Warum gibt es immer noch eine World Zionist Organization?

Vic Rosenthal, Abu Yehuda, 22. Oktober 2020

Die Zionist Organization und ihr Parlament, der Zionistische Kongress wurden 1897 von Theodor Herzl gegründet (das Wort „World“ wurde dem Namen später hinzugefügt). Ihre Funktion bestand darin ein Programm die jüdische Besiedlung von Eretz Yisrael zu entwickeln und umzusetzen. Dem Zionistischen Kongress gehörten Delegierte aus einer großen Bandbreite ideologischer Strömungen an; der gemeinsame Nenner war eine jüdische Heimat in unserem historischen Heimatland (auch wenn in den frühen Jahren andere Standorte mit in die Überlegungen einflossen), aber die Beschaffenheit dieser Heimat – sogar, ob sie ein souveräner Staat sein sollte – war umstritten.

Der heutige World Zionist Congress (WZC) ernennt die Leiter mehrerer Organisationen, die große Bereiche von Land und Geldern kontrollieren, die aus jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen im Ausland und vom israelischen Steuerzahler kommen. Dazu gehören der Jüdische Nationalfond (JNF), der das meiste Land in Israel verwaltet, die Jewish Agency, die jüdische Immigration nach Israel ermöglicht, der United Israel Appeal, der Spenden sammelt sowie weitere.

Diese Organisationen sind eng mit der Regierung Israels verbunden, aber sie sind unabhängige Gremien. Das mag verwirren. Zum Beispiel muss jemand, der Aliyah nach Israel beantragt mit sowohl der Jewish Agency (der sochnut) als auch dem israelischen Konsulat zusammenarbeiten.

Die wichtigste Tatsache zum WZC lautet, dass seine Unterorganisationen mehr als 1 Milliarde Dollar im Jahr ausgeben. Diese Organisationen, deren Nützlichkeit am 14. Mai 1948 endete, haben hunderte Beschäftigte (von denen viele Einzelpersonen mit politischen Verbindungen sind) und hunderte Vertragspartner und von ihnen unterstützte Programme. In dem Ausmaß, in dem sie nützliche Funktionen ausüben, könnten und sollten sie von der Regierung Israels ausgeübt werden. Die Verschwendung von Geldern, die durch von Israelis gezahlte hohe Steuern und die großzügigen Spenden von Diaspora-Juden kommen, ist kolossal. Viele hochbezahlte Funktionäre tun praktisch nichts und sind da, weil jemand Bedeutendes ihnen einen Gefallen schuldete.

Aber über ihre Verschwendung hinaus, sind diese Organisationen gefährlich, weil sie eine leicht zu öffnende Tür darstellen, über die sie von Leuten infiltriert werden können, die nicht nur von den Früchten des jüdischen Staates profitieren, sondern ihn dabei auch noch attackieren wollen.

Vor kurzem sind viele Diaspora-Organisationen, insbesondere in den USA, die ursprünglich dazu gegründet wurden dem jüdischen Volk als ganzem, dem Staat Israel oder einzelnen Juden zu nutzen, unter Druck gesetzt worden Repräsentanten antizionistischer Gruppen wie J-Street aufzunehmen. 2012 wurde „Open Hillel“ gebildet, um den Versuch zu unternehmen die Richtlinien der Hillel-Häuser an Colleges zu ändern, um akzeptable Programme aufzunehmen, was ein Reporter so formulierte: um „Gruppen zu legitimieren und einzuschließen, die antiisraelischen (und manchmal antisemitischen) Agenden im mainstream-jüdischen Campusleben zu fördern“.

2014 beantragte J-Street Mitglied der Conference of Presidents of Major Jewish Organiziations zu werden und wurde nach einer erbitterten Debatte abgelehnt. Letzte Woche wurde ein Typ, der früher für Bernie Sanders arbeitete und einmal Verbindungsperson des Außenministeriums zum Kongress für die Werbung für Obamas Iran-Deal war, Executive Director des American Jewish Congress.

Der WZC ist zudem zum Konflikt-Fokus zwischen rechten und linken Fraktionen geworden. Delegierte aus der Diaspora werden durch Wahlen ausgewählt, während Israelis entsprechend der Parteien in der Knesset ernannt werden. Obwohl die Linke auch hier an die Tore geschlagen hat, ist vor kurzem eine neue Gruppe amerikanischer Delegierter dazu gekommen, eine Liste namens „Eretz Hakodesch“, die nicht zionistische Haredim anspricht. In ihrem Programm gibt es die Worte „Staat Israel“ oder „zionistisch“ nicht. Eine Kampagne in den orthodoxen und hareidischen Gemeinschaften gab dem religiösen und rechten Block in der Gesamtheit der 521 Delegierten eine knappe Mehrheit gegenüber dem Block aus Reformjuden/Konservativen/Linken (die vollständigen Ergebnisse nach Ländern finden sie hier, auf Hebräisch).

Die Tatsache, dass die Liste American Hatikvah, zu der solche „Zionisten“ wie Peter Beinart gehören, nur 10 Sitze erhielten, könnte tröstlich sein. Es ist aber absurd, dass sie oder andere antizionistische Haredim überhaupt vertreten sind.

Die größte Delegation aus den USA ist eine, die die Reform-Bewegung repräsentiert; sie hat 39 Sitze. Zusammen mit Reform-Delegierten aus anderen Ländern halten sie insgesamt 63 Sitze. Bedenkt man, dass „Reform-Zionismus“ heißt, desinformierte amerikanische Juden erzählen Israelis, wie sie ihr Land regieren sollen (weil die USA Zuhause einen so guten Job erledigen), dann gehören auch sie nicht in die Kategorie „hilfreich“.

72 Jahre nach der Gründung des Staates ist der Zionismus als Ideologie immer noch von Bedeutung. Aber die World Zionist Organization ist es nicht.

Tatsächlich ist es lange überfällig diese Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für zwielichtige Politiker, die es nicht in die Knesset schafften, nicht wieder gewählte Bürgermeister usw. zu beenden. Die unnötige Bürokratie macht das Leben nur für Leute schwieriger, die mit ihr interagieren müssen, beispielsweise für künftige Olim. Und so wie Israels aufgeblasene Einheitsregierung mit ihren 36 Ministern – von denen mindestens 18 unnötig sind – ist es obszön Geld in ein schwarzes Loch zu schaufeln, wenn Israelis und Diaspora-Juden sich in einem kläglichen wirtschaftlichen Umfeld abstrampeln.

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