensfähigkeit des Landes steht nicht länger in Frage. Es war ein Erfolg. Der Zionismus siegte. Nicht nur hat sich der intellektuelle Zionismus als richtig erwiesen, sondern der intellektuelle Antizionismus hat sich als falsch erwiesen.

Von den beiden Hauptzweigen des intellektuellen Antizionismus schlugen das Bund-System wie auch das assimilationistische fehl. Dier Jüdische Bund gab 1920 nach der bolschewistischen Revolution auf. Viele der jüdischen Bündler, die in Russland und Osteuropa blieben, schlossen sich der sowjetischen Revolution an. Die Revolution triumphierte, die Juden nicht. Der Antisemitismus blieb und schließlich wurden die Juden in Positionen von Macht oder Prestige von Stalin in den 1930-er Jahren eliminiert. Ein Überrest des Bundes überlebte an verschiedenen Orten noch eine Weile, unternahm aber nichts, um den Antisemitismus zu eliminieren. Das sozialistische System ließ die Juden der Sowjetunion im Stich. Das Versprechen den Antisemitismus zu beenden verwandelte sich für sowjetische Juden in den Albtraum eines gesteigerten Antisemitismus. Man muss nur einen Blick auf die Katastrophe zu werfen, die das autonome jüdische Oblast in Birobizhan und das Schicksal ihrer Gründer war. Sozialistisch-intellektueller Antizionismus wurde als falsch bewiesen. Sozialismus funktionierte für die Juden auf einigen Ebenen, aber nur in der jüdischen Heimat und nur unter dem Schutz des Zionismus.

Der andere Zweig der Antizionisten waren die Assimilationisten. Sie wollten sich voll in die europäische Gesellschaft integrieren. Sie glaubten, volle Integration reiche aus, um den Zionismus zu beenden und eine Heimat sei nicht nötig. Die Juden in Westeuropa begann sich wie Europäer zu kleiden, sprachen wie Europäer, handelten wie Europäer und einige hörten sogar komplett auf sich mit dem Judentum zu identifizieren. Aber sie wurden nie als Europäer akzeptiert, nicht einmal diejenigen, die das Judentum aufgaben und sich als Mitglieder ihrer Gastgeberländer identifizierten. Das Versprechen der Aufklärung galt für die Juden nicht oder zumindest wurden sie dabei ausgelassen. Assimilation tat nichts, um den Hass auf Juden in Europa zu verringern. Wenn, dann wurde er schlimmer. Theodor Herzl begann als Assimilationist, entdeckte aber schließlich, dass er das eine gescheiterte Ideologie war und wurde zum Zionisten. Selbst mit Assimilation nahm der Antisemitismus zu und nahm zu und nahm zu, gipfelte in der Tragödie des Holocaust, wo das Judentum aufzugeben dieses nicht rettete und sogar nur ein Viertel jüdisches Blut zu haben dich zum Tode verdammen konnte. Es war erwiesen, dass assimilationstischer Antizionismus falsch lag.

Wen der Zionismus nicht länger ein intellektuelles, sondern ein praktisches Konzept ist und wenn es den intellektuellen Antizionismus nicht mehr gibt (weil es die jüdische Heimat gibt und diese ein überwältigender Erfolg ist), was ist dann übrig? Ist es praktischer Antizionismus? Nun, denken wir darüber nach, was praktischer Antizionismus ist. Praktischer Antizionismus bedeutet die Auflösung des Heimatlandes der Juden, ein Projekt das über seine wildesten Vorstellungen hinaus Erfolg hatte, das seine Hauptziele erreicht. Es bedeutet, die Juden aus einer Position der Sicherheit und Selbstbestimmung zu nehmen und sie dahin zurückverzusetzen, wo sie vor mehr als 100 Jahren waren, eine Nation ohne ein Land, den Launen eines antisemitischen Gastgebers ausgeliefert. In der Diaspora erleben wir jeden Tag Antisemitismus. Angegriffene Juden, beschossene Synagogen, verwüstete Gräber, diskriminierte Schüler, dass Juden für die Schaffung und Verbreitung von Krankheiten verantwortlich gemacht werden, die Juden als Gemeinwesen zu Unrecht dämonisiert werden. Dieselben Lügen, derselbe Hass auf Juden, der seit dem Altertum in der Diaspora bis heute fortbesteht, aber nicht innerhalb Israels. Alles zurückzudrehen, was die Juden erreichten und die Juden 100 Jahre zurückzusetzen ist kein praktischer Antizionismus. Es gibt keine Beziehung zwischen „eine jüdische Heimat wird die Juden nicht beschützen“ zu sagen und zu sagen „Israel muss vernichtet werden“. Niemand kann heute ehrlich sagen: „Ich bin Antizionist, weil ein jüdisches Heimatland die Juden nicht schützen wird“, denn es wurde bewiesen, dass das falsch ist. Das ist nicht nur kein praktischer Antizionismus, sondern das ist nicht einmal praktisch, Punkt.

Da sie jetzt wissen, was Juden früher nicht wussten, werden die Juden keine Rückkehr zur Zeit der Hoffnungslosigkeit akzeptieren. Praktischen Antizionismus gibt es nicht. Intellektuellen Antizionismus gibt es nicht mehr. Antizionismus ist ein Märchen. Was Menschen heute Antizionismus nennen, ist in Wirklichkeit verschleierter Antisemitismus. Man kann heute genauso wenig ein intellektuelles Gespräch über Antizionismus führen, wie man es über Geozentrismus führen kann. Praktischer Antizionismus würde die Umkehr von etwas bedeuten, das bewiesen hat, dass es die Juden beschützt und den Juden mehr nutzte als jedes andere Ereignis in der modernen Geschichte. Wie anders soll man das sonst nennen außer Antisemitismus? Ich sage nicht, dass Israel perfekt ist. Bei Weitem nicht. Israel hat Fehler wie jedes andere Land. Und das ist gut. Das ist der Punkt. Es ist ein weiterer Triumph des Zionismus, dass die Juden ein Volk wie jedes andere in der Welt sein können, mit der Freiheit Fehler zu haben und nicht perfekt sein zu müssen.

Es gibt eine Form des intellektuellen Antizionismus, die immer noch existiert, wenn auch mit Unzulänglichkeiten; das ist der religiöse Antizionismus. Ich rede nicht von dem Kult der Schilder trägt und die Aushängeschilder eines jeden Judenhassers auf dem Planeten ist, das ist Antisemitismus; ich rede von den echten antizionistischen ultraorthodoxen Sekten, die mit der Interpretation heiliger Texte gegen den Zionismus opponieren. Sie wissen tief in ihrem Innern, dass Juden in Israel sicherer sind, aber sie sind aus religiösen Gründen dagegen. Allerdings unterstützen viele Mitglieder dieser Sekten innerlich Israel und fast alle von ihnen unterstützen ihre Mitjuden. Darüber hinaus wird oft übersehen, dass viele ultraorthodoxe Gruppen Israel aus genau demselben Grund unterstützen, aus religiösen Gründen. Sie finden die Rechtfertigung dafür, dass Juden das Land Israel besitzen, in genau denselben Abschnitten und Texten wie die andere Seite, die sie nutzt, um Juden zu verbieten das Land zu besitzen. Das ist keine eindeutige Sache. Zufällig sind die ultraorthodoxen Sekten, die behaupten Antizionisten zu sein, in Wirklichkeit Zionisten; es gibt nur ein Zeitproblem. Sie glauben, wenn der Messias kommt, werden alle Juden nach Zion zurückkehren. Ich sage nicht, dass religiöser Antizionismus richtig ist, das ist er nicht; nur: Er ist der einzige verbleibende realistische Antizionismus, der noch existiert.

Vielleicht lesen Sie dies und sagen: „Ich will nicht erleben, dass die Juden getötet werden. Ich will nicht erleben, wie sie aus dem Land vertrieben werden. Ich bin ein Antizionist, weil ich will, dass alle Barrieren fallen und dass alle ein gemeinsames Land haben.“ Damit gibt es zwei Probleme. Erstens forderst du damit, dass alles ungeschehen gemacht wird, was Juden in den letzten mehr als 100 Jahren erreicht haben und dass die Juden, historisch eine unterdrückte Minderheit, sich wieder in die Launen anderer begeben. Es hat Bereiche gegeben, in denen Juden relativ autonom waren, wie der Tscherta [der Ansiedlungsrayon im zaristischen Russland – heplev]. Aber das war keine echte Autonomie. Ohne eigenes Land mit eigener Verteidigung und Selbstbestimmung wurden sie ständig angegriffen und erlitten furchtbare Tragödien. Alles, was kein jüdisches Heimatland ist, ein Ort in der Welt, wo Juden keine Minderheit sind und sich verteidigen können, ist für Juden gefährlich.

Zweitens – und das ist wichtiger: Diese Lösung ignoriert Hunderte Jahre Geschichte, die gezeigt haben, dass die beiden Völker nicht als eines beieinander leben können. Die Briten versuchten das Mandat als Region für beide, Araber und Juden, aufzubauen. Jedes Straßenschild, jeder Pfund, jedes Regierungsdokument trug sowohl die Sprache der Juden als auch die der Araber. Jede Regierungsbehörde bestand aus Arabern und Juden. Das hatte zum Ergebnis, dass niemand glücklich damit war. Die Araber und die Juden kämpften schlimmer als je zuvor gegeneinander. Das ist so, als würde man verheiratetes Paar nehmen, das sich getrennt hatte, weil es ständig stritt – das sich auch getrennt weiter streitet, es ist klar, dass sie nicht für einander bestimmt waren – und ihnen zu sagen, dass die Lösung all ihrer Probleme nicht in einer Scheidung bestehen würde, sondern dass sie zusammenziehen müssten. Alles, was diese Lösung erreichen würde, wäre ein langer Bürgerkrieg und schließlich das Ende aller echten Anwesenheit von Juden in ihrer Heimat. Wenn du diese Haltung immer noch unterstützt, dann darfst du das, aber mach dir nichts vor: Das ist kein Antizionismus, das ist Antisemitismus.

Für Menschen, die sich Antizionisten nennen, weil sie irgendetwas meinen wie „Juden sind nicht aus dem Nahen Osten“, „Ihr seid nicht die echten, ursprünglichen Juden“, „Ihr seid konvertierte Khasaren“, „Das ist nicht eure Heimat“, „Das ist gegen die Thora“, „Ihr seid Eroberer, Kolonisten, Kolonialisten, Rassisten usw.“, „Israel hat wegen Netanyahu, der Regierung, Politik, Umgang mit den Palästinensern, weil ihr Frauen sterilisiert, weil ihr Babys verkauft, weil ihr Organe stehlt“ usw. kein Existenzrecht und das als Vorwand nehmen, um die Vernichtung Israels zu fordern, nun: Das ist nicht nur antisemitisch, sondern du bist ein Antisemit.

Wenn du nun sagst: „Israel hat kein Recht zu existieren, aber ich unterstütze eine Zweistaaten-Lösung und dass die Palästinenser auch ein Land haben“ – das ist nicht antisemitisch. Aber das ist auch kein Antizionismus, also hör auf dich als Antizionist zu bezeichnen und lass uns reden.

[1] Es gab andere zionistische und antizionistische Unter-Bewegungen. Das ist ein kompliziertes Thema jenseits des Umfangs dieses Artikels. Selbst innerhalb von Unter-Bewegungen gibt es Varianten.