Wenn die Linksextreme die Bekämpfung von Antisemitismus mit progressiven Themen vermengt, sind Juden die Verlierer

Elder of Ziyon, 18. März 2021

Ein Haufen progressiver und antizionistischer Juden schrieb einen Brief an Präsident Biden, mit dem sie ihn drängten einen Antisemitismus-Bevollmächtigten zu ernennen, der die meisten Formen des Antisemitismus ignorieren wird. Ha’aretz befeuerte diese Dummheit noch.

Nehmen wir ihn auseinander:

Sehr geehrter Herr Präsident und Minister Blinken:

Als jüdische Führer schreiben wir Ihnen in einem Moment der Angst und Hoffnung. Wir sind tief besorgt wegen der antisemitischen Gewalt und Rhetorik, die wir weltweit in den letzten Jahren erlebt haben. Wir sind voller Hoffnung, weil Ihre Administration eine Gelegenheit hat einen neuen Ansatz als Reaktion auf die Dringlichkeit des zeitgenössischen Antisemitismus zu wählen.

Nein, ihre Äußerungen haben gezeigt, dass sie allen Antisemitismus vollkommen ignorieren, der von der Linken, von Schwarzen, von Palästinensern und Muslimen kommt. Was der meiste davon ist.

In diesem entscheidenden Moment denkt unsere Gesellschaft mit Jahrhunderten weißer Vormachtstellung und mit neuen, global vernetzten rechtsextremistischen Bewegungen – Probleme, denen wir uns nur stellen können, wenn wir die Rolle des Antisemitismus bei weißen Herrenmenschen- und ethnonationalistischen Ideologien begreifen. Wir fühlen uns verpflichtet unsere Stimmen zu erheben, weil wir unsere Kämpfe auch in der Frage in Gefahr sehen, wie die US-Regierung den Kampf gegen Antisemitismus in Amerika und rund um die Welt definieren und dabei vorgehen wird.

Niemand – und ich meine wirklich niemand – bagatellisiert die Bedrohung durch rechten Antisemitismus. Niemand unterstützt Nazis oder weiße Herrenmenschen. Niemand sagt, dass die USA nicht alles tun sollen, was sie können, um gewalttätige rechtsextreme Gruppen aufzulösen. Ihre Betonung des Antisemitismus von rechts, und nur von rechts, ist ihre Art die meisten Antisemiten zu schützen und zu rechtfertigen.

Antisemitismus ist eine Frage der Rassengerechtigkeit. Wir haben erlebt, wie antisemitische Verschwörungstheorien von Schwarzen geführte Gerechtigkeitsbewegungen untergraben: falsche und entmenschlichende Behauptungen, die jüdische Verantwortung für schwarze Brillanz postulieren und damit uns alle gefährden. Zu oft setzen genau die Leute, die diese judenfeindlichen Verschwörungstheorien einsetzen, dann Antisemitismus-Beschuldigungen als Waffe gegen Progressive ein, insbesondere schwarze und palästinensische Progressive, die die israelische Regierung kritisieren. Derweil werden farbige Juden und ihre Antisemitismus-Erfahrungen sowie Rassismus an den Schnittpunkten ignoriert. Wir müssen einen Bevollmächtigten haben, der begreift, wie Antisemitismus und weißes Herrenmenschentum einander verstärken.

Jeder weiß, dass rechtsextreme Irre auch schwarzenfeindlich sind. Aber Antisemitismus ist nicht auf sie beschränkt, wie diese Leute es behaupten.

Antisemitismus ist eine Sache wirtschaftlicher Gerechtigkeit. Die US-Wirtschaft befindet sich in einer Krise. Verschwörungstheorien, die für wirtschaftliches Leid jüdische Finanzkontrolle verantwortlich machen, werden genutzt, um die strukturellen Ungerechtigkeiten zu verdecken, die unsere Gesellschaft plagen. Um die wirtschaftliche Ungleichheit direkt anzugehen, brauchen wir eine Führung, die einen klaren Blick darauf hat, wie der Antisemitismus benutzt wird, um Juden zu Sündenböcken für das Versagen unseres Finanzsystems zu machen, unser Vertrauen in von der Regierung geleitete Lösungen zu schwächen und Bewegungen für den Aufbau einer wirtschaftlich gerechten Zukunft zu untergraben. Wir brauchen einen Bevollmächtigten, der bereit ist, als Teil des Kampfes für eine gerechtere, inklusive Wirtschaft dem Antisemitismus entgegenzutreten.

Antisemitismus ist eine Sache des Klimas und der Migration. Antisemitische Theorien stellen die von der Klima-Krise hervorgerufene Migration als jüdisches Komplott zur Ersetzung der weißen Rasse dar – eine Idee, die der Schütze, der 2018 in der Tree of Life-Synagoge 11 Juden beim Gebet tötete, zur Rechtfertigung seiner Gewalt nutzte. So, wie wir humanitäre und gerechte Antworten auf die Klimamigration vorbereiten, brauchen wir einen Bevollmächtigten, der die Bedrohung des Öko-Faschismus und die Rolle begreift, die der Antisemitismus oft in der ökofaschistischen Ideologie spielt.

Antisemitismus ist eine feministische Sache. Antisemitische Ideen sind fast immer mit vergifteten, hasserfüllten Ideen zu Geschlecht, Genus und Sexualität besetzt. Immer wieder haben wir Gewalt erlebt, die von Männern ausgeübt wurde, die zu Hass sowohl gegen Frauen als auch gegen Juden radikalisiert worden sind – aber die Verbindungen zwischen Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit werden unterbetont, zu unser aller Schaden.

Das ist mehr als absurd. Jetzt, wo sie auf schlechte Weise definiert haben, was Antisemitismus ist, versuchen sie selbst diese Gefahr zu bagatellisieren, indem sie Judenhass in „Kontext“ stellen. Das bedeutet, dass der Kampf gegen Antisemitismus unter allgemeine progressive Themen subsummiert wird, die, wie wir immer und immer wieder gesehen haben, immer eine höhere Priorität haben.

Wenn man den Antisemitismus als feministische und wirtschaftliche und Klima- und Migrationsfrage betrachtet, hat man keine Mittel mehr, um den tatsächlichen Judenhass zu bekämpfen. Antisemitismus nimmt gegenüber jeder anderen Frage einen hinteren Platz ein. Alles, was einem bleibt, sind Parolen, dass Nazis schlecht sind, was dann so ziemlich die Tiefe des gesamten Arguments darstellt.

Aus all diesen und vielen weiteren Gründen fordern wir, dass die Administration Biden einen Sonderbeauftragten zur Beobachtung und Bekämpfung des Antisemitismus auswählt, der sich verpflichtet den Kampf gegen Antisemitismus als Teil des Kampfes für eine gerechte, gemischtrassige Demokratie zu behandeln. Wir brauchen einen Beauftragten, der bereit ist sich dem Antisemitismus überall entgegenzustellen, wo er auftritt, über die flache Einordnung von „links und rechts“ hinausgeht und sowohl die unverhältnismäßige Bedrohung durch organisierten, gewalttätigen, weißen, nationalistischen Antisemitismus, als auch die Komplexitäten des Antisemitismus über die Gemeinschaften versteht.

Dieser Brief erwähnt rechtsextremen Antisemitismus sechsmal und jeder andere wird ignoriert. Wer sind also die, die das Thema in einen flachen Rahmen von „links und rechts“ setzt?

Antisemitismus ist überall zu finden. Die Geschichte hindurch verbinden Antisemiten aller Überzeugungen, Farben und politischen Identitäten Juden mit dem, was sie am meisten hassen. Das ist der Grund dafür, dass rechtsextreme Antisemiten Juden als „Kommunisten“ bezeichnen, während linksextreme Antisemiten Juden Rassisten, Kolonialisten und Kindermörder nennen; schwarze Antisemiten werden sagen, Juden würden versuchen ihr Leben zu kontrollieren, indem sie ihre Lebensgrundlage kontrollieren; muslimische Antisemiten werden sagen, Juden seien Feiglinge und Feinde Mohammeds; christliche Antisemiten werden Juden als Christusmörder bezeichnen; Anhänger der schwarzen Nation of Islam werden Juden als Sklavenhalter bezeichnen. Wenn es einen Hass gibt, der die Welt eint, dann ist es Judenhass.

Je mehr man über Antisemitismus weiß, desto mehr erkennt man, dass die Leute, die diesen Brief unterschrieben, nicht die geringste Ahnung von Antisemitismus haben.

Viel zu lange ist der Antisemitismus als Rechtfertigung für islamophobe Politik genutzt worden und um Vertreter von Palästinenserrechten anzugreifen, hier in den USA und rund um die Welt. Wir brauchen einen neuen Ansatz, ausgeführt von einem Beauftragten, der die Integrität hat Brücken zwischen Gemeinschaften und Bewegungen zu bauen.

Die völlige Unfähigkeit dieser Juden die Existenz arabischen Antisemitismus auch nur einzugestehen – nachdem Juden aus allen arabischen Ländern ethnisch gesäubert wurden – zeigt Ihnen, dass sie nicht wirklich gegen Antisemitismus sind.

Jegliche Form von Antisemitismus zu bestreiten, heißt ihn zu billigen.

Ein weiterer Punkt: Während jede andere Art von Bigotterie von den Linksextremen so weit wie möglich definiert wird, wird Antisemitismus so eng wie möglich definiert. Leute, die die Juden ins Meer werfen wollen oder die behaupten Schwarze seien die wahren Juden und Juden seien Hochstapler oder dass der jüdische Staat der rassistischste Staat der Welt ist, werden nicht verunglimpft. Nazis sind schlimm – aber farbige Poeten oder linke Rockstars oder Palästinenserführer, die Nazi-Literatur wiedergeben, werden gefeiert und ihr Antisemitismus, wenn angeprangert wird, wird gerechtfertigt.

Das Letzte, was Juden brauchen, ist ein Antisemitismus-Beauftragter, der Antisemitismus so derbe falsch versteht, wie die Unterzeichner dieses Briefs.