Die negativen Interaktionen von Soros mit der jüdischen Welt

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Aus jüdischer und israelischer Perspektive gibt es zwei bedeutende Themen, die man sich ansehen sollte, wenn man die Aktivitäten des amerikanisch-jüdischen Milliardärs George Soros analysiert. Das erste sind seine größtenteils schädigenden Äußerungen und Taten gegen Juden und Israels. Das zweite sind antisemitische Attacken auf Soros.

Darüber hinaus gibt es eine wichtige allgemeine Diskussion zu Soros‘ weltweiten Aktivitäten. Viele davon haben keinen besonderen Einfluss auf Jüdisches und es gibt für Juden keinen Grund als Juden in diese Diskussion einzugreifen. Es ist nicht unsere Aufgabe Soros hauptsächlich als großen Philanthropen oder den König der Spekulanten zu bezeichnen.

Soros fördert Lügen über Antisemitismus. Bei einem seltenen Treffen in einer jüdischen Umgebung sprach Soros 2003 vor der Jewish Founders Network Conference in New York. Er wurde nach Antisemitismus in Europa gefragt. Soros sagte, europäischer Antisemitismus sei das Ergebnis der Politik Israels und der Vereinigten Staaten. Er fügte hinzu: „Es gibt ein Wideraufleben und die Regierung Sharon trägt dazu bei.“[1]

Soros merkte auch an: „Das ist nicht konkret antisemitisch, sondern es offenbart sich auch in Antisemitismus. Ich kritisiere diese Politik…“[2] Er machte für das „Wiederaufkommen von Antisemitismus in Europa“ Israel verantwortlich und bestand darauf: „Wenn wir diese Richtung ändern, dann wird auch der Antisemitismus abnehmen.“[3]

Es war offenbar niemand anwesend, der ihn für seine extreme und falsche Beschuldigung des Opfers zur Rede stellte. Soros ignorierte die Grundzüge der extrem antisemitischen Verhältnisse Europas, die seit mehr als 1.500 Jahren existieren.

Soros fügte als typischer jüdischer Masochist hinzu, dass auch er einige Verantwortung für den neuen Antisemitismus trägt; dazu zitierte er Malaysias Premierminister Mahathir Bin Mohamad, der sagte: „Juden beherrschen die Welt über Stellvertreter.“ Soros reagierte: „Als unbeabsichtigte Folge meines Handelns trage auch ich zu diesem Image bei.“[4]

Abraham Foxman, damals nationaler Direktor der Anti-Defamation League (ADL) bezeichnete Soros‘ Kommentare zum Antisemitismus hinterher als „absolut obszön“.[5] Foxman sagte, die Opfer für alle Missstände Israels und des jüdischen Volkes verantwortlich zu machen, sei bigott und voreingenommen.

Damals reagierte Malcolm Hoenlein, Executive Vice Chairman der Conference of Major Jewish Organizations: „Antisemiten brauchen keine Ausreden. Wenn das Zitat stimmt, dann spiegelt es ein fundamentales Missverständnis von Antisemitismus. Es ist lächerlich und inakzeptabel zu sagen, dass Angriffe auf Juden mit Bushs oder Sharons Politik in Zusammenhang stehen, während man den wahren Grund ignoriert: eine tief sitzende Abneigung gegen Juden in der arabischen Welt und die gelegentliche Gleichgültigkeit seitens der europäischen Regierungen. Der Antisemitismus erreichte in Europa während der Regierung Barak, während der Verhandlungen von Camp David 2 und von Taba einen Höchststand.“[6]

Man könnte das zusammenfassen, indem man sagt, dass Soros‘ Worte zu Antisemitismus ein typisches Beispiel für eine seiner Eigenschaften war. Er hat ein großes Maul zu Themen, von denen er wenig bis nichts versteht.

Die Stiftungen von Soros finanzieren eine Vielzahl von Gremien. Darunter befinden sich auch viele jüdische und antiisraelische Organisationen. NGO-Monitor hat einen Bericht über diese Spenden geschrieben.[7] Sie variieren stark. Zum Beispiel erhielt das Simon Wiesenthal Center nach Angaben dieses Textes $450[8] und die antiisraelische Human Rights Watch erhielt einhundertmillionen Dollar.[9]

Ein allgemeines Thema, zu dem Soros von vielen heftig kritisiert wird, ist das Eingreifen in die internationalen Angelegenheiten vieler Länder. Das erklärte Ziel von Soros‘ Open Society Foundation (OSF) besteht darin „daran zu arbeiten lebendige und tolerante Demokratien aufzubauen, deren Regierungen verantwortlich und für die Partizipation aller Menschen sind.“[10] Das ergibt die oft einmischenden Aktivitäten der OSF sowohl in geschlossenen wie auch in demokratischen Gesellschaften. Dazu gehört die groß angelegte Finanzierung politischer NGOs.[11]

Die OSF bewilligt politischen NGOs über ihre Abteilung „Arabisches Regionalbüro (ARO) – Palästinensische Bürger Israels“ in Israel Geld. Die von Ammar Abu Zayyad geführte ARO ist eine von einer ganzen Reihe Finanzierungsmechanismen für israelische und palästinensische NGOs im Netzwerk der OSF.[12]

Außerhalb Israels ist Soros ebenfalls in Aktivitäten involviert, die Organisationen helfen, die gründlich von Antisemitismus durchsetzt sind. Caroline Glick behauptete 2016 in der Jerusalem Post, dass Black Lives Matter „im Verlauf des letzten Jahres $650.000 von durch Soros kontrollierte Gruppen erhielt“.[13]

Der republikanische US-Senator Tom Cotton beschuldigte das Quincy Institute for Responsible Statecraft, einen neuen, von den Milliardären George Soros und Charles Koch finanzierten Thinktank, Antisemitismus zu nähren.[14] Details lieferte er keine.

Die Attacken auf Soros‘ Aktivitäten zu vielen anderen Themen gehen weit über das hinaus, was hier gesagt worden ist. Die OSF machte am Schwarzen Mittwoch 1992 mehr als £1 Milliarde mit einer Wette gegen das britische Pfund. Diese spekulative Handlung zwang die britische Regierung sich aus dem europäischen Wechselkursmechanismus (ERM) zurückzuziehen.[15] Ein weiteres Beispiel einer höchst problematischen Aktivität war die Finanzierung einer Pro-EU-Gruppe, um zu helfen das Ergebnis der Brexit-Abstimmung rückgängig zu machen.[16] Ihr wurden mehr als £400.000 gegeben.[17]

Sein sehr anderer Fall ist, dass Soros oft beschuldigt wird den erfolgreichen Wahlkampf einer Vielzahl radikaler Kandidaten zu Bezirksstaatsanwälten in den USA zu finanzieren.[18]

Es gibt jedoch ein weiteres Thema, das die jüdische Welt nicht ignorieren kann. Viele Artikel zu Soros greifen ihn als Juden an. Der spanischsprachige Radio- und Fernsehsender Martí, der USA-freundliche Inhalte nach Kuba ausstrahlt, brachte einen Bericht, der Soros als „Multimilliardärs-Juden“ mit „flexibler Moral“ bezeichnete, der „der Architekt des Finanzkollaps von 2008“ war.[19]

In Europa ist der Versuch ihn zu dämonisieren von Nationalistenführern wie Premierminister Viktor Orbán in Ungarn[20] und Politikern in ehemals kommunistischen Ländern wie Mazedonien, Albanien und Russland sowohl geschürt wie gezügelt worden.[21]

„Antisemitismus funktioniert durch Umkehrung. Er funktioniert durch Lüge. Er funktioniert durch Verschmelzung“, sagt Ruth Wisse, eine emeritierte Professorin für jiddische Literatur an der Harvard University und konservative Autorin. „Und es ist sehr schwierig einige der Fäden auseinanderzupuhlen. Das ist eine der schwierigsten Situationen, in der man sich befinden kann: Wenn du einen jüdischen Judenfeind hast, der von Antisemiten attackiert wird.“[22]

Für Juden erfordern die Probleme, die rund um diese Attacken auftauchen, Feinschliff. Eine Person, die darüber in Schwierigkeiten geriet, war der israelische Botschafter in Budapest, Yossi Amrani, der eine ungarische Plakatkampagne gegen Soros verurteilte. Er sagte, diese ermutige Antisemitismus.[23]

Am nächsten Tag gab das israelische Außenministerium eine Erklärung aus, die höchst negativ über Soros war, aber nicht explizit sagte, dass sein Botschafter falsch gelegen habe.[24] Das war eine Übung in Verbalakrobatik.

Die Äußerung des Ministeriums besagte, dass Soros ein legitimes Ziel für Kritik sei und dass der Botschafter die Kampagne nur verurteilen wollte, soweit sie als antisemitische Stimmung schürend betrachtet werden könnte. Die Erklärung kritisiert dann Soros scharf als antiisraelisch; sie besagt: „Auf keine Weise sollte die Erklärung George Soros delegitimieren, der ständig Israels demokratisch gewählte Regierung durch die Finanzierung von Organisationen untergräbt, die den jüdischen Staat diffamieren und anstreben sein Recht auf Selbstverteidigung zu bestreiten.“[25]

Diese Erklärung charakterisiert in wenigen Worten Soros‘ Aktivitäten sehr gut. Man kann das erforderliche jüdische Handeln zusammenfassen, indem man sagt, es bedeutet, dass Juden diesen vielen negativen Einflüssen betreffs Israels, dummen Bemerkungen zu Antisemitismus und so weiter entgegentreten müssen.

[1] http://www.urielheilman.com/soros.html; https://en.globes.co.il/en/article-739696

[2] www.jta.org/2003/11/10/archive/in-rare-jewish-appearance-george-soros-says-jews-and-israel-cause-anti-semitism

[3] ebenda

[4] ebenda

[5] ebenda

[6] https://en.globes.co.il/en/article-739696

[7] https://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/170654; https://www.ngo-monitor.org/funder/open_society_institute_osi_/

[8] NGO-Monitor. Bad Investment: The Philanthropy of George Soros and the Arab Israeli Conflict. How Soros-funded Groups Increase Tensions in a Troubled Region. May 2013.

[9] https://www.hrw.org/news/2010/09/07/george-soros-give-100-million-human-rights-watch

[10] http://www.opensocietyfoundations.org/who-we-are

[11] https://www.ngo-monitor.org/funder/open_society_institute_osi_/

[12] http://www.ngo-monitor.org/soros.pdf

[13] www.jpost.com/opinion/our-world-soross-campaign-of-global-chaos-464770

[14] www.jta.org/2020/01/08/politics/sen-tom-cotton-accuses-soros-funded-think-tank-of-fostering-anti-semitism

[15] https://www.thebalance.com/black-wednesday-george-soros-bet-against-britain-1978944

[16] https://uk.reuters.com/article/uk-britain-eu-soros/soros-backed-anti-brexit-group-targets-lawmakers-in-push-for-new-referendum-idUKKCN1J32W6

[17] www.theguardian.com/politics/2018/feb/07/billionaire-george-soros-backs-campaign-to-reverse-brexit

[18] https://www.washingtontimes.com/news/2020/aug/20/george-soros-funded-das-oversee-big-cities-skyrock/

[19] https://www.nytimes.com/2018/10/31/us/politics/george-soros-bombs-trump.html

[20] https://www.tabletmag.com/jewish-news-and-politics/274870/the-truth-about-george-soros

[21] ebenda

[22] https://www.jta.org/2020/09/08/united-states/george-soros-is-a-leading-target-of-anti-semitism-these-jews-openly-criticize-him-anyway

[23] www.dw.com/en/israel-shifts-stance-on-hungarys-soros-criticism-ahead-of-visit/a-39633266

[24] ebenda

[25] ebenda