Pinhas Rutenberg: Lasst Licht sein

Kay Wilson, Israellycool, 19. April 2021

Foto: Israel Electric Coroporation (חברת החשמל לישראל) via Wikimedia Commons

Pinhas Rutenberg wurde 1879 in Romney geboren, einer russischen Stadt wohlhabender Bauern, auf der das einzigartige Kibbuz-Experiment beruhen sollte. Als Kind erhielt er eine traditionelle religiöse Bildung und ging dann auf die säkulare hebräische Oberschule. Rutenberg zeichnete sich aus. Er wurde dann in ein Ingenieurprogramm an einer erstklassigen und berühmten Fachhochschule aufgenommen.

Als junger Student war er Zeuge des Leides der Juden unter Zar Alexander III., der ein Regime nationalistischer und religiöser Unterdrückung einführte. Als jemand, der nicht den Mund hält, spielte Rutenberg eine aktive Rolle bei zwei russischen Revolutionen. Mit immer noch stürmischen gesellschaftlichen Gewässern und weil sein Leben in Gefahr war, beschloss er aus Russland nach Italien zu fliehen und vom politischen Aktivismus eine Pause zu nehmen. Er wollte in seinen Beruf zurückkehren und das Wasseringenieurwesen voranbringen. Er war allerdings besorgt wegen der bedrängten Lage der Juden. Wie Theodor Herzl glaubte auch er, dass die einzige Lösung gegen Antisemitismus die Gründung einer nationalen Heimstatt für sein Volk sei.

Sein größter Traum war es eine jüdische Armee in Eretz Yisrael zu schaffen. Ohne Waffen würden die Juden nie überleben. Er traf sich mit Politikern und Zionistenführern überall auf der Welt, um um Unterstützung zu werben. Ein Jahr nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs reiste er nach Amerika, um Gelder zu sammeln.

Fehlende Selbstverteidigung war nicht das einzige Problem in der jüdischen Heimat. Das Land hatte keine Elektrizität. Das schränkte die jüdische Selbstbestimmung ein und machte die Juden zur schwächsten Partei in der Bilanz politischer Macht. Rutenberg begriff, dass er der britischen Obrigkeit die Idee der Elektrizität verkaufen musste.

Kurz nach seiner  Ankunft brachen arabische Pogrome aus, was Rutenberg veranlasste an seinem ersten Auftrag zu arbeiten, der Gründung der Haganah. Monate später  kommandierte er erfolgreich Truppen in Tel Aviv und unterdrückte arabische Krawalle. Als die Pogrome vorbei waren, wandte er sich der Stromversorgung zu. Er wusste, dass Elektrizität die Lebensqualität aller steigern würde. Strom sind Personen egal. Strom war für alle, für Juden, Araber wie für Briten. Seine Theorie lautete: Wenn Menschen glücklich sind, gibt es weniger Ärger.

Mit Genehmigung der Briten und 3.000 Arbeitern zu seiner Verfügung zügelte Rutenberg die Flüsse Jordan und Yarmuk. Bei dieser Knochenarbeit sorgte er dafür, dass die Arbeiter optimale Bedingungen hatten, die ihre Sicherheit und anständige Lebensqualität sicherstellten. Sie bauten zudem eine Reihe großer Staudämme, die natürliche Seen schufen. Am Ausfluss eines der Seen stürzte das Wasser kolossale 27 Meter durch 3 riesige Röhren auf rotierende Turbinen.

Und dann war Licht!

Obwohl er in Tel Aviv, Haifa und Tiberias weitere Kraftwerke baute, mussten die Briten ihre geopolitischen Interessen bei den Arabern schützen, indem sie Jerusalem verweigerten Teil des Deals zu sein. Aber 1942, mitten im Krieg, hatte ihre eigene British-Jerusalem Electric Corporation es nicht geschafft die Nachfrage der Stadt zu beliefern. Daher änderten die Briten aus der Not heraus widerwillig ihre Meinung. Wie Welpen mit der Rute zwischen den Beinen kamen sie zu Rutenberg und flehten ihn an Jerusalem mit Strom zu versorgen. Nicht lange nachdem die Briten ihn anbettelten, verstarb unser Held in Jerusalem, der ewigen elektrifizierten Hauptstadt des jüdischen Volks.