Eine israelische Agentur für Gegenpropaganda versus private Anstrengungen Israel zu verteidigen

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Im Verlauf der Jahre ist eine Vielzahl an Freiwilligen-Organisationen entstanden, um Israel gegen die vielen verbalen Attacken zu verteidigen, die von der westlichen Welt ausgehen. Da die Kosten solcher Aktivitäten beträchtlich und die Mittelbeschaffung begrenzt sind, agiert jede von ihnen in einem konkreten, oft aber sehr eng begrenzten Bereich.

Ich werde oft gefragt, warum die Verknüpfung der Aktivitäten all dieser Organisationen kein würdiger Ersatz für die Gegenpropaganda-Agentur ist, die der israelische Staat schon vor langem hätte einrichten sollen. Eine zweite Frage, die solche Bemerkungen regelmäßig begleitet, lautet: „Warum kann eine Vielzahl reicher Juden nicht die Finanzierung privater einer proisraelischen Gegenpropaganda-Agentur übernehmen?“ Könnte ein solches Gremium nicht dieselbe Rolle ausfüllen wie eine Regierungsstelle?

Manchmal wird das von einer Anmerkung begleitet: „Israel sollte in der Tat seine Hasbara verbessern.“ Letzteres bedeutet so viel wie „öffentliche Diplomatie“, ein völlig anderer Begriff als Gegenpropaganda. Öffentliche Diplomatie kann Äußerungen wie diese enthalten: „Israel produziert die schönsten Tomate der Welt.“ Das lädt antiisraelische Hasser dazu ein zu sagen: „Ja, aber ihr tötet Palästinenser.“

Das Thema der Gegenpropaganda ist ein komplexes, von dem die Leute sehr wenig wissen. Die Antwort auf die zwei Fragen oben erfordert die detaillierte Erklärung einer Reihe von Schlüsselaspekten. Der vielleicht wichtigste ist, dass eine solche private Agentur eng mit dem Mossad, dem Inlandsgeheimdienst Schabak, dem Militärgeheimdienst Aman und dem Nationalen Cyber-Direktorat Israels zusammenarbeiten müsste. Bei allen handelt es sich um Dienststellen der Regierung, die keinem Nichtregierungs-Gremium Staatsgeheimnisse preisgeben dürfen.

Ich brachte die Idee einer Gegenpropaganda-Agentur erstmals in meinem Buch The War of a Million Cuts. The Struggle Against the Delegitimization of Israel and the Jews and the Growth of New Anti-Semitism auf, das 2015 veröffentlicht wurde.[1] Damals konsultierte ich eine Reihe Leute, die mit dem Bereich einigermaßen vertraut waren. Wir schätzten das Jahresbudget für eine ordentlich funktionierende staatliche Gegenpropaganda-Agentur auf etwa US$250 Millionen. Selbst für eine Reihe der größten pro-israelischen Spender zusammengenommen ist das eine sehr große Summe.

Dennoch gibt es weitere Aspekte, die eine staatliche Gegenpropaganda-Agentur von einer Ansammlung privater proisraelischer Gruppen unterscheidet. Die amerikanische Organisation CAMERA ist ein Beispiel für eine proisraelische Organisation, die sehr gute Arbeit darin leistet Medienverzerrungen in den USA und einigen anderen Ländern wie Großbritannien bloßzustellen. Einer ihrer Leiter verfolgt den Guardian und zeigt regelmäßig die vielen Abwegigkeiten zu Israel in dessen Artikeln. Sein Sprachgebrauch muss jedoch verhalten sein. Dasselbe gilt für HonestReporting, eine weitere wertvolle Organisation, die in diesem Bereich tätig ist.

Eine israelische Gegenpropaganda-Agentur würde auf ganz andere Weise agieren. Sie könnte mit der Erkenntnis beginnen, dass der Guardian eine extrem antiisraelische Zeitung ist. Sie kann als Teilzeitfeind des Landes betrachtet werden. Die Gegenpropaganda-Agentur würde keine Zeit damit verschwenden der Öffentlichkeit aufzuzeigen, was an den Artikeln im Guardian falsch ist, Lügen zu ermitteln oder Vorfälle festzuhalten, wo diese Zeitung extreme Israelfeinde mobilisiert, einschließlich Juden und Israelis, die Hass auf den Staat schüren, beispielsweise die israelische Organisation B’Tselem.

Stattdessen würden die Leiter der Agentur sich fragen: „Wie schaden wir diesem Feind so schnell wie möglich mit minimalem Aufwand?“ Der Urheber eines solchen Schadens könnte offen oder verborgen sein. Die Antwort auf diese Fragen ist nicht sehr schwierig, aber sie offenzulegen würde hier kontraproduktiv sein.

Denselben Einschränkungen, denen sich CAMERA und HonestReporting gegenüber sehen, begegnen auch andere verdienstvolle Organisationen, die Israel in einer Reihe von Bereichen verteidigen. Um nur zwei zu nennen: NGO Monitor und Palestinian Media Watch. Ihre Veröffentlichungen beinhalten extrem wertvolle Informationen für eine Gegenpropaganda-Agentur, sind aber kein Ersatz für ihre Aktivitäten. Die Agentur würde sich auf die antiisraelische Hetze insgesamt konzentrieren und sie betrachten. Die gesamten Publikationen der Israel verteidigenden Organisationen sind eine eher unorganisierte Masse. Die Agentur muss abdecken, was für Israel wichtig ist, eine Verteidigungsorganisation kann aussuchen, auf was sie reagiert.

Unter dem ehemaligen Minister Pompeo gab es vom US-Außenministerium einige frühe Anzeichen dafür, dass einige „Menschenrechts“-NGOs als gleichzeitig antisemitische Aktivitäten betreibend entlarvt werden würden. Humand Rights Watch, Amnesty International und Oxfam wurden ausdrücklich angeführt.[2] Man könnte diese Gruppen als „Gutmenschen-Antisemiten“ bezeichnen.[3] Bei NGO Monitor ist viel negative Information über ihre antiisraelischen Aktivitäten zu finden.

Leider gab es zu diesem Gutmenschen-Antisemitismus keine Folgemaßnahmen, wie man es sich erhofft hätte. Es hat sich aber das Fenster für diesen Missbrauch geöffnet. Das Konzept war einfach. Die Gutmenschen-Antisemiten nehmen eine bestimmte Anzahl an Menschenrechts-Positionen ein. Das schafft am Rande die Möglichkeit Israel mit widerlichen Kommentaren zu attackieren.

Ein interessantes Beispiel dafür brachte Hillel Neuer, der UN Watch in Genf leitet. Er veröffentlichte im Dezember 2019, dass Ken Roth, der Leiter von Human Rights Watch (HRW) im Verlauf eines Zeitraums von 18 Monaten mehr als 70% seiner Tweets dem Vorwurf illegaler Aktivitäten gegen Israel widmete. Im Gegensatz dazu widmete er von Januar 2017 bis Juni 2018 nur 1% seiner Tweets zum selben Thema dem Irak, Libyen, Russland, Syrien oder dem Jemen.[4]

Für eine gut finanzierte israelische Gegenpropaganda-Agentur wäre es nicht sonderlich schwierig weithin die Nachricht zu verbreiten, dass HRW eine zumindest zum Teil antisemitische Organisation ist, die von einem extrem antiisraelischen Hetzer geleitet wird. Ein paar Monate starker Anstrengung – was keine private Gruppe tun könnte – würden Roth höchstwahrscheinlich davon überzeugen, dass sein antiisraelisches Schüren von Hass für seine Organisation nicht gesund ist. Würde er das nicht begreifen, dann würden das einige seiner wichtigsten Spender tun – insbesondere, wenn sie als Financiers einer teilzeit-antisemitischen Gruppe geoutet würden.

Aus dem oben Beschriebenen sollte deutlich werden, dass die Einrichtung einer Gegenpropaganda-Agentur nur durch den Staat Israel erfolgen kann. Dem ist von Premierminister Benjamin Netanyahu seit Jahren Widerstand geleistet worden. Vielleicht könnte jemand seinen zukünftigen Nachfolger überzeugen diesen lange überfälligen Schritt zu unternehmen.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist der ehemalige Vorsitzende des Jerusalem Center for Public Affairs. Er war mehr als 30 Jahre lang strategischer Berater einiger weltweit führender westlicher Konzerne. Zu den Ehrungen, die er erhielt, ge hörte 2019 der International Lion of Juda Award des Canadian Institute for Jewish Research, mit dem er als führende internationale Autorität zu zeitgenössischem Antisemitismus anerkannt wurde. Sein wichtigstes Buch zu dem Thema ist The War of a Million Cuts The struggle against the delegitimization of Israel and the Jews and the growth of New anti-Semitism (von dem bereits einige Kapitel auf diesem Blog in Übersetzung zu lesen sind).

[1] https://jcpa.org/book/the-war-of-a-million-cuts-the-struggle-against-the-delegitimization-of-israel-and-the-jews-and-the-growth-of-new-anti-semitism/

[2] http://www.jta.org/2020/10/22/politics/report-state-department-planning-to-label-human-rights-groups-anti-semitic

[3] https://besacenter.org/perspectives-papers/us-exposes-do-gooder-antisemites/

[4] https://blogs.timesofisrael.com/obsessed-93-of-ken-roths-illegal-accusations-targeted-israel-last-month/