Israel fühlen: Helen Keller im Heiligen Land

„Ich kann euch nicht sehen, aber ich fühle euch und ich weiß, dass ihr glücklich seid, weil ihr in eurer Heimat seid, die wieder aufgebaut wird.“

Udi Edery, the Librarians, 24. Juni 2020

Helen Keller halt ein Neugeborenes; das Dorf der Blinden in Kfar Uriel. Foto: Beno Rothenberg, Meitar-Sammlung

Der Name Helen Keller ist heute weltweit wegen ihres persönlichen Kampfes als blinde und taube Frau bekannt. Sie wurde zur Sozialaktivistin, die für Bewusstsein für Menschen mit Behinderungen und ihre Integration in die Gesellschaft warb. Anfang der 1950er Jahre besuchte sie sogar als Teil ihrer Tour zugunsten der American Foundation for the Blind den jungen Staat Israel.

Helen Kellers Besuch in Israel im Mai 1952 hatte nicht nur den Zweck Politiker in der Knesste oder Premierminister David Ben-Gurion zuhause zu besuchen. Keller reiste durch das Land und traf Mitglieder ihrer Gemeinschaft in Israel „Ich kann euch nicht sehen, aber ich fühle euch“, vermittelte sie über eine Umarmung den Kindern des Kibbuz Degania, die sich um ihre Auto sammelten. „Ich weiß, dass ihr glückliclh seid, wie ihr in eurem Heimatland seid, das wieder aufgebaut wird.“

Helen Keller (links) bei einem Treffen mit Arbeitsministerin Golda Meir. Foto: David Eldan, GPO

Beim Besuch in Jerusalem war Keller beeindruckt von der Arbeit im Brandeis Center, wo sie Erklärungen zu neuen Methoden Blinde zu lehren erhielt. Sie besuchte auch die Hadassah-Krankenpflegeschule. Keller war so beeindruckt, dass sie erklärte: „Israel ist bezüglich der Bemühungen das Leiden der Unglücklichen weiter entwickelt als die Vereinigten Staaten.“

Am städtischen Institut für Blinde (Beit Hinuch Le’Ivrim) wurde ein berührender Augenblick festgehalten, als Helen Keller durch die Tür ging. „Am Eingang zum haus übergaben die Schüler des Instituts dutzende in Braille geschriebene Briefe und Frau Keller erhielt ihr Willkommen, als sie die Schüler begeistert umarmte und küsste.“ Auf der ihr zu Ehren veranstalteten Party konnte Helen Keller ihr Hochgefühl nicht verbergen: „Die engagierte Pflege und Arbeit, die geleistet wird, um den Blinden und Tauben in diesem Land zu helfen, ermutigen mich enorm in meiner Arbeit für diese Menschen.“

Helen Kellers Auto kommt in Kfar Uriel an. Foto: Beno Rothenberg, die Meitar-Sammlung

Ein besonders interessantes Treffen fand in Kfar Uriel statt, das als experimentelles Projekt mit dem Ziel gegründet wurde, blinde Immigranten in verschiedene Arbeitsplätze im nahe gelegenen Gedera zu integrieren. Helen Keller besuchte die Werkstatt des Dorfes, wo unter anderem auch Immigranten aus dem Jemen und ihre Familien arbeiteten; sie war extrem beeindruckt von dem, was ihr gezeigt wurde. Sie genoss es die blinden jemenitischen Immigranten zu treffen und mit ihnen zu sprechen und sie ermutigte sie. Im örtlichen Kindergarten grüßten Kinder sie mit traditionellen Liedern. Ein Reporter von Ma’ariv beschrieb die berührende Szene in Hebräisch: Die Hände der tauben Frau bewegen sich im Rhythmus mit der Melodie und man kann fast glauben, dass sie hören kann. Sie legt ihre Hand an den Hals eines Kindes und ‚hört‘ dem Lied zu. Das Kind gerät nicht in Panik. Ein Kleinkind übergibt ihr ein Bund Maßliebchen, erhält einen Kuss von der bejahrten Dame und errötet scheu.“

Helen Keller besucht Kfar Uriel. Foto: Beno Rothenberg, Meitar-Sammlung

Ein weiterer wichtiger Punkt auf Helen Kellers Reise war die Stadt Netanya, wo sie einen besonderen Besuch dort erledigte, was man heute als die Zentralbibliothek für Blinde und Lesebehinderte kennt. Nach all den Geschenken wandte sich Keller den Büchern zu, führte ihre Finger über die Braille-Schrift. Sie blätterte durch ein von Stefan Zweig geschriebenes Werk und als sei den Namen des Autors erfühlte, bemerkte sie: „Schade, dass sein Leben so tragisch endete.“

Eine interessante Begegnung fand während Kellers Unterhaltung mit dem Bürgermeister von Netanya statt, Oved Ben Ami. Keller drängte den Bürgermeister Blinde in Industrie-Betriebe einzustellen, um ihr Talent und ihre Präzision zu nutzen: „In den Vereinigten Staaten gibt es 257 Berufe, in denen die Blinden beschäftigt werden!“


Helen Keller erhält in Kfar Uriel von einem kleinen Mädchen  Blumen. Foto: Beno Rothenberg, Meitar-Sammlung

Helen Keller fasst ihren 15-tägigen Besuch im Heiligen Land mit inspirierenden und hoffnungsvollen Worten an die Bürger Israels zusammen: „Ich verlasse Israel stark beeindruckt von allem, das hier getan wird. Die aufblühenden Städte, Dörfer und Kibbuzim, die gebaut werden, die Industrie-Betriebe und die fröhlichen, gesunden Gesichter der Kinder und Jugendlichen – sie alle füllen mein Herz mit Vertrauen in Israels Perspektive für seine zukünftige Entwicklung.“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.