Gedankenverlorenes Territorium: Progressive Juden verwirrt von Jesajas Vorhersage, dass Juden auf dem Tempelberg beten werden

Peinlich, besonders wenn wir versuchen uns in andere progressivw Aktivistengruppen zu integrieren.“

PreOccupied Territory, 31. August 2020

New York – Die Vorbereitungen für die anstehenden hohen Feiertage in zahlreichen progressiven Synagogen und Tempeln haben 2020 mehr Sorge als in den vergangenen Jahren verursacht, was sowohl den Einschränkungen durch Social Distancing geschuldet ist, die die Teilnahme erschweren könnten, also auch die Entdeckung, dass einer der wichtigen liturgischen Text für Rosch HaSchanah, das jüdische Neujahr, eine prophetische Vision jüdischer Erlösung und Sammlung enthält, der von jüdischem Gebet an einer Stelle spricht, die Progressive als für solche Riten verboten betrachten, weil sie Muslime beleidigen könnten, eine Todsünde.

Ein berühmter Vers, der im Musaf-Gebet vorgetragen wird, entstammt dem Buch Jesaja, einem Abschnitt, in dem der Prophet aus dem 8. Jahrhundert v.Chr. die Rettung am Ende der Tage darin bekundet sieht, dass Juden aus aller Welt nach Jerusalem zurückkehren und sich vor dem Herr „auf dem Heiligen Berg“ verbeugen, ein Verweis auf das Plateau, das seit der muslimischen Eroberung der Stadt im frühen 8. Jahrhundert n.Chr. eine Moschee aufweist, wo aber im klassischen und späten Altertum zwei jüdische heilige Tempel gestanden hatten. Progressive finden, der Vers stelle Jesajas eigene Betonung von Gerechtigkeit in Frage, eine Lieblingssache der Progressiven für Gruppen, die sich als unterdrückt oder marginalisiert betrachten, vor allem die Palästinenser.

„Oft reicht es zu sagen, die letzten 27 Kapitel von Jesaja haben einen anderen Autor“, erklärte Rabbi Andy Kahn vom Tempel Emmanuel, womit er auf den Großteil der Abschnitte des Buchs verwies, die Visionen eines erlösten, wiederbevölkerten jüdischen Jerusalem enthalten. „Aber der fragliche Vers hier ist aus einer früheren Stelle in dem Buch, so dass das nicht passt. Wir zitieren auch gerne viele gerechtigkeitsorientierte Verse aus dem ersten Teil des Buch wie ‚Zion wird durch Gericht erlöst werden und seine Rückkehrer durch Gerechtigkeit‘, aber das wirft nur Fragen auf, weil es sich auf ‚Zion‘ als Erlösung wert bezieht und nun, ich muss Ihnen unsere Haltung zu Zion und dem Zionismus nicht erklären. Auf viele Weisen kehrt das progressive Judentum zu seinen Wurzeln im 19. und 20. Jahrhundert zurück, indem es sich von jeglicher jüdischer Verbindung zur angestammten jüdischen Heimat distanziert, aber das kann man kaum überzeugend vertreten, wenn alle Quellen, die wir anführen, selbst die, die wir als Rosinen rauspicken, jüdische Souveränität im angestammten Heimatland als Erlösungswert, als positives Ziel anführen. Peinlich, besonders, wenn wir versuchen uns in andere progressive Aktivistengruppen zu integrieren.“

„Um dem problematischen Phänomen entgegenzuwirken, müssen wir ziemlich weit in die andere Richtung gehen“, fügte Yonah Lieberman von If Not Now hinzu. „Wir werden das Schofar blasen, um die Tradition des Tages beizubehalten, aber wir werden außerhalb eines Chabad-Hauses stehen, um das zu tun und dabei Plakate halten, dass wir dieses Blasen aus dem Widderhorn in Protest und in Solidarität mit Muslimen tun, deren Vertreibung von Juden und folgende Verhängung von apartheidartiger Politik gegen religiöse Minderheiten unter ihrer Herrschaft nicht zählt, weil ich mich sonst nicht wichtig und tugendhaft fühlen kann, weil ich gegen den Mainstream meiner Gemeinschaft und Tradition opponiere.“