Unsere Lage ist so verzweifelt, dass wir es ablehnen irgendetwas zu opfern, um uns zu retten

Von Mahmud Abbas, Präsident, palästinensische Autonomiebehörde, Vorsitzender der Palästinensischen Befreiungsorganisation

The Mideast Beast, 27. Oktober 2020

Foto: Kremlin.ru via Wikimedia Commons

Die palästinensische Nationalbewegung hat selten dunklere Tage erlebt. Ein arabischer Staat nach dem anderen hat Normalisierung mit dem zionistischen Gebilde angekündigt, während unsere Sache erlahmt und wir beim Kampf gegen die üble Flut des Friedens so ohnmächtig wie immer bleiben. Die Umstände haben sich bis zu dem Punkt verschlechtert, dass das bloße Überleben der Bewegung auf dem Spiel steht. In einer derart schrecklichen Lage hat die Bewegung unter meiner Führung beschlossen den drastischen Schritt zu unternehmen, es abzulehnen von unserer Haltung abzurücken, dass wir auch den letzten Zentimeter Palästinas von den dreckigen Fängen der jüdischen Usurpatoren befreien müssen, egal wie katastrophal unsere Lage als Ergebnis genau der Beibehaltung dieser Haltung während des letzten Jahrhunderts geworden ist.

Verzweifelte Zeiten fordern verzweifelte Maßnahmen. Der Sudan, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain – diese verräterischen Schlangen stellen nur die Spitze des Eisbergs der Normalisierung dar; wir müssen uns den Fakten stellen. In meinen vierundachtzig Jahren habe ich unsere Sache nie als kurz vor der Niederlage stehend betrachtet. Der Ernst, die Unsicherheit unserer Lage muss Selbstprüfung veranlassen, nüchterne Neuuntersuchung dessen, welche Elemente unserer Vision wir behalten müssen, um das Wesen und das Überleben der Sache zu erhalten, damit keine weiteren Versuche unternommen werden an irrelevanten Ambitionen festzuhalten, die das gesamte Unternehmen kompromittieren. Nach meiner Auswertung erreichten wir dieses Stadium, als Donald Trump gewählt wurde, obwohl die Auswirkungen dieses Ereignisses einige Zeit brauchten, um hervorzutreten. Jetzt müssen wir die schwierigen Entscheidungen treffen, was wir fallen lassen, um unser Schiff über Wasser zu halten. Die Antwort lautet: Nichts.

Vergleichen Sie diese verantwortungsvolle Haltung mit dem launischen Verhalten der jüdischen Führung im Palästina von 1947. Die Vereinten Nationen stimmten für einen Plan zur Teilung des Landes in einen jüdischen und einen arabischen Staat. Die Juden versuchten das gesamte Land westlich des Jordan für einen Staat zu bekommen, entsprechend der britischen Garantien nach dem Ersten Weltkrieg; der Teilungsplan „erkannte“ den Juden mehr als die Hälfte dieses Territoriums ab, aber die Führung der Juden in Palästina, die die politischen Grenzen kannten, denen sie sich gegenüber sagen, akzeptierte den Plan auf nichtsnutzige Weise. Sehen sie, wohin sie das gebracht hat! Alles, was sie heute kontrollieren, ist das Land westlich des Jordan bis auf unseren geteilten Rumpfstaat, dazu eine Wirtschaft und ein Militär, die die eines jeden Landes um sie herum in den Schatten stellen.

Wir, andererseits, prahlen mit einer endlosen Ansammlung an Flüchtlingslagern, Bantustans, außer Gefecht setzenden Clan-Konflikten und Hoffnung auf volle Unabhängigkeit, die mit jedem Tag unserer fortgesetzten Unnachgiebigkeit schwächer wird. Wir stehen vor einer harten Wahl. Aber wählen werden wir: die Nichtbeachtung!