Die Schlacht von Manzikert: Die „Unterwerfung der Christenheit durch den Islam“

Raymond Ibrahim, 26. August 2020

Gemälde von Romanus Diogenes‘ Gefangennahme in Manzikert; (rechts: Skizze seines letzten Widerstands)

Am 26. August 1071 fand eine der entscheidendsten Schlachten der Weltgeschichte statt – die von Manzikert, die die Gründung des modernen Staates Türkei im ehemals christlichen Kleinasien initiierte.

Was an diesem Tag und den zu ihm führenden geschah, ist es wert erneut berichtet zu werden.

1019 „betraten erstmals die blutrünstigen Bestien … die barbarische Nation Ungläubiger, genannt Türken, Armenien“ in Ostanatolien „und schlachteten unbarmherzig die christlichen Gläubigen mit dem Schwert“, schreibt ein Chronist. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten wurde praktisch ganz Armenien dezimiert: Hunderttausende wurden abgeschlachtet oder versklavt und tausende Kirchen niedergebrannt oder geschändet, einschließlich ihrer Umwidmungen in Moscheen:

Wer ist in der Lage das Geschehen und die ruinösen Ereignisse zu berichten, die den Armeniern widerfuhren, denn alles war mit Blut bedeckt. … Wegen der großen Zahl an Leichen stank das Land und ganz Persien war mit zahllosen Gefangenen gefüllt; so wurde diese gesamte Nation betrunken vom Blut. Alle menschlichen Wesen christlichen Glaubens waren in Tränen aufgelöst und in trauriger Bedrängnis…

Auch gab es wenig Zweifel darüber, was die Feindschaft der Türken antrieb: „Diese Nation der Ungläubigen“, erklärte ein Militärkommandeur, „kommt wegen unseres christlichen Glaubens gegen uns und sie haben vor die Verordnungen der Anbeter des Kreuzes zu zerstören und die christlichen Gläubigen auszulöschen.“ Daher „passt es und ist richtig, wenn alle Gläubigen mit dem Schwert hingehen und für den christlichen Glauben sterben.“ Viele waren derselben Meinung; die Berichte erzählen von Mönchen und Priestern, Vätern, Ehefrauen und Kindern, alle lumpig bewaffnet, aber pflichteifrig bereit ihre Lebensart zu schützen, herzuzukommen, um sich den Invasoren entgegenzustellen – nur um abgeschlachtet oder versklavt zu werden.

Die türkischen Horden waren unter der Zuständigkeit des aufsteigenden Stammes der Seldschuken mit Armenien auch nicht zufrieden; sie ritten weiter gen Westen über die Ebene Anatoliens, damals Teil des oströmischen Reiches („Byzanz“), wo sie eine Spur aus Rauch und Zerstörung hinterließen. Als er 1068 Kaiser wurde, machte Romanus Diogenes es sich zur Aufgabe zu handeln. 1069 hatte er eine gewaltige Armee zusammengezogen und war tief nach Kleinasien hineinmarschiert, wobei er zahlreiche Städte von den Türken befreite.

Die beiden Streitkräfte trafen schließlich nahe der Stadt Manzikert, direkt nördlich des Sees Van, aufeinander. Der türkischer Sultan Mohammed bin Dawud – der Nachwelt besser bekannt als „Alp Arslan“ oder „heldenhafter Löwe“ – schickte eine Delegation, um mit Romanus über „einen Vorwand für Frieden“ zu verhandeln, wohingegen in Wirklichkeit „Zeit geschunden“ werden sollte, erklärte Michael Attaleiates, der dabei war. Das „ermunterte den Kaiser nur zum Krieg“.

Romanus wies die Emissäre ab, zwang sie vor ihm auf die Knie zu gehen und befahl ihnen ihrem Sultan zu sagen, dass „es keinen Vertrag geben wird … und keine Rückkehr nach Hause, außer nachdem ich den Ländereien des Islam angetan habe, was den Ländereien Roms [Byzanz] angetan worden ist“. Nachdem er „die Botschafter mit größter Verachtung entlassen“ hatte, stachelte Romanus seine Männer „mit Worten außerordentlicher Gewalt“ zum Krieg auf.

Mohammed hielt seine Männer zum Jihad an und erinnerte sie an ihr Win-Win-Szenario: „Wenn uns der Sieg über sie gegeben wird, [nun gut]. Wenn, nicht werden wir als Märtyrer in den Garten einziehen.“ „Wir sind bei dir!“, brüllten die Männer im Gleichklang, als er seine Tirade beendete, gefolgt von einer Salve an „Allahu Akbar“, die Berichten zufolge „die Berge schüttelte“.

So trafen, als „Militärmusik von beiden Seiten erschallte und der Staub des Schlachtfeldes aufstieg wie Wolken im Himmel“, die beiden Armeen an diesem schicksalhaften Freitag, dem 26. August 1071 aufeinander.

Die Schlacht verlief wie üblich: Türkische Reiter in Sichelformation, die ihre wenigen Mitglieder verbarg, preschten voran und schossen Salven von Pfeilen ab, bevor sie sich rasch zurückzogen. Scharen römischer Männer und Pferde fielen; einige verließen sogar die Reihen und flohen. Unerschrocken behielt Romanus die Linie zusammen und marschierte mit seinen Kräften voran; aber weil den Türken unbegrenzt Terrain zur Verfügung stand, um sich zurückfallen zu lassen, gelang es der christlichen Armee nicht sie zu stellen und zu erledigen, während die Türken weiterhin effektive Taktiken des Zuschlagens und Zurückziehens anwandten.

Als der Tag fast vorbei war, befahl Romanus eine Kehrtwende zurück ins Lager, den einzigen Ort, wo seine Männer verpflegt und ihre Pferde getränkt werden konnten. Sobald er zurückkehrte, begannen die Türken einen umfassenden Angriff, „warfen sich wild, mit furchterregendem Geschrei auf die Römer“. Chaos setzte ein. „Alle schrien wirr durcheinander und ritten in Unordnung durcheinander; niemand konnte sagen, was vorging… Es war wie ein Erdbeben mit Geheul, Schweiß und einem raschen Ansturm von Angst, Staubwolken und vor allem ritten Türken überall um uns herum“, erinnerte sich Attaleiates später.

Romanus‘ Varangianergarde (die aus nordischen Kriegern bestehende Eliteeinheit des Imperiums, die immer an den Kaiser gebunden war, dem sie diente) wurde umzingelt und obwohl sie heldenhaft kämpfte bis auf den letzten Mann getötet. Als er sah, dass er „verlassen und komplett von Hilfe abgeschnitten war, zog [Romanus] sein Schwert aus der Scheide und war sich auf seine Feinde, tötete viele von ihnen und schlug andere in die Flucht. Aber er wurde von einer Menge Feinde umringt und an der Hand verwundet. Sie erkannten ihn und er wurde komplett umzingelt; ein Pfeil verwundete sein Pferd, das ausglitt und hinfiel, seinen Reiter mit sich zog. So wurde der Kaiser der Römer gefangen genommen und in Ketten vor den Sultan geführt.“

Schlimmer noch: Der einst stolze und kaiserliche Romanus wurde der erste römische Kaiser in mehr als tausend Jahren, der die schmähliche Erfahrung machte auf dem Schlachtfeld gefangengenommen zu werden. „Diejenigen, die entkamen, waren ein winziger Bruchteil“, vermerkt ein weiterer Chronist. „Von der Mehrheit wurden einige gefangen genommen, der Rest massakriert.“ Ein muslimischer Chronist bestätigt, dass die Christen „in einem solchen Ausmaß getötet wurden, dass ein Tal, in dem die beiden Seiten aufeinandertrafen, [mit ihren Leichen] gefüllt war.“

Sultan Mohammed erklärte den Sieg und sandte schnell in aller Eile „das Kreuz und was den Byzantinern abgenommen worden war“ nach Bagdad und „der Kalif und die Muslime frohlockten. Bagdad wurde in nie da gewesener Weise geschmückt und Kuppeln errichtet. Es war ein großer Sieg der Art, wie der Islam ihn zuvor nicht gesehen hatte“, schreibt ein Historiker aus Damaskus.

Die Schlacht öffnete darüber hinaus die Tür für die dauerhafte Eroberung Kleinasiens. Bevor er ermordet wurde, hatte der heldenhafte Löwe den Türken befohlen „wie die Löwenjungen und die Adlerjungen, die Tag und Nacht die Landschaft durchstreifen, die Christen erschlagen und der römischen Nation keine Gnade geben“. Das machten sie; und „die Emire verbreiteten sich wie Heuschrecken über das Antlitz des gesamten Landes“, drangen in jede Ecke Anatoliens vor, brandschatzten die meisten wichtigen Städte, einschließlich Ephesus, Heimat des heiligen Johannes des Evangelisten, Nicäa, wo im Jahr 325 das Bekenntnis des Christentums formuliert wurde und Antiochia, den ursprüngliche Sitz des heiligen Petrus.

„Alles, was übrig gelassen wurde, waren verwüstete Felder, umgeschlagene Bäume, verstümmelte Leichen und von Angst in den Wahnsinn getriebene oder in Flammen stehende Städte.“ Berichtet wurde, dass hunderttausende anatolische Christen massakriert oder versklavt wurden. Bis Anfang 1090 hatten die Türken die letzte christliche Bastion genommen, Nicomedia, nur knapp einen Kilometer vor Konstantinopel, vor der engsten Stelle des Bosporus.

Fünf Jahre später war der erste Kreuzzug im Gang.

Mohammed bin Dawud sollte von den Muslimen allgemein und besonders von den Türken geehrt werden. Denn der „Sieg des Seldschuken-Sultans in Manzikert war nicht nur ein militärischer Triumph über den byzantinischen Kaiser“, erklärt die Historikerin Carole Hillenbrand. „Seine Gefangennahme symbolisierte die Unterwerfung der Christenheit durch den Islam. Manzikert wurde als erster Schritt einer monumentalen Geschichte wahrgenommen, in der von Türken geführte Dynastien die Christen besiegen und den Triumph des Islam erklären sollten“.

Kein Wunder also, dass zusammen mit einem anderen Mohammed – dem Sultan, der 1453 Konstantinopel eroberte, der türkische Präsident Erdoğan es niemals versäumt diesen Sultan Mohammed bin Dawud, den „heldenhaften Löwen“ und Geißel der Christenheit, zu ehren (wenn nicht ihn nachzuahmen.