Angebliche palästinensisch-arabische Kontinuität

Forschung zeigt, dass die meisten Araber im 19. und 20. Jahrhundert in die Palästina genannte Region kamen, Arbeit suchten. Op-Ed.

Yoram Ettinger, MiDA, 28. August 2020

Das Rahelgrab Anfang des 20. Jahrhunderts – Palestine in Connection with Their History, New York 1895, S. 184-186).

Sind Araber seit undenkbaren Zeiten in dem Bereich westlich des Jordan gewesen?

1881 berichtete Arthur Penrhyn Stanley, ein führender britischer Kartograph und Dekan der Westminster Abbey, dass „es in Judäa kaum übertrieben ist zusagen, es habe den Anschein von keinem Leben oder Behausung“. (Sinai and

Die Zuwanderung aus Ägypten

Nach Angaben von Arie Avneri, einem wegweisenden Historiker arabischer und jüdischer Migration nach Palästina (The Claim of Dispossession, 1980), gab es während der ägyptischen Eroberung (1831 – 1840), „einen begrenzten Zustrom tausender [ägyptischer] Immigranten, die Ibrahim Pascha [der Herrscher Ägyptens] ins Land brachte, um die leeren Landstriche zu besiedeln. Vor ihnen war eine beträchtliche Zahl Ägypter aus Ägypten geflohen, weil sie versuchten der Wehrpflicht zu entgehen. … Sie suchten Zuflucht beim Gouverneur von Akko, der sie bereitwillig gewährte.“

Der französisch-ägyptische Forscher Mohammed Sabry [The Egyptian Empire under Mohammed Ali and the question of the Orient, 1930] bestätigte, dass „der Gouverneur von Akko die Migration der Fellachen [Bauern] aus Ägypten ermutigte und ihnen Unterschlupf gab … 1831 überquerten mehr als 6.000 Fellachen die ägyptische Grenze … Nachdem er Palästina eroberte, verzichtete Mohammed Ali [Ibrahim Paschas Vater] darauf die Wehrpflicht-Flüchtlinge zurück nach Ägypten zu schicken, er schickte auch neue Siedler, um seine Herrschaft zu festigen. … Der ägyptische Herrscher brachte zudem den beduinischen Sklaven-Stamm der Arab ed-Damair ins Land…“

Avneri hebt (ebenda) viele Dokumente heraus, die vom British Palestine Exploration Fund veröffentlicht wurden, zum Beispiel:

Der größte Teil Jaffas bestand aus von Ägyptern bevölkerten Distrikten… Philip Baldensperger [ein angesehener Anthropologe] erklärte, dass 1893 die Einwohner vieler Dörfer im südlichen Teil des Landes [zwischen Gaza und Tulkarm] ägyptischer Herkunft waren… Die Bewohner einiger Teile des Südens wurden ursprünglich aus Libyen nach Palästina gebracht … Hunderte Familien ägyptischer Herkunft begleiteten die erobernden Streitkräfte Ibrahim Paschas … Gleichermaßen gibt es in den Städten von Samaria und Judäa hunderte Familien, die bis heute Masri [der Ägypter] heißen … Vor dem Ersten Weltkrieg arbeiteten ägyptische Arbeiter in der Fruchtbarmachung der Sumpfgebiete … Ägypter waren am Legen der Eisenbahngleise von Jerusalem nach Jaffa beteiligt und blieben danach im Land…

Nach Angaben von Baldensperger gab es in der bestehenden Bevölkerung von Jaffa mindestens 25 unterschiedliche Nationalitäten [zumeist Ägypter, aber auch Syrer, Jemeniten, Perser, Afghanen, Hindus und Belutschen]…

Weitere arabische/muslimische Migranten

Avneri ergänzt (ebenda), dass „die französischen Eroberer Algeriens 1856 Abd al-Qadir al-Husseini [der Führer der antifranzösischen Rebellion] erlaubten Algerien zusammen mit einigen Anhängern zu verlassen. Einige gingen nach Syrien und andere nach Palästina … Diese Immigranten wurden Mughrabis genannt [aus dem Maghreb, Nordafrika kommend]. Sie gründeten vier Dörfer in Niedergaliläa… Eine ganze Reihe Mughrabis siedelte in Safed und wahrscheinlich in Tiberias…

1914 beschrieb Masterman [vom British Palestine Exploration Fund] die muslimische Bevölkerung von Safed als gemischter Herkunft. Eines der Viertel wurde Hareth el-Karad genannt, was eine Bevölkerung kurdischer Herkunft anzeigt … Die Hälfte der muslimischen Bevölkerung von Safed waren Mughrabis… andere muslimische Araber waren Zuwanderer aus Damaskus und Beduinen aus dem Jordantal … 1893 schrieb Baldensperger [British Exploration Fund Quarterly] über die Mughrabis von Jaffa … Die Perser, Afghanen, Hindus und Belutschis betrieben Handel…

1878 nahm der osmanische Sultan Abd el-Hamid tscherkessische Flüchtlinge unter seinen Schutz, die vor der Herrschaft des christlichen Russland im Kaukasus geflohen waren. Viele siedelten in Jordanien. Andere ließen sich westlich des Jordan in Kafer Kamma, Sarona und Reihaniya nieder. Auch einige Muslime aus Bosnien fanden in Palästina Zuflucht und siedelten bei Caesarea … Laurence Oliphant [ein britischer Reisender, Schriftsteller und Diplomat] schrieb über einen der turkmenischen Stämme, die ihre schwarzen Zelte nahe eines tscherkessischen Dorfs aufgeschlagen hatten und aus den Bergen des Irak kamen … 1908 kam eine Gruppe Araber aus dem Jemen in Jaffa an und ließ sich dort nieder…

1878 berichtete Claude Reignier Conder [British Exploration Fund], dass das große Jesreel-Tal die Zuflucht von Beduinen war, wann immer Krieg oder Hungersnot ihre Existenz in Jordanien bedrohte… 1870 war nur ein Sechstel des Landes dort gepflügt, weil das Tal von Beduinen besetzt war… Dasselbe Phänomen gab es im südlichen Teil des Landes [d.h. vom Raum Hebron an südwärts]…“

Infrastruktur-Projekte lockte arabische Zuwanderer an

Avneri fügt an (ebenda): „Der Bau der Eisenbahnlinie Jerusalem – Jaffa [1892 eingeweiht] beschäftigte viele lokale und externe Arbeitskräfte. Die belgische Firma, die die Eisenbahn baute, importierte ägyptische Tagelöhner, von denen viele im Land blieben. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann die Arbeit an den Gleisen zwischen Haifa und Dera’a [im südwestlichen Syrien]. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde die Eisenbahn von Haifa nach Nablus begonnen… Viele Arbeiter wurden aus benachbarten Staaten geholt…

1880 war Haifa eine kleine Stadt mit 6.000 Seelen. 1910 verdreifachte sie ihre Einwohner auf 18.000, von denen 15.000 muslimische und christliche Araber waren. Viele der Neuankömmlinge kamen aus dem Libanon und Syrien… Jaffa entwickelte sich als Hafenstadt… durch die Pilger kamen… Einige davon blieben in Jaffa. Jaffas Bevölkerung verdoppelte sich von 1890 bis 1910 auf 43.000, von denen 30.000 muslimisch und arabisch waren. Zudem ließ sich eine große Anzahl Pilger aus Nordafrika in Jerusalem unter ihren Landsleuten nieder, die früher gekommen waren…

Das rasche Bevölkerungswachstum in Jaffa und Haifa (nach dem britischen Sieg im Ersten Weltkrieg) war größtenteils die Folge des Zustroms vieler ägyptischer Arbeiter, Polizisten, Bauunternehmer, Vorarbeiter und Geschäftsleute, die das Vordringen der britischen Armee begleiteten… Der Bau der Eisenbahn von Qantara an der ägyptischen Grenze beschäftigte tausende Ägypter, von denen viele es vorzogen sich in Haifa niederzulassen…

Die britische Obrigkeit zog Ägypter, Syrer und andere externe arabische Ungelernte [z.B. aus dem Sudan] jüdischen Immigranten vor, wenn es um den Bau von Militärbasen, den Betrieb von Steinbrüchen, Straßenbau und den Bau des Hafens von Haifa ging … Von 1919 bis 1922 nahm die arabisch-muslimische Bevölkerung von 515.000 auf 590.000 zu, zumeist durch arabische Zuwanderung…

Die Jahre 1932 bis 1936 waren geprägt von nie da gewesenem wirtschaftlichen Wohlstand … und einem beträchtlichen Zustrom arabischer Zuwanderer…

Der Ausbruch der Gewalt, der von Zeit zu Zeit auftrat [gegen Juden und bei den Arabern untereinander], besonders von 1936 bis 1938, zog tausende arabische Söldner aus den Nachbarländern an… Viele Söldner blieben im Land…“

1942, während des Zweiten Weltkriegs, gab es in Palästina einen ernsten Arbeitermangel… Das britische Mandat gab Notfall-Regularien aus, die der britischen Armee erlaubte Arbeiter aus arabischen Ländern zu holen…“

Schlussfolgerung

Prof. Efraim Karsh von der Bar Ilan Universität und dem Londoner King’s College zeigt einen Bericht der britischen Peel-Kommission (Palestine Betrayed, 2010): „Von 1922 bis 1931 betrug die Zunahme der arabischen Bevölkerung in Haifa, Jaffa und Jerusalem 86%, 62% bzw. 37%.“

Als Ergebnis der Wellen arabischer Zuwanderung von 1880 bis 1947 sind arabische Einwohner westlich des Jordan (Judäa, Samaria und das Israel von vor 1967) keine Nachkommen der Kanaaniter, sondern vor kurzem zugewanderter Migranten.

Darüber hinaus ist Palästina trotz eines von der palästinensischen Autonomiebehörde vorangetriebenen Märchens nicht seit undenkbaren Zeiten arabisch/muslimisch gewesen.

Fakt ist: Seit der Zeit des griechischen Imperiums (5. Jahrhundert v.Chr.) bezieht sich der Begriff Palästina (Palaistine) auf das Land Israel, in direkter Verbindung zum Volk Israel.