Dieser tollkühne Mann in seiner fliegenden Kiste

Smoky Simon steigt zu seinem 100. Geburtstag in den Himmel auf

David E. Kaplan, Lay of the Land, 3. Dezember 2020

„Beglückend“ – so beschrieb Smoky Simon in einem Wort seinen Flug im Alter von 100 Jahren in einem kleinen Flugzeug über dem zentralen Negev nahe Beer Sheva. In einem lokalen Video des historischen Fluges, das auf YouTube viral ging, wurde dieser als „Flug des Jahrhunderts“ bezeichnet. Die meisten Typen – in jedem Alter – würden sich mit einem Stück Geburtstagskuchen zufrieden geben oder in fortgeschrittenem Alter mit einem „medizinischen“ Scotch. Nicht so Smoky, der im Mai 2020 100 wurde; er stieg im September in ein einmotoriges Tiger Moth-Propellerflugzeug und flog über genau die Gegend, in der er und seine Kameraden 1948 halfen die in ihrem Angriff vorrückenden Ägypter abzuwehren.

Nach dem Himmel greifen – Smoky im Alter von 100 im September 2020 bei seinem Flug.

Es war eine richtige „Familiensache“, denn in eigenen Flugzeugen an der Seite der Maschine ihres Vaters waren seine zwei Söhne Saul und Dan, die nach der Schule dem „Flugweg“ ihres Vaters folgten und Top-Piloten und Fluglehrer in der israelischen Luftwaffe wurden. Was für eine Freude für das Geburtstagskind, als er eine Stunde später aus dem Flugzeug stieg, um von seinen bewundernden Enkelkindern empfangen zu werden, die stolz „Saba, Saba“ (Großvater) riefen.

Auch wenn das Erlebnis sich „befreiend“ anfühlte, sollte Smoky später sagen: „Weißt du, das Gebiet, über das ich gerade flog – der zentrale Negev – war der allererste Bereich, der im Unabhängigkeitskrieg BEFREIT wurde“.

Hoch fliegend: Smoky und Myra Simon (sitzend) mit ihren Söhnen Saul (2. von links) und Dan (rechts) nach dem „Flug des Jahrhunderts“.

Bei einem Exklusivinterview mit Lay of the Land hatte Smoky zu diesem Erlebnis und den waghalsigen Tagen während Israels Unabhängigkeitskriegs viele weitere Worte über „beglückend“ hinaus zu sagen.

Der Unabhängigkeitskrieg war nicht nur Israels längster Krieg – er dauerte acht Monate, vom Mai 1948 bis Januar 1949 – „er war auch mit 6.373 militärischen und zivilen verlorenen Leben einer Bevölkerung von 650.000 der mit den höchsten Kosten“, sagt Smoky. „Und außerdem war er Israels schicksalhaftester Krieg, denn wenn dieser Krieg verloren gegangen wäre, hätten sich die Gebete, Hoffnungen und Träume von 2.000 Jahren in Luft aufgelöst.“

Um sicherzustellen, dass das nicht passiert, brauchte es Typen wie diesen beherzten südafrikanischen Flieger, der 1948 in die Luft aufstieg, um für das jüdische Überleben und die Unabhängigkeit zu kämpfen.

Ruf zu den Waffen

Es gibt nicht allzu viele Paare, die sagen können, sie hätten sich für ihre Flitterwochen einen Krieg ausgesucht, aber das ist genau das, was Smoky und seine junge Braut Myra 1948 machten. „Als die South African Zionist Federation begann ehemalige Soldaten des Zweiten Weltkriegs zu rekrutieren und klar wurde, dass es bald Krieg geben würde, verlegten wir unsere Hochzeit vor. Warum? Nun, als ich Myra sagte: ‚Wir müssen unsere Hochzeit verschieben, weil ich nach Palästina gehe‘, antwortete sie: ‚Nicht verschieben, sondern vorverlegen. WENN DU GEHST, GEHE ICH MIT!“

Insgeheim die Rettung Israels planen: Harold „Smoky“ Simon (2. v.l.) geht mit dem damaligen israelischen Luftwaffenkommandeur Aharon Remez (links) und zwei nicht identifizierten Soldaten während des Unabhängigkeitskriegs Pläne durch. (Foto: zur Verfügung gestellt)

So waren Smoky und Myra Teil der ersten Gruppe Freiwilliger aus Südafrika. „Wir kamen am 9. Mai 1948 an und am nächsten Tag wurden wir in den Dienst der neugeborenen israelischen Luftwaffe genommen, obwohl wir an diesem Tag noch nicht wussten, dass es Israel war – wir sprachen von Palästina.“ Während Myra in im Zweiten Weltkrieg als Meteorologin in der südafrikanischen Luftwaffe diente und die erste Ausbilderin für Meteorologie in der IAF wurde, war Smoky, der für die Royal Air Force über den Wüsten des westlichen Ägyptens, Libyens und Tunesiens und später über Sizilien und dem Rest Italiens geflogen war, dabei wieder „in die Geschichte abzuheben“.

Am 14. Mai 1948, während David Ben-Gurion in Tel Aviv den Staat Israel ausrief, war Smoky einer der ersten drei Menschen, die eine klare, beunruhigende Sicht auf das hatte, was dem neuen Staat widerfahren sollte. Die anderen beiden waren der Südafrikaner Boris Senior und der israelische Fotograf Schmulik Videlis, die in einer Bonanza den ersten Aufklärungsflug über Feindterritorium flogen. Boris war der Pilot, Smoky der Navigator.

Sie beobachteten schweren Herzens, dass die Straßen aus Transjordanien und Syrien mit hunderten Fahrzeugen, Panzern, Tanklastwagen, Halbkettenfahrzeugen und gepanzerten Fahrzeugen gesäumt waren, die „alle zum entscheidenden Schlag ausholten“.

Sie konnten sehen, dass Kfar Etzion „bereits überrannt war und in Brand stand“ und sollten bald erfahren, dass rund 200 Mitglieder des Kfar Etzion bei seiner Verteidigung getötet worden waren, darunter Südafrikaner.

Bei der Rückkehr nach Tel Aviv zur Einsatz-Nachbesprechung konnten sie ihre Beklemmung kaum verbergen.

„Wir wissen Bescheid“, sagte Yigal Ydin, der Einsatzchef.

Was Smoky nicht wusste, aber bei der Landung entdeckte, war, dass Ben-Gurion den Staat Israel ausgerufen hatte.

„Ich sage immer, dass ich, als ich zu dieser Aufklärungsmission abhob, das von Tel Aviv in Palästina machte und bei der Landung war derselbe Ort Tel Aviv in Israel!“

Die jüdische Welt von Smoky hatte sich für immer verändert.

„Tiger Moth“ zum „Ausrechnen“

Die von allen empfundene Beklemmung war nur natürlich. „Alles, was wir hatten, waren ein paar Tiger Moths, Cessnas und Austers. Diese bildeten unser „Bomberkommando“. Ägypten hatte 62 Frontflugzeuge, darunter britische Spitfire und italienische Macchis und wir waren wir, völlig ungeschützt ohne ein einziges Kampfflugzeug oder Flak-Geschütz. Ich erinnerte mich daran – und dachte daran, als ich zu meinem 100. Geburtstag wieder in der Tiger Moth flog – dass wir in einem echten, lebendigen Wunder leben.“

Die Führer der jüdischen Gemeinschaft in Palästina damals waren sich bewusst, dass das Ergebnis der Ausrufung des Staates Israel eine sofortige Invasion durch die umliegenden arabischen Staaten sein würde.

Und die Warnung in den Worten von US-Verteidigungsminister James Forrestal war deutlich:

„Auf der einen Seite gibt es 30 Millionen Araber und auf der anderen etwa 600.000 Juden. Es ist klar, dass in jedem Wettbewerb die Araber die Juden überwältigen werden. Warum stellt ihr euch nicht der Wirklichkeit? Seht euch einfach die Zahlen an!“

Kein Jude konnte irgendetwas (Positives) erwarten. Diese Worte des ersten Generalsekretärs der Arabischen Liga, Abd al-Rahman Azzam Pascha, waren schaurig:

„Es wird ein Vernichtungskrieg sein. Es wird ein folgenschweres Massaker in der Geschichte sein, von dem man wie von den Massakern der Mongolen oder der Kreuzritter sprechen wird.“

Was ging Ben-Gurion durch den Kopf, dass er mit der Ausrufung weiter machte? „Wissen Sie“, sagt Smoky, „ich habe mich tausendmal gefragt, welche Art von Inspiration und Mut und Entschlossenheit er hatte. Die einzige Antwort, die mir einfällt, lautet: Ein Beira – ‚Keine Wahl‘.“

Israels Position war düster. Es war ein Szenario David gegen Goliath, mit dem die sprichwörtlichen Hirtenstab und Steinschleuder gegen gut ausgerüstete Armeen aufs Schlachtfeld gebracht wurden.

Die „reine“ Wahrheit: Smoky und Myra Simon zeigen am 24. September 2019 Smokys Nefesch B’Nefeschs Sylvan Adams Bonei Zion-Preis für seine Lebensleistung, den er für seine Schlüsselrolle bei der Gründung der israelischen Luftwaffe einnahm. (Quelle: Nefesch B’Nefesch via Facebook)

In unseren aus Südafrika mitgebrachten paar Auster-Flugzeugen und den wenigen Cessnas flogen wir mit einem Piloten, einem Navigator und was wir ‚Bombenschmeißer‘ nannten in die Schlacht.“ Diese Kameraden hatten die Bomben – 20 und 50kg schwer – auf ihrem Schoß und in einer Höhe von 1.500 bis 2.000 Fuß (300 bis 600 Meter) warfen sie die raus und ließen sie auf den Feind fallen. Wir flogen dann zurück zur Basis, dankten unserem Glück, „luden nach“ und dann ging es auf in die nächste Runde.“

Zweifelnd fragte ich: „War das nicht sehr gefährlich?“

„Nun, bevor wir die Tür des Flugzeugs öffneten und die Bomben rauswarfen, sicherten wir die Bombenschmeißer mit Seilen, damit sie nicht zusammen mit den Bomben aus dem Flugzeug fielen. Manchmal warfen wir als Zugabe auch ein paar Kisten leere Flaschen raus, die ein furchtbares Geräusch machten, das die Leute unten zu Tode erschreckte. Wenn wir nichts Gutes hatten, dann taten wir zumindest so als ob!

So hat sich die israelische Luftwaffe auf diese bescheidene Weise in diese erstaunliche Weltklasse-Luftwaffe von heute verwandelt.“

Ein Offizier und Gentleman

„Bescheiden“ war sie, wie Smoky mit dieser köstlichen Anekdote bestätigt. Als er mit dem Rang eines Majors oder dem Äquivalent des „Staffelführers“ 1948 zum Einsatzleiter der Luftwaffe gemacht wurde, musste er diesen neuen Rang optisch zeigen, „aber wir hatten nichts, um das zu tun. Was machten wir also? Myra ging in einen Kurzwarenladen auf der Allenby Street, kaufte ein paar Bänder und nähte sie an meine Uniform.“

Steht bequem. Ein entspannter Luftkampf-Einsatzlieter Smoky Simon und Derek Bowden, Fallschirmjäger aus Großbritannien.

Frotzelnd, um die Spannung herauszunehmen, sagte Smoky am Abend vor seinem ersten Abflug zu einem Luftangriff auf Damaskus am 10. Juni 1948 – dem ersten Angriff auf eine arabische Feindstadt – zu Myra: „Wenn ich abgeschossen werde, dann wissen sie wenigstens, dass ich ‚ein Offizier und Gentleman‘ bin!“

Smokys Flugzeug machte in dieser Nacht sechs Überflüge über Damaskus, um den Eindruck zu schaffen, „dass wir Teil einer großen Formation waren“.

Obwohl der dadurch verursachte Schaden wahrscheinlich unwesentlich war – „ein paar Feuer“ – flohen am nächsten Tag „alle Ausländer aus Damaskus, weil sie Angst hatten, unsere ‚Luftwaffe‘ würde sie in Grund und Boden bomben.“

Ein Mann auf einer Mission: Major Smoky Simon in Uniform, erster Einsatzleiter der israelischen Luftwaffe.

Zeitalter der Wunder

Smoky erinnerte daran, dass in diesen frühen Tagen des Krieges Ägypten und Jordanien von den Briten ausgerüstet waren, Syrien und der Irak von den Franzosen, aber „Israel hatte nur einen Freund in der ganzen Welt und das war die Tschechoslowakei. Weißt du, wir waren diesem Land so viel schuldig. Es war Israels Rettungsleine und ich bin bis heute noch in Kontakt mit Leuten aus der Tschechoslowakei.“

„Wie maßgeblich war dieser Beitrag?“, frage ich.

„Erstens lieferten sie 25 deutsche Messerschmitts und was so bemerkenswert daran – ich bezeichne es als Wunder innerhalb des größeren Wunders – war, dass die ersten vier Messerschmitts, die zerlegt nach Israel gebracht und unter strengster Geheimhaltung wieder zusammengesetzt wurden, am 29. Mai bereit waren – zwei Wochen nach der Ausrufung des Staates – für eine Operation, die uns buchstäblich den Krieg und den Staat Israel rettete.“

Flug des Jahrhunderts: Smoky Simon feiert seinen 100. Geburtstag mit einer Rückkehr ins Cockpit einer Tiger Moth, 72 Jahre, nachdem er zu Einsatzleiter der IAF während Israels Unabhängigkeitskrieg ernannt wurde.

„Die Ägypter hatten die Kibbuzim im Süden überrannt und Aschdod erreicht. Am nächsten Tag würden sei in Tel Aviv sein, wo Ben-Gurion und die provisorische Regierung ihren Sitz hatten und der Unabhängigkeitskrieg wäre verloren gewesen.“

Wer flog also diese Flugzeuge, die sich den Ägyptern entgegenstellten?

„Zwei Mahalniks [Freiwillig aus dem Ausland], Lou Lenart, ein Amerikaner, der den Angriff anführte und Eddy Cohen, ein Südafrikaner, der leider bei der Operation getötet wurde, und zwei Israelis, Ezer Weitzman, später Präsident Israels, und Modi Alon. Und ich bezeichne diesen Tag als Israels Tag des Überlebens. Es war einer der größten Augenblicke der IAF.“

Der Angriff war für die ägyptischen Kommandeure ein Schock; sie hatten geglaubt, Israel habe keine Kampfflugzeuge und plötzlich stoppte dieser Angriff von vier Messerschmitts ihren Vormarsch. Smoky sagt: „Die Ägypter gingen in die Defensive und sollten nicht in 48 Stunden in Tel Aviv sein, wie ihre von der Regierung kontrollierten Medien geprahlt hatten. Tel Aviv entzog sich ihrem Zugriff! Ich denke immer an Churchills Worte zur Luftschlacht um England: „Niemals hatten so viele so wenigen so viel zu verdanken.“

Eine besondere Art. Bei Telfed’s Tribute to Machal in Beth Protea (Herzliya) wurden zwei der Gründer der israelischen Luftwaffe gesehen: Smoky Simon, stellvertretender Chef der Luftoperationen (links) und der verstorbene Sid Cohen, der die Staffel 101 kommandierte (rechts) sowie der verstorbene Maurice Ostroff (Mitte), Kommandeur der Radarstation Gefen. (Foto: D.E. Kaplan)

Zu diesen „wenigen“ gehört Smoky, heute Vorsitzender der World Machal (die Organisation, die die Freiwilligen aus dem Ausland in den israelischen Verteidigungskräften repräsentiert). Mit den Worten von Israels Gründervater und erstem Premierminister David Ben-Gurion:

„Die Machal-Streitkräfte waren der wichtigste Beitrag der Diaspora zum Überleben des Staates Israel.“

Zweiundsiebzig Jahre nach diesen schicksalsträchtigen Tagen war Smoky – im wunderbaren Alter von 100 Jahren – wieder im Cockpit, besuchte in einem ähnlichen Flugzeug ein mehr als vertrautes Terrain und dachte über das nach, „was erreicht wurde“.

Alle am Boden darunter können „mit ihren sprichwörtlichen Flügeln schlagen“ und „BRAVO“ rufen!

Familienwurzeln: Smoky und Myra Simon samt Großfamilie bei einer Einweihungsfeier der Wald-Wiederherstellung nahe des Denkmals für die gefallenen Machal-Soldaten.