Yarmuk: Inspiriation für ISIS und „folgenreichste“ Schlacht zwischen dem Islam und dem Westen

Raymond Ibrahim, 20. August 2020

Am 20. August 636 fand die wohl folgenreichste Schlacht zwischen dem Islam und dem Westen statt – die vom Yarmuk. Nur vier Jahre nach dem Tod des muslimischen Propheten Mohammed entschied das militärische Aufeinandertreffen nicht nur, ob das arabische Glaubensbekenntis aufblüht oder stirbt; sie wurde zur Hauptquelle der Inspiration und Anweisung für Jihadisten über Jahrhunderte, direkt bis zum Islamischen Staat. Und doch sind sich nur wenige im Westen der Existenz der Schlacht von Yarmuk bewusst – weit weniger davon, wie sie gegenwärtige islamische Terroristen motiviert.

Die Gegner waren das oströmische Imperium unter Kaiser Heraclius und das neu geborene arabische Kalifat unter dem zweiten Kalifen Omar. Nach ein paar Jahren muslimischer Plünderungen im damals christlich-römischen Syrien trafen die beiden Mächte entlang des Flusses Yarmuk aufeinander. Der Austausch der beiden Generale vor der Schlacht – des römisch-armenischen Vahan und Khalid bin al-Walids (das sehr verehrte und beinahe kannibalistische „Schwert Allahs) – ist aufschlussreich:

Der christliche Kommandierende begann damit diplomatisch Arabiens harte Lebensbedingungen und verarmte Wirtschaft dafür verantwortlich zu machen, dass die Araber keine andere Wahl hätten als römische Länder zu überfallen. Entsprechend war das Imperium zufrieden sie mit Lebensmitteln und Geld zu versorgen, unter der Bedingung, dass sie nach Hause zurückkehren. „Es war nicht Hunger, der uns hierher brachte“, antwortete Khalid kühl, „sondern wir Araber haben den Brauch Blut zu trinken und uns wird gesagt, dass das Blut der Römer das süßeste seiner Art ist, also kamen wir hierher, um euer Blut zu vergießen und es zu trinken.“

Vahans diplomatische Maske fiel auf der Stelle und er begann eine Tirade gegen den unverschämten Araber: „Also wir dachten, ihr kommt auf der Suche nach dem, was eure Brüder immer suchten“ – Plünderung, Erpressung oder Landsknechtsarbeit. „Aber leider haben wir uns geirrt. Ihr kommt, um Männer zu töten, Frauen zu versklaven, Reichtum zu plündern, Gebäude zu zerstören und wollt uns von unserem eigenen Land vertreiben.“ Bessere Leute hatten versucht dasselbe zu tun, wurden aber immer besiegt, fügte Vahan mit Blick auf die kürzlich stattgefundenen Persischen Kriege hinzu, bevor er fortfuhr:

Was euch angeht, gibt es kein niedrigeres und abscheulicheres Volk – erbärmliche, verarmte Beduinen. … Ihr begeht Ungerechtigkeiten an der eigenen Nation und jetzt an unserer. … Welche Verwüstung habt ihr geschaffen! Ihr reitet Pferde, die euch nicht selbst gehören und tragt Kleidung, die nicht die eure ist. Ihr schafft euch Vergnügen mit jungen weißen Frauen Roms und versklavt sie. Ihr esst Essen, das nicht das eure ist und füllt eure Hände mit Gold, Silber und wertvollen Dingen [die nicht euch gehören]. Jetzt finden wir euch mit all unserem Besitz und der Beute, die ihr unseren Glaubensbrüdern genommen habt – und wir überlassen euch alles, wollen weder die Rückgabe noch tadeln wir euch. Alles, was wir von euch wollen, ist, dass ihr unser Land verlasst. Aber wenn ihr das ablehnt, werden wir euch vernichten!

Das Schwert Allahs war nicht beeindruckt. Er begann den Koran zu rezitieren und sprach von einem Mohammed. Vahan hörte in stiller Verbitterung zu. Khalid rief den christlichen General auf die Schahada zu proklamieren – „es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Bote“ – und damit den Islam anzunehmen, im Tausch für Frieden; er fügt hinzu: „Du musst auch beten, Zakat zahlen, die Haddsch zum heiligen Haus [in Mekka] pilgern, Jihad gegen die führen, die Allah ablehnen, … und dich mit denen anfreunden, die Allahs Freunde sind und gegen die sein, die gegen Allah sind“, ein Verweis auf die polarisierende Doktrin des al-wala‘ wa al-bara‘. „Wenn du ablehnst, kann es zwischen uns nur Krieg geben… Und du wirst Männern gegenüber stehen, die den Tod so lieben wie du das Leben.“

„Mach, was dir gefällt“, antwortete Vahan. „Wir werden unsere Religion niemals aufgeben oder dir Jizya zahlen.“ Die Verhandlungen waren vorbei.

Die Dinge spitzten sich – ziemlich buchstäblich – zu, als 8.000 marschierende Muslime vor dem römischen Lager erschienen, die die abgeschlagenen Köpfe von 4.000 Christen auf ihren Speeren trugen. Das waren die Überreste von 5.000 Mann Verstärkung, die aus Amman gekommen waren, um sich der römischen Armee in Yarmuk anzuschließen. Die Muslime hatten sie überfallen und abgeschlachtet. Dann, als laute „Allahu Akbar“-Schreie das muslimische Lager erfüllten, stießen die hinter den verbliebenen 1.000 christlichen Gefangenen stehenden Muslime, diese um und schnitten ihnen vor den Augen ihrer Glaubensbrüder, die arabische Quellen als in „kompletter Fassungslosigkeit“ beschrieben werden, die Köpfe ab.

Es sollte also Krieg sein: 30.000 christliche Römer gegen 24.000 muslimische Araber am Fluss Yarmuk in Syrien. Am Vorabend der Schlacht, schreibt der Historiker A.I. Akram, „verbrachten die Muslime die Nacht in Gebet und Aufsagen des Koran und erinnerten einander an die zwei Segnungen, die auf sie warteten: entweder Sieg und Leben oder Märtyrertum und das Paradies.“

Auf die Christen wartete kein derartiger Kitzel. Sie kämpften um Leben, Familie und Glauben. Während seiner Rede vor der Schlacht erklärte Vahan: „Diese Araber hier vor euch wollen … eure Kinder und Frauen versklaven.“ Ein anderer General warnte die Männer hart zu kämpfen, sonst würden die Araber „eure Ländereien erobern und eure Frauen vergewaltigen“. Solche Ängste waren nicht unberechtigt. Noch während die Römer vor der Schlacht im Gebet knieten, paradierte der arabische General Abu Sufyan auf seinem Ross, schwenkte seinen Speer und ermahnte die Muslime zum „Jihad auf die Weise Allahs“, damit sie „Land und Städte der Christen erobern und ihre Kinder und Frauen versklaven“ können.“

Die Schlacht dauerte sechs Tage an. Am 20. August 636, dem sechsten und letzten Tag, brach ein Staubsturm – etwas, woran die Araber gewöhnt waren, ihre Gegner weniger – aus und verursachte Massenchaos, besonders für die Römer, deren große Zahl an Infanteristen sich als kontraproduktiv erwies. Die Nacht brach an. Dann, berichtet der Historiker Antonio Santosuosso,

hallte der Boden wider vom furchterregenden Lärm muslimischen Geschreis und Schlachtgebrülls. Schatten änderten sich plötzlich in Klingen, die das Fleisch durchdrangen. Der Wind brachte die Schreie von Gefährten, als der Feind heimlich unter dem infernalischen Lärm von Becken, Trommeln und Schlachtgebrüll in die Reihen einbrach. Es muss noch furchterregender gewesen sein, weil sie nicht erwartet hatten, dass die Muslime im Dunkeln angriffen.

Muslimische Kavalleristen übten weiter Druck auf die zusammengedrängte und geblendete römische Infanterie aus; dazu nutzten sie die Hufe und Knie ihrer Rösser, um die ermüdeten Kämpfer niederzuwerfen. Schließlich bis an den Rand der Schlucht gedrängt fiel Reihe um Reihe der kaiserlichen Armee die steilen Abhänge hinunter in den Tod. „Die byzantinische Armee, die zusammenzustellen Heraclius brauchte, hatte aufgehört zu existieren“, schreibt der britische Generalleutnant und Historiker John Bagot Glubb. „Es gab keinen Rückzug, kein Handeln einer Nachhut, keinen Kern Überlebender. Es war nichts übrig geblieben.“

Als der Mond den Nachthimmel füllte und die Sieger den Getöteten alles genommen hatten, klangen „Allahu Akbar“-Schreie und „Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Bote“ durch das Yarmuk-Tal, berichtet der arabische Chronist.

Nur ein paar Jahrzehnte nach Yarmuk waren alle antiken christlichen Länder zwischen Syrien im Osten und Marokko im Westen – fast 6.500km – vom Islam erobert worden. Anders ausgedrückt: Zwei Drittel des ursprünglichen, älteren und wohlhabenderen Territoriums der Christenheit waren dauerhaft vom Krummsäbel des Jihad geschluckt worden. (Schließlich und Dank der späteren Türken „eroberten muslimische Armeen drei Viertel der christlichen Welt“, wird der Historiker Thomas Madden zitiert.)

Aber anders als die germanischen Barbaren, die in den Jahrhunderten zuvor nach Europa eindrangen und es eroberten, nur um sich in die Religion, Kultur und Zivilisation des Christentums zu assimilieren und seine Sprachen – Latein und Griechisch – zu übernehmen, zwangen die Araber den eroberten Völkern ihren Glauben und Sprache auf, so dass die einst auf die Arabische Halbinsel beschränkten „Araber“ heute die „Arabische Welt“ mit 22 Staaten im gesamten Nahen Osten und Nordafrika bilden.

Das wäre nicht der Fall und die Welt hätte sich radikal anders entwickelt, hätte das oströmische Reich die Invasoren besiegt und sie zurück nach Arabien geschickt. Kein Wunder, dass Historiker wie Francesco Gabrieli der Meinung sind, dass „die Schlacht am Yarmuk zweifelsohne wichtigere Folgen hatte als fast jede andere in der Weltgeschichte“.

Darüber hinaus und wie der aufmerksame Leser bemerkt haben wird, sind die Kontinuität der Worte und Taten des Islamischen Staats im Irak und Syrien (ISIS) und die seiner Vorgänger von vor fast 1.400 Jahren gespenstisch ähnlich. Das ist natürlich Absicht. Wenn ISIS proklamiert: „Amerikanisches Blut ist das beste und wir werden es bald schmecken“, oder „Wir lieben den Tod so, wie ihr das Leben liebt“, oder „Wir werden eure Kreuze zerschlagen und eure Frauen versklaven“, dann zitieren sie wortgetreu – und stellen sich damit in die Fußstapfen von – Khalid bin al-Walid und seinen Gefährten, den ursprünglichen Eroberern Syriens.

Gleichermaßen gründet die Beschwörung der Huris, der den Märtyrern versprochenen himmlischen Sexsklavinnen des Islam, auf mehreren Anekdoten von am Yarmuk sterbenden Muslimen, die von diesen unsterblichen Konkubinen im Paradies willkommen geheißen werden. Das Gleiche gilt für die choreografierte rituelle Abschlachtung von „Ungläubigen“, am berüchtigsten die der 21 koptischen Christen am Strand in Libyen, die der rituellen Abschlachtung von 1.000 gefangen genommenen römischen Soldaten am Vorabend der Schlacht nachgeahmt worden ist.

Hier ist also eine Erinnerung daran, dass die Lektionen aus der militärischen Geschichte des Islam und des Westens alles andere als akademisch sind und bis heute Bedeutung haben – zumindest für die Jihadisten, deren Denkweise anzuerkennen viele im Westen immer noch ablehnen.