Die Schlacht von Kulikowo: Russische Befreiung von der muslimischen Horde

Raymond Ibrahim, 8. September 2020

Sergeij Prisekins Wiedergabe von Kulikowo (1980)

Am 8. September 1380 begann Russland seinen langen Marsch zur Befreiung vom Tatarenjoch, durch eine Schlacht, die für die russische Geschichte genauso wichtig ist wie die Schlachten von Tours und Wien es für den Westen sind.

Als sie Russland um 1240 eroberten, waren die Mongolen noch heidnisch, aber bis 1300 waren sie gründlich islamisiert. Arabisch wurde übernommen, „das gesamte muslimische Religionsestablishment aus Kadis, Muftis und dergleichen kam in Sarai auf, der Hauptstadt der Goldenen Horde an der Unterwolga“, und „die Scharia, das muslimische religiöse Recht“ herrschte uneingeschränkt. „Mit dieser russisch-tatarischen Eroberung trat die Gesellschaft in den Mainstream des mittelalterlichen christlich-muslimischen Grenzlebens“, heißt: Es trat in ein bekanntes Paradigma aus Feindschaft und Krieg ein, unterbrochen nur von riesigen Summen an Gold und Sklaven, die aus Russland an die Horde flossen.

1327 bat der Schewkal – „der Vernichter der Christenheit“, wie es in einer russischen Chronik heißt – der Cousin des Khan Usbek seinen Khan um einen Gefallen: „Erlaube mir nach Rus zu gehen, um ihren christlichen Glauben zu vernichten, ihre Prinzen zu töten und dir ihre Frauen und Kinder zu bringen.“ Usbek stimmte zu. An der Spitze einer gewaltigen Horde drang Schewkal nach Russland ein, „mit großer Überheblichkeit und Gewalt. Er führte starke Verfolgung von Christen ein, wofür er Gewalt, Plünderung, Folter und Misshandlung nutzte.“ Die Russen machten sich auch bezüglich der Gründe hinter ihrem (erneuten) Leid nichts vor: Überall in ihren Chroniken „erscheinen sie als Verteidiger des Glaubens, die darum kämpften die Christenheit vor den marodierenden, von ihrer religiös bedingten Feindschaft getriebenen Ungläubigen zu retten.“ Darüber hinaus sind die „mongolischen Gräuel“ immer „als Vorfälle in einem anhaltenden Religionskrieg“ verzeichnet.

Als 1359 die Infrastruktur der Goldenen Horde infolge von internem Konflikt zu zerbrechen begann, fing das Fürstentum Moskau (oder Muskowy) seinen Lehensherren zu trotzen. Als wollte Khan Mamai die Rebellen zermalmen und „den Russen den Islam aufzwingen“ und brach 1380 mit, geben einige Quellen an, rund 100.000 Turko-Tataren nach Moskau auf. Sie prahlten, sie würde ihre Schwerter „am russischen Land und dem christlichen Glauben gegen die Panzerung der Muslime auf die Probe stellen“; die Russen nahmen die Herausforderung an.

Unter der Führung des Großprinzen Dimitri Iwanowitsch von Moskau zogen rund 50.000 Russen los und trafen den Khan auf dem Kulikowo-Feld nahe des Don und einiger Zuflüsse. Die feindlichen Armeen waren so riesig, dass sie sich über 13 Kilometer verteilten. Die Christen positionierten sich strategisch zwischen den Flüssen und den dichten Wäldern, womit sie die Manövrierfähigkeit und Möglichkeiten der tatarischen Reiter ihre Flanken zu umgehen einschränkten.

„Ich werde weder mein Gesicht schützen noch in den hinteren Reihen verstecken, sondern lasst uns alle als Brüder gemeinsam kämpfen“, sagte Dimitri in Reaktion auf die Bitten seiner Adligen sich nicht in Gefahr zu begeben: „Für die Christenheit möchte ich vor allen anderen sterben, mit Tat wie mit dem Wort, so dass alle andere, die es sehen, tapfer werden.“ (Praktischer erklärte der Großprinz: „Es ist besser, wir fallen in der Schlacht, als dass wir Sklaven dieser Ungläubigen werden.“)

Sobald die Schlacht am 8. September 1380 – vor 640 Jahren – begann, „gab es ein so großes Massaker und bitteren Kampf und großen Lärm, wie es ihn in russischen Fürstentümern noch nie gegeben hatte“, schreibt ein Chronist; Blut floss wie starker Regen und es gab viele Tote auf beiden Seiten.“ Obwohl sie zwei zu eins unterlegen waren, „wollten die Russen Rache für die Angriffe der Tataren“; sie kämpften mit wildem Zorn. Dimitri hielt Wort und war an vorderster Front zu finden, „schlug auf die rechts und links ein, tötete viele; er selbst war umgeben von vielen [Tataren] und wurde viele Male an Kopf und Körper getroffen“.

Nach Stunden erbitterter Kämpfe und trotz schwerer Verluste schafften es die Russen mit Hilfe versteckter Kavallerie, die aus den umgebenden dichten Wäldern heraus angegriffen hatte, die Muslime in die Flucht zu schlagen. Und so führte Großprinz Dimitri – der, als er erfuhr, dass die Mongolen geflohen waren, sofort aufgrund seines starken Blutverlustes vom Pferd fiel und fast starb – den ersten großen russischen Sieg gegen ihre tatarischen Unterdrücker an, seit das „Joch“ 150 Jahre zuvor begann. Damit zerschlug die Schlacht von Kulikowo den Mythos der mongolischen Unbesiegbarkeit und verlieh Moskau große Ehre.

Allerdings war die volle Befreiung noch ein Jahrhundert entfernt. Denn 1382 marschierten die neu gruppierten und erholten Tataren in Moskau ein, brannten fast die gesamte Stadt nieder und hinterließen 24.000 Leichen. Aber das widerstandsfähige Herzogtum war weiter der wichtigste russische Dorn im Auge der Horde. 1409 warnte Emir Edigei den Großprinzen Wassili Dimitrivitsch davor die volle Zahlung der Jizya zurückzuhalten – „damit kein Übel deinen Herrschaftsbereich befällt und die Christen ihrem endgültigen Untergang begegnen und unsere Wut und Krieg über euch kommen!“ Weil die Warnung ignoriert wurde, kam Edigei abschlachtend, plündernd, brandschatzend daher, auch nach Moskau, obwohl er es nicht erobern konnte.

Was auf dem Feld von Kulikowo getan wurde, war nicht rückgängig zu machen; im Verlauf der nächsten Jahrzehnte nahm Moskau weiter an Stärke und Geltung zu, während die Horde an beidem weiter abnahm. Schließlich trafen im Oktober 1480 – genau hunderte Jahre nach Kulikowo – die beiden Armeen am Fluss Ugra aufeinander und „damit endete die Zaren der Horde“, wie es ein Chronist ausdrückte. „Dann waren wir in unserem russischen Land frei von der Last der Unterwerfung unter den Muslim und begannen uns zu erholen wie vom Winter in den klaren Frühling.“