Pnina Tamano-Shata: Home Sweet Home

Kay Wilson, Israellycool, April 14, 2021

Bild: Partei Yesh , CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Mit ihrem Vater, fünf Brüdern und tausenden weiterer äthiopischer Juden zog die dreijährige Pnina Tamano-Shata zu Fuß unter der brennenden Sonne durch die afrikanische Wüste aus Äthiopien in den Sudan.

Operation Moses, eine geheime und gewagte Flucht, die zwei Monate dauerte, wurde in Koordination zwischen der IDF, dem Mossad, dem Sudan und der CIA durchgeführt. Die Reise im November 1984 war gefahrvoll. Hunger, Dehydrierung und brutale Angriffe von Milizgruppen sorgten dafür, dass 4.000 Menschen in der Wüste und auch in zeitweiligen sudanesischen Flüchtlingslagern starben, wo sich die erbärmlichen Zustände infolge des Bürgerkriegs schnell noch verschlimmerten. Beim Erreichen der Flüchtlingslager warteten Flugzeuge darauf Pnina, ihre Familie und weitere Falascha-Juden nach Israel zu fliegen. Tragischerweise blieb ihre Mutter zurück.

In Israel fand sich Pnina zwangsläufig in jungem Alter in der Rolle der Erwachsenen der Familie, weil ihre Eltern Probleme hatten sich anzupassen. Wie die meisten Kinder von Immigranten nahm sie das Hebräische leicht auf. Bald war sie in einer Position für ihre Familie zu übersetzen, bei den Besonderheiten einer ungewohnten Umgebung zu helfen und mit einer neuen Kultur klarzukommen. Ab dem Alter von elf Jahren arbeitete Pnina, um ihre Familie zu unterstützen.

Für viele dieser Äthiopier ist Aliya nicht leicht gewesen. Mehrere Immigranten erzählen schüchtern Geschichten, wie sie als Kinder vor Dingen Angst hatten, die die erste Welt für selbstverständlich hält, wie den „Zauber“ einen Schalter umzulegen, und das Licht geht an.

Aber das Licht ging an. Es war ein Licht, das die Dunkelheit vertrieb. Pninas Mutter wurde lebend gefunden und nach Israel geflogen. Freudig wieder vereint ließ sich die Familie in einem Aufnahmezentrum nieder, in dem sie alle neue Ausweise erhielten. Pnina ließ den 1. November 1981 als Geburtsdatum eintragen. Aber in Wirklichkeit hat sie keine Ahnung, wann ihr Geburtstag ist, denn es gab in Äthiopien keine Dokumente, die das beinhalteten. Der 1. November ist das Datum, das sie selbst sich auswählte.

In der Oberstufe wurde sie für ein Programm für talentierte Schüler ausgewählt. Nach ihrem Militärdienst studierte sie Jura und wurde Präsidentin der Studentenunion der Äthiopier, weil sie ihnen helfen wollte ihre Rechte in Anspruch zu nehmen.

Ihre erste Arbeitsstelle hatte si als Korrespondentin des nationalen Fernsehsenders. Das öffnete ihr eine Tür in die Politik. In der Politik fühlte sie sich Zuhause. Die Politik bot ihr den Rahmen für Gerechtigkeit zu kämpfen.

Im September 2014 hörte Avera Mengistu, ein junger äthiopischer Mann, auf seine Medikamente zu nehmen und wanderte über die Grenze in den Gazastreifen. Er ist seitdem nicht wieder gesehen worden. Mengistus Familie ist sozial benachteiligt. Es ist schwer für zehn Kinder zu sorgen, mit der hebräischen Sprache zu kämpfen, in einer ungewohnten Kultur zurechtzukommen und durch den Sumpf politischer Bürokratie zu waten. Tamano-Shata hat es sich zum Auftrag gemacht ihnen zu helfen.

Tamano-Shata war die erste als Äthiopierin geborene Ministerin in der Geschichte Israels. Treffenderweise erhielt sie das Ministerressort für Aliyah und Integration.

Und in einer dieser „nur in Israel“-Geschichten, in denen lose Enden mit einem Überraschungselement verknotet werden, war es ihr politischer Chef Benny Gantz, der 36 Jahre zuvor einer der Kommandeure der Operation Moses war, die die äthiopisch-jüdische Gemeinschaft nach Israel brachte.

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