Als die Juden aus dem Land Israel im Libanon Urlaub machten

Es gab eine Zeit, in der die Küstenstädte und verschneiten Gipfel des Libanon führende Touristen-Ziele für jüdische Einwohner des Mandats Palästina waren.

Amit Naor, the Librarians, 9. August 2020

Aus der Ephemera-Sammlung der Nationalbibliothek Israels

Als Ergebnis der berühmten Sykes-Picot-Vereinbarung wurde im Nahen Osten eine Linie gezogen, die Israel, Transjordanien und den Irak, die den Briten gegeben wurden, von Syrien und dem Libanon trennte, die den Franzosen gegeben wurden. Diese Grenze war nicht so unflexibel wie die modernen Grenzen, die wir heute kennen. Obwohl es natürlich Spannungen gab, waren diese hauptsächlich zwischen den verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen zu spüren, darunter Arabern und Juden. Wenn es zu Beziehungen zwischen den jeweiligen Regierungen kam, die im Mandat Palästina und dem Libanon (und Syrien) herrschten, waren die Verbindungen freundschaftlich: Handelsgüter wurden von einem Ort an den anderen geschickt, die von den Osmanen gelegten Eisenbahngleise verbanden ferne Länder und am wichtigsten: die Menschen reisten frei durch die Region.

Als Ergebnis davon besuchten, so wie in den Tagen des osmanischen Reichs jüdische Händler, Bürger des Mandats Palästina – Juden wie Araber – zwischen Jerusalem, Damaskus, Halab und Beirut weiter ihre Nachbarn im Norden, als sie unter britischer Herrschaft lebten. Insbesondere die lokale Tourismus-Industrie florierte in diesem Zeitraum. Der Libanon wurde als faszinierendes und attraktives Ziel betrachtet: seine Strände im Süden, die pulsierende Metropole Beirut und die schönen, schneebedeckten Berge – ein im Nahen Osten seltener Anblick. Die hebräische Presse und Schwarzen Bretter waren angefüllt mit Werbung, die jüdische Leser ansprachen in den Libanon zu kommen und dort zu entspannen.

Aus der Ephemera-Sammlung in der Nationalbibliothek Israels

In den Zeitungen wurden regelmäßig hunderte verlockender Illustrationen und Werbung veröffentlicht. Reklame für die vielen Hotels des Landes betonten das kühle, fast europäische Wetter und die Zedern, die man vom Fenster aus sehen konnte. Den Touristeneinrichtungen wurden oft französische Namen gegeben, um ihr Prestige in den Augen der Urlauber zu heben. So wie heutige Werbung betonte sie die kurzen Wege von Beirut aus und versprachen großzügige Unterkünfte zu erschwinglichen Preisen.

„Sammeln Sie Kraft und Gesundheit im Libanon – Vergnügen und Komfort zu geringen Kosten“, aus Do‘ar Hayom, 14. Juni 1935
Reklame, die für das Grand Hotel Casino in Ain Sofar wirbt und die modernsten Gerätschaften verspricht – einen Aufzug, Zentralheizung, koschere europäische Küche, 5-Uhr-Tee – alles beaufsichtigt vom „Wiener Management“, für gerade mal 55 Francs pro Tag; aus Do‘ar Hayom, 29. Juli 1934

Was zog potenzielle hebräische Touristen sonst noch an? Skifahren! Im wasserarmen Land Israel gab es nicht viele Orte mit Schnee, an denen man diesem beliebten europäischen Hobby nachgehen konnte, aber im Libanon florierte Wintersport, selbst noch im Frühling. Aus Europa wurden Skilehrer geholt und das Versprechen so nah an Zuhause Schnee zu genießen zog viele an.

Eine Reklame für Ski-Reisen nach Sofar im Libanon mit zwei schweizerischen Skilehrern; aus Do‘ar Hayom, 5. März 1935.
Der verschneite Gipfel des Jabal al-Barouk in den Schuf-Bergen, Libanon, 1929. Aus dem Archiv der Hebrew Reali School in Haifa, Bitumna-Sammlung.

Sagen wir also, Sie hätten beschlossen Ihren Sommerurlaub im Libanon zu verbringen – wie wären Sie dorthin gekommen? Sie hätten natürlich den Zug nehmen können, aber warum sich damit zufriedengeben? Touristen wurden an Bord eines der Schiffe eingeladen, die aus dem Hafen von Haifa ausliefen und auf dem Weg nach Beirut und darüber hinaus in verschiedenen Häfen anlegten. Sie hätten auch mit dem Bus reisen können – diese fuhren ab dem Zentralen Busbahnhof in Tel Aviv. Das Egged-Museum zeigt immer noch Reise-Fahrscheine an diese exotischen Zielorte. Und für mehrere hundert palästinensische Pfund (Lira) konnten Sie sogar von Haifa aus ein Taxi nehmen.

Aus der Ephemera-Sammlung in der Nationalbibliothek von Israel.
Auf dem Weg nach Baalbek, 1929. Foto: Jenka Ratner, Bitmuna-Sammlung.

Natürlich konnte man seinen Urlaub auf einer organisierten Reise verbringen. Das Reiseunternehmen kümmerte sich um alles. So konnten Sie sicher sein, dass Sie kein bedeutendes Reiseziel oder Attraktion verpassen. Wohin fuhren diese Touristen? Man hatte nie von einer vollständigen Reise in den Libanon ohne eine Tour durch die Küstenstädte, eine Fahrt in die libanesischen Berge und zu guter Letzt den Besuch der uralten Ruinen von Baalbek gehört.

Eine Reklame wirbt für eine organisierte zehntägige Rundreise in den „Libanon, den Alawitenstaat und Syrien“, einschließlich Stopps in Beirut, Tripolis, Aleppo und Damaskus. Aus der Ephemera-Sammlung in der Nationalbibliothek Israels.

Zweifelsohne galt der Libanon für viele als attraktives, faszinierendes Reiseziel. In den 1930-er Jahren war die Konkurrenz so stark, dass Hotels sogar jüdische Urlauber mit dem Versprechen von koscherem Essen lockten. Hebräische Zeitungen veröffentlichten Reklame für den Kauf von Partnerschaftsanteilen an diesen Hotels und oft wurden Vorträge zur Geografie Syriens und des Libanon von ranghohen Referenten, Lehrenden und Geografen der hebräischen Gemeinde im Mandat Palästina gehalten.

Werbung, die die libanesischen Hotels mit koscherem Essen auflistet; aus Ha‘aretz, 1. Juli 1935.

Offenbar war diese Praxis so weit verbreitet, dass für Sommerreisen in den Libanon auch in den frühen Tagen der arabischen Revolte von 1936 bis 1939 noch geworben wurde. Es scheint jedoch so, als ob während dieses Zeitraums einige Hotels bankrott gingen. Ein Hotel in Metula am Nordende des Landes Israel hießt „Der Schnee des Libanon“ (Scheleg-HaLevanon) und lud die lokalen Urlauber ein in seine Räumlichkeiten zu kommen, statt das Geld in solchen harten Zeiten im Ausland auszugeben.

Das Hotel Der Schnee des Libanon in Metula; Bitmuna-Sammlung.

Werbung für Reisen in den Libanon wurde sogar noch während des Zweiten Weltkriegs geschaltet, obwohl nach der Eroberung Frankreichs durch die Deutschen Feindsoldaten in Syrien und dem Libanon stationiert waren. Nachdem der Libanon aber 1943 seine Unabhängigkeit erhielt, wurden die Reisen wieder aufgenommen, wenn auch in geringerem Ausmaß wegen der Eskalation des jüdisch-arabischen Konflikts in dem, was immer noch das Mandat Palästina war.

Werbung aus dem Jahr 1945, die für eine einwöchige Reise nach Syrien und in den Libanon warb. Aus der Ephemera-Sammlung in der Nationalbibliothek Israels.

Natürlich machten der Unabhängigkeitskrieg und die Gründung des Staates Israel diesem beliebten Zeitvertreib ein Ende. Und bis wir das Skifahren auf den Hängen des Schuf-Gebirges oder Sonnenbaden an den Stränden Beiruts wieder aufnehmen können, laden wir diejenigen von ihnen, die sich vielleicht an eine Familienreise in den Libanon erinnern können, ein uns hier in den Kommentaren, auf Facebook oder Twitter davon zu erzählen.