Trumps bemerkenswertes Nahost-Vermächtnis

Michael Freund, Jerusalem Post, 26. November 2020

Im Verlauf der nächsten Wochen werden US-Gerichte sich in der wenig beneidenswerten Position befinden Anfechtungsklagen wegen der Integrität des Präsidentschafts-Wahlprozesses entscheiden zu müssen, eine Sache, die voller immenser politischer und bürgerlicher Kontroversen steckt.

Vorwürfe weit verbreiteten Wahlbetrugs werden auf die Probe gestellt, während Präsident Donald J. Trump und der ehemalige Vizepräsident Joseph Biden wie auch der Rest des Landes versuchen dem Ausgang der Abstimmung Endgültigkeit zu verschaffen.

Ungeachtet des Ausgangs scheint es die passende Zeit zu sein auf das zurückzublicken, was die Administration Trump im Nahen Osten im Verlauf der letzten vier Jahre erreicht hat. Einfach ausgedrückt ist es nichts weniger als außergewöhnlich.

Stellen Sie einen Moment alles beiseite, was Sie zu Trump persönlich fühlen mögen und stecken Sie diese Emotionen in die Warteschleife. Jeder, der die Beziehungen zwischen den USA und Israel wertschätzt, den jüdischen Staat unterstützt und liebt, kann nicht bestreiten, dass das Team Trump mehr dafür getan hat, als jede vorherige Administration je unternahm, um Israel und seine Zukunft zu stärken.

Die Liste des Erreichten ist lang; sie reicht von Symbolischem bis zum Substanziellem und Juden überall schulden Trump für seine historischen Umgestaltung der Region enormen Dank.

Zum ersten ist der Nahe Osten ein weit sicherer Ort als er es vor nur vier Jahren war, als Barack Obama im Weißen Haus residierte. Tatsächlich hinterließ Obama Trump eine Region, die von zunehmendem islamisch- fundamentalistischem Extremismus überflutet war, wobei der Islamische Staat große Landstriche in Syrien und dem Iran kontrollierte, die etwa die gleiche Fläche haben wie Großbritannien.

Wie versprochen, hatte Trump Erfolg bei der Zerstörung des Möchtegern-Kalifats, der Unterdrückung des bösartigen Regimes, das für die Enthauptung von Amerikanern, das Abschlachten von Jesiden und dem Begehen beispielloser Gräueltaten verantwortlich war.

Dann schickte der Präsident am 26. Oktober 2019 US-Sondereinsatzkräfte in die syrische Provinz Idlib, wo sie den Führer des Islamischen Staates, Abu Bakr al-Baghdadi aufspürten, der bei dem Überfall starb. Die Gruppe ist seitdem nicht mehr dieselbe gewesen.

Gleichermaßen genoss der Iran, als Obama Trump die Schlüssel übergab, den Geldregen des zweifelhaften Atomdeals, den er mit Washington erzielt hatte. Aber Trump hatte den Mut sich aus der Vereinbarung zurückzuziehen und umfangreiche sowie schmerzhafte Sanktionen gegen die Ayatollahs zu verhängen, die die Tyrannen Teherans ins Wanken brachten.

Und am 3. Januar diesen Jahres befahl Trump einen Luftangriff auf einen Fahrzeug-Konvoi am internationalen Flughafen von Bagdad, bei dem Qasem Soleimani, der führende Kopf der Quds-Streitkräfte der Islamischen Revolutionsgarden und einer der gefährlichsten Männer im Nahen Osten, ums Leben kam.

Soleimanis Hände waren in Blut getränkt und er trug die Verantwortung für ein breites Spektrum an Terroraktivitäten, die Angriffen auf US-Truppen im Irak mit Bomben am Straßenrand bis zur Versorgung der Hisbollah mit Waffen und Ausbildung reichen. Gott allein weiß, welche weiteren Schrecken er noch geplant haben mochte.

Heute können weder er noch Baghdadi jemals wieder Chaos anrichten.

Aber Trump hat weit mehr getan, als nur die Bösen zu bekämpfen. Er hat auch den Friedenskreis zwischen Juden und Arabern auf eine Weise erweitert, die früher nicht vorstellbar gewesen ist.

Im Verlauf von nur fünf Wochen leitete Trump die Unterzeichnung historischer Friedensabkommen zwischen Israel, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain am 15. September sowie die Normalisierung der Beziehungen zwischen dem jüdischen Staat und dem Sudan, der am 23. Oktober verkündet wurde.

Allein dafür verdient er den Friedensnobelpreis.

Mit dem Rauswurf des alten Narrativs, gemäß dem arabisch-israelischer Frieden über die Lösung des palästinensischen Konflikt erreicht wird, half Trump das Schicksal von Millionen neu zu schreiben. Und nach allen Anzeichen gibt es weitere arabische Staaten, die der Anerkennung Israels ebenfalls näher rücken.

Mit der Veränderung des Friedensparadigmas hat Trump den jüdischen Staat unermesslich gestärkt, seine Legitimität und rechtmäßigen Platz in der Region weiter aufgewertet.

Sein vielleicht bewegendster und symbolischster Schritt war die Entscheidung Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen und dann im Mai 2018 die US-Botschaft in die heilige Stadt zu verlegen, Schritte, für die keiner seiner Vorgänger den Mumm hatte und die den Weg bereiteten, damit andere Länder nachzogen.

Dann unterschrieb Trump am 25. März 2019 eine Präsidentenankündigung, mit der die Golanhöhen von den USA offiziell als Teil Israels anerkannt wurden. Das half Israels Nordgrenze zu Syrien zu festigen, was den expansionistischen Zielen des Regimes Assad eine riesige Beule verschaffte.

In Bezug auf Judäa und Samaria war die Änderung in der Politik weniger dramatisch. Im November 2019 verschoben die USA ihre offizielle Haltung bezüglich der jüdischen Gemeinden in Israels historischem Kernland und erklärten, dass sie das Völkerrecht nicht verletzen. Und Trumps Plan für den Frieden im Nahen Osten sollte Israel in die Lage versetzen Souveränität über 30% von Judäa und Samaria zu erklären, was fast alle Siedlungen einschließt.

Tatsächlich hob Washington erst im letzten Monat Einschränkungen auf, mit denen amerikanisches Geld für wissenschaftliche und landwirtschaftliche Projekte in Judäa und Samaria zur Verfügung gestellt wird; damit wurden Jahrzehnte der Diskriminierung beendet. Und letzte Woche wurde Mike Pompeo bei einem Besuch in Israel der erste US-Außenminister, der eine jüdische Gemeinde in Judäa und Samaria besuchte. Er versetzte auch der Bewegung Boykott, De-Investitionen und Sanktionen (BDS) einen Schlag, indem er sie als „antisemitisch“ kennzeichnete und erklärte, dass das Außenministerium seine Hilfsprogramme überprüfen werde, um sicherzustellen, dass keine Gelder in den Kassen von BDS-Anhängern landen.

Allerdings erwies sich nicht jeder von der Administration unternommene Schritt als effektiv oder auch weise. Fragen Sie einfach Amerikas langjährige kurdische Verbündete in Syrien, die letztes Jahr kurzerhand im Stich gelassen wurden. Die Iraner haben weiter Uran gehortet und angereichert und eine zunehmend aggressive Türkei hat in der gesamten Region Unheil angerichtet. Und die Friedensvision Trumps beinhaltet die Möglichkeit einen Palästinenserstaat zu gründen, was ein instabiles und feindliches Gebilde direkt neben Israel schaffen würde.

Dennoch, nimmt man alles zusammen, dann hat die Administration Trump den Nahen Osten eindeutig verändert, Amerikas nationale Sicherheitsinteressen und dabei auch Israels Position gestärkt.

Es gibt natürlich viele weitere Beispiele des tiefen und bleibenden Eindrucks, den Trump in der Region hinterlassen hat, vom Entzug der Finanzierung der UNRWA, die der Verewigung der palästinensischen Flüchtlingsfrage diente, bis dazu der erste amtierende US-Präsident zu sein, der die Westmauer besuchte. Und er hat immer noch Zeit Israelis Souveränität über Judäa und Samaria formell anzuerkennen, was eine richtige Wende wäre.

Aber unabhängig davon, ob seine Amtszeit als Präsident im Januar 2021 endet oder nicht, hat Trump die Gleichung im Nahen Osten tiefgreifend verändert.

Ob Sie ihn nun lieben oder hassen, es lohnt sich den Mann über seine Bilanz zu beurteilen, schon allein deshalb, weil sein Job als Präsident darin besteht Oberkommandierender zu sein und nicht Chef-Kumpel.

Und um Ronald Reagans berühmte Frage aus seiner Präsidentendebatte mit Jimmy Carter von 1980 umzuformulieren: Sind Israel und die Region besser dran als sie es vor vier Jahren waren? Die Antwort lautet eindeutig und überwältigend: Ja.